„Abgedreht – Meine Frau, unsere Liebe und die Psychose“ von dem Ehemann und Autor Mark Lukach ist ein ehrlicher Erfahrungsbericht, eine Biografie, die seine Beziehung, Ehe, Vaterschaft und sein eigenes Leben mit der psychischen Erkrankung seiner geliebten Frau Giulia beschreibt, die erstmalig in jungen glücklichen Jahren aus dem Nichts an einer heftigen Psychose mit anschließender monatelanger Depression erkrankt. Zusammen mit dem Autor Mark Lukach erleben wir Leser, Interessierten oder Betroffenen, wie sich das Leben aller beteiligten von einem Moment auf den anderen für immer grundlegend verändern wird, was es heißt, mit einer solchen trügerischen Erkrankung zu leben und zu lieben. Dieses Themengebiet war für mich als neugierige Leserin völlig neu, der Klapptext sprach mich an und die verständnisvollen Nuancen aus Titel und Untertitel machten mich aufmerksam auf diesen Erfahrungsbericht. Dieses ehrliche, schonungslose, verstörende, offene, klärende, berichtende, gefühlvolle, lehrende, nachdenkliche Buch öffnet dem Leser die Augen. Ob nun als Betroffener, Angehöriger, Außenstehender, Ahnungsloser, Interessierter oder als Experte, es lohnt sich, Mark Lukachs Geschichte zu erfahren. Das Einschleichen, der Erkrankung, die Symptome, der dennoch plötzliche Ausbruch, das Lernen aus den Erfahrungen, die Wiederkehr der Schübe, das das Leben nun ganz anders funktionieren kann und muss, das eine Begleitung eines Erkrankten in all seinen Stadien der Krankheit auch eine Bereicherung und unfassbare Intensität bieten kann. Hier spricht eine wahre Geschichte, und diese einfühlsamen Erlebnisse und Erzählungen des Ehemannes öffnen die Augen, bieten einen Blickwinkel und regen zum Nachdenken an. Familienoberhaupt und Autor Lukach berichtet nicht nur von seinen Erlebnissen mit seiner psychotisch und depressiven Frau, nein, er zeigt die Schatten- sowohl auch die Sonnenseiten, er zeigt die Hoffnung, blickt auf die Arbeit der Therapeuten und Ärzte, der Freunde und Verwandten, durchleuchtet Behandlungsmöglichkeiten, Unterstützung und Hilfe. Mark Lukach versucht den Umgang mit einer Psychose zu erleichtern und Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Dass dies nicht immer gelingt, und es Tiefphasen und dunkle Löcher gibt, versteht sich von selbst. Besonders ehrlich darüber spricht der Autor und gibt einen ehrlichen und warmen Blick in sein persönliches Familienleben. Mark Lukach öffnet die Tür zu seinem Zuhause, zu den unterschiedlichen Kliniken, zum Engagement der Freunde und Eltern, zur Beziehung zu dem gemeinsamen Sohn Jonas und Bulldogge Goose. Mark Lukach schreibt als Vater, Ehemann, Betroffener und Angehöriger zugleich, er hat es sich in seinem bewegenden und erklärenden Buch "Abgedreht – Meine Frau, unsere Liebe und die Psychose" mit seinen gesammelten Eindrücken, Erfahrungen und Berichten zur Aufgabe gemacht zu informieren, aufzuklären, Hoffnung zu schenken und ein Anreiz für den Glauben an die Liebe, die alles besiegt zu geben.
Ein lohnendes Buch, welches mit viel Herz, Humor, Lachern, Wissen, Hintergründen, Offenheit, Trauer, Schmerz, Bürokratie, Rückschlägen, Aufopferung und Wahrheit trumpft!
Erschienen im Fischer Verlag
Inhaltsangabe / Klapptext (vom Verlag übernommen):
"Eine moderne Love Story, wie sie das Leben schreibt: spannend, anrührend, außergewöhnlich
Mark und Giulia sind 18, als sie sich ineinander verlieben. Mit 24 heiraten sie. Als Giulia 27 ist, erleidet sie ihren ersten psychotischen Schub und muss in die Psychiatrie eingeliefert werden: An einem Tag ist sie lebenslustig und voll Energie, am nächsten tief deprimiert und suizidgefährdet.
Sie wird als geheilt entlassen und Mark und Giulia bekommen einen Sohn, aber kurz nach der Geburt hat Giulia den nächsten Zusammenbruch, kurz danach einen dritten. Und alles, was dem jungen Paar sicher schien, wird auf den Kopf gestellt, nur ihre Liebe nicht.
»Abgedreht« ist die berührende und außergewöhnliche Geschichte einer großen Liebe eines Mannes zu seiner psychisch kranken Frau. Mark hält zu Giulia, und sie kommt immer wieder zurück ...“
Warum habe ich dieses Buch entdeckt und gelesen?
