Markus Feldenkirchen

 4.1 Sterne bei 78 Bewertungen
Autor von Was zusammengehört, Keine Experimente und weiteren Büchern.
Autorenbild von Markus Feldenkirchen (© Anita Affentranger)

Lebenslauf von Markus Feldenkirchen

Der erfolgreiche Journalist: Markus Feldenkirchen, 1975 in Bergisch Gladbach geboren, ist ein deutscher Schriftsteller und Journalist. Er studierte in Bonn und New York und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Seither arbeitet er als Redakteur und Reporter in Berlin, zunächst beim Tagesspiegel, seit 2004 beim Spiegel, mittlerweile als Autor für Deutsche Politik im Hauptstadtbüro. Seine journalistische Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Axel-Springer-Preis für Nachwuchsjournalisten. Außerdem drehte er schon einige Dokumentarfilme, die auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurden. 2010 gab er dann schließlich sen Debüt als Autor, mit seinem Roman "Was Zusammengehört". 

Alle Bücher von Markus Feldenkirchen

Cover des Buches Was zusammengehört9783499257636

Was zusammengehört

 (41)
Erschienen am 01.02.2012
Cover des Buches Keine Experimente9783036956718

Keine Experimente

 (23)
Erschienen am 01.06.2013
Cover des Buches Die Schulz-Story9783421048219

Die Schulz-Story

 (14)
Erschienen am 26.03.2018

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Rezension zu "Die Schulz-Story" von Markus Feldenkirchen

Ein außergewöhnliches Stück deutscher Politberichterstattung
Ignovor 3 Monaten

2017 in Deutschland – Bundestagswahlkampf. Die SPD steckt in ihrer bis dato wohl schwersten Krise. Was sie auch macht, die Wähler rennen weg und ihre Umfragewerte fallen von einem historischen Tief ins nächste. Anfang 2017 gelingt ihr scheinbar der Coup: Martin Schulz, bislang Präsident des EU-Parlaments, soll überraschend die Kanzlerkandidatur übernehmen. Die Ankündigung ist der Startschuss für eine lange nicht mehr erlebte Euphoriewelle, die Umfragewerte steigen rasant, obwohl noch gar nichts geschehen ist. Der Bundesparteitag wählt Schulz mit dem ebenfalls historischen Ergebnis von 100%. Der Druck ist riesig. Und der Absturz wird ein tiefer sein.

Die Schulz-Story: Ein Jahr zwischen Höhenflug und Absturz ist das Ergebnis eines Jahres hautnaher Wahlkampfbegleitung durch den SPIEGEL-Journalisten Markus Feldenkirchen. Das Buch umfasst 320 Seiten und erschien 2018 bei DVA, einem Imprint von Random House. Die zugehörige SPIEGEL-Reportage wurde mit dem Nannen-Preis ausgezeichnet.

Die Schulz-Story ist ein in Deutschland bislang ziemlich einzigartiges Experiment. Martin Schulz ließ sich auf eine sehr nahe Begleitung seines gesamten Wahlkampfes durch den SPIEGEL-Journalisten Markus Feldenkirchen ein. Einzigartig ist es vor allem durch die Absprache, dass das Buch am Ende ohne Abnahme veröffentlicht würde. Damit bekam Feldenkirchen einerseits einen sehr persönlichen Einblick, andererseits die Möglichkeit ein ungeschöntes Werk zu schreiben. Martin Schulz trat einst an als Vertreter eines offenen Politikstils nahe den Menschen, das Projekt ist im Prinzip ein logischer Schritt.

Und das Projekt hat sich gelohnt, ob man Schulz oder die SPD nun mag oder nicht. Feldenkirchen berichtet detailliert über zahlreiche Stationen des Wahlkampfes, öffentliche Veranstaltungen wie Planungsmeetings. Dabei nimmt er regelmäßig eine resümierende Haltung an. Er analysiert treffsicher, wo die Ursachen für Schulz’ fortlaufendes Scheitern lagen. Wurde Schulz selber in der medialen Wahrnehmung wegen fehlender Professionalität und ähnlichem maßgeblich für das katastrophale Wahlergebnis verantwortlich gemacht, ergibt sich durch den tieferen Einblick eine wesentlich andere Perspektive. Denn neben Schulz sind es vor allem Sigmar Gabriel und die SPD-Granden selber, die die Kampagne von Anfang an auf unruhige See geschickt haben.

