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Sunnyfiny

vor 3 Jahren

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In ihrem Buch „Mayra und der Prinz von Terrestra“ erzählt Marita Grimke die Geschichte des Mädchen Mayra, die in der fernen Zukunft aus der hochtechnisierten Welt ihres Heimatplaneten Unionia, einer politischen Zentrale der Sternenföderation, zu einem anderen, 'primitiven' Planeten namens Terrestra reist. Terrestra ist eine verlorene Kolonie der Föderation, wo die Menschen abgeschnitten vom technischen Fortschritt in sehr einfachen Verhältnissen, aber in einer intakten Natur leben. Doch die Institution des terrestranischen Königtums wird durch die Ankunft der Föderations-Vertreter immer mehr strapaziert, und schließlich ist es an Mayra und dem freidenkenden Prinzen von Terrestra, sich den Umwälzungen zu stellen – und wenn es den Kampf gegen den magiebegabten König Philippus bedeutet.

Grimke und ich haben einen Manuskripttausch veranstaltet. An dieser Stelle möchte ich der Autorin ganz herzlich für ihre Initiative danken, dank derer ich ein Buch lesen konnte, das ich im Laden oder online wohl nie zur Hand genommen oder gekauft hätte. Unverhofft bin ich so zu einem sehr vergnüglichen Leseerlebnis gekommen.

Zwar haben sich meine „Befürchtungen“ vom Klappentext her größtenteils bestätigt: Es eine relativ heile Welt, die Grimke in ihrer Erstveröffentlichung heraufbeschwört. Aufeinanderprallen der Kulturen? Fehlanzeige. Nach Mayras Rettung aus misslicher Lage durch den geheimnisvollen Djuma fachsimpeln beide über Pferde, und schon bei diesem ersten Treffen ist Mayra hin und weg für den blonden, blauäugigen Jüngling. Obwohl sie erst 16 ist und Djuma 21 und an Lebenserfahrung deutlich reicher, wird diese Zuneigung schnell erwidert, und die beiden erkennen zahlreiche gemeinsame Interessen und Fähigkeiten, einschließlich Magiebegabung. Hier raste mir die Handlung oft ein bisschen zu schnell voran, sowohl was die Beziehung anging als auch die Entwicklung von Mayra vom keimfrei eingesperrten kleinen Mädchen, die den Star des Schuljahrgangs anschwärmt, zur selbstbewussten, vielseitig begabten und mutigen jungen Frau, die bei jeder Gelegenheit für Rechte und Gerechtigkeit eintritt. Oft wirkt zudem die mittelalterlich-fantasyartige Welt von Terrestra eher wie eine Art Biobauernhof, ein Gegenentwurf zu Mayras Heimatplaneten. Selbst schwerwiegende Probleme werden oft im Handumdrehen durch Naturheilmethoden oder im Zweifelsfall Magie gelöst, wodurch die Handlung oft an Spannung verliert.

Obwohl das Buch somit zahlreiche Aspekte berührt, vor denen ich normalerweise zurückscheue – süße Liebesgeschichte, reichlich Pferde- und Reitszenen, Highschool-typische Erzählstränge – habe ich dieses Buch sehr gerne gelesen. Dies liegt zum großen Teil an den sympathischen Figuren. Da wäre natürlich Mayra, die starke, eigensinnige, doch oft auch sympathisch tollpatschige Heldin. Mit Djuma, dem gutaussehende Pferdetrainer mit Licht-und-Schatten-Vergangenheit, bin ich durch seine etwas stereotype Beschreibung wie aus einem Pilcherfilm nicht so ganz warm geworden. Aber dann gibt es noch die vielen gut ausgearbeiteten Nebenfiguren, die dieses Buch zum Leben und Atmen bringen – Mayras überkandidelte Senatorinnen-Mutter, ihr Informatik-hochbegabter, doch körperlich behinderter Schulfreund Fredi, ihre Stiefgroßmutter, die Besatzung der föderalen Station auf Terrestra...

Insgesamt kann Grimke wunderbar beschreiben, und oft hätte ich mir mehr davon gewünscht! Zum Beispiel ist mir Mayras durchdesignte, künstliche und in der Beschreibung (jedenfalls soweit mir bekannt) einzigartige Heimatwelt Unionia dank der ausführlichen Beschreibungen fast mehr ans Herz gewachsen als der Planet Terrestra, der weit weniger Beschreibung abbekommt und daher ein wenig austauschbar mit anderen Fantasywelten wie z.B. aus Tintenblut wird. Zwar lösen sich Probleme auf Terrestra oft viel zu einfach durch Magie, dennoch fiel mir positiv auf, dass der „Einklang mit der Natur“ Aspekt nicht überstrapaziert wird (wie ich durch diverse an 'Avatar' anklingende Fazits hier schon befürchtet hatte). Die Autorin scheut sich nicht, auch die weniger rosigen Seiten einer technologisch beschränkten Welt aufzuzeigen, wie Unterernährung, Armut, Krankheit, Intrigen am Königshof... Mein Gefühl ist, dass diese Schattenseiten in den kommenden Büchern eine größere Rolle spielen werden und die Handlung dadurch an Tiefe gewinnen wird.

Ein weiterer großer Pluspunkt dieses Buches ist die Sprache. Grimke erzählt gradlinig und präzise, mit einer angenehmen, an Filmszenen angelehnten Kapitellänge, die sich sehr flüssig lesen lässt. Außerdem hat ihre Sprache keine Spur der Selbstverliebtheit, die mich an den Texten anderer Romantik-Indie-Autorinnen oft abstößt.

Fazit: Kitschig? Ein bisschen, aber ab und zu braucht auch die Seele einmal Urlaub. „Mayra und der Prinz von Terrestra“ ist ein lesenswertes, leichtes Buch, das viele Mädchenträume wahr werden lässt. Der Romantik-Anteil ist ziemlich hoch, und Reitszenen und -jargon gibt es ebenfalls reichlich, weshalb ich dieses Buch auch eher jüngeren und pferdebegeisterten Leserinnen ans Herz legen würde. Dennoch machen dies eine gute Sprache, sichere Dramaturgik, originelle Einfälle zur Ausgestaltung der Welten Unionia und Terrestra, und Charaktere, die man einfach gern haben muss, mehr als wett. Ich bin sicher, dass sich die geplante Trilogie um Mayra im Verlauf noch steigern wird, und freue mich schon auf den nächste Band.

Autor: Marita Grimke
Buch: Mayra und der Prinz von Terrestra

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Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 3 Jahren

Danke für die Rezi und deine zwei originellen Fantasy-Bücher, die ich lesen durfte!

Autor: Eva Dumann
Bücher: Im Zeichen der Schwäne,... und 1 weiteres Buch
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