Markus Schächter Die Messdiener

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Inhaltsangabe zu „Die Messdiener“ von Markus Schächter

Ob Günther Jauch, Thomas Gottschalk oder Jürgen von der Lippe. Ob Frank Elstner, Alfred Biolek oder Anne Will. Sie alle standen schon als Kinder ganz vorne. Von Weihrauch umwölkt, herausgehoben aus der Gemeinde und ihren Altersgenossen durch feierliche Gewänder, durch besondere ritualisierte Formen, durch ihre besondere Rolle: Sie waren Messdiener. Heute gehen sie nicht mehr die Altarstufen hinauf, sie schreiten die Show-Treppen herunter - und sind wieder ganz vorne dabei. Das kann kein Zufall sein. Was ist geblieben von dieser Kindheit? Von den Werten, die damals galten?
Markus Schächter, selbst ehemaliger Ministrant und lange Jahre ZDF-Intendant, bringt die Stars der Branche zum Erzählen und beleuchtet Zusammenhänge, die über eine bloße biografische Spur hinaus aufschlussreich für das Verständnis unserer Mediengesellschaft sind. Ein spannendes, persönliches, farbiges Buch. Voll hintergründiger Einsichten und unerwarteter Geschichten.

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  • Vorbereitung auf die Show-Bühne?

    Die Messdiener

    michael_lehmann-pape

    07. October 2014 um 13:57

    Vorbereitung auf die Show-Bühne? Nun, bei weitem nicht alle bekannten Entertainer und Showmaster waren Messdiener oder sind überhaupt katholisch geprägt. Wohl aber stimmt die Beobachtung, dass eine ganze Reihe sehr bekannter Namen in ihrer Kindheit und Jugend dieser bestimmten Gruppe der Begleitung der Messe in der katholischen Kirche angehört haben. Eine Zeit, von der die Meisten derer auch in der Gegenwart noch überaus positiv berichten. Oder, wie Harald Schmidt, die Verbindung aus Jugendtagen (auch über die Musik als ehemaliger Laien-Kirchenmusiker) stark weiterhin in sich verankert halten. Wer also „dabei war“, dem bleibt zumindest eine innerliche Prägung, die in vielen Fällen ein Leben lang begleitet, selbst wenn die eigene Einstellung zum Glauben sich stark verändert. „Ich glaube nicht an Gott. Aber ich vermisse ihn“, so fasst Jürgen von der Lippe diese „innere Tradition“ wunderbar im Buch zusammen. „Gut die Hälfte“ der erfolgreichen Entertainer verortet Schlächter in dieser Gruppe ehemaliger Messdiener und stellt zu Recht die Frage, ob diese Vergangenheit Kompetenzen gesetzt und entwickelt hat, die im späteren Beruf positiv sich auswirkten. Wie das Beispiel Anne Wills zeigt, die hartnäckig ihren Wunsch, Messdienerin zu werden, verfolgte (der heimische Pfarrer bezog strikt gegen Mädchen in diesem Amt Stellung), die heimlich zu Haus das Messdienen übte. Dazu hat es dann zwar nicht ganz gereicht, aber als Sternsingerin und Lektorin passt ihre Geschichte dennoch in dieses Buch, vor allem natürlich, was das „innere Messdienen“ angeht. Beckmann, Biolek, Cantz, Elstner, Gottschalk und Jauch, Kerkeling, Lanz, von der Lippe über manch anderen bis hin zu Anne Will (der einzigen Frau im Buch) reichen die kleinen Lebensportraits, die Schlächter gesammelt hat, sehr flüssig und informativ vor Augen führt und die speziellen Linien dieser katholischen Tradition in diesen Leben und Karrieren durchaus aufweist. Und, anders wie zu manch anderen Zeiten der jüngeren Vergangenheit, „macht man jetzt fast fröhlich öffentlich, dass man doch gerne bei diesem „Club“ war. Bei dem man zum ersten Mal seinen öffentlichen Auftritt und auch erstmals öffentliche Anerkennung erfahren hat“. Was als Erklärung sicherlich nicht alleine ausreicht, denn nicht alle Messdiener sind später erfolgreiche Entertainer geworden oder hatten das überhaupt vor. Aber dieser Dienst, gepaart mit dem „aufsaugen“ katholischer Traditionen in Umfeld, Elternhaus und eben in der Ortsgemeinde haben zumindest die vorgestellten Größen der (Fernseh-) Bühne nachhaltig geprägt. In ihrem Auftreten, in ihren persönliche Werten („die frohe Botschaft, die nehme ich ernst“, wie Gottschalk es formuliert). „Mich lässt diese Sache nicht mehr los“, so beschreibt Reinhold Beckmann seine Wurzeln, die er offensiv als Grundpfeiler seiner erwachsenen Existenz beschreibt. Und sei es auch nur die Bereitschaft, früher als andere aufzustehen für eine Aufgabe oder, wie Thomas Gottschalk es im Kern bezeichnet, dass die Messdienerzeit „ihm eine solche Mitgift an Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl mitgegeben hätte, dass er ein Leben lang davon zehren könne“ oder eine gewisse Form der Disziplin, die sich positiv für den späteren Weg eingeprägt hat („Am Altar macht man keine Fehler“, Günter Jauch). Ein interessantes Buch, in dem Schlächter zum einen die Entertainer von einer anderen Seite her zeigt, in der sehr differenzierte Haltungen zum Ausdruck kommen und in dem deutlich wird, dass eine kirchliche Verbundenheit (die es ja bei anderen bekannten Personen auch auf dem Boden anderer Konfessionen gibt) im positiven Sinne das Leben prägen kann (und nicht immer oder nur für „Defizite“ sorgt, wie es an so manchen Stellen propagiert wird). Auch wenn natürlich kein Beweis geführt werden kann, dass Messdiener prädestiniert für die „große Bühne“ sind, allein schon von der ruhigen und tiefreichenden Darstellung der Personen selbst (mitsamt prägnanter Interviews) eine empfehlenswerte Lektüre.

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