Markus Berges

 3.9 Sterne bei 13 Bewertungen

Lebenslauf von Markus Berges

Markus Berges, geboren 1966 in Telgte, studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Psychiatriepfleger und Lehrer. Als Sänger und Songschreiber der 1995 gegründeten Band «Erdmöbel» wurde er als «großer zeitgenössischer Lyriker» (taz) und als Erzähler «wie traumverloren dahingeraunter Geschichten» (Die Zeit) bezeichnet. «Erdmöbel» veröffentlichten bislang sieben Alben, zuletzt «No.1 Hits». Markus Berges lebt mit seiner Familie in Köln.

Alle Bücher von Markus Berges

Die Köchin von Bob Dylan

Die Köchin von Bob Dylan

 (7)
Erschienen am 11.03.2016
Ein langer Brief an September Nowak

Ein langer Brief an September Nowak

 (5)
Erschienen am 01.02.2012
liebeslieder

liebeslieder

 (1)
Erschienen am 21.10.2014

Neue Rezensionen zu Markus Berges

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Rezension zu "Die Köchin von Bob Dylan" von Markus Berges

Flüchtlinge Damals und Heute
BettinaR87vor 3 Jahren

Eigentlich ist Jasmin gerade erst nach Hause zurückgekehrt. Mission: Sesshaft werden. Nur ruft dann eine Exfreundin an, die jetzt schwanger ist. Ob Jasmin ihren Job haben wolle? Naja, eigentlich nicht. Aber obwohl... Wie oft hat man schließlich die Gelegenheit, die Köchin von Bob Dylan zu werden? Und so fliegt sie zu ihrem ersten Einsatz: Odessa. Dort erhält sie einen merkwürdigen Anruf - ein alter Mann habe einen Anfall erlitten und spreche seither nur noch Deutsch. Und er behauptet, dass sein Name Florentinius Malsam sei - und damit auch Jasmins Großvater, der offiziell seit '43 als verschollen galt.

Die Kritik

Wo kommen wir her? Wie sehr definiert uns unsere Herkunft? In einem Europa, in dem aktuell das Flüchtlingsthema durch die Köpfe schwappt, kommt dieses Buch gerade richtig. Denn es erinnert an ein Europa, wie es heute unendlich fern scheint: Zerrissen, Nationalitäten bunt gemischt und durch den Krieg brutal verloren. Ein Europa, in dem mal eine Bevölkerungsgruppe an der Macht ist und andere blutig unterdrückt. Im nächsten Jahr sind die Opfer an die Spitze gerückt und nehmen blutige Rache. Wie auch der allgegenwärtige George RR Martin es nannte: Ein blutiges Rad des Machtspiels. Doch hier gibt es keine Daenerys, die dieses Rad zerbrechen möchte. Hier gibt es das Ende eines Kriegs, der vor Jahrzehnten auch Familien zerrissen hat - was sich trotz all des tollen Friedens in den letzten Jahren immer noch auswirkt. An all diese innereuropäischen Flüchtlinge darf sich unser Kontinent durchaus mal erinnern.

Besonders gelungen ist dabei der Wechsel der Erzählzeiten: Mal begleiten wir Jasmin auf ihrem Weg in die Vergangenheit ihrer Familie. Mal stehen wir neben Florentinius Malsam und erleben, wie die Sowjets das Dorf in Beschlag nehmen, dann die Deutschen, dann die verbliebene Bevölkerung. Und Florentinius? Dessen Lebensweg gleicht in den Grundprinzipien seiner unbekannten Enkeltochter - mal läuft das Leben so, mal anders. Und irgendwo dazwischen stellt man fest: Es ist eigentlich ganz okay so.

Auch die Haptik und die Gestaltung des Covers sollte nicht unerwähnt bleiben - sehr cool geworden! Und ganz nebenbei kann der Leser mit auf dem Steak gewordenen Tschechow-Gelände lustwandeln.

Fazit: Hochinteressant, nicht arrogant, liest sich flüssig, gibt zu denken, macht neugierig darauf, was damals mit den Menschen in der Ukraine passiert ist - was kann ein Leser mehr wollen? Richtig, ein geschlossenes Ende. Das gibt es bei Die Köchin Von Bob Dylan nämlich nicht - entsprechend bleibt da emotional ein kleines Vakuum übrig.

