Markus Breitscheidel Arm durch Arbeit

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Inhaltsangabe zu „Arm durch Arbeit“ von Markus Breitscheidel

Der Autor arbeitete ein Jahr undercover in unterschiedlichen Jobs. In seiner Rolle als ungelernter Hilfsarbeiter musste er alle von der Arbeitsagentur vermittelten Tätigkeiten annehmen. Aus dieser Expedition ist ein aufrüttelnder Report über das Leben am Existenzlimit entstanden. Markus Breitscheidel berichtet, wie er als arbeitsloser Hartz-IV-Empfänger und Leiharbeiter stigmatisiert, gemobbt und als Mensch zweiter Klasse behandelt wurde. Trotz Vollzeitarbeit reichte sein Lohn nicht zum Leben. Er war auf zusätzliche staatliche Unterstützung und karitative Einrichtungen wie Speisetafeln und Kleiderkammern angewiesen. In seinem erschütternden Bericht analysiert er die persönlichen und ökonomischen Auswirkungen der Billiglohnpolitik: Die Arbeiter und ihre Familien verlieren den Kampf gegen den sozialen Abstieg, während die Unternehmen immer größere Gewinne einfahren.

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    Arm durch Arbeit
    Peter_Waldbauer

    Peter_Waldbauer

    23. August 2017 um 13:09

    Also bitte! Die Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor und die Übernahmechancen aus Zeitarbeitsverhältnissen sind bekannt - dafür braucht es keine Undercover-Recherche. Dass der Autor behauptet, er habe von seinem geringen Verdienst nicht leben können und deshalb Hartz IV beantragen müssen ist wohl ein Witz. Selbstverständlich brauchte Breitscheidel nicht zum Amt. Der Autor hatte seinen Bestseller "abgezockt und totgepflegt" 70.000 mal verkauft, was ungefähr dem gleichen Eurobetrag als Autorenhonorar entspricht. Hinzu kommen seine Einnahmen aus den zahlreichen Lesungen und PR-Terminen (Spesenerstattung ist immer viel höher als die tatsächlichen Ausgaben). Hat er die ganzen Einnahmen vor den Behörden verschwiegen, nur um seine Rolle durchhalten zu können? Und falls ja, hat er die Unterstützung nach dem Ende seiner Undercovertätigkeit wieder zurückgezahlt? Das wären doch die viel brennenderen Fragen? Richtig süß ist die Episode als Erntehelfer. Wer es bisher noch nicht gewusst hat, weiß es jetzt: 12 Stunden bei großer Hitze auf den Knien herumrutschen und dabei Erdbeeren pflücken ist: anstrengend!

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  • Arm durch Arbeit

    Arm durch Arbeit
    Angel10

    Angel10

    30. June 2015 um 08:02

    Das Buch sollte man gelesen haben und daran reflektieren, wie Menschen in der "sozialen Hängematte" sonst dargestellt werden.

