Markus Thielemann

 4,2 Sterne bei 91 Bewertungen

Lebenslauf

Markus Thielemann geboren 1992, lebt in Hannover. Er studierte Geografie und Philosophie in Osnabrück, anschließend Literarisches Schreiben in Hildesheim. "Von Norden rollt ein Donner" stand 2024 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Markus Thielemann

Cover des Buches Von Norden rollt ein Donner (ISBN: 9783406837364)

Von Norden rollt ein Donner

(88)
Erschienen am 05.12.2025
Cover des Buches Zwischen den Kiefern (ISBN: 9783948923266)

Zwischen den Kiefern

(3)
Erschienen am 15.10.2021

Neue Rezensionen zu Markus Thielemann

Cover des Buches Von Norden rollt ein Donner (ISBN: 9783406837364)
Hubertus_Feldmanns avatar

Rezension zu "Von Norden rollt ein Donner" von Markus Thielemann

Hubertus_Feldmann
Wahn(-Sinn)

Keine Frage, die Geschichte ist in sich schlüssig konstruiert und mit einer Aura umgeben, der man sich kaum entziehen kann – auch wenn so manches Detail ein wenig aus der Spur geraten erscheint, ein wenig zu sehr der Sprache, der Ausdrucksweise die Zügel gelassen werden. Doch die Verknüpfung von Landschaftsgeschichte, historischem Hintergrund und dem aktuellen Geschehen, verbunden mit der persönlichen Auseinandersetzung des neunzehnjährigen Hirten Jannes mit der Familiengeschichte (die auch eine Krankengeschichte umfasst) und seinem Leben mit den Schafen, bildet ein Kompositum, das darauf schließen lässt, dass hier das vollständige Potential des Autors noch nicht gehoben wurde.

Hier hätte allerdings ein sorgfältigeres Lektorat, eine stilsichere redaktionelle Begleitung, die eine oder andere Unwucht aus diesem Werk heraushalten können. So lesen wir dann von „gurrenden Kranichen“ (Tauben gurren, Kranich trompeten) oder von in Pension gehenden Greisen (so schnell wird man auch nicht zum Greis …) und einwachsenden toten Gräsern (ein totes Gras ist tot und wächst weder ein noch auf). Auch wenn man einigen Ausdrücken die metaphorische Fabulierkunst des Autors zugutehalten kann, so sind doch „rumpelnde Geschosse“, „kreischende Maschinengewehrsalven“ (man spürt die räumliche Nähe zur Bundeswehr bzw. zum Rüstungskonzern Rheinmetall, die hier dem möglichst professionellen Töten auf der Spur sind …) oder „knisternde Asche“ zu häufig als Stilmittel gebraucht, irgendwann abgenutzt.

Dennoch ist es gerade die Sprache, die dem Denken und Streben von Jannis eine Welt ermöglicht, die nicht nur real daherkommt, sondern auch Verbindungen entdeckt, die so manch anderem nicht möglich sind, seien diese nun der besonderen Sensibilität eines Hirten für seine Tiere entsprungen oder aber doch eher einem Krankheitsbild, dass sich gelegentlich mit einer gewissen Brutalität Bahn bricht. Eingebunden in die Kontinuität einer ortsfesten Familiengeschichte, die auf engem Raum andere Fragen zulässt als zum Beispiel eine Metropole, in der das Leben ganz anders pulst: „Diese Landschaft hat ihm Stricke um die Glieder gelegt, mit neunzehn.“

Die Geschichte spielt in den Jahren 2014/2015, Deutschland wird Fußballweltmeister, allerdings ist dieser Event so weit weg von dem Geschehen auf dem Heidehof, dass dieses Ereignis eher zu einer Randbemerkung verkümmert. Aber der Wolf. Der Wolf hat es in sich und es den Menschen angetan. Einige wollen ihn einfach nur weghaben, andere ihn schützen – je nach Betroffenheit. „Schüsse sorgen für Ordnung“, so die besondere Haltung des Opas Wilhelm. Der Vater steht irgendwie dazwischen, sorgt mit Schutzzaun, Hirtenhund und einem Feuer zumindest für eine wenig Nachdenklichkeit – auch beim Leser. In Jannis Person verbinden sich die verschiedenen Haltungen zum Wolf mit seinen „Wahnvorstellungen“, die allerdings zur Realität eine starke Verbindung haben. So bleibt für den geneigten Leser recht viel Spielraum, seinen eigenen Vorstellungen, seiner eigenen Haltung neue Nahrung zu geben.

Cover des Buches Von Norden rollt ein Donner (ISBN: 9783406837364)
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Rezension zu "Von Norden rollt ein Donner" von Markus Thielemann

Unser_BücherGarten
Der böse Wolf?

2024 war Markus Thielemann mit „Von Norden rollt ein Donner“ für den Deutschen Buchpreis nominiert. Der Verlag bewirbt das Buch als ein Anti-Heimatroman, das hinter die Fassade einer ländlichen Idylle blickt und aktueller nicht sein könnte.

Anfänglich geht es in diesem Roman, um ein Thema, dass viele spaltet: Der Wolf ist zurück in der Lüneburger Heide. Wie geht man damit um? Wo es vordergründig um Wolfspolitik geht, wird schnell klar, dass es darunter brodelt. Es geht um Hass, völkische Ideologien, Selbstjustiz und Verschweigen von Kriegsgeschehnissen in dieser Region und vielem mehr.

