Mark Graham

 4,4 Sterne bei 8 Bewertungen

Lebenslauf

MARK GRAHAM ist Professor für Internet-Geografie am Oxford Internet Institute der Universität Oxford, wo er auch die Fairwork Foundation leitet, ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin, das Unternehmensstandards in der Plattformökonomie misst und faire Lösungen entwickelt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Mark Graham

Cover des Buches Schwarze Schatten (ISBN: 9783822501351)

Schwarze Schatten

(1)
Erschienen am 01.02.1993
Cover des Buches The Killing Breed (ISBN: 9780380800667)

The Killing Breed

(1)
Erschienen am 01.12.1998

Neue Rezensionen zu Mark Graham

Cover des Buches Feeding the Machine. Hinter den Kulissen der KI-Imperien (ISBN: B0F7LZSC4G)
Books-change-lifes avatar

Rezension zu "Feeding the Machine. Hinter den Kulissen der KI-Imperien" von James Muldoon

Books-change-life
Einblicke in die Welt von KI.

Bei „Feeding the machine“ handelt es sich um ein Sachbuch, das sich mit den Arbeitsbedingungen rund um die KI beschäftigt. Es zeigt nicht nur die schlechten Arbeitsbedingungen verschiedener Arbeiter, die Auswirkungen für Künstler und KI-Tech-Mitarbeiter, sondern auch die Folgen, die es mit sich bringt.

 

Dieses Buch hat mir gezeigt, wie komplex die ganze Thematik ist und dass nicht nur einzelne an dem System etwas verändern können, sondern nur alle gemeinsam. Aufgrund der Komplexität konnte ich ohne Vorwissen nicht immer sofort jedem Punkt folgen. Aber es war ungemein interessant Parallelen aufgezeigt zu bekommen, wie sich die KI-Entwicklung an der Kolonialisierung und Industrialisierung orientiert. Nie habe ich mir zuvor Gedanken gemacht, welche Auswirkungen es hat, wenn ich bei Social Media ein Bild melde, was Annotatoren sind und unter welchem Druck diese Menschen arbeiten müssen.

 

Es wird strukturiert vorgegangen. Hin und wieder gibt es philosophische Ansätze, die zum Nachdenken anregen. Die weitreichenden Einblicke verhelfen, sich später gezielt mit einzelnen Themen zu beschäftigen, über die man vorher vermutlich nicht Bescheid wusste. Immer wieder wandern wir in die Vergangenheit zurück, um gewisse Verbindungen herzustellen.

 

Wichtigster Ansatz des Ganzen: Was können wir tun, dass die KI für uns arbeitet und nicht wir für die KI. Wir sollten nicht als Brennstoff für diesen riesigen Apparat dienen.

 

Das Kapitel der Künstlerin war für mich besonders wichtig und interessant. Ich mochte den Denkansatz, dass Kunst die Grenzen der Menschen erweitert. KI nutzt in der Kunst lediglich Bezugspunkte aus der Vergangenheit und somit besteht wenig Raum für Kreativität und Innovation. Ebenso kennt KI nicht das Gefühl eines schönen Morgens, wenn man neben einem geliebten Menschen aufwacht oder wie sich Kämpfe in Schützengräben in modernen Kriegen anfühlen.

 

Jeder Einzelne muss seinen Beitrag leisten, damit der Mensch und nicht der Kapitalismus zählt.

 

Ob mit oder ohne Vorkenntnisse, es ist auf alle Fälle empfehlenswert. Die Stimme von Stefan Kaminsky empfand ich als sehr angenehm und passend.


Demaskiert die Ausbeutung

Bei maschinellem Lernen denken die meisten wohl an sterile Rechenzentren, in denen Riesencomputer leise vor sich hinsurren. Dieses wichtige Buch zeigt, dass ein Mythos ist. Die angebliche „künstliche“ Intelligenz funktioniert nur, weil Millionen von Menschen diese Maschine füttern, wie der Titel schon sagt. Dies tun sie meist in ausbeuterischen Jobs. Und die KI befördert wiederum, dass Kontrolle und Ausbeutung in immer mehr Jobs um sich greift. Diese Mechanismen machen die drei Autoren, die seit Jahren zu diesem Thema forschen und mit unzähligen Menschen gesprochen haben, die Teil dieser ausbeuterischen „Extraktionsmaschine“ sind.

