Markus Ostermair

 4 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Der Sandler und Der Sandler.

Lebenslauf von Markus Ostermair

Markus Ostermair, geboren 1981, arbeitet seit seinem Studium der Literaturwissenschaft als Übersetzer, Texter und Lehrer für Englisch sowie Deutsch als Fremdsprache. Seine Auseinandersetzung mit dem Thema Obdachlosigkeit begann in der Bahnhofsmission München als Zivildienstleistender. Er nahm an der Bayerischen Akademie des Schreibens teil und erhielt für Der Sandler diverse Stipendien und Förderpreise, darunter das Literaturstipendium der Stadt München und ein Residenzstipendium auf Schloss Wiepersdorf. »Der Sandler« ist sein literarisches Debüt.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Der Sandler (ISBN: 9783442771967)

Der Sandler

Neu erschienen am 10.08.2022 als Taschenbuch bei btb.

Alle Bücher von Markus Ostermair

Cover des Buches Der Sandler (ISBN: 9783955102296)

Der Sandler

 (5)
Erschienen am 15.09.2020
Cover des Buches Der Sandler (ISBN: 9783442771967)

Der Sandler

 (0)
Erschienen am 10.08.2022

Neue Rezensionen zu Markus Ostermair

Cover des Buches Der Sandler (ISBN: 9783955102296)N

Rezension zu "Der Sandler" von Markus Ostermair

Obdachlos
nonostarvor einem Jahr

Sandler, das sind Menschen die auf der Straße leben, Menschen die kein Heim mehr haben, Obdachlose. Solche Menschen begleitet Markus Ostermair hier in seinem Roman. Er folgt ihnen durch die Nächte und Tage, folgt ihnen durch die Straßen, Suppenküchen und Kleiderstuben.

Hauptfigur ist Karl, er war früher Mathematiklehrer, hatte Frau und Tochter, er war glücklich. Doch dann passiert ein Unfall, Karl greift immer öfter zur Flasche und verliert nach und nach die Kontrolle über seinen Alltag. Auf der Straße kommt er mit den meisten gut aus, doch nur einen Menschen würde er wirklich als Freund bezeichnen: Lenz. Ein zweiter Erzählstrang befasst sich mit Kurt, der gerade frisch aus dem Gefängnis entlassen wurde und nun verzweifelt eine Bleibe sucht.

Mit "Der Sandler" hat Ostermair einen sehr interessanten Roman geschrieben. Er schildert im Tag-Nacht-Rhythmus das Leben seiner Hauptfiguren, teilweise erfährt man in Rückblenden mehr über ihr bisheriges Leben. Die Sprache ist manchmal etwas derb aber immer auch sehr klar und abschnittweise sogar sehr philosophisch. Ostermair hat den Ton immer dem jeweiligen Erzähler angepasst, was sehr gut funktioniert. Auch verwebt er die Einzelschicksale auf sehr geschickte Weise wie ich fand.

Mit seinem Buch regt er zum Nachdenken an über sich selbst und das Verhalten anderer. Sehr realistisch schildert er, wie mit den Obdachlosen umgegangen wird, wie sie von anderen behandelt werden oder vielmehr misshandelt. Kaum jemand kümmert sich darum, was aus ihnen wird. Ostermair gibt seinen Figuren hier die Möglichkeit, auszusprechen, was selten gesagt wird. Und doch muss ich gestehen, dass mir alle etwas fremd blieben. Ich konnte nicht wirklich einen Bezug zu ihnen oder ihrer Lebensgeschichte finden und v. a. Kurt hat mir in seiner Aggression am wenigsten zugesagt. Sein Charakter erschien mir unnötig Stereotyp Schläger und ich habe die Notwendigkeit seiner Anwesenheit in dieser Geschichte nicht ganz verstanden.

Auch fand ich das Ende etwas abrupt, alles passierte plötzlich ganz schnell, so als wollte sich der Autor für die anfänglich Gemächlichkeit entschuldigen und verlorene Zeit wieder gut machen. So hatte ich das Gefühl, dass einige interessante Schicksale zu schnell im Sand verlaufen. Dennoch habe ich "Der Sandler" trotz aller Kritikpunkte gern gelesen und finde es gut, dass Ostermair hier den Blick auf die Menschen lenkt, die normalerweise nicht gesehen werden und ihnen eine Stimme gibt, die vielleicht gehört wird.

