Markus Gabriel Ich ist nicht Gehirn

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Inhaltsangabe zu „Ich ist nicht Gehirn“ von Markus Gabriel

Von den Naturwissenschaften ausgehend, hat sich in den letzten Jahren ein Neurozentrismus herausgebildet, der auf der Annahme basiert, dass Ich gleich Gehirn ist. Markus Gabriel hegt begründete Zweifel, dass wir uns auf diese Weise selbst erkennen können. Mit seiner scharfen Kritik am Neurozentrismus stellt er eine neue Verteidigung des freien Willens vor und gibt eine zeitgemäße Anleitung zum philosophischen Nachdenken über uns selbst — mit Verve, Humor und überraschenden Erkenntnissen.

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  • Der freie Wille ist mehr als Biochemie

    Ich ist nicht Gehirn

    michael_lehmann-pape

    07. January 2016 um 14:34

    Der freie Wille ist mehr als Biochemie Mit seiner Beobachtung der zunehmenden „Vorherrschaft“ neurobiologischer Erklärungen und einer neurowissenschaftlichen Haltung dem Menschen und seinem Gehirn, sprich „dem Bewusstsein“ gegenüber, irrt Gabriel nicht. Die Vielzahl der Veröffentlichungen und die Schwerpunkte der Forschung im letzten Jahrzehnt sprechen hier eine eindeutige Sprache. Wer oder was nun ist das aber, das „Ich“, jenes „Ich“, das seit tausenden von Jahren im Mittelpunkt philosophischer, religiöser, ethischer und moralischer Fragen steht. Und was wäre eine diesem „Ich“ entsprechende Lebensweise, die Frage nach Sinn und Glück, die sich im Gefolge der grundlegenden Fragen nach dem „Ich“ ebenfalls stellt? Das sind die Fragen, denen Gabriel beschreibend und interpretierend nachgeht, für die er sich auf die „klassische“ Geistesgeschichte stützt und von dieser Grundlage aus durchaus überzeugend vorlegt, dass jenes „Ich“ eben nicht nur eine Summe neuronaler Verbindungen darstellt, sich eben nicht in Formeln erschöpft oder als „Software“ eines „Computers Gehirn“ eine „Aufführung“ aufführt. Dies im Übrigen nicht in trockener, abstrakter Art und Weise, Gabriel versteht es sehr wohl (neben klassischen Exkursen), moderne „Erscheinungsformen“ des kulturellen Ausdrucks mit grundlegenden Erkenntnissen der Philosophie und Psychologie zusammen zu bringen. Und es ist interessant zu lesen, wenn Gabriel die Film-Figur „Stromberg“ mit seinem „Lass das mal den Papa machen“ auf den Hintergrund Freudscher Erkenntnisse setzt und dessen „Ich-Konzept“ auch in einer solchen erfundenen Figur offenzulegen vermag. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen unseren Selbstbeschreibungen und der Qualität unseres bewussten Lebens“. Somit eine „innere Interpretation“, die sich einer Erklärung durch rein technisch verstandene, neuronale Funktionen entzieht und darüber hinaus geht. Anhand der „psychischen Ordnung“ des Großraumbüros bei Stromberg veranschaulicht Gabriel dann sehr verständlich, wie „unbewusste“ Bewertungen und tiefliegende Erfahrungswerte den Menschen zu einer Ordnung seines aktuellen Umfeldes durch nicht frei zugängliche Bewertungsmuster bewegen. Als „Beschreibungsebene unserer sozialen Interaktion“ kann hier das „Ich“ definiert werden. Nach einer ausführlichen Darlegung zentraler Begriffe der Geistesgeschichte zu „Ich“ und „Bewusstsein“ geht Gabriel somit (nicht nur im Falle Freuds) akribisch den Gedankenlinien nach, die das „Ich“ im Rahmen der „Philosophie des Geistes“ zum Thema erkoren haben und stellt sich der Frage, wie das „Neuronengewitter unter der Schädeldecke“ mit dem Bewusstsein zusammenhängt. Als Teil des Bewusstseins, aber nicht als erschöpfende Erst- und Letztursache. Im Stil durchaus verständlich, oft mit eingängigen, praktischen Anschauungen, entsteht so ein Plädoyer für eine eigenständige, geistige Freiheit, die sich nicht in (irgendeiner) Ideologie oder in reinem Materialismus erschöpft. Trotz einer klaren Positionierung des Autors, der dabei auch sehr selektiv vorhandene Gedankengebäude nutzt (oder eben links liegen lässt bis "herunter redet") kreist Gabriel doch um eine Kernfrage menschlichen Seins und bietet reichlich Anregungen zur eigenen Auseinandersetzung mit ihm und dem Thema. 

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