Markus Lemke

 4,1 Sterne bei 713 Bewertungen

Lebenslauf

Markus Lemke lebt als freier Übersetzer und Dolmetscher aus dem Hebräischen und Arabischen in Hamburg. Er überträgt u. a. Werke von Eshkol Nevo und Dror Mishani. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2019 mit dem Deutsch-Hebräischen Übersetzerpreis und 2021 mit dem Hamburger Literaturpreis.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Cedrick (ISBN: 9783985682126)

Cedrick

Erscheint am 17.03.2026 als Gebundenes Buch bei Kanon Verlag Berlin.
Cover des Buches Nicht (ISBN: 9783257073881)

Nicht

Erscheint am 22.04.2026 als Gebundenes Buch bei Diogenes.
Cover des Buches Cedrick (ISBN: 9783985682133)

Cedrick

Erscheint am 17.03.2026 als eBook bei Kanon Verlag Berlin.

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Neue Rezensionen zu Markus Lemke

Cover des Buches Wir spielen Alltag (ISBN: 9783423284530)
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Rezension zu "Wir spielen Alltag" von Lizzie Doron

Seitenmusik
Vom Leben zwischen Sirenen und Schweigen

"Wir spielen Alltag – Leben in Israel seit dem 7. Oktober" von Lizzie Doron, übersetzt von Markus Lemke, erschienen bei dtv, ist ein schmaler, aber unglaublich intensiver Bericht über die Zeit nach dem 7. Oktober 2025. Doron erzählt vom Alltag in Israel, der nach dem brutalen Terrorangriff der Hamas plötzlich fragil, fragmentiert und von Angst durchzogen ist: Sirenen, Raketen, plötzliche Todesnachrichten und die ständige Unsicherheit über das Leben der Liebsten prägen jede Zeile.

Meine Meinung
Was mich an diesem Buch sofort ergriffen hat, ist die Mischung aus persönlicher Reflexion und kollektiver Erfahrung. Doron schreibt so, dass man die Schwere jedes Moments spürt: „Monate später, da ich dies schreibe, weiß ich, Worte können diese quälende Zeit nicht erfassen, die so unendlich langsam verstrich … die Luftalarme und das Sirren der Raketen, die Einschläge und die Abschüsse ringsum“ (S. 16). Dieses Schreiben ist radikal ehrlich, dabei aber nie voyeuristisch. Es zeigt Trauma und Ohnmacht, ohne die Betroffenen zu instrumentalisieren.

Besonders gut gelingt es der Autorin, die kleinen Rituale einzufangen, die überleben helfen: das Erinnern an Freund:innene, die gestorben sind, oder die absurden, fast komischen Momente im Schutzraum mit Enkelkindern. Doron vermittelt, dass das Leben trotz allem irgendwie weitergeht, oder zumindest weitergehen muss.

Das Buch ist sensibel im Umgang mit der Gewalt gegenüber Palästinenser:innen, gleichzeitig reflektiert es das Trauma innerhalb Israels, ohne in simplen Schuldzuweisungen zu enden. Diese Ambiguität ist schwer, aber notwendig. Doron schafft es, Empathie zu erzeugen – für Menschen auf allen Seiten – und zeigt, wie antisemitische Vorurteile, Gewalt und die allgegenwärtige Angst miteinander verflochten sind.

Ein Zitat das mir besonders hängen geblieben ist, weil es wie ich finde das Bild der verlorenen Menschlichkeit, des persönlichen Schmerzes so gut einfängt: „Die Führer werden sich die Hände reichen. Diese alte Frau wird weiter auf ihren getöteten Sohn warten. Diese Kinder werden auf ihren heldenhaften Vater warten … Aber du hast gesehen, wer den Preis dafür bezahlt hat“ (S. 94). 

Fazit
"Wir spielen Alltag" ist ein Buch, das erschüttert, ohne zu polarisieren. Es zeigt, wie nah Normalität und Horror beieinanderliegen und wie schwer es ist, in einem Land voller Angst und Trauma weiterzuleben. Für alle, die sich für Gegenwartsliteratur, Israel & Palästina, Friedensarbeit und persönliche Perspektiven auf Krieg und Trauma interessieren. Definitiv keine leichte Lektüre, aber umso wichtiger. Danke an netgalley.de und den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar.

Cover des Buches Drei (ISBN: 9783257245837)
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Rezension zu "Drei" von Dror Mishani

dunis-lesefutter
Pragmatismus meets Unentschlossenheit

Dieses Buch ist mir immer mal wieder in Rezensionen begegnet. Die Hinweise, dass es sich hier um ein Psychogramm handelt, hat dann doch meine Neugier geweckt. Eingezogen ist es letztendlich, weil im Frühjahr das neue Buch des Autors erscheint und ich, quasi als Vorbereitung, erst mal diesen Bestseller lesen wollte.


Es wird schwierig sein, einen Überblick über den Inhalt zu geben, ohne zu Spoilern. Deswegen werde ich mich hier sehr knapp halten. 

