Markus Feldenkirchen Keine Experimente

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Inhaltsangabe zu „Keine Experimente“ von Markus Feldenkirchen

Der konservative Bundestagsabgeordnete und Familienpolitiker Frederik Kallenberg stammt aus einem zerrütteten Elternhaus im katholischen Sauerland und möchte alles besser machen als seine Eltern. Er heiratet seine Jugendliebe Julia, bekommt mit ihr zwei Kinder, und als er mit Anfang dreißig auch noch in den Bundestag gewählt wird und nach Berlin aufbricht, scheint sein Glück perfekt. Doch mitten in seiner ersten Legislaturperiode verschwindet er plötzlich, zurück bleiben eine mysteriöse Notiz und viele Fragen. Weshalb wurde er von der Kanzlerin persönlich vorgeladen? Hat die emanzipierte, unabhängige Liane, mit der er sich ganz gegen seine moralischen Grundsätze auf eine Affäre eingelassen hat, mit Frederiks Verschwinden zu tun?

Ein sehr interessanter und fesselnder Roman über die Moral und die Politik, der zeigt, dass beides scheinbar in unserer Welt nicht vereinbar

— 19angelika63
19angelika63

Beklemmende deutsche Provinz - da laufen dem Leser mehr Schauer über den Rücken als bei so manchem Thriller oder Horrorschinken!

— TochterAlice
TochterAlice

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  • Der Aufstieg und Fall eines konservativen Politikers

    Keine Experimente
    Arizona

    Arizona

    17. September 2013 um 12:48

    „Keine Experimente“ lautete der Slogan der CDU im Bundestagswahlkampf 1957 unter Konrad Adenauer. Und das ist auch das Lebensmotto unseres Protagonisten, Frederik Kallenbach, einem konservativen Politiker aus dem Sauerland.  Aufgebaut ist der Roman eigentlich wie ein Krimi, und zwar beginnt alles mit dem Verschwinden des Politikers. Alle rätseln, wo der 36 Jahre alte Bundestagsabgeordnete nur abgeblieben ist, es gibt keine Spur von ihm -aber dafür gibt es Spekulationen über ein eventuelles Doppelleben...  Es folgt ein Rückblick in seine Kindheit, ins Alter von 12 Jahren, die Ehe seiner Eltern war recht unglücklich, sein Vater war sehr dem Alkohol zugetan und hat seine Zeit mehr in der Kneipe verbracht als zuhause, während es seine Mutter mit der Treue nicht so genau nahm. Die Schilderungen dort aus dem Dorfleben im Sauerland sind recht humorvoll geschrieben, z.B. vom Schützenfest mit all seinen Entgleisungen... allerdings ein sehr sarkastischer Humor. (Der Autor Markus Feldenkirchen stammt übrigens selbst aus dieser Gegend!) Diese doch sehr unglückliche Kindheit als Aussenseiter geht dann auch an Frederiks Psyche nicht ganz spurlos vorbei. Trost und Verständnis findet er nur bei dem jungen Pfarrer Schmiedebach.  Seine konservative Weltanschauung verfestigt sich dann, als er durch seinen Schulfreund Jürgen Kontakt zur konservativen Partei bekommt und auch aktiv im Wahlkampf mitmacht. Hier findet er seine Bestimmung, er hat Charisma und kann Leute von seinen Idealen überzeugen. Er lernt seine jetzige Frau Julia kennen, mit der er seit 15 Jahren verheiratet ist und 2 Söhne hat. Nach dem Studium in Bonn wird er Mitglied des Bundestags und zieht nach Berlin, während seine Frau mit den Kinder im Sauerland bleibt, wo er sie am am Wochenende besucht.  Ein paar Monate vor seinem Verschwinden trifft Kallenberg in Berlin bei einer politischen Talkshow Liane, eine Feministin. Hier prallen zwei Welten aufeinander. Liane geht mit einer Freundin die Wette ein, dass sie ihn ins Bett bekommt. Die beiden verabreden sich... mehr wird nicht verraten - nur soviel: Durch diese Bekanntschaft gerät sein ganzes Weltbild so sehr ins Wanken, das nichts mehr ihm so erscheint wie zuvor. Wird es für ihn einen Weg zurück geben - zu seiner Frau ins heimische Sauerland? Und wieso ist er verschwunden?  Also nun zur Bewertung: Zunächst, der Autor schreibt in einer schönen, klaren Sprache, und hat auch stellenweise einen speziellen Humor. So haben mir die Anfangskapitel aus dem Sauerland auch sehr gut gefallen. Aber der Mittelteil, in dem es doch auch viel um Politik und die konservativen Werte geht war mir einfach zu lang. Hier blieb auch der Humor leider auf der Strecke und mir erschien alles eher langweilig. Die Spannung konnte für mich nicht aufrecht erhalten werden. daher habe ich auch sehr lange an dem Buch gelesen. Das kann aber auch an dem für mich doch recht trockenem Thema Politik liegen. Auch fand ich die Geschichte sehr überladen, mit vielen Nebengeschichten, Rückblicken etc. Das Ende hat mir wieder besser gefallen. Witzig fand ich, dass in einige Szenen sogar unsere Kanzlerin auftauchte, köstlich!