Für mich war es der Titel und der Klapptext, die mich ansprachen. Weniger das farblich nicht ansprechende Cover (obwohl ich eher eine Cover-Käuferin bin). Bis ich das Buch begonnen hatte, war mir nicht bewusst, dass es sich hier um eine wahre Geschichte, um einen tatsächlichen Erfahrungsbericht handelt und der Protagonist, Mark, gleichzeitig auch der Autor des Buches ist. Aus einem erwarteten fiktiven Roman, einer angepriesenen außergewöhnlichen Liebesgeschichte, wurde für mich ein berührender, aufrüttelnder und schockierender Erfahrungsbericht, der allen Lob und alle Hochachtung verdient. Mit dieser Erkenntnis erhielt dieses Buch einen ganz besonders hohen und respektvollen Stellenwert. Noch niemals zuvor bin ich mit dem Thema Psychose, psychische Erkrankungen, Depressionen oder Manie in Berührung gekommen, dieses Buch hat meinen Blickwinkel erweitert und mich sehr nachdenken lassen. Auch wenn ich dieses Buch, was nun doch keine fiktive Liebesgeschichte werden sollte, nur als neutrale Leserin erfahren durfte, zeigt es mir deutlich, wie schnell sich das Leben ändern kann und aus einer normalen Beziehung oder Lebenssituation ein solcher tragischer und alles verändernder Lebensumstand werden kann. Heftig, plötzlich und radikal. Ich bereue keine einzige Zeile von diesem erklärenden, verständnisvollen, traurigen und hoffnungsvollen Buch. Giulias Ehemann schreibt faszinierend und berührend ehrlich und ein jeder Betroffener dürfte sich verstanden fühlen. Erwartet hatte ich wie erwähnt eine berührende Liebesgeschichte, bekommen habe ich einen ehrbaren Erfahrungsbericht mit allen Facetten.
Schreibstil:
Besonders beeindruckend empfinde ich den wahnsinnig nahen und ehrlichen Einblick in das Leben der Lukachs als junges Liebespaar im zarten Alter von etwa 18 Jahren, später als Ehepaar, dann als Eheleute, die mit einer Psychose konfrontiert werden, dann als Elternpaar in einer gesunden Phase, kurze Zeit darauf als Elternpaar mit einem Baby und einer psychiotischen und depressiven Phase, dann als stigmatisierte Familienkonstellation geprägt von Angst, Schuld, Vorsicht, Zuversicht, Rücksicht…. Und und und…. Mark Lukach nimmt kein Blatt vor dem Mund, er spricht und schreibt über seine Frau so, wie er sie in jeweiligen Phasen sah und erlebte, er beschreibt aber auch sich selbst als den Menschen, der er zur jeweiligen Situation für seine Frau Giulia und seinem Sohn Jonas und seinem gesamten Umfeld sein konnte. Mark Lukach belügt sich nicht selbst, auch er hat nur nach bestem Wissen und Gewissen agiert, auch er ist nur ein Mensch, er hat eine riesige Bürde zu tragen und baut auf die Kraft der Liebe. Mit der plötzlichen Psychose seiner Frau verändert sich das Leben des Autors radikal und grundlegend, was er sehr gekonnt beschreibt. Man spürt beim Lesen dieses Erfahrungsberichtes einfach auch, dass es der Autor beherrscht zu sprechen und zu schreiben, dass er seinen Gefühlen Ausdruck verleihen kann. Da Mark Lukach stets seine eigenen Erfahrungen mit der Erkrankung seiner Frau in diesem Buch niederschreibt, bekommt es unheimlich viel Tiefe und Nähe, zeigt besonders die eine Seite aus der Situation, wo man einen Menschen begleitet, der einem lieb ist und zu dem man sich schon immer verbunden gefühlt hat. Die etwas traurige und zehrende Seite jemanden zu begleiten, den man durch die Erkrankung auch als Last oder als Groll empfindet, wird hier ebenfalls ehrlich und erschütternd manifestiert und von Lukach wiedergegeben.
