Mark Twain Die schreckliche deutsche Sprache

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Inhaltsangabe zu „Die schreckliche deutsche Sprache“ von Mark Twain

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  • Deutsche Sprache - erlernbar?

    Die schreckliche deutsche Sprache

    Duffy

    30. December 2017 um 09:07

    Der schon legendäre Essay von Mark Twain über die schwere und komplizierte, fast nicht erlernbare deutsche Sprache hat noch immer seine Gültigkeit. Wenn sich jemand mit Humor und Augenzwinkern über ein Thema hermacht, dann kann man davon ausgehen, dass er vielleicht das eine oder andere nicht so ernst meint. Aber Twains überzogen anmutende Kritik an der deutschen Sprache ist nichts weiter als die Verzweiflung, hier mit einem Konstrukt konfrontiert zu werden, dem jeder Humor abgeht. Das betrifft nicht nur die undurchsichtige Grammatik, sondern auch die Sinnferne, wie mit den Geschlechtern umgegangen wird (Paradebeispiel: die Frau, aber das Weib). Nicht unwichtig ist auch das Konstruieren von Wörtern, für die es keine Übersetzung in andere Sprachen geben kann ("Wiederherstellungsbestrebungen"). Die Bildung von Schachtelsätzen, in denen das Verb (in seinem großartigen Beispiel das Wort "ab-reisen") geteilt, die eine Hälfte an den Anfang und die andere an das Ende eines Satzes gestellt werden. Zudem, und das zur Ehrenrettung der deutschen Sprache, beklagt er den "Sound" der Wörter für ihre Bedeutung. Nun ist das weniger eine Eigenheit des Sprachaufbaus, stimmt aber auch irgendwie, denn gesprochen ist das Deutsche schon manchmal eine arge Zumutung, erinnert an Marschmusik und nicht umsonst wird der Klang im Ausland oft nur auf das rollende "R" reduziert. Wie melodisch das Französische dagegen oder das Englische mit einer angenehmen Geschmeidigkeit.Die spöttische Kritik von Twain (nein, in diesem Fall benutzen wir mal nicht den Genetiv - so viel Freiheit muss sein) ist aktueller denn je, denn genauso wie sich der Deutsche das unverständlichste und komplizierteste Steuersystem der Welt leistet, geht er auch mit seiner Sprache um. Statt sie zu vereinfachen, zu reformieren, wie Twain vorschlägt, verhunzt er sie mit Anglizismen, wählt "Worte des Jahres" und "Unworte des Jahres", was an sich schon ein Anachronismus ist, denn die deutsche Sprache entält so viele "Unworte", dass man daraus ein eigenes Lexikon machen könnte. Außerdem wird  von Rechtschreibreform zu Rechtschreibreform getaumelt, die sie immer noch unübersichtlicher macht und sogar, wie beim Steuersystem, die Fachleute ratlos zurücklässt. Dass die deutsche Sprache nicht nur bei ausländischen Lernenden nicht gerade beliebt ist, lässt sich nachvollziehen, dass aber die Muttersprachler ebenfalls Schwierigkeiten mit dem "korrrekten" Gebrauch ihrer Sprache haben, dürfte dann doch zu denken geben.Einen denkwürdigen Kommentar, den Twain hinterlassen hat. Er sollte auch heute noch hinzugezogen werden, wenn über Lehrpläne oder gar verbindliche Änderungen in der Sprachstruktur gerredet wird. Wem nutzt eine ausgeprägte Kultur, wenn sie anderen nicht in einer transparenten Sprache näher gebracht werden kann? Und wie würde Twain auch diese Rezension zerpflücken, weil der Rezensent als Muttersprachler nicht aus seiner Haut herauskommt und mindestens einen Schachtelsatz konstruiert hat?

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