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Rezension zu "Ein langer Brief an September Nowak" von Markus Berges

Rezension zu "Ein langer Brief an September Nowak" von Markus Berges
damentennisvor 8 Jahren

erstmals wurde ich demletzt zeuge von prominentenschmusen. der prominente war zwar nicht so eine brad-pitt-prominenter, oder helmut kohl, aber immerhin ein lokaler prominenter, den man auch in deutschland kennt. vielleicht gar im deutschsprachigen ausland! vielleicht. deutschland aber sicher. das liegt an den medien. die machen, dass man den kennt.

der prominente stieg nach getaner arbeit von der bühne und setzte sich dann auf einen prominent positiionierten prominentenstuhl, der ihn nicht mit dem gemeinen publikum gemein machte, sondern als prominenten im privatmodus auswies. so, wie beim priority boarding der fluglinie ryanair: irgendwie auf augenhöhe, aber doch lieber räumlich getrennt. als prominenter besucher verfolgte der prominente das restprogramm des abends und kuschelte dabei halbwegs privat mit seiner freundin. die freundin, dass muss man nicht wissen, kann es aber durchaus wissen, ist etwa 20 jahre jünger als der prominente. sie legte an den romantischeren stellen des abendprogramms den kopf auf die prominentenschulter, die zugleich ja auch einfach die geliebtenschulter war.

ich entschied mich spontan, mich davor etwas zu ekeln, ohne das klar benennen, geschweige denn begründen, zu können. die freundin war schon im foyer unangenehm aufgefallen, als sie in einem gespräch mit unprominenten freunden äußerte, sie habe jüngst einen arbeitskollegen davon überzeugt, sich eine "solche" brille zu kaufen. die brille sei sehr markant und forme das gesicht, sie würde jedem stehen. so die meinung zum komplex brillen und mode der freundin. als sie dies sagte, wusste ich freilich noch nicht, dass sie eine prominentenfreundin jungen alters ist, das bemerkte ich erst bei der kuschelszene etwa 90 minuten später. und fügte dann beide vorfälle zu einem bild zusammen. so ungerecht bin ich abends immer mal wieder.

das hat nun tatsächlich eher wenig mit dem buch von markus berges zu tun, es ist aber natürlich immer am leser, nie am autor, jetzt beziehungen herzustellen, denn wie schrieb schon dietmar dath auf die frage, wie die dinge denn zusammenhängen? "so, wie wir sie verknüpfen." na also. und ohnehin wäre mir auch gar nicht bewusst, dass es zu dem buch noch fragen gibt. völlig offenkundig gibt es schließlich cover, titel, autor und notfalls noch klappentext. wer dann immernoch zweifelt, dem sei noch kurz ein möglichst schönes restleben gewünscht.

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Rezension zu "Ein langer Brief an September Nowak" von Markus Berges

Rezension zu "Ein langer Brief an September Nowak" von Markus Berges
Gretavor 8 Jahren

betti ist plötzlich mutig. sie fährt ihre brieffreundin besuchen, september nowak heißt die (wow!), lebt in monaco und schreibt interessante briefe über ihre eigene interessante person. betti ist beeindruckt. september nowak braucht immer länger für eine antwort als betti. september nowak muss schön und begehrt sein. in monaco angekommen stellt sich jedoch heraus: september nowak heißt nicole, nicole ist fett, alles erzählte aus den briefen war gelogen, nur die auslotung des möglichen, ein simpler zeitvertreib. betti weint. aber sie bleibt in südfrankreich. sie setzt sich in einen bus mit fahrgästen ("minuten später verlor sich das meer türkis im grauen morgendunst. die anderen sahen kaum hin oder mit blicken wie fahrgäste in westfalen auf maisfelder").
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bei allem dachte ich immer: genau, auweia, das ist gleiche wie, vielleicht, wenn man nach rom fährt und denkt sich sowas wie wasmussdasfüreinestadtsein, da glitzerts und alles ist aus gold! und dann kommt man an und da ist auch nur verkehr und müll und gedrängel. oder: wie ein versehentlich schönes licht auf eine ecke welt, die eigentlich (sagen die anderen!) gar keiner belichtung bedurft hätte. und dann doch so schön wirkt, man weiß gar nicht genau wieso, aber man muss da ständig hingucken. baucontainer auf parkplatz im schnee mit absperrband ohne grund oder so. man würde das dann fotografieren, würde man denn fotografieren. oder es aufschreiben, würde man denn aufschreiben. markus berges schreibt sowas dann jedenfalls auf, vielleicht mit absicht, vielleicht, weil er muss. für die musik macht er das ja auch. und er achtet beim erleben, das vermute ich aber nur, auf licht und gegenstände und materialbeschaffenheit, die dinge sind immer irgendwie falsch platziert, wirken außerirdisch und nicht, als hätten menschen das erfunden: architektur und gebrauchsgegenstände ("alle paar meter bodenlampen wie trockenhauben für riesinnen"). nebenfiguren haben hautunreinheiten, singen falsch, fahren schlecht auto.
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die hauptfigur betti ist jedenfalls im kern der handlung unterwegs, im schwimmbad von monaco macht sie sich selbst zu september nowak, nach ihrem namen gefragt. september nowak, die zweite im text. es kommt dann zu gesprächen und ortswechseln; bettis september nowak erlebt etwas. man kann nicht immer folgen. aber immer wieder kommen wörter vor, wie in den liedern, die der autor schreibt, wie vokabeln einer fremdsprache, die man dann unbedingt sofort auch mal sagen will, weil man sie noch nie im mund hatte.
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das ist so scheißeschön!

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