Mark Villain

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Interview mit Mark Villain

Interview mit Mark Villain

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich selbst bin nie auf die Idee gekommen, zu schreiben. Ich glaube, das hat man mir in der Schule vergrault. Das Geschichtenerzählen konnten sie mir aber nicht nehmen. Mein Vater besaß einen alten Bandrekorder. Eines Abends als ich von ihm eine Nachtgeschichte vorgelesen bekommen wollte, schnappte er sich das Teil, schaltete es an und forderte mich dazu auf, ich möge doch ihm eine Geschichte erzählen. Und das tat ich. Quasi "on the run". Ich dachte nicht darüber nach. Jahre später, ich glaube zum 18. Geburtstag, hat er mir dann eine Abschrift geschenkt. Ich war erstaunt. Die waren teilweise echt gut für mein damaliges Alter.

Wie alt warst du da?

Fünf oder sechs.

Aber irgendwann musst du dann doch angefangen haben, zu schreiben.

Das war so mit Anfang zwanzig. Ich habe Kurzgeschichten geschrieben und sie auf einer der ersten Plattformen im Internet hochgeladen. Gleich meine erste Geschichte hat auch einen kleinen Preis bekommen. Aber dafür habe ich es nicht gemacht. Ich wusste nicht einmal, dass es einen Preis geben würde. Es hat mir einfach Spaß gemacht. Ich tauchte in ein anderes Leben ein. Beim Schreiben gab es nur mich und ich konnte alles um mich herum vergessen. Vielleicht derselbe Grund, warum buddhistische Mönche über Tage an einem Mandala malen oder meditieren. Aber das war alles nur für mich. An ein Buch habe ich niemals gedacht.

Wie ist es dann zum Buch gekommen?

Das ist eine lange und zum Teil traurige Geschichte.

Die ich gerne wissen will.

Na, ich habe ja dem Interview zugestimmt. Jetzt habe ich den Salat! Also: Zwischen 2010 und 2012 verschlechterte sich mein Allgemeinzustand kontinuierlich. Ich wurde zusehends kränker. Ich verlor meine Arbeit und viele sogenannte Freunde wendeten sich ab. Das gipfelte neben zig Besuchen bei Ärzten, die allesamt etwas anderes Schreckliches diagnostizierten, in der Erkenntnis, dass ich sowieso nicht mehr lange zu leben hatte. Diese Prämisse einmal akzeptiert, gab das eine Klarheit, die ich selten erlebt habe. Ich fragte mich einfach, was ich wirklich machen würde, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte. Und plötzlich tauchte der Wunsch auf, ein Buch zu schreiben. Frag mich bitte nicht, warum! Andere Sachen, wie die Liebe meines Lebens zu finden, den Mount Everest zu besteigen oder einfach doch noch Millionär werden, verblassten völlig. Sich zu fragen, was wäre wenn. Auch noch heute mache ich diese Übung, auch wenn sie jetzt nicht mehr akut ist.

Das heißt, du bist nicht mehr krank?

Krank schon, aber das ist in Ordnung. Ich leide an einer Stoffwechselkrankheit. Diese ist zwar nicht harmlos, aber gut therapierbar. Ich muss auf meinen Speiseplan achten, Tabletten nehmen, zweimal im Jahr zum Spezialisten. Und es kann auch passieren, dass ich irgendwann im mittleren Alter sterben werde. Aber das zu wissen, hat auch wieder seine Vorteile.

Die da wären?

Man schreibt Bücher. Ist übrigens nicht das einzige Projekt, das ich bewerkstelligt habe.

Wie kam dir die Idee zu deinem Erstlingswerk "Der Apfelfresser"?

Als junger Mann…

Bist doch immer noch jung!