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  • Mehr erwartet

    Keine Experimente
    sanrafael

    sanrafael

    10. September 2013 um 09:08

    Nach dem ersten Roman von Markus Feldenkirchen (Was zusammengehört) wollte ich unbedingt auch seinen nächsten lesen. Leider ist 'Keine Experimente' zu trocken und unspannend. ~~~ Frederik will auf keinen Fall so werden wie seine Eltern und lebt daher nach festen Prinzipien. Sein Ideal war es immer eine intakte Familie zu haben, in der er sich geborgen fühlt. Nicht so wie in seiner Kindheit als er sich für seine Eltern schämte. Doch während er diese Werte vehement im Bundestag vertritt, verzettelt er sich irgendwann im Leben selbst. Ausgerechnet er, der konservative Abgeordnete, kommt vom Weg ab. Das Buch springt pro Kapitel zwischen seiner Kindheit und der Gegenwart. Leider ist die story zu eintönig, schade.

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  • Zu fad

    Keine Experimente
    Liseron

    Liseron

    09. August 2013 um 21:08

    Das zweite Kapitel mit der lebendigen Schilderung eines dörflichen Schützenfestes im Sauerland weckt Interesse für den Roman, die Rückblenden zur Entwicklung des Protagonisten Kallenberg vom Außenseiter der Dorfjugend mit prekärer Familiensituation bis zu seinem Einzug in den Bundestag halten es noch halbwegs aufrecht. Mit der missglückten Ehe seiner Eltern wird Kallenbergs besonders konservativer Ansatz im Bereich Familienpolitik motiviert, bis es schlicßlich der Kanzlerin zu bunt wird. Im Gegensatz zur tatsächlichen politischen Entwicklung verhindert sie im Roman die Herdprämie.   Die Figuren sind mir zu flach, viele Szenen dienen nur als Kulisse, um diverse Entwicklungen in Politik und Gesellschaft zu kritisieren, alles nichts Neues, außer vielleicht die Abneigung des Autors gegen die drei Punkte … Das Gesagte ist das Gemeinte, Hintergründiges Fehlanzeige, die unterhaltsamen Szenen der ersten Kapitel weichen allgemeiner Langeweile.    Das einzige, was die Spannung bis kurz vor Schluss hält, ist die Frage nach dem Verschwinden von Kallenberg. Die Lösung ist weder komisch noch tragisch: er macht eine Therapie. Sein Pseudokonflikt zwischen Pflicht und Neigung ist mit leichter Hand entschieden, er lässt Ehefrau und Kinder hinter sich und holt seine Jugend nach. Leider interessiert mich nichts davon. Fontane und den großartigen Stechlin als Leim für eine Partnerschaft zu missbrauchen, der ich ein halbes Jahr gebe, macht mich unleidlich. Lianes Motive kann ich nicht nachvollziehen. Endlich mal ein naiver Mann, der mit Zwängen überrascht und ein Familien- und Weltbild pflegt, womit er besser im Sauerland geblieben wäre?

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  • Toller Roman!!!