  • Rezension zu "Arm durch Arbeit" von Markus Breitscheidel

    Arm durch Arbeit
    sabisteb

    sabisteb

    15. March 2013 um 19:04

    Der Leiharbeiter, das Phantom der neuen Arbeitswelt Sicherlich ist die Zeitarbeit ein Segen. Es fragt sich nur, für wen: Die Unternehmen. Sie brauchen keine langfristigen Verpflichtungen gegenüber ihren Arbeitnehmern mehr einzugehen. Urlaubsgeld, Krankengeld, Rentenzahlungen: alles überflüssige Kosten, der reinste Sozialklimbim. Menschenmaterial wird einfach zeitnah und konfliktfrei angemietet, wie ein Presslufthammer, eine Hebebühne oder ein Kleinlaster (S. 10). 2007 recherchierte Markus Breitscheidel die Folgen der Agenda 2010, die gerade heute (März 2013) so gelobt und bejubelt werden. Eigentlich unverständlich. Einerseits gab es im Februar 2013 einen Aufschrei der Entrüstung, als der Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Amazon zu besten Sendezeit über den Äther gingen, andererseits war das nicht neu, was dieses Buch auch mehr als deutlich beweist, aber es interessierte einfach keinen, was die ganzen 11 Rezensionen (Stand 15.März 2013) beweisen, die es derzeitig bei Amazon zu diesem wirklich sehr gut recherchierten Buch belegen. Dabei lief der Bericht zu diesem Buch auch im Fernsehen und kann immer noch auf Youtube angesehen werden (Leiharbeit undercover - Mein heimliches Leben in deutschen Fabriken – ARD). Über ein Jahr lang versuchte der Autor als Zeitarbeiter zu überleben, und die Niederungen dieser von den Agenturen für Arbeit angetriebenen staatlich verordneten Versklavung zu erforschen. Schon 2007 war das Ergebnis schockieren und seitdem hat es sich sogar noch verschlechtert. Generell gibt es 3 Arten der Leiharbeit, die Breitscheidel am eigenen Leib ausprobierte: 1. Stundenweise auf Abruf, die nicht gearbeiteten Stunden, für die der Arbeitnehmer nichts kann, werden als Minusstunden verrechnet (Es kann bei Randstadt sogar schon vor, dass Angestellten in dieser Zeit der Urlaub abgerechnet wurde und sie sogar an ihren Arbeitgeber hätten Geld (zurück)zahlen müssen). Der Lohn reicht noch nicht einmal, um das Monteurszimmer zu bezahlen, geschweige denn, etwas zu Essen zu kaufen. 2. Fest eingeplant im Schichtsystem ersetzen sie fest angestelltes Personal. Teilweise entlassen die Firmen die eigenen Leute, gründen eine Leihfirma und mieten die entlassenen Mitarbeiter zu einem Drittel des alten Lohnes zurück. Vorzugsweise leitet in diesem Fall ein Freund oder die Ehefrau eines Managers diese Leiharbeitsfirma. 3. Tatsächlich nur kurzfristig benötigtes Personal (Erntehelfer). Man kann natürlich argumentieren, dass es auch 19, Jahrhundert ungebildete Tagelöhner gab, die von Hof zu Hof wanderten. Nach diesem Bericht jedoch, muss ich sagen, diese Wanderarbeiter damals hatten es in vielerlei Hinsicht besser. Sie wussten, dass sie einige Tage oder Wochen bei einem Arbeitgeber arbeiten würde, Breitscheidel arbeitete auf Abruf, stundenweise, flexibel. Damals brachte der Bauer die Arbeiter direkt auf dem Hof unter und verpflegte sie. Heute müssen die Zeitarbeiter sich selber eine Unterkunft suchen, diese zahlen, sich selber verpflegen und auch noch ein Auto haben, um zum Feld zu kommen, und das bei 2,5-3,5 EUR Stundenlohn bzw. um nach Schälchen bezahlt zu werden aber gleichzeitig auch die verfaulten Erdbeeren kostenlos vom Strauch entfernen zu müssen. Da sehnt man sich fast nach den guten alten Zeiten der Industrialisierung zurück. Was Breitscheidel für ein Jahr am eigenen Leib ausprobiert ist immer noch für Millionen Deutsche Alltag. Deutschland ist nicht nur Exportweltmeister, er führt in Europa unangefochten, was die Prekären Arbeitsverhältnisse angeht. 