Hier mittendrin, der 19jährige Jannes, der wie sein Vater und Großvater, Schäfer ist. Wir lernen das harte und echte Leben einer Schäfersfamilie auf der Lüneberger Heide kennen. Hierbei stellt Jannes mit seinen 19 Jahren für mich ein verbindendes Glied zwischen dem traditionell-strengen Großvater und den nach Modernisierung strebenden Vater dar. Jannes redet nicht viel, aber beobachtet genau und handelt pflichtbewusst. Für einen 19jährigen wirkt er sehr besonnen und vernünftig. Ganz selten bricht er aus diesem verantwortungsvollen Bereich heraus. Es sei denn, bei seinen sehr seltenen Treffen mit seinen Freunden.

Von Anfang an spürt man als Leser diese Unruhe, die die Rückkehr des Wolfes bei den Viehbetreibern auslöst. Diese unterschwellige Gefahr, die vom Wolf ausgeht, schwingt immer wieder mit. Schnell wird klar, dass es allerdings nicht nur der Wolf ist, der für Unruhe sorgt, sondern dass um den Wolf herum, vieles nicht stimmt. Es ist faszinierend, wie es dem Autor gelingt, diese Spannung bis zum Schluss zu halten. Dabei schreibt er nicht einmal besonders reißerisch, sondern ganz leise und unaufgeregt. Es ist dieses unausgesprochene, was er geschickt im Text einfließen lässt, dass einen Leser bis zum Schluss fesselt. Man will wissen, was passiert ist und was noch kommt.

Viele Themen werden – ausgehend von der Wolfsgeschichte – angerissen. Aber leider werden diese nicht klar behandelt. Der Autor bleibt an der Oberfläche. Auch die gespenstischen Begegnungen waren einerseits sehr spannend und mystisch, aber ließen mich leider am Ende etwas ratlos zurück. Denn auch hier bekam ich keine klare Antwort. Hier hätte ich mir mehr Aufklärung zur düsteren Ortgeschichte gewünscht, statt Geister.

Fazit:

Am Ende kann ich nicht richtig sagen, was dieses Buch mir/uns sagen will und lässt mich irgendwie ratlos zurück. Es ist sprachlich und inhaltlich spannend gemacht, aber letztendlich bleiben die angesprochenen Themen ungelöst zurück. Mit der Wolfpolitik, völkischen Entwicklung, Kontrollverlust durch Krankheit und Alter innerhalb der Familie und Kriegsgeschichte werden viel zu viele wichtige Themen angerissen, aber nicht bis in die Tiefe behandelt, geschweige denn geklärt.

 

Cover des Buches Von Norden rollt ein Donner (ISBN: 9783406837364)
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Rezension zu "Von Norden rollt ein Donner" von Markus Thielemann

Martinchen
Die Lüneburger Heide - eine idyllische Landschaft?

In diesem Roman von Markus Thielemann nicht. Jannes ist Schäfer und führt damit die Familientradition fort. Eigentlich ist er mit seiner Berufswahl zufrieden, er liebt die Tiere, er liebt die Landschaft und auch die harte Arbeit scheint ihm nichts auszumachen. Hin und wieder hadert er dann aber doch, denn jenseits der Heide gibt es ja unendlich viele Möglichkeiten.

Ich habe die Inszenierung in unserem Theater gesehen und wollte nun unbedingt den Roman lesen. Es ist ein düsterer Roman, in vielerlei Hinsicht. Zum einen produziert und testet Rheinmetall in der Nähe – daher auch der Titel. Ebenfalls in der Nähe gibt es einen Truppenübungsplatz, ein ideales Gelände für Wölfe, die folgerichtig eine ständige Bedrohung der Herden darstellen.

Die Familie besteht aus den Großeltern Erika und Wilhelm, den Eltern Sybille und Friedrich und Jannes. Sybille hält sowohl die Familie als auch den Betrieb zusammen. Nachdem ihr die Pflege der dementen Mutter Erika zu viel wurde, wurde diese in einem Pflegeheim untergebracht. Ihre Erinnerungen spielen eine zentrale Rolle, auch wenn sie tatsächlich wenig vorkommt. Auch Friedrich, Jannes Stiefvater, ist nicht mehr er selbst, ob es sich auch hier um Demenz handelt, bleibt offen. Wilhelm erzählt die alten Geschichten immer wieder, mit Unterschieden in den Details.

Insgesamt herrscht in dieser Familie Sprachlosigkeit. Die Dialoge beschränken sich auf die alltäglichen Dinge und Absprachen. Der eher stereotyp wirkende Stil passt sehr gut dazu.

Die Arbeit mit den Heidschnucken mit ihren schönen Seiten, aber auch den Schwierigkeiten wird dem Leser teilweise sehr detailliert nahegebracht. Ebenso detailliert ist die Beschreibung der Landschaft und den Folgen des Klimawandels.

Im Mittelpunkt stehen Jannes Wahrnehmungen, die wohl als Halluzinationen zu verstehen sind. Wie genau es dazu kommt, bleibt offen, was tatsächlich ein Manko ist, aber die Spannung erhöht. Da sie wiederholt auftreten, geht es ihnen nach und findet auch den Schlüssel zu einem Teil der Geschichte der eigenen Familie, aber auch des Dorfes, in dem Jannes mit seiner Familie lebt.

Der Roman hat eine sehr beeindruckende Sprache und greift aktuelle Themen geschickt auf.

Fazit: ein sehr lesenswerter Roman

  

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