    Keine Experimente
    PaulinaR

    PaulinaR

    08. August 2013 um 17:42

    Ein Buch, das ich nicht aus den Händen legen konnte und das mich an vielen Stellen sehr gerührt, an anderen Stellen zum Lachen und an wieder anderen zum Nachdenken gebraucht hat. Ein toller Roman! Feldenkirchen beschreibt den Werdegang eines jungen Konservativen, Frederik Kallenberg. Auch wenn ich mit dessen Geisteshaltung (klassische Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau, der Feminismus als Geißel unserer Zeit und das Internet als permanent böse Versuchung) eher wenig anfangen kann, hat mich die Schilderung der Kindheit Kallenbergs tief gerührt. Diese ist geprägt von einem Vater, der am liebsten allein vor seinem Bier in einer Kneipe sitzt und eine Mutter, deren Flucht aus der Tristesse eines kleinen, piefigen, Dorfes in Kulturabenden und Männerbekanntschaften besteht. Der kleine Sohn fühlt sich nicht nur vernachlässigt sondern schämt sich für die Trunksucht seines Vaters und die Untreue seiner Mutter. Aus diesem Empfinden zieht er die Konsequenz, es selbst einmal ganz anders zu machen. Da er das Wertesystem, das ihm insbesondere durch die katholische Kirsche vermittelt wird, nicht hinterfragt, ist für ihn klar, dass Schuld an der Misere das mangelnde Einhalten der Regeln ist und er will im Gegensatz dazu mit voller Konsequenz danach leben. So heiratet er seine Jugendliebe, bekommt mit ihr zwei Kinder und engagiert sich - entsprechend seiner Überzeugungen - in der konservativen Partei. Die Beschreibung von Kallenbergs erster Begegnung mit den "Jungkonservativen" gehört zu dem Lustigsten, was ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Dort ist er dann schnell sehr erfolgreich und gelangt als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag. In Berlin geraten nun die Pfeiler seines Lebens ins Wanken. Er lernt bei einer Podiumsdiskussion eine junge Feministin, Liane Berg, kennen und ist von ihrer Offenheit und Leidenschaft beeindruckt. Völlig untypisch für ihn kann er sich der Anziehung Lianes nicht entziehen. Obwohl sie äußerlich kaum gegensätzlicher sein können, haben sie doch viel gemeinsam. Liane fand die Ehe ihrer Eltern auch schrecklich, aber hat für sich eine andere Konsequenz gezogen – und ein anderes Lebenskonzept gefunden. Sie möchte ungebunden durchs Leben gehen, ihre Leidenschaften (insbesondere ihr Saxophon) leben und keine falschen Kompromisse eingehen. Obwohl sich beide dagegen wehren, verlieben sie sich ineinander. Allein dies bringt Kallenberg in schwere Gewissensnöte. Hinzu kommt aber auch noch, dass er von seinen konservativen Kolleginnen und Kollegen enttäuscht ist und er bei denen eine Haltung beobachtet, bei der das Streben nach dem eigenen Vorteil den ursprünglichen Idealismus verdrängt hat. Zudem wird für ihn offensichtlich, dass sein Projekt "Müttergeld" nicht erfolgreich sein wird. Das Ganze kumuliert in einer sehr anschaulich geschilderten Lebenskrise. Das Buch ist ungemein spannend, ich wollte die ganze Zeit wissen, wie es weitergeht. Dabei verschränken sich die verschiedenen Handlungsstränge immer wieder miteinander, so dass das Buch nicht nur eine Liebesgeschichte sondern ebenso eine treffende und oftmals lustige Milieubeschreibung enthält. Gegenstand des Buches ist die Frage nach dem richtigen Lebensentwurf, dem Festhalten an Dogmen oder der Offenheit für Neues und damit hat das Buch nicht nur einen derzeit gesellschaftlich virulentes Thema sondern auch eines, was einen selber in seiner privaten Lebensführung immer wieder beschäftigt. Deshalb kann ich das Buch auch so wärmstens, weil es einem nicht nur emotional oft nahe geht, treffende Milieuskizzierung sowie Beobachtungen gesellschaftlicher Phänomene enthält sondern darüber hinaus auch noch eines der großen Themen des Lebens behandelt.