Meinung:
Dieses Buch zeigt uns, dass es auch anders geht. Der Umgang mit Depression, Psychose und der Gratwanderung der nächsten Schritte muss nicht zwangsläufig hoffnungslos und belastend sein. Zwar werden auch Fakten genannt, die schonungslos den Ist-Zustand unserer Ressourcen und die Schwierigkeiten mit dem Umgang der Therapie und Genesung, der Rückfälligkeit und dem Strudel aus Angst und Sorge und der behördlichen und pflegerischen Wege aufzeigen, aber es gibt Lichtblicke, wenn man auch außergewöhnliche Wege gehen will. Hier berichtet der Autor von sich und seinen Erfahrungen und persönlichen Entscheidungen. Ja, das Buch hat mich arg überrascht, es hat mich gefesselt, bewegt und aufhorchen lassen. Erstmalig mit dem Thema konfrontiert bin ich nun neugierig, etwas mehr über das Thema zu erfahren. Ich denke, dieses biografische Buch darf man gern Betroffenen empfehlen. Es dürfte als guter Anker und greifbarer Hoffnungsschimmer dienen. Dieser Erfahrungsbericht von Mark Lukach und seiner Frau Giulia erzählt von Freundschaften und Kontakten, die sie schließen, von Menschen, die ihnen wohlgesonnen sind. Es erzählt jedoch nicht, ob sich auch Freunde oder Verwandte ihnen abgewandt haben. Entweder war es dem Autor nicht wichtig, damit zu belasten, oder das Umfeld der Eheleute Lukach war so gefestigt, dass es diese Situation gar nicht gibt.
Sehr sehr bewegende und auch Mut machende Themen und Momente werden hier verarbeitet, die aus dem wahren Leben stammen und die den Umgang mit dem geistigen Wahnsinn einer Psychose und Depression, sowie der schwierigen Diagnose und Medikation darstellen und später all die Lebensfreude in Rückblenden aufzeigen. Hier wird, ist und bleibt der Mensch Mensch!!! Das Gelesene geht nahe, bewegt und informiert. Man wird den Vater, aber auch den Ehemann Lukach mit seinem wohlwollenden, aufopfernden und beherzten Handeln ins Herz schließen, trotz oder gerade wegen seiner gravierenden ehrlichen Ausführungen und Schilderungen der jeweiligen Ist-Situation und Momentaufnahme von Emotionen geprägt. Ungefiltert, nah und ehrlich.
Je nachdem in welcher Gefühlslage man sich beim Lesen befindet, stoßen manche Äußerungen eventuell auch sehr an und provozieren vielleicht den ein oder anderen Betroffenen, Angehörigen oder interessierten Leser gar. Da das Buch doch sehr hoffnungsvoll, schön und optimistisch geschrieben ist, was mir sehr gefällt und zusagt, so stimmt es andere Leser und Betroffene bestimmt auch traurig, da sie diese geschilderten Emotionen und diese nahe Verbindung zueinander nicht spüren oder erleben in ihrem persönlichen Umfeld oder Fall… Der Leser hat immer die Möglichkeit zu verstehen, und seinen Blickwinkel zu verstellen. Pluspunkt ist, dass Mark Lukach nicht in üblicher Sachbuchmanier informiert, sondern überwiegend den Menschen und seine eigene persönliche Lebensgeschichte sprechen lässt. Somit erreicht er die Leser und weckt eine Spirale aus Gedanken und Hoffnung und Tatendrang gepaart mit einem wundervollen Beweis, dass Liebe stark macht. Ich habe bei diesem Buch geweint, gehofft, gelacht und Zuversicht für alle Betroffenen geschöpft.
Großes Lob geht aber an den Mut des Autors seinen Lebensabschnitt, seine Erfahrungen mit seiner kranken Frau offenzulegen und diese Lebenserfahrung in dem Buch für andere zugänglich zu machen. Ich bin sehr bewegt und wurde sehr intensiv mit dem Thema vertraut gemacht, auch wenn es nur ein Fallbeispiel ist und nicht den gesamten Alltag und alle individuellen Möglichkeiten, Verläufe und Umgänge schildert. Aber wie sollte es auch? Autor Lukach will seinen persönlichen Lebensabschnitt, den er mit seiner Frau Giulia teilt, erzählen.
Ganz besonders hervorheben möchte ich den Persönlichkeitsfaktor des Buches, das durch die Danksagung nochmals an Intensität gewinnt.
Der Autor:
"Mark Lukach arbeitet als Lehrer und freiberuflicher Autor für die »New York Times«, den »Atlantic«, den »Pacific Standard«, »Wired« und andere. Er lebt mit seiner Frau Giulia und dem gemeinsamen Sohn Jonas in der Nähe von San Francisco."
Fazit:
Sehr persönlich, bewegend, hoffnungsvoll, herzlich, humorvoll, nah, intensiv, traurig, erschütternd, tragisch und so voller Liebe, dass es das ganze Herz und alle erdenklichen Emotionen ausfüllt. Keine moderne Love-Story, wie angepriesen, sondern ein ehrlicher und sehr zu empfehlender Erfahrungsbericht. Ein Buch, was sich für jeden lohnen sollte. Eine absolute Leseempfehlung für die, die sich mit dem Thema befassen möchten, betroffen sind, oder einfach mehr erfahren möchten. 5 Sterne, ganz klar!