Marita de Sterck Zuletzt die Hunde

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Inhaltsangabe zu „Zuletzt die Hunde“ von Marita de Sterck

Im Dezember 1917, mitten im Krieg, läuft der behütete Notarssohn Victor von zu Hause weg, um seinen Hund Django zu suchen. Der 17-jährige leidet an der Fallsucht und durfte das elterliche Haus und den Garten seit Jahren nicht mehr allein verlassen. Kein Wunder, dass er seinen älteren Bruder Nest (Ernest) immer beneidete, weil dieser an die Front „gedurft“ hatte. Aus dem Schreibtisch seines Vaters stiehlt Victor ein Taschenmesser, Geld sowie einen Packen Briefe seines älteren Bruders. Dann macht er sich auf den Weg. „Von heute an will Victor leben wie ein Mann“, hinterlässt er als Abschiedsbrief. Wie ein Schlag trifft ihn die Außenwelt, und das nicht nur, weil er so lange nicht mehr draußen gewesen ist. Die Welt gleicht einem Albtraum: Die Front ist zwar weit weg, im Westen Belgiens, aber der Krieg – der Hunger vor allem – hat mittlerweile das ganze Land fest im Griff. Die Menschen haben sich verändert, sind verzweifelt, fallen übereinander her, sei es aus Habgier oder hemmungsloser Sinnenfreude. Sie nehmen mit, was sie heute noch kriegen können, denn ob es ein Morgen gibt, weiß niemand. Um zu überleben, essen die Menschen, wenn sie sie zu fassen kriegen, mittlerweile sogar Hunde. Das mit den Hunden erfährt Victor auf dem Armenmarkt der Stadt. Er hört, dass es im etwa dreißig Kilometer entfernten Ort Boom eine Hundeschlachterei gibt, und er muss einfach dem Weg der Hundefänger folgen, trotz der Risiken, die das für ihn beinhaltet. Victor ist in besonderer Weise auf seinen Hund angewiesen. Django, ein Belgischer Schäferhund, spürt seine Anfälle immer einige Sekunden vorher und kann Victor damit die Gelegenheit geben, sich noch rasch hinzusetzen, oder er springt hinzu und fängt den Sturz seines Herrn ab. Django ist ein außergewöhnliches Tier. Victors drei Tage dauernde Reise führt ihn durch eine unwirtliche Gegend, wo er den allermerkwürdigsten Menschen begegnet. Er trifft vorlaute Huren (später wird er bei einer von ihnen seine Unschuld lassen), die Frau mit dem Bart, die ihr Dasein als Lumpensammlerin fristet und ihm, obwohl sie im Leben so ungefähr alles verloren hat, später das Leben retten wird, er trifft unheimliche Fährmänner und nicht zuletzt begegnet er Prosper, dem Hundeschlachter von Boom. Die Hunde drehen durch und haben nicht nur den Hundeschlachter, sondern auch die deutsche Besatzung auf den Plan gerufen, als Victor endlich dort ankommt. Statt des großen Showdowns erlebt der Junge hier allerdings wieder einen seiner schweren Anfälle, von dem er erst in Krankenhaus von Boon wieder erwacht. Wieder schleicht er sich fort, und es ist Pelle, der kleine Sohn des Hundeschlachters, der ihm den geheimen Keller seines Vaters zeigt, in dem dieser neben einigen beiseite geschafften Lebensmitteln manchmal auch verfolgte Menschen versteckt. Im Tausch dafür will Pelle, der von seinem Vater regelmäßig grün und blau geschlagen wird, mit zu Victor nach Hause, um dort als Knecht zu arbeiten. Die Spuren in Prospers Geheimkeller zeigen Victor, dass sein Hund hier gewesen ist, seinen Strick wohl durchgebissen hat und durch ein gekipptes Kellerfenster geflohen sein muss. Nach der fast noch tödlich verlaufenen Heimreise (ein gieriger Fährmann hätte Victor und Pelle ums Haar in einen Sumpf geworfen), auf der er auch seinen Hund endlich wiederfindet, kommt es zur Abrechnung im Elternhaus: Victor ist ein Mann geworden und wird sich nicht länger wie ein unmündiger Idiot behandeln lassen. Das Taschenmesser, das er zunächst für das seines Vaters hielt, hat er inzwischen als das seines Bruders erkannt, was besagt, dass dieser an der Front gefallen sein muss. Gefallen, aber nicht ehrenvoll, wie es der Vater gern hätte, was aber nicht den Tatsachen entspricht. Der tote Sohn hatte sich ja auch nicht „freiwillig“, sondern erst unter dem starken Druck seines Vaters (und auch Victors) an die Front gemeldet. Keine Legende, nichts von dem ursprünglich schönen Schein bleibt übrig. „Dieser Krieg muss aufhören“, sagt jetzt auch die Mutter, die sonst nie das Wort erhebt. Jetzt, am Abend des 1246-ten Kriegstages, dem 1. Januar 1918, liegt auch die Welt im behüteten Hause des Mechelner Notars in Trümmern.