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  • Ein Politiker und seine Moral

    Keine Experimente
    19angelika63

    19angelika63

    03. August 2013 um 17:23

    Klappentext Der konservative Bundestagsabgeordnete und Familienpolitiker Frederik Kallenberg stammt aus einem zerrütteten Elternhaus im katholischen Sauerland und möchte alles besser machen als seine Eltern. Er heiratet seine Jugendliebe Julia, bekommt mit ihr zwei Kinder, und als er mit Anfang dreißig auch noch in den Bundestag gewählt wird und nach Berlin aufbricht, scheint sein Glück perfekt. Doch mitten in seiner ersten Legislaturperiode verschwindet er plötzlich, zurück bleiben eine mysteriöse Notiz und viele Fragen. Weshalb wurde er von der Kanzlerin persönlich vorgeladen? Hat die emanzipierte, unabhängige Liane, mit der er sich ganz gegen seine moralischen Grundsätze auf eine Affäre eingelassen hat, mit Frederiks Verschwinden zu tun? Frederik Kallenberg wächst im erzkatholischen Sauerland auf. Traditionen stehen an erster Stelle. Darum ist es schlimm für ihn, als er erleben muss, dass sein Vater ein Trinker ist und seine Mutter sich mit anderen Männern vergnügt. Sein einziger Halt in der Jugend ist sein Glaube an Gott. Umso schlimmer ist es, dass er Ticks entwickelt, die ihm helfen Sicherheit zu finden. Irgendwann legt er diese Ticks wieder ab. Er lernt Julia kennen, heiratet sie und bekommt zwei Kinder mit ihr. Als er dann endlich ind en Bundestag einzieht, hofft er mit seinen Moralvorstellungen und Gedanken zur Familienpolitik, all da zu verwirklichen, was er sich als Kind gewünscht hat. Doch schon bald stolpert er über seine eigene Moral. Frederik versucht eigentlich nur das zu leben, was er sich von seinen Eltern immer gewünscht hat. Eine intakte Familie, in der sich die Frau um Kinder und Haushalt kümmert, und der Mann das Geld verdient. Dass dies im 21. Jahrhundert so nicht mehr funktionieren kann, merkt er spätestens dann, als er Liane kennen lernt. Eine junge Feministin, die für die Rechte und Unabhängigkeit der Frauen kämpft. Erst langsam begreift er, dass sein Frauenbild ein veraltetes ist. Mir hat dieser Roman gut gefallen, weil er verschieden Aspekte der Familienpolitik aufzeichnet. In einigen Punkten stimme ich mit Frederik überein, in anderen halte ich seine Ansichten für sehr verstaubt. Ein sehr interessanter und fesselnder Roman über die Moral und die Politik, der zeigt, dass beides scheinbar in unserer Welt nicht vereinbar ist. Entweder man macht Politik oder man hat eine Moral. Markus Feldenkirch arbeitet seit 2004 beim „Spiegel“ als Autor für deutsche Politik im Hauptstadtbüro. 

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  • Lebensweg eines politischen Karrieristen aus der Provinz