So ergibt sich mit der Zeit auch ein anderes Bild von Martin Schulz selber. Zahlreiche Entscheidungen, die ihm öffentlich angelastet wurden – auch weil es offensichtlich war -, stellen sich in einem anderen Licht dar. Exemplarisch, weil es im Nachhinein betrachtet persönlich wohl der drastischste Fehler war, sei da die Entscheidung, in der Neuauflage der GroKo das Außenministerium zu übernehmen. Was nach außen wie eine machtpolitische Entscheidung und ein vollkommen offensichtlicher Fehler aussah, entpuppt sich als Teil eines vielschichtigen Prozesses, den Schulz nur noch bedingt steuern konnte. Feldenkirchen offenbart einen Prozess, der mit dem Moment beginnt, in dem Schulz als Kanzlerkandidat in Frage kommt, der sich über die gesamte Zeit spannt und auf den Schulz selber erstaunlich wenig Einfluss nehmen konnte. Man könnte sagen, er geriet in eine Maschinerie, die er, obwohl er Parteivorsitzender war, kaum steuern konnte.

Insofern zeigt Die Schulz-Story auch die ganze persönliche Tragik auf, die diese Kandidatur mit sich gebracht hat. Überhaupt ist das Buch zu einem großen Teil ein sehr persönliches. Es geht tatsächlich fast so sehr um den Privatmann Martin Schulz wie um den Kanzlerkandidaten. Feldenkirchen schreibt dabei so, dass man nicht selten mit dem Kandidaten leidet. Er wird greifbarer als die erst Lichtgestalt und dann Witzfigur, als die er vor und nach der Wahl beschrieben wurde. Möglicherweise ist das Buch auch vor allem so gut geworden, weil Schulz diese ganzen Entwicklungen erleiden musste und so krachend scheiterte. Was die Tragik nur erhöht.

Im Bereich der politischen Berichterstattung ist Die Schulz-Story auf jeden Fall ein empfehlenswertes Werk. Mehr Spitzenpolitiker, die ein Politikverständnis pflegen, das solche Begleitungen möglich macht, würden dem Ansehen der Spitzenpolitik sicher einen guten Dienst erweisen.

Kommentare: 2
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Rezension zu "Die Schulz-Story" von Markus Feldenkirchen

Die Umsetzung ist brillant
das_lesewesenvor 4 Monaten

Noch nie hat ein Politiker so einen rasanten Aufstieg und so einen tiefen Fall erlebt wie Martin Schulz. Während er zu Beginn des Wahlkampfes als Retter der SPD und möglicher Bundeskanzler galt, ist er ein Jahr später mit seinem Anspruch, eine andere, ehrlichere Politik zu machen, auf ganzer Linie gescheitert.


Markus Feldkirchen ist mit „Die Schulz Story“ ein journalistisches Meisterstück gelungen, das zurecht mehrfach ausgezeichnet wurde. Diese Chronologie eines Jahres ermöglicht es, fernab jeder politischen Einstellung hinter die Kulissen zu schauen. Was die Politik, was eine Partei innerhalb eines Jahres aus einem Menschen mit Überzeugungen machen kann, hat mich zutiefst schockiert. Diese Politikreportage offenbart, was moralische Grundüberzeugungen in der Politik des 21. Jahrhunderts wert sind. Diese schonungslose Offenheit und der Mut sich auf ein solches Projekt einzulassen, verlangt gegenüber Martin Schulz großen Respekt.


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Liebe Grüße,

das_lese_wesen

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Rezension zu "Die Schulz-Story" von Markus Feldenkirchen