Für mich etwas zu Hoch, dennoch eine super Geschichte, die brillant erzählt ist!

— Cubey
Cubey

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria
    Ginevra

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Vom Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges

    Zuletzt die Hunde
    Wortklauber

    Wortklauber

    Belgien 1917: Während sich sein Bruder Ernest, genannt Nest, auf Druck des Vaters „freiwillig“ an die Front gemeldet hat, wird der siebzehnjährige Victor wegen seiner Epilepsie über alle Maßen geschont. Die Mutter liebt ihren Sohn heiß und innig, leidet mit, wenn er von Anfällen geschüttelt wird; auch körperlich, davon zeugen die zahlreichen Narben an ihren Händen. Aber Liebe kann auch erdrücken: Seit Jahren hat Victor sein wohlhabendes Elternhaus nicht mehr verlassen, Aufregung wird konsequent von ihm ferngehalten, seine Kost wird streng kontrolliert, und um aufkeimende sexuelle Regungen im Keim zu ersticken, wird ihm Brom verabreicht. Allein in seiner Fantasie erlebt Victor Abenteuer: durch die Bücher Jules Vernes, heimlich natürlich. So ist ihm in dem Malinois Django der einzige Freund geblieben. Der Schäferhund hat gelernt, Victors Anfälle wahrzunehmen und anzuzeigen, bevor sie Victor selbst bewusst werden. Doch eines Tages ist Django verschwunden. Ausgestattet mit einer gewissen Barschaft, einem Taschenmesser und den Feldpostbriefen seines Bruders – aus denen ihm die Eltern immer nur Auszüge vorgelesen haben – macht er sich auf den Weg, ihn zu suchen. Außerhalb des schützenden elterlichen Anwesens findet Victor eine Welt im Ausnahmezustand vor. Mit Schrecken erfährt er, dass die ausgehungerte Bevölkerung dazu übergegangen ist, Hunde und Katzen zu essen. Auf dem Armenmarkt hört er von einer Hundeschlachterei und weiß, wo er Django suchen muss. Von Mecheln nach Boom sind es nur wenige Kilometer. Aber Entfernungen, auch kurze, können große Herausforderungen bergen, wie in einem besetzten Land und in Victors Situation. Und so wird seine Reise zum klassischen Beispiel für eine Heldenreise. Er begegnet Helfern und Widersachern, muss sich durchsetzen, sich beweisen. Nach und nach liest er die Briefe seines Bruders zum ersten Mal unzensiert. Menschen, auf die er trifft, erzählen ihm von Krieg, von ihren persönlichen Verlusten. Auch mit seinen eigenen Augen wird er Zeuge der verheerenden Auswirkungen des Krieges. So wird die grausame Realität der Zeit, in der er lebt, greifbarer für Victor als je zuvor. Dieses Jugendbuch wird für die Altersklasse "ab 14" empfohlen. Die Grundstimmung – wie sollte es anders sein – ist bedrückend, manchmal brutal, manchmal derb. Weitreichende historische Vorkenntnisse braucht man meiner Meinung nicht unbedingt, um dieses Buch zu lesen, trotz vorhandener Andeutungen, die möglicherweise nicht ohne Weiteres verstanden werden können. Jedoch kann ein starkes Buch, das wie "Zuletzt die Hunde" (im Original "De hondeneters") für sich bestehen kann, im besten Fall weiteres Interesse wecken. Mich hat dieser Roman von der ersten Seite an für sich eingenommen. Marita de Sterck, 1955 in Antwerpen geboren, erzählt in einer starken Sprache eine individuelle Geschichte vom Erwachsenwerden in Zeiten des Krieges, ohne Scheu davor, die Dinge beim Namen zu nennen. Sie hat ein Buch geschaffen, dessen Inhalt nachhallt und das ich auch als Erwachsene noch mit großem Gewinn gelesen habe.

