Mark Waid , James Robinson Spider-Man: Familientradition

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Inhaltsangabe zu „Spider-Man: Familientradition“ von Mark Waid

Eine neue, eigenständige Graphic Novel mit dem erstaunlichen Spider-Man! Peter Parker wird entführt, und nur seine Schwester, von der er bisher nicht einmal etwas wusste, kann ihn retten und ihm den Weg zum Geheimagenten-Vermächtnis ihrer Eltern weisen! Ein atemberaubendes Spionage-Superhelden-Abenteuer, das Spidey bis nach Europa und Ägypten führt! Edle Hardcover-Ausstattung!

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    Spider-Man: Familientradition
    Mueli77

    Mueli77

    23. November 2014 um 11:42

    Alles beginnt ganz harmlos, als Peter versucht wieder einmal das Schlimmste von seinem Privatleben abzuwenden. In diesem Fall wäre dies die Bezahlung seiner Stromkosten, da ihm sonst der Saft abgedreht wird. Und dafür hat Peter noch wenige Minuten Zeit. Aber wie so oft kommt es anders als geplant, und in Peters Fall bedeutet es, dass das Parker-Glück mal wieder voll zuschlägt. Denn nicht nur, dass er wegen ein paar subversiver Elemente seine Rechnung nicht bezahlen kann, plötzlich schneit auch noch ein Sondereinsatzkommando in sein dunkles Appartement. Doch damit noch nicht genug, denn plötzlich taucht auch noch eine junge Dame auf und behauptet sie wäre Peters Schwester und entführt ihn in ein Abenteuer nach Monaco, ohne zu wissen, wen sie da wirklich im Gepäck hat. Denn auch wenn Peter das eigentliche Ziel zu sein scheint, ist Spider-Man nicht weit. Und untätig erst recht nicht … Statt eines klassischen Superhelden-Comic gibt es hier eine gelungene Mischung aus Superhelden-Action und Agententhriller. Angereichert mit einer ordentlichen Portion Drama gemischt mit dem typischen Spider-Man-Humor. Und das alles aus den Federn und den Köpfen von Mark Waid und James Robinson. Mark Waid ist einer der Autoren, die schon auf eine sehr lange Zeit in der Branche zurückblicken kann und dabei vieles geschaffen hat, das sowohl bei den Fans, als auch den Kritikern auf große Gegenliebe gestoßen ist. Zuletzt, genaugenommen im Jahr 2012, gewann er den Eisner Award als bester Autor für seine Arbeit an Marvels „Daredevil“ und BOOM!s „Irredeemable“ und „Incorruptible“. Doch schon vorher wurde er mehrfach nominiert. Unter anderem für „Flash“, „Impulse“, „Kingdom Come“ (DC), „Captain America“ (Marvel) und „Ruse“ (CrossGen). Aber auch James Robinson wurde bereits mehrfach nominiert. „Starman“, „The Shade“, „Justice League: Cry for Justice“, „Tangent Comics: Green Lantern“ (DC) und „Witchcraft“ (DC/Vertigo) sind dabei nur ein paar der Titel. Mit „Spider-Man - Familientradition“ liefern die beiden eine sehr unterhaltsame Geschichte ab, die weit über den reinen Unterhaltungswert hinaus geht. Sie wirft Fragen auf, die hängen bleiben, auch wenn das Ende es zuerst so nicht erahnen lässt. Dennoch gibt es einen wunderschönen Epilog, von dem ich gerne eine Fortführung lesen würde. Doch das Ende ist nicht das Einzige, was an dieser Geschichte überzeugt. Waid und Robinson kreieren eine Familiengeschichte um Peter Parker, seine Eltern und den Kingpin in der Gegenwart und auch gegen die Nazis. Für Kenner von Spider-Man tauchen aber hier bereits die ersten Fragen auf, welche die Geschichte ein wenig merkwürdig erscheinen lassen. Denn altbekannten