„Wenn wir KI-Produkte nutzen, klinken wir uns direkt in die Leben dieser über den ganzen Globus verstreuten Arbeiter und Arbeiterinnen ein. Wir sind, ob wir es wollen oder nicht, mit ihnen verbunden. Genauso wie das Kaffeetrinken den Kaffeetrinker in ein globales Produktionsnetzwerk von der Bohne bis zur Tasse einspannt, (…)“

Idealtypisch stellt uns das Buch so sieben Berufsfelder vor: Annotatorin, Ingenieurin, Techniker, Künstlerin, Logistiker, Investor, Aktivist. Anhand ihrer Tätigkeiten fächern die Autoren die unterschiedlichsten Aspekte auf, die Grundlage der KI-Produktion sind. Scheinbare selbstfahrende Autors können z.B. nur deswegen „selbstfahren“, weil Menschen wie Anita in Uganda am Computer sitzen und Fotos kategorisieren und anmerken. Zentral ist der Gedanke, dass die kapitalistische Ausbeutung nichts Neues ist, schon die Optimierungen des Fließbandes unter Ford führte zu mehr Kontrolle und Überwachung, KI diese aber auf ein neues Level heben kann. Beim Kapitel über die Investitionen wird die kalifornische Form des Investments schon auf den Genozid an den Indigenen dort zurückgeführt und zudem das Märchen des freien Marktes gebrochen: Ein Großteil der Techinvestitionen stammt aus dem Staatshaushalt zur Entwicklung von Rüstungstechnologie im kalten Krieg. Gerade diese vermeintlichen Schlenker, die das große Bild ergänzen, in Kombination mit den ganz persönlichen Geschichten der KI-Arbeiter*innen begeistern mich bei diesem Buch. Dazu liefert es auch Hoffnung und stellt die Bedeutung von Solidarität und Gewerkschaften heraus, auch, wenn diese in einem transnationalen Markt durchaus Schwierigkeiten haben. Aber verloren ist da noch nichts.

Mir gefiel sehr gut, dass das Buch immer mal wieder Schlussfolgerungen und Bezüge zwischen den verschiedenen Kapiteln herstellt. Das war gerade bei der Lektüre als ungekürztes Hörbuch sehr hilfreich. Die nüchterne Lesung von Stefan Kaminsky, die aber gleichzeitig den Arbeiter*innen eine sehr nahbare Stimme gab, gefiel mir sehr gut.

Trotzdem gab es hier immer mal wieder Redundanzen, gerade in Bezug auf die Bedeutung von Gewerkschaften. Da wäre stattdessen noch Platz gewesen, um u.a. die ideologischen Hintergründe von Big Tech zu beleuchten, u.a. der Transhumanismus von Peter Thiel und Co. kommt nur ganz am Rande vor. Genau wie auch die staatliche Überwachung durch eine Software wie Palantir nur am Rande gestreift werden, das kann aber auch daran liegen, dass es hier um die Arbeitswelt geht. Diese Redundanzen, die mir auffielen, sind dann auch der Grund, warum ich schwanke, ob ich 4,5 Sterne vergebe und aufrunde, oder es in der Konsequenz doch nur ein 4 Sterne-Buch ist.

Am allerwichtigsten ist allerdings der Gedanke, dass KI keine übermächtige Technik ist, die alles neutral beurteilen kann. KI ist weder übermächtig, noch neutral, noch selbstlernend. Und es gibt durchaus auch Interessen, dass sie als übermächtig dargestellt wird, weil so noch mehr Geld in ihre Entwicklung gepumpt wird, egal wie viele KI-Unternehmen schlussendlich pleite gehen werden. Obwohl KI nicht übermächtig ist – und die SciFi-Gefahr eine Auslöschung der Menschheit maximal in mehreren Jahrzehnten eine Rolle spielen dürfte – gefährdet sie schon jetzt unser aller (Arbeits)Leben, weil durch die mögliche Überwachung unsere Freiheit als Individuen schon jetzt massiv beschränkt.

Weil diese Gedanken so wichtig sind, runde ich meine 4,5 Sterne auf. Ich empfehle das Buch allen, die mehr über die Welt hinter der KI lernen wollen. Das gelingt in diesem Buch sehr anschaulich.

Demaskiert die Ausbeutung

Bei maschinellem Lernen denken die meisten wohl an sterile Rechenzentren, in denen Riesencomputer leise vor sich hinsurren. Dieses wichtige Buch zeigt, dass ein Mythos ist. Die angebliche "künstliche" Intelligenz funktioniert nur, weil Millionen von Menschen diese Maschine füttern, wie der Titel schon sagt. Dies tun sie meist in ausbeuterischen Jobs. Und die KI befördert wiederum, dass Kontrolle und Ausbeutung in immer mehr Jobs um sich greift. Diese Mechanismen machen die drei Autoren, die seit Jahren zu diesem Thema forschen und mit unzähligen Menschen gesprochen haben, die Teil dieser ausbeuterischen "Extraktionsmaschine" sind.