Ein klassischer Machtpolitiker, der keiner zu sein glaubt
HansDurrervor 2 Jahren

Eine eigenartigere, bizarrere politische Geschichte als die des SPD-Politikers Martin Schulz, der in nur gerade einem Jahr von ganz oben nach ganz unten sauste, so das gemeinhin von den Medien verbreitete Narrativ, hat es wohl noch nie gegeben. Dass einem der rasante Aufstieg und genauso rasante Abstieg des gelernten Buchhändlers aus Würselen so dramatisch vorkommt, hat auch (aber nicht nur) damit zu tun, dass er uns so dramatisch geschildert wird. Denn Martin Schulz, der es in Nullkommanichts vom Präsidenten des Europäischen Parlaments zum Parteivorsitzenden der SPD brachte, kam ja nicht aus dem Nichts, sondern sass seit 1994 im Parlament in Strassburg, hatte also sein Leben, wie Politiker das eben so tun, in Sitzungen und Ausschüssen verbracht, und verstand etwas vom politischen Spiel und das meint: Von Intrigen und machtpolitischen Manövern. Ihn als Menschen zu charakterisieren, der „nie ein klassischer Machtpolitiker werden“ wollte, wie das im Klappentext zu Markus Feldenkirchens spannend zu lesendem Buch Die Schulz-Story. Ein Jahr zwischen Höhenflug und Absturz steht, lässt ausser Acht, dass ein Mann, der über zwanzig Jahre in der Brüsseler Verwaltungsanstalt in einflussreicher Position tätig war, genau das die meiste Zeit seines Berufslebens gewesen ist – ein klassischer Machtpolitiker.

Schulz sei in kürzester Zeit zu einer Art Kultfigur geworden, schreibt Markus Feldenkirchen. „Das vermeintlich uncoole Äussere des Mannes, der Anzüge von der Stange und als Brille ein Kassengestell trägt, wird plötzlich für hip erklärt. Diesen Hype hat niemand im Willy-Brandt-Haus vorhergesehen, er ist nicht Teil des Kampagnenplans, wird von niemandem recht verstanden und dementsprechend auch nicht genutzt.“ Das ‚vermeintlich uncoole Äussere‘? ‚Vermeintlich‘ darf man streichen.

Doch den Hype, den gibt es. Schulz‘ Auftritte kommen an, er wirkt (zumindest in den ersten Wochen) menschlich, nicht roboterhaft wie die Kanzlerin. Er spricht mit Leidenschaft und Pathos, stellt die selbsternannten Eliten den Busfahrern und Krankenschwestern gegenüber. Und erstaunlicherweise nehmen ihm die Leute sein Engagement für den kleinen Mann ab – schliesslich ist er selber keiner, verfügte er doch in Brüssel über ein fabelhaftes Einkommen, einen Mitarbeiterstab, der neben Fahrer, Protokollchef und jede Menge Assistenten sogar einen Saaldiener umfasste. Fast 20’000 Neumitglieder hat die SPD in wenigen Monaten gewonnen.

Die Schulz-Story. Ein Jahr zwischen Höhenflug und Absturz (Deutsche Verlags-Anstalt, München 2018) ist gelungener Mainstream Journalismus. Genau beobachtet, informativ und aufklärend, ansprechend erzählt, höchst unterhaltend – allerdings mit einem Schönheitsfehler: Das kritische Hinterfragen (die Essenz des Journalismus, wie ich einmal gelernt habe) der Mechanismen des Zusammenspiels von Medien und Politik habe ich vermisst. Da wird etwa ein Foto aus dem Zug, das Martin Schulz und Thorsten Albig, nach der Wahlniederlage des letzteren im Zug zeigt, als Beleg für die öffentliche Wahrnehmung gewertet. „Schulz schaute für einen Moment bedröppelt aus dem Fenster in den Regen und Albig zur anderen Seite auf sein Handy. Schon gab es ein Foto, das zum Sinnbild wurde: Die SPD hat resigniert. Wahlkampf ist auch die Kunst, jederzeit die Kontrolle über seine Gesichtszüge zu wahren.“ Ein Foto wurde zum Sinnbild? Wirklich? Vielleicht für ein paar Medienleute.

Es sind solche Sätze, die einem klar machen, dass nicht nur Politiker, sondern auch Journalisten in einer Blase leben. Die Bedeutung, die der Autor den Analysen (die manchmal nichts anderes als hingeworfene Sätze sind) von Politikern und Fernsehleuten gibt, ist nicht nur befremdend, sondern geradezu lebensfremd. Irritierend fand ich auch die kritiklose Übernahme der Darstellungspalette der Politiker: Wie kann man bloss glauben, dass das Foto eines Handschlags mit Macron auf Facebook und Twitter oder eine Wahlkampfrede von Belang sein können? Apropos Blase: Eindrücklicher als die Beschreibung wie Schulz mit einem Medientross im Schlepptau erfolglos das Gespräch mit den Bürgern sucht, kann man das Politik- und Medientheater kaum schildern.