    Keine Experimente
    TochterAlice

    TochterAlice

    03. August 2013 um 10:45

    Der Lebensweg von Frederik Kallenberg sollte geradlinig sein - nämlich immer steil nach oben, auf die Abgeordnetenbank einer wertkonservativen christlichen Partei und möglicherweise noch weiter hoch - so der Plan des noch recht jungen Abgeordneten aus einem winzigen Ort im Sauerland. Frederik hat es nicht leicht gehabt in der Kindheit, zerüttete Familienverhältnisse, viel Spott und Hohn... und hat sich selbst - mit ein bisschen Unterstützung von außen -  am Haarschopf gepackt und aus dem Dreck gezogen und kann mit Mitte 30 auf eine langjährige glückliche Ehe mit einer wunderbaren, bildschönen Frau, zwei wohlgeratene Kinder - und auf einen Sitz als Bundestagsabgeordneter, der durchaus was zu sagen hat, blicken. Doch dann wird seine heile Welt so dermaßen durcheinandergewirbelt, dass es kein Halten gibt und Kallenberg steht vor einer Entscheidung, die sein ganzes weiteres Leben betrifft. Markus Feldenkirchen schreibt gut, solide ... und ein kleines bisschen langweilig. Die Beklemmung des dörflichen Lebens in der nordrhein-westfälischen Provinz zu Beginn des Buches ist außerordentlich eindringlich geschildert und raubt dem Leser fast den Atem... doch leider baut das Buch dann aus meiner Sicht kontinuierlich ab. Klischees noch und nöcher werden gebracht, wobei nicht klar wird, ob dies ironisch oder ernst gemeint ist - und dies betrifft grundlegende Punkte wie bspw. das Bild der Frau in unserer Gesellschaft, die katholische Kirche - hie und da wäre ein wenig mehr Einfühlsamkeit, auch mehr Originalität durchaus nicht fehl am Platze gewesen. Das Können des Autors - das mir durch seinen ersten Roman "Was zusammengehört", den ich sehr genossen habe, nicht unbekannt ist - blitzt nur ab und an mal hervor - so bspw. in der Diskussion Frederik Kallenbergs mit seiner späteren Geliebten Liane über Fontane ... Parallelen zu Fontanes Stil, seinen Erzählstrukturen tauchen kurzfristig auf... um dann wieder im Nirwana zu verschwinden... schade eigentlich! Es ist kein schlechtes Buch - aber wenn man es nicht liest, ändert sich auch nichts und mich hat es stellenweise sogar etwas verdrossen - daher hier eher keine Leseempfehlung.

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  • Interessanter politischer Roman, der leider nicht zu fesseln vermag

    Keine Experimente
    anushka

    anushka

    28. July 2013 um 22:07

    Frederik Kallenberg wächst in dem Dorf Waldhagen im Sauerland auf. Seine Kindheit ist trostlos und seine moralischen Vorstellungen sind geprägt von der öffentlichen Meinung und dem Gerede der Dörfler. Dass Frauen in den 1980er Jahren am Ende des Schützenfest-Umzugs mitlaufen dürfen, empfinden hier viele als Ding der Unmöglichkeit. Kein Wunder also, dass Frederik schließlich Politiker und Deutschlands großer konservativer Partei wird und für ein traditionelles Familienmodell einsetzt. Der 36-jährige Frederik Kallenberg zieht für seine politische Karriere nach Berlin, denn er hat es zum Bundestagsabgeordneten gebracht. Hier wirkt er relativ naiv und weltfremd, Kreuzberg versetzt ihn in Angstzustände und überhaupt ist Berlin für ihn der Sündenpfuhl schlechthin. Das Buch eröffnet mit der Tatsache, dass Frederik verschwunden ist und keiner weiß, was passiert ist. Die Geschichte rollt also rückblickend auf, wie es dazu gekommen ist und welches Schicksal ihn eigentlich ereilt hat. Dabei ist die Perspektive nicht immer ausschließlich bei Frederik, sondern wechselt auch zu Liane, einer emanzipierten Studentin, mit der Frederik schließlich eine Affäre beginnt. Trotzdem gelingt es nicht, Liane wirklich als lebensecht, glaubhaft und greifbar zu empfinden. Sympathie mit ihr ist vor allem aufgrund ihres eigenen Verhaltens nicht immer und für jeden Leser möglich, aber da es kaum intensive Gespräche zwischen den beiden gibt, ist Frederiks Verwirrung hinsichtlich seiner Liebe nicht ganz nachvollziehbar. Und insgesamt hat man als Leser oft das Gefühl, außen vor zu sein und nur vereinzelte Einblicke in das Leben und Wirken des Protagonisten und der anderen Charaktere zu bekommen. Ja, Markus Feldenkirchen schildert auf jeden Fall die innere Zerrissenheit seines Protagonisten und das ist auch das, was im Klappentext versprochen wird. Diese bezieht sich aber gar nicht so sehr auf seine eigenen Ideale und Moralvorstellungen, auch wenn diese durch die Affäre stark ins Wanken geraten. Vielmehr macht ihm aber zu schaffen, wie sein Umfeld mit den Idealen der Partei umgeht und ich bekam eher das Gefühl, dass ihn das noch rigoroser machte und dazu führte, dass er noch stärker an seiner Familienpolitik festhalten wollte, auch wenn dies aufgrund seines Handelns eher wenig vorstellbar ist. Möglicherweise habe ich das Buch auch nicht verstanden. Ich gestehe es ein, bevor es mir von begeisterten Anhängern des Buches unterstellt wird, obwohl ich viele Impulse zum Nachdenken und Diskutieren fand, wenn auch Frederiks (familien-)politische Position nicht meiner entspricht. Leider konnte auch dieses Buch mich aber nicht davon überzeugen, dass politische Romane unterhaltsam sein können. Und ich lese sonst auch nicht nur seichte Unterhaltung. Aber dieses Buch fand ich streckenweise leider trocken und etwas zäh. Ein Lob aber noch an den Verlag für das "E-Book inklusive". Ich würde mir wünschen, dass sich das für Bücher - zumindest dieser Preisklasse - flächendeckend durchsetzt!