Danke. Also als ganz junger Mann - achtzehn Jahre; damals kurz nach dem Krieg; wir hatten ja nichts! - ging ich oft sonntags mit einen Freund spazieren. Und irgendwann spielten wir ein Kreativ-Spiel. Der eine dachte sich einen Film- oder Kinotitel aus, der andere musste sich schnell einen Plot ausdenken. Als wir bereits drei oder vier Runden hinter uns hatten, und dabei wirklich lustige und spannende Sachen entstanden waren, legten wir eine Rast ein und ich kramte einen Apfel aus meinen Rucksack hervor, biss hinein und sagte "Der Apfelfresser". Mein Freund überlegte und überlegte und schließlich meinte er, dieser Titel sei unfair, und gab ihn an mich zurück. Aber ich hatte sofort eine Assoziation: ein Mörder, der stets einen Apfel bei seinen Opfern platziert. Ich weiß noch, wir standen am Tegler See in Berlin - Greenwichpromenade - und schauten auf den im Nebel liegenden Steg. So ist das. So entstehen Grundideen.

Und was passiert dann?

Ja, und dann geht meistens das Hirnkino an. Ich stell mir vor, da liegt eine Leiche. Die Kamera fährt langsam auf sie zu, bis nur noch die Hand zu sehen ist. Und dann im letzten Moment legt ein Unbekannter einen Apfel hinein. Manchmal produziert mein Gehirn sogar schon die Filmmusik. *Mark lacht herzhaft* Bekloppt, oder?

Woher nimmst du deine Inspiration?

Alles ist Inspiration: die Blumen am Wegesrand, eine stürmische Nacht am Atlantik, der Duft der salzhaltigen Luft. Ein Mann, der die Straße überquert, dabei nervös auf sein Handy guckt, kann die Inspiration für den nächsten Roman sein. Ideen sind nie das Problem. Vielleicht das Festhalten. Aber dafür gibt es Smartphones oder, wer es altmodisch mag, Notizhefte.

Was würdest du jemandem raten, der auch mal einen Roman schreiben will.

Wenn du es wirklich willst - dann tu es. Tu es nicht für andere. Tu es nicht, weil du erwartest, dass du plötzlich einen besseren Schlag bei den Mädels hättest oder Millionen verdienen könntest. Schreib jeden Tag eine Seite, (die Zeit hast du, zur Not einfach dieses Interview nicht weiterlesen), und du hast einen Roman nach einem Jahr. Zumindest die Rohfassung. Leg ihn zwei Wochen Minimum zur Seite. Besser vier. Und dann überarbeite ihn. Und vor allem: Beachte die Leute nicht, die dir deinen Traum schon vorab kleinreden wollen. Das sind die ersten, die dich zu kennen meinen, solltest du es geschafft haben.

Hast du es "geschafft"?

Ich habe es geschafft, mein Buch fertigzuschreiben. Mehr auch nicht. Klar freue ich mich, wenn es gekauft wird, noch mehr, wenn ich morgens mein MacBook aufklappe und ich drei, vier freundliche Emails von Leuten bekommen, die gerade mein Buch durchgelesen haben und begeistert sind. Aber ob man hundert Menschen glücklich macht oder eine Million - das liegt nicht in meiner Hand. Das erste Buch ist die Pflicht, jetzt kommt die Kür.

Kannst du schon sagen, wann dein nächstes Buch rauskommt und ob es wieder selbstverlegt ist?

Die erste Rohfassung ist bereits da. Jetzt muss ich schauen, wie ich es veröffentliche. Die Verhandlungen haben längst begonnen. Tatsächlich wollten zwei Verlage schon den Apfelfresser - und damit mich - unter Vertrag nehmen. Nur wollte ich das nicht. Mir ging es zwar damals schon deutlich besser, aber ich fühlte mich noch zu schwach, um regelmäßig auf Lesereise zu müssen, oder auf Messen. Ich war auch unsicher, was mein Buch betraf, also lehnte ich die Angebote ab und lud es kackfrech selbst hoch. Ich habe auch, ehrlich gesagt, nicht mit dem Erfolg gerechnet. *Mark grinst breit* Aber ich halte ja lockeren Kontakt mit den zwei Verlagen. Und wer weiß, wenn das Angebot stimmt ....

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