Ich habe Martin Schulz nie anders als den typischen, grauen Europaparlamentarier wahrgenommen, einen Mann also, der Europapolitik macht. Henryk M. Broder hat ihn einmal so beschrieben: „Schulz „macht“ seit über 30 Jahren Europa-Politik. Er gehört zu denen, welche die EU an die Wand gefahren haben. Die EU ist am Ende. Schulz ist am Ende. Was er als „Gesellschaftsmodell“ bezeichnet, das verteidigt werden muss, ist das Geschäftsmodell einer kleinen aber machtgeilen Elite, deren Angehörige sich gegenseitig stützen und fördern. Von wegen Geschenk und Wunder. Es geht um Stabilität – bei der Besetzung der gut dotierten Posten, Und da wäscht eine Hand die andere.“

Martin Feldenkirchen beschreibt einen anderen Martin Schulz. Einen Mann, der sich selber bleiben, sich nicht verbiegen lassen will. Einer, der Journalistenfragen beantwortet (was gewiefte Interviewprofis nicht tun – „Auf welche Ihrer Fragen soll ich meine vorbereiteten Antworten ablesen?“, fragte Henry Kissinger einmal anlässlich einer Pressekonferenz). Einer, der im Aufzug für seine rote Nase nach Puder fragt. „Seine Konkurrentin Angela Merkel kennt dieses Problem nicht, sie ist rund um die Uhr mit einer vom Staat finanzierten Visagistin unterwegs“, kommentiert Markus Feldenkirchen. Nicht zuletzt solcher Infos wegen lohnt sich dieses Buch. Mir jedenfalls schärfen solche Details die Sicht aufs Ganze.

Immer wieder weist Feldenkirchen darauf hing, wie Schulz‘ Ideen und Reden von Beratern zurecht gebügelt, auf politisch akzeptierten Mainstrean getrimmt werden. Als der Kandidat einmal bei einem Museumsbesuch von Meereschildkröten erfährt, die Plastiktüten fressen, weil sie sie für Plankton halten, ist er derart aufgewühlt, dass er sich vornimmt, das (und das Versprechen, der nächsten Generation eine intakte Welt zu hinterlassen) zum Thema zu machen. Das wird jedoch erst am Parteitag im Dezember der Fall sein. „Es wird eine der leidenschaftlichsten Stellen seiner Rede, sie wird die grösste Begeisterung entfachen. Und so fragt man sich rückblickend, warum die Schildkröte erst im Dezember auftauchen und nicht schon durch den Wahlkampf schwimmen durfte.“ Ich hingegen fragte mich, wieso Politiker und Medienleute Reden eine solche Bedeutung beimessen? Nichts illustriert die Wählerferne deutlicher.

Überzeugend ist Die Schulz-Story auch deswegen, weil der Autor sich mit seinen Einschätzungen nicht zurückhält. „Schulz und sein Team wirken auf mich bisweilen wie Getriebene, die sich mehr von Umfragen und Medienberichten in die eine oder andere Richtung jagen lassen, als selbstbewusst ihren Kurs zu fahren.“ Und: „Angela Merkel hat die umfrageorientierte Politik während ihrer Amtszeit auf die Spitze getrieben. Kaum änderte sich bei einem Thema die Mehrheitsmeinung, änderte sich auch ihre Politik.“

Markus Feldenkirchen hat ein Lehrstück darüber geschrieben, wie die Medien Politik vermitteln – als story telling – und viele Einblicke in Denken und Handeln von Politikern und Medienleuten geliefert. Ambrose Bierce ist mir dabei immer mal wieder durch den Kopf gegangen, der einmal die Politik als Interessenkonflikt, maskiert als Prinzipienstreit definiert hat. Eindrücklicher dargestellt als in Die Schulz-Story habe ich das selten gefunden.

Darüber hinaus ist dem Autor auch ein eindrückliches Porträt unseres rastlosen, hektischen, von Impulsen dominierten Zeitgeistes geglückt. „Ständig brummt, klingelt oder piepst ein iPhone. Kaum ein Satz kann zu Ende gesprochen, kaum ein Gedanke zu Ende gedacht werden.“ Auch Angela Merkel sei handysüchtig, notiert er. „Wenn ihr etwas einfällt, schreibt sie rasch eine Nachricht. Ihre Vertrauten antworten sofort. So wird mit dem ersten Gedanken Politik gemacht, die Zeit des Nachdenkens, des Besinnens, fällt oft weg.“ Donald Trump allüberall, nur nicht so offensichtlich.

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Markus Feldenkirchen wurde am 31. August 1975 in Bergisch Gladbach (Deutschland) geboren.

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