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  • ---Keine Experimente--- stark angefangen und leider nachgelassen...

    Keine Experimente
    KerstinnI

    KerstinnI

    26. July 2013 um 17:52

    Frederik ist ein streng konservativer Bundestagsabgeordneter, der sich für die traditionellen Familienwerte einsetzt. Doch plötzlich ist er verschwunden und keiner scheint zu wissen, wo er hin ist.... Der Start in diese Geschichte ist wirklich großartig gelungen. Voller Zynismus und witz wird Frederiks Kindheit und seine Gegenwart geschildert. Ich bin dadurch wirklich sehr gut in das Buch hineingekommen und hatte viel Spaß beim Lesen. Leider lässt dieser anfängliche Zynismus etwas nach und die Geschichte wird etwas "plätscherig". Frederik als Charakter ist zunächst sehr interessant, jedoch wurde er mir im Laufe der Geschichte immer weniger sympatisch. Hinzu kommt, dass ich zeitweilig das Gefühl hatte, ich bräuchte mehr Informationen um das Geschehene wirklich zu verstehen und verfolgen zu können. Sehr amüsant und gut gelungen sind die Einblicke in Frederiks poltischen Alltag und den Umgang mit seinen Kollegen und auch der Kanzlerin. Außerdem habe ich tatsächlich angefangen über Frederiks Kampf gegen die Emanzipation nachzudenken und in welchen Punkten er vielleicht sogar Recht haben könnte.... Fazit: Ein gelungenes Buch! Ich schwanke zwischen drei und vier Sternen....

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  • keine Experimente

    Keine Experimente
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. July 2013 um 18:47

    Frederik ist ein konservativer Politiker und spurlos verschwunden. Aufgewachsen im konservativen und religiösen Sauerland, heiratet er seine erste Freundin und legt auch in der Politik eine bisher glanzvolle Karriere hin. Doch dann lernt er Liane kennen... Ich möchte gar nicht mehr zu dem Inhalt des Buches sagen, weil ich niemandem die Spannung nehmen möchte.  Die Geschichte beginnt auf jeden Fall sehr spannend und bleibt es auch, auch wenn das Ende nicht in meinem Sinne ist und für mich ein wenig herbeigezogen wirkte. Aber die Entwicklung von Frederik und seinen Werten ist wirklich interessant. Auch die Geschichte bleibt bis zum Ende hin spannend. Der Schreibstil ist am Anfang noch wirklich toll, weil so ein schöner unterschwelliger Humor in den Sätzen mitschwingt. Dies nimmt zum Ende hin leider ab.  Es wird viel mit Rückblenden gearbeitet, die Frederiks Kindheit und Jugend erzählen. Der Wechsel ist gut nachvollziehbar und kommt an den richtigen Stellen. Mir fehlte jedoch ein wenig das mitten drin sein beim lesen. Es ist recht wenig wörtliche Rede, wodurch das lesen nach einer Weile etwas zäh wurde. Auch wenn mich interessierte, wie die Geschichte ausging.  Alles in allem durchaus lesenswert, aber kein Muss Begründung für die Sterne: pos: Frederiks Wandel  Interessante und spannende Geschichte der Schreibstil am Anfang ist super neg: Schreibstil (also der Humor zwischen den Zeilen) ist am Ende nicht vorhanden das Ende (ist jedoch Geschmackssache, schätze ich... Ich jedoch war unzufrieden) --> 3 Sterne

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  • Absturz eines konservativen Politikers