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    Arun

    Arun

    06. June 2014 um 18:54
  • Buch-Assoziationen - Bücher passend zu Substantiven, Adjektiven und Verben lesen!

    Die Verratenen
    Daniliesing

    Daniliesing

    Hallo ihr Lieben, gerade hatte ich spontan eine Idee und vielleicht haben ja ein paar Lust dabei mitzumachen! In diesem Thema soll in jeder Woche ein anderes Wort im Mittelpunkt stehen. Dieses Wort kann eigentlich jeder Art sein, egal ob Substantiv, Adjektiv, Verb, Farbe etc. - dabei ist nur wichtig, dass man dazu gut etwas assoziieren kann. Für die erste Woche, die am 3. Mai startet, gebe ich als Wort "Muster" vor. Wenn ihr Lust und Zeit habt, dann könnt ihr in dieser Woche ein Buch beginnen, das hierzu passt. Wie ihr das Wort "Muster" für euch interpretiert, bleibt euch dabei natürlich überlassen. Hat das Cover vielleicht ein bestimmtes Muster oder handelt eine Figur im Buch nach einem bestimmten Muster? Das vorgegebene Thema soll einfach als Anregung dienen, sich vielleicht mal ein passendes Buch vom Stapel ungelesener Bücher (= SuB) zu schnappen! Natürlich soll es viele verschiedene Wörter für Buch-Assoziationen geben - genauer gesagt für jede Woche eins! Wer hier gern mitmachen möchte, kann also direkt auch ein Wort vorschlagen. Die vorgeschlagenen Wörter würde ich einfach in der Reihenfolge eurer Anmeldungen oben für die einzelnen Wochen eintragen. Wer mitmachen möchte, muss das selbstverständlich nicht in jeder Woche tun, sondern ganz so, wie man Spaß daran hat. Wenn ihr euch über die Bücher, die ihr gerade zu einem bestimmten Assoziations-Wort lest, austauschen möchtet, dann tut das bitte immer im zugehörigen Unterthema oben. Einfach auf das Thema klicken und dort eure Beiträge schreiben :-) Falls ihr Fragen und Ideen habt, richte ich dafür auch ein extra Thema ein. Nun wünsche ich uns ganz viel Spaß!

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  • Zuletzt die Hunde

    Zuletzt die Hunde
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    01. April 2013 um 23:33

    Schon bevor das Buch im letzten Jahr erschien, wartete ich sehnsüchtig darauf. Denn nicht nur der Klappentext sagte mir außergewöhnlich gut zu, sondern vor allem auch das Cover faszinierte mich. Dennoch hielt das Buch leider nicht ganz das, was ich mir davon versprach. Zwar geht es hauptsächlich um Victors Suche nach seinem geliebten Hund, aber auch der Tod seines Bruders wird sehr stark verarbeitet und stellt alles weitere so ziemlich in den Schatten. Die Schreibweise ist etwas gewöhnungsbedürftig, fällt sie doch hier und da mal etwas derbe aus. Die Kapitel sind in angenehme Häppchen unterteilt und auch das Schriftbild kommt dem Leser sehr entgegen. Allerdings würde ich das Buch erst Kindern ab 13 Jahren empfehlen und auch nur dann, wenn sie sich für das Kriegsthema besonders interessieren. Ansonsten könnte das Buch eher abschreckend wirken.

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  • Rezension: Zuletzt die Hunde - Marita de Sterck

