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Rezension zu "Was in Syrien tatsächlich geschieht" von Mark Taliano

"Für die Imperialisten ... ist Völkerrecht etwas, über das man sich getrost hinwegsetzen kann"
R_Mantheyvor 2 Jahren

An diesem Satz (S. 41) kann man das Problem gut erklären, das man mit diesem Buch haben kann. Auf der einen Seite stimmt er, nimmt man einmal die schwammige Bezeichnung "Imperialisten" weg und ersetzt sie zum Beispiel durch "USA". Auf der anderen Seite ist es gerade dieser Begriff, der schon ankündigt, dass man es bei diesem Werk nicht mit einem Sachbuch zu tun hat, sondern mit einer "antiimperialistischen" Kampfschrift. Dem sachlichen Inhalt kann man größtenteils zustimmen, doch Stil, Aufbau und Sprache dieses Buches sind problematisch, weil sie sich trotz des sicher meistens richtigen Inhalts  allein auf eine Art Gegenpropaganda gegen die irreführenden Berichte westlicher Medien beschränken. 


Man kann das grundsätzliche Problem dieses Textes auch an einem Beispiel erläutern. Der Autor erklärt, dass die "Imperialisten" bereits den Irak und Libyen ins Chaos geführt hätten, wenngleich mit unterschiedlichen Methoden. Sucht man im Text nach den Gründen und Motiven, dann erfährt man nur, dass die "Imperialisten" die Globalisierung durchsetzen wollen. Das ist platt und dünn. Nur das Motiv der Israelis wird einigermaßen plausibel erläutert. Denen, so der Autor, geht es um einen Puffer zwischen sich und dem Iran. Warum jedoch die Golfstaaten und die Saudis da mitspielen, die sicher andere Interessen besitzen als Israel, erfährt man nicht. Ebenso scheint der Autor außerstande zu sein die Interessen der USA, der EU und der Türkei, die in diesem Krieg Partei sind, zu erhellen. Auch Russlands erhebliches Engagement bleibt unerklärt. 


Was man also aus diesem Buch tatsächlich erfährt, sind ein paar Tatsachen und viele Meinungen anderer Personen, die der Autor zitiert. Zu den Tatsachen gehört die Erklärung, dass es sich bei diesem Zerstörungsfeldzug um einen Krieg gegen Syrien handelt, bei dem versucht wird, mit fremden (nicht staatlichen) Truppen ein "Regime Change" herbeizuführen, um danach eigene Interessen durchzusetzen. Diese ausländischen "Rebellen" werden von ausländischen Mächten finanziert und ausgerüstet. Es gibt keinen wesentlichen Unterschied zwischen dem IS und anderen Gruppen. Alle sind mehr oder weniger Produkte westlicher Interessen, die inzwischen außer Kontrolle geraten sind. 


Es fehlen in diesem Buch bis auf wenige Ausnahmen nicht nur die sachlichen Hintergrundinformationen, sondern auch die Beweise für viele Behauptungen. Auch wenn man die Legalität des Assad-Regimes völkerrechtlich akzeptieren muss, so besteht dennoch kein Grund in Lobeshymnen über die Assad-Dynastie auszubrechen, wie das der Autor tut. Auch hier wird deutlich, dass ihm der Abstand und leider auch ein wenig der Durchblick fehlen. Beim Titel dieses Buches könnte man auf die Idee kommen, dass man tieferliegende Zusammenhänge erfährt. Doch das ist leider nicht der Fall. Was bleibt, ist ein Buch, das erklärt, wie einige tatsächliche Zustände nach der Erfahrung des Autors und anderer von ihm zitierter Menschen in Syrien aussehen. Größtenteils scheint das glaubwürdiger zu sein als die westliche Medienkampagne gegen Assad. 

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