    Keine Experimente
    Talitha

    Talitha

    22. July 2013 um 17:25

    Frederik, konservativer und religiöser Bundestagsabgeordneter, ist verschwunden. Nun wird im Buch nach und nach seine Lebensgeschichte erzählt und geklärt, wie es dazu kommen konnte und wie es mit der Begegnung des soliden Familienvaters mit einer feministischen Studentin zusammenhängt... Das Buch ist gut geschrieben. Vor allem der Anfang nimmt einen sehr mit, in dem die Schilderung der Kinder- und Jugendjahre Frederiks erfolgt, mit viel Witz und Zynismus, der leider im Verlauf des Buches etwas abhanden kommt. Das passt aber wiederum auch zu der sich auflösenden Persönlichkeit Frederiks. Man hat aber irgendwie immer das Gefühl als würden einem wichtige Informationen und Ereignisse fehlen, die die Motivation der einzelnen Figuren erklären würden, daher nur 3 Sterne, obwohl die Geschichte an sich durchaus das Zeug für 5 Sterne hat.  Alles in allem aber ein sehr unterhaltsame und interessante Lektüre, besonders auch in Bezug auf die Einsicht in die Hierarchie des Bundestags und der Beziehungen der Abgeordneten untereinander (und natürlich das Telefon mit der Kanzlerin, das ist wirklich weltklasse ;-), mehr wird nicht verraten).  

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  • Keine Experimente

    Keine Experimente
    hundertwasser

    hundertwasser

    22. July 2013 um 10:39

    Dieser Slogan sicherte schon 1957 den Sieg für Adenauers konservative Christdemokraten und auch dem Abgeordneten Frederik Kallenberg gereicht dieses Schlagwort zu seinem Lebensmotto. Aufgewachsen im wertekonservativen Sauerland hat es Kallenberg aus der etwas rückständigen und piefigen Gesellschaft bis in den Deutschen Bundestag hineingeschafft, aus dem er zu Beginn des Buches plötzlich verschwunden ist. Klug montiert beginnt Markus Feldenkirchen seinen zweiten Roman, indem er abwechselnd von Frederiks Jugend und seinen letzten Wochen vor seinem Verschwinden berichtet. Er zeichnet das Bild einer tristen Jugend und eines Aufstiegs an die Macht, den Frederik von seinen Idealen als konservativer Abgeordneter getragen, unbeschadet meistert. Mit ebensolcher Akribie und schriftstellerischen Finesse fügt Feldenkirchen dann aber dem Saubermann-Image des Abgeordneten Kallenberg erste Makel zu, ehe er ihn im Laufe des Buches demontiert und mit der ebenso frei denkenden wie verführerischen Liane konfrontiert, die sein Weltbild gehörig ins Wanken bringt. Die Stärke dieses an Stärken wahrlich nicht armen Buches liegt in der komplexen Charakterzeichnung des Abgeordneten Kallenberg mit seinen Idealen, Vorstellungen, Ängsten und Wünschen. Markus Feldenkirchen lässt diesen Abgeordneten, der zahlreiche Ansätze zur Karikatur böte, niemals zur bloßen Abziehfolie eines Parlamentariers werden. Glaubwürdig und nachvollziehbar schildert er die Ereignisse, die Kallenbergs Weltbild prägten und zeichnet einen Mann, den man zwar trefflich kritisieren kann, dessen klare Haltung dem Leser dennoch Respekt abnötigt. Gerade in den heutigen Zeiten der stromlinienförmigen Politik und Medienberichterstattung zeichnet Feldenkirchen das Bild eines geradlinigen Menschen, der für seine Ideale eintritt und dafür auch Spott und Häme erträgt. Was „Keine Experimente“ neben der klaren Sprache und der psychologisch fundierten Personenzeichnung ausmacht, ist der augenzwinkernd feine Humor, der durchaus immer mal wieder durchblitzt. Wie in seiner Haupttätigkeit als Journalist für den Spiegel schafft es auch Feldenkirchen nach „Was zusammen gehört“ erneut, einen ebenso lesenswerten wie gut lesbaren Roman vorzulegen, der beweist, dass die Politik mitsamt ihren Protagonisten durchaus Material für großartige Bücher bietet!

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