„Wenn wir KI-Produkte nutzen, klinken wir uns direkt in die Leben dieser über den ganzen Globus verstreuten Arbeiter und Arbeiterinnen ein. Wir sind, ob wir es wollen oder nicht, mit ihnen verbunden. Genauso wie das Kaffeetrinken den Kaffeetrinker in ein globales Produktionsnetzwerk von der Bohne bis zur Tasse einspannt, (…)“

Idealtypisch stellt uns das Buch so sieben Berufsfelder vor: Annotatorin, Ingenieurin, Techniker, Künstlerin, Logistiker, Investor, Aktivist. Anhand ihrer Tätigkeiten fächern die Autoren die unterschiedlichsten Aspekte auf, die Grundlage der KI-Produktion sind. Scheinbare selbstfahrende Autors können z.B. nur deswegen „selbstfahren“, weil Menschen wie Anita in Uganda am Computer sitzen und Fotos kategorisieren und anmerken. Zentral ist der Gedanke, dass die kapitalistische Ausbeutung nichts Neues ist, schon die Optimierungen des Fließbandes unter Ford führte zu mehr Kontrolle und Überwachung, KI diese aber auf ein neues Level heben kann. Beim Kapitel über die Investitionen wird die kalifornische Form des Investments schon auf den Genozid an den Indigenen dort zurückgeführt und zudem das Märchen des freien Marktes gebrochen: Ein Großteil der Techinvestitionen stammt aus dem Staatshaushalt zur Entwicklung von Rüstungstechnologie im kalten Krieg. Gerade diese vermeintlichen Schlenker, die das große Bild ergänzen, in Kombination mit den ganz persönlichen Geschichten der KI-Arbeiter*innen begeistern mich bei diesem Buch. Dazu liefert es auch Hoffnung und stellt die Bedeutung von Solidarität und Gewerkschaften heraus, auch, wenn diese in einem transnationalen Markt durchaus Schwierigkeiten haben. Aber verloren ist da noch nichts.

Mir gefiel sehr gut, dass das Buch immer mal wieder Schlussfolgerungen und Bezüge zwischen den verschiedenen Kapiteln herstellt. Das war gerade bei der Lektüre als ungekürztes Hörbuch sehr hilfreich. Die nüchterne Lesung von Stefan Kaminsky, die aber gleichzeitig den Arbeiter*innen eine sehr nahbare Stimme gab, gefiel mir sehr gut.

Trotzdem gab es hier immer mal wieder Redundanzen, gerade in Bezug auf die Bedeutung von Gewerkschaften. Da wäre stattdessen noch Platz gewesen, um u.a. die ideologischen Hintergründe von Big Tech zu beleuchten, u.a. der Transhumanismus von Peter Thiel und Co. kommt nur ganz am Rande vor. Genau wie auch die staatliche Überwachung durch eine Software wie Palantir nur am Rande gestreift werden, das kann aber auch daran liegen, dass es hier um die Arbeitswelt geht. Diese Redundanzen, die mir auffielen, sind dann auch der Grund, warum ich schwanke, ob ich 4,5 Sterne vergebe und aufrunde, oder es in der Konsequenz doch nur ein 4 Sterne-Buch ist.

Am allerwichtigsten ist allerdings der Gedanke, dass KI keine übermächtige Technik ist, die alles neutral beurteilen kann. KI ist weder übermächtig, noch neutral, noch selbstlernend. Und es gibt durchaus auch Interessen, dass sie als übermächtig dargestellt wird, weil so noch mehr Geld in ihre Entwicklung gepumpt wird, egal wie viele KI-Unternehmen schlussendlich pleite gehen werden. Obwohl KI nicht übermächtig ist – und die SciFi-Gefahr eine Auslöschung der Menschheit maximal in mehreren Jahrzehnten eine Rolle spielen dürfte – gefährdet sie schon jetzt unser aller (Arbeits)Leben, weil durch die mögliche Überwachung unsere Freiheit als Individuen schon jetzt massiv beschränkt.

Weil diese Gedanken so wichtig sind, runde ich meine 4,5 Sterne auf. Ich empfehle das Buch allen, die mehr über die Welt hinter der KI lernen wollen. Das gelingt in diesem Buch sehr anschaulich.

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