Lesern ist die Tatsache, dass Peters Eltern im Nachhinein zu Agenten gemacht wurden nicht unbekannt. Doch hier werden sie als eine Art Über-Agenten, die auch des Öfteren an Captain Americas Seite gekämpft haben, dargestellt. Mit technisch hochwertig ausgerüsteten Verstecken, Verbindungen in die gesamte Welt und noch viel mehr Geheimnissen. Während Peters Eltern auffallend detailliert charakterisiert werden kommen sämtliche anderen Figuren wesentlich schlechter weg. Peter Parker, alias Spider-Man ist gewohnt typisch und bringt nichts Neues mit. Ähnlich ist es, mit dem Kingpin und Peters vermeintlicher Schwester, die leider sehr eindimensional daherkommen, und dies, obwohl die Geschichte viele Möglichkeiten für interessante Charakterzüge, und im Falle von Spider-Man und Kingpin vielleicht sogar neue Charakterzüge, bietet. Jedoch muss ich sagen, dass man dies zwar anmerken kann, es aber nicht wirklich auffällt, wenn man sich einfach nur in die Geschichte hineinwirft. Ein James Bond funktioniert auch ohne große Charakterisierungen und auch ein Ethan Hunt braucht keinen penibel ausgearbeiteten Charakter, um erfolgreich zu unterhalten. Vielleicht haben sich Mark Waid und James Robinson genau darauf verlassen. Was dem Band ebenfalls zugutekommt, merklich sogar, ist das wundervolle Artwork von Gabriele Dell'Otto und Werther Dell'Edera. Dell'Otto, der sich Ende der 90er Jahre zu einem Geheimtipp in Europa mauserte, nachdem er mit Titelbildern für Panini in Europa auf sich aufmerksam machte. Inzwischen gehört der gebürtige Italiener zu den ganz großen Comickünstlern, der mit seinen malerischen Bildern einem Alex Ross gleichkommt. Der einzige Unterschied zu Ross ist, dass Dell'Otto wesentlich mehr Dynamik in seinen Bildern unterzubringen weiß. Nichts gegen Alex Ross, ich liebe seine Zeichnungen und Cover für die X-Trilogie (Erde X, Universum X und Paradies X) und viele weitere Miniserien, Events, usw. aber ihm fehlt das Leben. Alles wirkt zwar sehr realistisch, aber eben nur wie ein Standbild. Bei Dell'Otto und Dell'Edera ist dies anders. In deren Bildern liegt Bewegung, Action und Dramatik. Und trotz eines gewissen Fotorealismus sieht man nahezu in jedem Bild die Pinselstriche, was mich selbst hin und wieder dazu verleitet hat, kurz innezuhalten, und die Bilder mit etwas Abstand zu betrachten, damit diese noch besser auf mich wirken konnten. Auch bleibt die Qualität über den gesamten Band gleich und ich selbst kann nicht ausmachen, wo Dell'Otto aufhört und Dell'Edera anfängt. Ein gelungenes Artwork, in sich stimmig und eine faszinierende Zusammenarbeit von zwei sehr außergewöhnlichen Künstlern, die ich immer wieder gerne ansehe. „Spider-Man – Familientradition“ ist kein Highlight wie Mark Waids „Daredevil“ oder Matt Fractions „Hawkeye“ (um nur mal im Hause der Ideen, sprich Marvel zu bleiben), aber es ist gelungene Unterhaltung, die atemberaubend aussieht und hier und da noch ein paar neue Ideen mitbringt. Somit ist diese „Graphic Novel“ (eigentlich mag ich den Ausdruck nicht wirklich) zwar vorrangig in die Leser gerichtet, die Spider-Man und sein Leben bereits kennen, aber auch alle, die ihn hiermit kennenlernen wollen, werden bestens unterhalten. Ein klein wenig Vorwissen, um Spider-Man und den Kingpin, erhöht den Lesespaß aber um ein Vielfaches.

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