2012 waren schon 22,2% der Arbeitnehmer in Niedriglohnsektor beschäftigt, damit ist Deutschland laut heise.de (Happy Birthday, Schweinesystem!) in Europa führend, noch vor UK (http://www.heise.de/tp/artikel/38/38753/1.html) Die Agenda 2010 hat einen ganz perfiden Mechanismus in Gang gesetzt, der dafür sorgt, dass es nie an billigen Arbeitskräften mangelt. Promovierter Akademiker zur Erdbeerernte gesucht? Hartz IV macht es durch Androhung von Zwangsmaßnahmen möglich. Entweder 3 Monate (ver-)hungern, weil das Amt einem 100% der Bezüge streicht oder für 2,5 EUR pro Stunde aufs Feld. Dadurch werden die Löhne weiter gedrückt, Stammpersonal in Firmen wagen nicht, ihre Rechte durchzusetzen, denn ihre Zukunft sitzt ihnen namenlos in der Kantine am Tisch gegenüber. Die dadurch in Gang gesetzte Abwärtsspirale in den Löhnen befördert Diskounter und Billigketten wie Kick und 1 Euro Läden, die ihr Personal wiederum auch nicht fair bezahlen können. Schon 2007 waren die Löhne als Erntehelfer so gering, dass nicht einmal die Polen für dieses Geld noch arbeiten wollten, die gingen nach UK, da gibt es dafür einen Mindestlohn von fast 10 Euro pro Stunde. „Wenn schon die Polen so weit sind, dass sie vom dem Lohn nicht mehr vernünftig leben können, dann kann ich das von einem Deutschen wohl auch nicht verlangen.“ (S. 199) Wir alle zahlen dafür, dass die Konzerne durch Leiharbeiter Personalkosten sparen und zwar gleich dreifach: erst wird der Lohn über Hartz IV aufgestockt, dann müssen diejenigen, die noch einen richtigen, sozialversicherungspflichtigen Vertrag haben, natürlich höhere Beiträge für Krankenkasse und Rentenkasse zahlen, weil die Leiharbeiter nicht fair entlohnt werden und zum dritten ist damit die Altersarmut vorprogrammiert, die erneut diejenigen Glücklichen finanzieren müssen, die nicht in diese Mühlen geraten sind, und es kann jeden erwischen. Binnen 12 Monaten kann selbst ein promovierter Akademiker mit Berufserfahrung auf den Knien durchs Erdbeerfeld robben, meist jedoch trifft es die Frauen, denn die meisten Leiharbeiter sind leider Frauen, wie bei allen schlechtbezahlten Jobs. Der Niedriglohnsektor wird seit Jahren durch Steuergelder subventioniert und dennoch feiert man die Agenda 2010?! Natürlich gibt es für Konzerne einen Grund zum Feiern. Durch die Leiharbeit haben die Gewerkschaften ihre Macht eingebüßt, denn bei Streiks kommt es nicht mehr zu Produktionsausfällen, denn die Leiharbeiter sind nicht koordiniert, die christliche Gewerkschaft für Zeitarbeit (was für ein treffender Name), streikt nicht und somit verpuffen auch alle anderen Streikversuche und der Hebel, zumindest einen Inflationsausgleich zu erstreiten, ist weg. Schlimm und leider erhellend waren auch die vergleiche DDR zu heute. „Damals bei Honecker habe ich in der Ernte mehr verdient.“ (S. 180). Ja, prinzipiell darf er nun reisen, aber er kann es sich nicht leisten, denn es reicht nicht einmal zum Leben. Wo ist da der Unterschied? (S. 181). Klar sind wir mit Schuld, wenn wir, die wir es uns noch leisten können, beim Discounter kaufen. Aber viele haben einfach keine Wahl. Der Erntehelfer kann sich oft nicht einmal die Äpfel leisten, die er selber geerntet hat, nicht einmal im Discounter. Die Europäische Sozialcharta von 1961 legt fest, dass ein Lohn unter 60% des nationalen Netto-Durchschnitts nicht angemessen ist. Das war für Deutschland bereits 2007 8,90 EUR, und was will die aktuelle Regierung für einen Mindestlohn? 8,50 EUR, das hätte schon 2007 noch unter der Sozialcharta gelegen. Breitscheidels Fazit nach diesem Selbstversuch ist das, was die Linke tatsächlich seit Jahren fordert: 1. Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns auf der Grundlage der Sozialcharta. 2. Kostenlose Verpflegung in den Schulen 3. Einführung der Lehrmittelfreiheit (die gab es in den 80er Jahren noch) 4. Erhöhung der Hartz IV Bezüge der Kinder auf das Erwachsenenniveau 5. Erhöhung der Hartz IV Bezüge auf die Pfändungsgrenze (das waren 2011 1.028,89 Euro monatlich für Alleinstehende, so weit geht nicht einmal die Linke). 6. Abbau von Vorschriften, um weitere Klagewellen zu vermeiden. 7. Leiharbeit in den Betrieben auf max. 10% begrenzen 8. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit 9. Wiedereinführung der Überlassungsdauer bis maximal 2 Monate (S. 212) Ein wichtiges Buch, ein Zeitdokument, das leider kaum Beachtung gefunden hat. Ich bin stolz, es mit Autogramm zu besitzen.