    Zuletzt die Hunde
    Biienchen

    Biienchen

    28. March 2013 um 20:09

    Originaltitel: De hondeneters Dezember 1917. Mitten im Krieg verlässt der behütete Notarssohn Victor das elterliche Haus, um seinen Hund Django zu suchen. Die Außenwelt trifft ihn wie ein Schlag, und das nicht nur, weil er schon so lange nicht mehr draußen war. Die Welt gleicht einem Albtraum, denn der Krieg und vorallem der Hunger haben das ganze Land fest im Griff. Um zu überleben, essen die Menschen sogar Hunde. Victor ist fest entschlossen, Django zu retten. Es ist der Beginn einer verzweifelten Suche und einer Reise, die Victors Welt in ein neues Licht tauchen wird.  Aufbau und Handlung: In der Geschichte geht es um Victor. Er wächst in der Zeit des ersten Weltkrieges in Belgien auf. Sein Bruder Nest ist bereits an der Front. Seine Eltern behüten ihn und versuchen alle schlimmen Dinge von ihm Fernzuhalten. Victor ist Epileptiker und besitzt einen Hund Namens Django. Dieser warnt ihn vor seinen Anfällen und ist ihm in seinem überbehüteten und dadurch einsamen Leben ein treuer Freund geworden. Als dieser eines Morgens verschwunden ist macht sich Victor auf die Suche nach seinem Hund. Victor will sich und allen anderen Beweisen das er ein echter Mann ist und sich von seiner Krankheit nicht unterkriegen lässt. Er begegnet auf seinem Weg verschiedensten Menschen die ihn Begleiten, zum lachen und weinen bringen. Er lernt Freundschaft und Nächstenliebe ebenso kennen wie die Schattenseiten des Krieges. Und die Suche nach Django wird immer mehr auch eine Reise nach der Wahrheit. Was bedeutet der Krieg? Und wie geht es Nest? Ist er ein guter Soldat? Die ganze Reise umgibt ausserdem ein Geheimnis das sich zum Ende lüftet.   Das Buch ist in 26 kurze Kapitel unterteilt. Jedes beginnt mit einem kurzen Kapitelzusammenfassenden Satz, und dem Datum. Dadurch kann man dem Geschehen zeitlich gut verfolgen. Am Ende des Buches gibt es ausserdem noch eine hilfreiche Übersichtskarte. Auf der man Victors Weg verfolgen kann.  Zu erwähnen ist auch noch das tolle Cover! Ohne den „gefallenen Engel“ und den ungewöhnlichen Titel hätte ich das Buch wohl nicht in die Hand genommen.  Eigene Meinung: Ich bin eher durch Zufall über dieses eher ungewöhnliche Jugendbuch gestolpert. Es liess sich durch seinen einfachen Schreibstil gut und flüssig lesen. Vieles bleibt unausgesprochen und wird trotzdem klar. Vielleicht sollten in der Schule mehr Bücher wie dieses gelesen werden. Am Ende des Buches war die Botschaft auf jeden Fall zu mir durchgedrungen.   „War kills, that is all it does“. (Zitat Michael Walzer, Just and Unjust Wars)

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  • Rezension zu "Zuletzt die Hunde" von Marita de Sterck

    Zuletzt die Hunde
    Janalina

    Janalina

    13. December 2012 um 15:16

    Der Kriegsroman von Marita de Sterck ist außergewöhnlich. Man kennt Romane um und über den Krieg meist aus der Sicht von Helden, Königen, Generälen oder zu mindestens aus der Sicht gesunder Menschen. Aber so nicht in diesem Buch, hier verfolgt man die Irren und Schrecken des Krieges zusammen mit einem stark epileptischen Jungen. Allein diese seltsame Wahl für den Helden des Buches macht das Buch spannend und bringt einem dazu, das Werk nicht mehr aus den Händen zu legen. Gleichzeitig schreibt die Autorin äußerst plastisch, manchmal grausam detailreich und sehr lebendig. Ich finde auch sehr faszinierend, dass es nicht um den Krieg an sich geht, sondern um den Krieg zuhause, bei den einfachen Leuten, die trotz der Zustände weiterleben und arbeiten müssen. So bekommt der Leser auch viel von dem vermittelt, wie eben diese Menschen gefühlt haben, all die Verzweiflung, Verbitterung und teilweise Aufgabe wird deutlich und gleichzeitig das geradezu unheimliche Patriotische in ihren Herzen. Das Buch bietet einiges an Diskussionsstoff, vor allem ist es aber sehr bedrückend und ich persönlich musste nach der letzten Seite erst einmal lange über den Inhalt nachdenken und ihn sacken lassen, denn es ist durchweg melancholisch, ehrlich und traurig. Natürlich wird eine einwandfreie Botschaft, die generell gültig auf alle Kriege scheint, vermittelt. Aber der Wahrheit so ins Auge zu blicken, kann schon schwierig sein. Was das Gute daran ist, finde ich, dass man danach nicht aufhören kann. Natürlich, das Buch ist zu Ende, aber es gibt mehr Literatur und auch Hinweise im Internet rund um die Thematik, die man sich zu Gemüt führen will. Die Autorin hat hier ein Buch geschaffen, halb mitreißender Roman, halb historischer Erfahrungsbericht. Obwohl sie natürlich selbst nicht den Ersten Weltkrieg miterlebt hat, könnte man dies fasst meinen, so faszinierend und abschreckend naturgetreu ist das Buch geschrieben. Ich kann jedem, der mal was anderes lesen will, den Roman empfehlen, es lohnt sich sehr! Trotzdem würde ich es erst ab 16 Jahren nahelegen, da einige Szenen tatsächlich sehr grausam oder verstörend sind.