Ein Mann pflegt zuvorkommenden Kontakt zu Frauen. Drei stehen im Mittelpunkt und füllen die drei Teile des Romans mit Inhalt. Im ersten Teil lernen wir Orna kennen, die nach der Trennung von ihrem Mann Sorge hat, ihrem kleinen Sohn nicht gerecht zu werden. Auch macht sich Einsamkeit in ihrem Leben breit, und so freut sie sich, als sie Gil kennen lernt, der sie umwirbt und zumindest verbal unterstützt. Doch hält sie sich erst mal sehr zurück, was den Kontakt zu ihm betrifft. Sein Verhalten ist oft sehr ambivalent, doch nach und nach nähern sie sich an.  Schließlich einschließt sich Orna zu einer kleinen Reise mit ihm.

Im zweiten Teil steht Emilia im Mittelpunkt, die fremd in einem Land ist, dass ihre Arbeit schätzt, indem sie sich aber jeden Tag aufraffen muss, ihr Leben zu meistern. Sie arbeitet in der Pflege und lernt fast nur in diesem Kosmos andere Menschen kennen. Lediglich ihr Glaube gibt ihr Halt. Auch sie hat einen Bezug zu Gil, den sie völlig falsch einschätzt.

Im dritten Teil lernt Gil eine Frau in einem Café kennen, die ihn fasziniert, ihn aber keinesfalls ermuntert, den oberflächlichen Kontakt zu vertiefen.


Es zeichnet sich nun eine Entwicklung ab, die mehr mit einer Kriminalgeschichte als mit einem Beziehungsroman zu tun hat. Nach und nach tasten wir uns vor, rätseln über Gründe und Motivationen und spätestens ab Ende des ersten Teils wissen wir, wo die Reise hingeht. Hier liegt auch der größte Überraschungseffekt. 


Die berichthafte Erzählweise des Autors hat mich sofort an ein Protokoll erinnert. Kurze, knappe Sätze, so gut wie keine wörtliche Rede und Wechsel der Tempora lassen den Text sehr pragmatisch und vage wirken. Mir kam es des Öfteren vor, als würde mir jemand ohne jegliche Emotionen, Betonung oder Mimik eine Geschichte erzählen. Deshalb lässt sich auch erst mal nicht ableiten, wohin Mishani mit uns hin möchte. Als dieses dann im zweiten Teil relativ klar wird baut sich Spannung auf. Die Frage danach was passieren wird und ob all das an die Öffentlichkeit dringt, hielt mich am Lesen. Hier hatte das Buch Pageturner Charakter. Im dritten Teil hingegen war Vorhersehbarkeit allgegenwärtig. Keine großen Überraschungen und das Ende war tatsächlich für mich eher unbefriedigend.


Interessant fand ich, wie der Autor die Perspektiven wechselt. Sind wir am Anfang sehr bei der Protagonistin, so schwankt die Sichtweise im Mittelteil zwischen Emilia und Gil. Im letzten Teil kommt noch eine weitere Perspektive dazu und wir sind weniger auf der Seite der Frau, sondern mehr bei ihm. Der Blick kippt also um 180° und das macht Mishani sehr geschickt.


Was halte ich also in den Händen? Ein Psychogramm? Einen Roman? Oder doch eher eine Kriminalgeschichte? So genau lässt sich das Buch nicht einordnen, wenn ich auch eher zu Letzterem tendiere. Warum dieser Text so ein großer Bestseller war, erschließt sich mir nicht so ganz. 

Ich ordne  die Lektüre zwischen Spannung und Vorahnung ein und ein mulmiges Gefühl, bleibt zurück. Vielleicht ist es das, was viele Leser*innen gefeiert haben?


Ich empfehle das Buch besonders denjenigen, die reduzierte und ruhig erzählte Geschichten lieben, in denen der Ausgang ungewiss ist.

Cover des Buches Wir spielen Alltag (ISBN: 9783423284530)
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Rezension zu "Wir spielen Alltag" von Lizzie Doron

Leserstimme
Emotional und biographisch

In " Wir spielen Alltag" bekommen wir fast 2 Jahre die Lebensumstände von der Autorin Lizzie Doron, ihrer Familie und ihren Freunden in Israel heute mit. Was ich eigentlich erst nicht lesen wollte, weil man täglich im Fernsehen jenen  Krieg sieht, hat mich letztendlich in den Bann gezogen, mit Trauer erfüllt, nachdenklich gemacht. L. Doron erzählt ab den Anschlägen des 7.10.2023 in Israel, von den vielen Toten, der Zerstörung und der Flucht in die Luftschutzbunker. 1999 habe ich in Israel noch eine dreiwöchige Reise gemacht und frage mich wieviel davon noch ganz sein wird, ob die Menschen noch ihre vorherige Liebe und Freundschaft füreinander empfinden (können), auch wenn sie andere Religionen und Kulturen haben. Auch das wird in dem kurzweiligen Buch angesprochen und man bemerkt, dass das gar nicht einfach ist, wenn sich diese im Krieg befinden. Ich hoffe für Israel, dass es bald einen Frieden geben wird, in dem ein Zusammenleben von Palästinensern und Israelis wieder funktioniert. Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte eigentlich das früher geschriebene "Who the Fuck is Kafka" lesen. Das beschreibt die ohnehin schon angespannte Situation vorher. Trotzdem verliert L. Doron nicht ihren Humor, was ich sehr positiv in beiden Büchern fand.   

Eine große Leseempfehlung! Traurig, aber Augen öffnend. Und sehr gut geschrieben. 

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