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  • Rezension zu "Arm durch Arbeit" von Markus Breitscheidel

    Arm durch Arbeit
    Reamonn

    Reamonn

    01. November 2009 um 21:33

    Also das sollte JEDER lesen!! So siehts wirklich hinter den Fassade von Bayer, Opel und Hartz IV aus! Schreckliche Realität, knallhart recherchiert im "Selbstversuch" des Autors. LESEN!

  • Rezension zu "Arm durch Arbeit" von Markus Breitscheidel

    Arm durch Arbeit
    aichlinn

    aichlinn

    05. January 2009 um 20:53

    Über sieben Millionen Menschen verdienen sich hierzulande ihre Brötchen im Niedriglohnsektor. Doch während sie von einem gutbezahlten Vollzeitjob träumen, will einer, den es besser traf, hautnah wissen, wie sie denken, fühlen und (über-)leben. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler Markus Breitscheidel wagte ein Experiment: Er legte seine Vergangenheit ab und begann den Neuanfang – als Arbeitsloser. Wer Anglizismen sucht, der findet. Steckt in arbeitslos nicht auch das englische Verb ‚to lose‘ - verlieren? Was, oder wie hoch hat jemand verloren, der sich als Zeitarbeiter weit unter Wert verkaufen muss oder mit hohem körperlichen Einsatz und im Wettstreit mit polnischen Erntehelfern nach einer Woche (12 Stunden täglich) 500 Schalen Erdbeeren gepflückt hat, es sich aber nach Abzug von Zimmermiete und Benzingeld nicht leisten kann, ein Schälchen zu kaufen? Dem Experiment sei dank gewinnt wenigstens einer, der geneigte Leser, denn das Protokoll dieses Undercover-Einsatzes gibt es seit Ende des letzten Jahres in Buchform: Arm durch Arbeit: Ein Undercover-Bericht. Nach eineinhalb Jahren Recherche beschreibt Breitscheidel die Welt, wie sie durch die Augen (zu) vieler Menschen wirkt. Sie sehen Arbeitsagenturen, in deren Eingangsbereich mit Handschellen und Tränengas bewaffnete Wachmänner für Ordnung sorgen, während sie in der Schlange davor anstehen. Sie sehen die Werbung der Aids-Stiftung, wohlwissend, dass in den Hartz-IV-Regelsätzen Ausgaben für Verhütungsmittel nicht eingeplant sind. Sie sehen Pfandflaschen in den Abfallbehältern auf Bahnhöfen, müssen sie aber darin liegen lassen, weil das Durchsuchen der Behälter verboten ist. Sie sehen als Leiharbeiter bei einem bekannten deutschen Autohersteller mangelhafte Scheinwerfer, aus Spanien geliefert, in China produziert, die aber nicht aussortiert werden dürfen, weil man sonst Ärger bekommt. Aber sie sehen nicht nur, sondern hören auch, zum Beispiel das es nicht klimpert und knirscht, wenn sie ihr Portemonnaie in die Hand nehmen. Breitscheidel bewies Mut und Durchhaltevermögen. Er geht dahin, wo es wehtut, mit dem Blick für die Menschen, um die es geht und der Fähigkeit, das Erlebte in Worte zu kleiden. Zwar hatte er gegenüber unfreiwilligen „Niedriglöhnern“ einen entscheidenden Vorteil: er konnte sich gewiss sein, das Experiment irgendwann beenden zu können. Nichtsdestotrotz wirkt sein Bericht - und er wirkt nach. Um seinen Blutdruck wieder im Normalzustand zu wissen, musste der Verfasser dieser Zeilen das Buch regelmäßig zur Seite legen. Diese Buchbesprechung endet, wie das Buch beginnt, mit Günter Wallraff, der selbst „ganz unten“ war und das Vorwort schrieb: „Der Anteil von prekär Beschäftigten wächst stetig und beschönigt die Arbeitslosenstatistik. Der Anteil der Armen in diesem Lande wächst im gleichen Maße. Wie sich das anfühlt, das schildert uns Markus Breitscheidel eindringlich. Und zwar ganz körperlich und hautnah, jenseits aller Worthülsen, Sprechblasen und verlorenen Phrasen über die angeblichen Segnungen der Ausbeutung auf Zeit.“

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