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  • Rezension zu "Zuletzt die Hunde" von Marita de Sterck

    Zuletzt die Hunde
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. October 2012 um 12:16

    Mechelen in Belgien im letzten Jahr des Ersten Weltkrieges. Der fast 18-jährige Victor Vervort leidet an Fallsucht und kein Tag vergeht, an dem er nicht von wenigstens einem "Grand Mal", einem großen Anfall, von den Füßen gerissen wird. Er wächst, anders als sein älterer Bruder Ernest, überbehütet auf. Mit sorgenvoller Strenge wachen seine ängstlichen Eltern über seinen Alltag. Doch Victor möchte seinem gesunden Bruder, der als Freiwilliger in den Krieg zog, in nichts nachstehen und sehnt sich nach einem Leben voller Abenteuer, auch wenn sie ihn in Gefahr brächten. Als sein geliebter Hund Django, ein belgischer Schäferhund mit einem besonderen Sinn für Victors Epilepsieanfälle, plötzlich verschwunden ist, bricht er aus der häuslichen Sicherheit aus, um seinen treuen Freund zu suchen. Klirrend kalte Dezemberkälte, Schrecken und Gräuel des wütenden Krieges und quälender Hunger, der die Menschlichkeit außer Kraft zu setzen scheint, versetzen den jungen Mann in panische Angst um seinen Hund. Dennoch trotzt er auf seinem schweren Weg durch das Niemandsland allen Hindernissen und erfährt erstmals das Gefühl echter Freundschaft und Nächstenliebe, aber leider auch eine zutiefst traurige, grausame Wahrheit. Nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, musste ich die Geschichte erst einmal sacken lassen. Das ist schon schwer verdauliche Literatur-Kost, die der jungen Zielgruppe der 14- bis 17-Jährigen zugemutet wird! Natürlich ist die vermittelte Botschaft auf jede Form eines Krieges oder auch gewalttätiger Auseinandersetzung anwendbar, aber mich wunderte doch die große Affinität der belgischen Autorin zum Ersten Weltkrieg (auch Morgen, wenn Frieden ist stammt aus ihrer Feder und handelt z.T. in der gleichen Zeit). Es ist ein historischer Roman, der jedoch so ganz ohne Vorkenntnisse der Situation des eigentlich neutralen Belgiens im Grand Guerre, während der vier Jahre deutscher Besatzung durch die "teutonische Barbarei", aber auch die spezifische Problematik des flämisch-wallonischen Konfliktes, stellenweise unverständlich ist. Der Stoff ist nicht gerade das, worauf junge Leser heute freiwillig "abfahren", wenn es sich nicht um Unterrichtsmaterial handelt. Die Thematik ist natürlich nach wie vor aktuell und die gekonnt erzählte Geschichte bietet reichlich Diskussionsbasis und Raum zur ethischen oder religiösen Betrachtung. Zitat: "... Kinder herzugeben, das ist die Welt auf den Kopf gestellt. Aber Kindeskinder zu verlieren, das ist das Ende der Welt. ... Kein Weihwasserbecken, kein zehnstündiger Psalm, keine Tonne Weihrauch kann das heilen. Für mich hört die Erde auf, sich zu drehen. ..." Sehr sensibel und für mich stimmig, wurde vom Oetinger-Verlag das Coverbild gewählt, das mich mit dem vielfach deutbaren Motiv des Gefallenen Engels berührt (z.B. das christliche Engelsturz/Höllensturz-Motiv, das sich auf das ENDE ALLER ZEITEN/Apokalypse bezieht oder aber das VERLORENE PARADIES oder ...). Ist es Zufall, dass ausgerechnet der flämische Maler Pieter Brueghel ein Gemälde mit dem Namen "Der Sturz der rebellierenden Engel" schuf? Natürlich könnte man auch ganz schlicht den, durch seine Epilepsie-Erkrankung immer wieder stürzenden Victor in diesem Engel erkennen. Ob durch eine unglückliche Übersetzung verursacht, vermag ich nicht zu sagen, aber manche Sätze/Passagen musste ich mehrfach lesen, um zu einem logischen Verständnis zu gelangen. Aber das soll nur eine Randnotiz sein zu meinem letztlich doch eher verhaltenen Gesamturteil. Ich mag den Erzählstil und die Figuren. Ich mag die Essenz und die gedankliche Initialzündung. Ich weiß natürlich um den Wahrheitsgehalt der grausigen Details dieser Geschichte, habe aber ein erhebliches Problem mit der bedrückenden Stimmung, der anhaltenden Melancholie, Trauer und Verzweiflung, die gerade wegen ihrer geschichtlichen Realität an jungen Seelen fressen könnte, zumal auf ein komplettes Happy-End ebenfalls verzichtet wurde. Kriege haben ja auch keines. "War kills, that is all it does." (Eröffnungszitat von Michael Walzer, Just and Unjust Wars). Der persönliche Gewinn erschließt sich vermutlich nur in Gemeinschaft mit anderen Zeitdokumenten und Gesprächen. Ein einfacher Unterhaltungsroman für Jugendliche ist dieses Buch nicht. Euer Turner

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