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Cover des Buches Der Sandler (ISBN: 9783955102296)S

Rezension zu "Der Sandler" von Markus Ostermair

Eine wichtige Lektüre
Sibyllesbuecherkistevor 2 Jahren

Es ist eine wichtige Lektüre, gerade in dieser Zeit. Es wird von dem obdachlosen Karl erzählt und von seinem Leben auf der Straße. Dabei bekommt man einen Einblick wie sich ein solches Leben anfühlt. Und die Menschen treten dabei in den Fokus. Sie sind einmal nicht an den Rand gedrängt sondern bekommen einen Namen und ein Gesicht. Und auch eine Geschichte.
Keiner entscheidet sich freiwillig für ein Leben auf der Straße. Die Schicksale, die hier beschrieben sind, rütteln auf und sensibilisieren und machen Schluss mit Vorurteilen. Wir dürfen nicht herab schauen, wir müssen integrieren und behutsam sein.
Ich mochte das Buch sehr und möchte es euch wirklich ans Herz legen.

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Cover des Buches Der Sandler (ISBN: 9783955102296)Lia48s avatar

Rezension zu "Der Sandler" von Markus Ostermair

Eindrücklich & düster
Lia48vor 2 Jahren

„Der Penner macht keinen Mucks, schreit nicht auf, sondern windet sich nur und zieht sich wie eine Schnecke, die gesalzen wird, zusammen, während die Pisse über seinen Kopf läuft und in den Schlafsack sickert. Würde er schreien, so würde er die Bande auseinandersprengen. So ist es gut. So wird Kurt sie alle kriegen.“

INHALT:
Karl Maurer war einmal ein angesehener Mathematiklehrer. Doch seit dem Unfall damals hat sich alles verändert. Aufgrund seiner Trinkerei wurde er schließlich von seiner Frau Johanna verlassen, die sich und ihre gemeinsame kleine Tochter schützen wollte. Seitdem schlägt Karl sich durch die Straßen Münchens. Und immer wieder wird er von seiner Vergangenheit eingeholt.
Wie auch andere Obdachlose nimmt er Suppenküchen und Kleiderkammern in Anspruch.
So auch Karls Freund Lenz, der fühlt, dass sich sein Leben dem Ende neigt. Doch er möchte Karl unbedingt seine aufgeschriebenen Notizen und seine Wohnung vermachen, in der er sich geweigert hatte zu leben.
Eigentlich eine gute Chance für Karl, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Doch dann gibt es da noch Kurt, der aus der Haft entlassen wurde und auch eine Bleibe sucht…

MEINUNG:
Dies ist eine fiktive Geschichte und dennoch könnte sich sicherlich vieles so abgespielt haben, wie Markus Ostermair es in seinem Roman schildert. Der Autor hat sich das erste Mal während seinem Zivildienst bei der Bahnhofsmission mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinandergesetzt. Dass er dabei so einige Menschen ohne Bleibe kennengelernt und von manchen Schicksalen erfahren hat, kommt ihm in seinem Buch sicherlich zugute.
Schonungslos und mit detailreicher Beobachtungsgabe schreibt er von der Scham des sozialen Abstiegs und bindet dabei mehrere Schicksale von obdachlosen Menschen mit ein, die sich häufig auch untereinander kennen. Es herrscht fehlende aber auch vorhandene Solidarität. Insgesamt wirkte das Bild, das Ostermair hier zeichnet, auf mich recht authentisch.
Immer wieder gab es Szenen, die mir nahe gegangen sind. Besonders schlimm fand ich eine Stelle, als Jugendliche sich total respektlos und menschenunwürdig einem Obdachlosen gegenüber verhalten haben. Als wären diese Menschen weniger wert! Das macht einen als Leser sehr traurig und wütend und leider kann ich mir vorstellen, dass sich solche Vorfälle häufiger ereignen, als wir Obdachhabende das mitbekommen…
Es schmerzt regelrecht, von Menschen zu lesen, die nichts haben. Durch das eher „unbequeme“ Thema habe ich das Buch mehrmals unterbrechen müssen und habe einige Pausen benötigt. Insgesamt ist die Geschichte eben kein Wohlfühl-Roman. Aber das ist auch besser so. Denn nur so rütteln die Inhalte auf und regen zum Nachdenken an. Und man weiß es wieder viel mehr zu schätzen, wie gut man es hat, ein warmes Bett, genug Nahrungsmittel und ein Dach über dem Kopf zu haben…

FAZIT: Einige Längen gab es zwar und vielleicht hätten dem Buch ein paar Figuren weniger gutgetan. Durch die Thematik Obdachlosigkeit ist das Buch recht düster, aber authentisch. Insgesamt war es für mich ein sehr eindrückliches und zum Nachdenken anregendes Leseerlebnis. Von mir gibt es daher eine Leseempfehlung und 4/5 Sterne!

Kommentare: 2
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