Markus Veith

 4.3 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Menschenfischer, Zeitlauscher und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Markus Veith

Am 05. März 1972 in Dortmund geboren und wohnend, arbeite ich seit 1997 als Schauspieler und Schriftsteller. Als Autor produzierte ich zunächst selbst meine Bücher, auch Hörbücher und Hörspiele und wurde mit mehreren Preisen und Nominierungen geehrt. Während seiner Bühnentätigkeit spielte ich in vielen Theater-Genres: Klassiker, Dinner-Theater, Musical, Kindertheater, Kabarett, Rezitation. Mehrere meiner Theaterstücke fanden auf die Bühne, bei einigen führte ich selbst Regie. Seit 2010 spielt, schreibe und inszeniere ich für den Fränkischen Theatersommer; so entstanden die Kindertheaterstücke "Max & Moritz" und "Pinocchio" nach meiner Bearbeitung, ebenso mein Solo-Stück „Ein jeder Narr tut was er will", sowie „Eulenspiegels Enkel", welches auch als Buch (vielmehr: Roman in Reimform) beim OCM-Verlag erschienen ist. Im Frühjahr erschien mein Thriller „Menschenfischer“.

Alle Bücher von Markus Veith

Menschenfischer

Menschenfischer

 (7)
Erschienen am 18.03.2014
Zeitlauscher

Zeitlauscher

 (3)
Erschienen am 01.03.2016
Eulenspiegels Enkel

Eulenspiegels Enkel

 (1)
Erschienen am 24.04.2013

Neue Rezensionen zu Markus Veith

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mrsmiserys avatar

Rezension zu "Zeitlauscher" von Markus Veith

Eine Liebesgeschichte ohne Kitsch und Klischees
mrsmiseryvor einem Jahr

Der kleine Konrad und seine Familie merken schnell, dass er anders ist, als die anderen.

Schon im Kindesalter hat er ein hervorragendes Talent für Zeichnungen. Gruselig ist nur, dass die Personen die er in Alltagssituationen malt, nie ein Gesicht haben. Und dann redet Konrad auch noch, obwohl niemand in der Nähe ist. Doch er führt keine Selbstgespräche, sondern antwortet auf Fragen, die ihm niemand gestellt hat.


Dieser Einstieg löst zunächst erst einmal Unbehagen und viel Neugier aus. Was hat Konrad? Leidet er vielleicht an einer Form des Autismus oder einer anderen Erkrankung?


Alles nicht.


Konrad kann Menschen hören – Menschen, die schon lange nicht mehr unter uns weilen.

Anfangs kann er dieses Wirrwarr in seinem Kopf noch nicht kontrollieren. Je nachdem an welchem Ort er sich befindet, hört er alle Gespräche, die jemals dort stattgefunden haben. Klar, dass Chaos vorprogrammiert ist.

Nach und nach lernt er mit seiner Fähigkeit systematisch umzugehen und kann die Zeitpunkte zu denen er reist kontrollieren.


Aufregend ist an dieser Stelle das Gedankenexperiment, ob man diese Fähigkeit überhaupt besitzen möchte. Sicherlich ist es zunächst spannend, doch werden früher oder später auch Dinge und Geheimnisse zu Tage gefördert werden, die besser im Dunkeln geblieben wären. Oder nicht?


Konrad geht es ähnlich. Einem Schulausflug zu einer KZ-Gedenkstätte sagt er ab.


Und nun kommt die Liebe ins Spiel, von der im Klappentext die Rede ist: Er lernt Klara kennen! ...die vor 476 Jahren gelebt hat und die erste Person aus der Vergangenheit ist, die ihm antworten kann.


Jahrelang „treffen“ sie sich an einem bestimmten Ort und verlieben sich ineinander, nichtsahnend, dass Konrad in ihrer Zukunft stöbern kann und sieht, welches Schicksal ihr bevorsteht.


Der „Zeitlauscher“ ist eine tiefgründige Liebesgeschichte, die ganz ohne kitschige Floskeln eine Gänsehaut zaubert.


Trotz der knappen Länge gelingt es dem Autor, die Protagonisten so zu beschreiben, dass ein Mitfühlen unabdingbar ist. Konrad und Klara sind zwei liebevolle Menschen und offensichtlich Seelenverwandte – da kann es nur dramatisch werden, dass sich die beiden um fast 500 Jahre verpasst haben.


Die Theorie der Zeitreisen solltest du mögen. Natürlich ist (bislang?) reine Fantasie, doch in dieser Kurzgeschichte ist diese Theorie zumindest logisch zu Ende gedacht. Mit sinnvollen Zeitreiseelementen (Stichwort: überlieferte Geschichten ;) ), ist ein Eintauchen ist die Welt von Konrad und Klara sehr einfach und es bedarf keiner komplexen Gedankengänge, um dem Plot zu folgen.


Anders als bei anderen Kurzgeschichten, hinterlässt die hiesige die LeserInnen mit glücklicherweise relativ wenigen offenen Fragen. Natürlich lässt das Ende der Fantasie freien Lauf, doch du kannst dir Gewiss sein, die Geschichte mit einem befriedigenden Gefühl zu beenden.


Besonders zu erwähnen ist in dieser Rezension auch das großartige Layout.

Hier wird mit Schriftgrößen und -arten gespielt und die Geschichte dadurch sehr lebendig.

Außerdem gibt es ein Daumenkino eines fallenden Eichenblatts, was noch einmal den Bezug zum wohl wichtigsten Ort für Konrad und Klara herstellt – und natürlich auch die traurig-schöne Geschichte der beiden widerspiegelt.

Kommentare: 2
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Beluris avatar

Rezension zu "Zeitlauscher" von Markus Veith

Liebe kennt keine Grenzen, auch nicht die Zeit
Belurivor einem Jahr

Inhalt in Kürze:

Konrad ist ein außergewöhnliches Kind, denn er kann Stimmen hören, die sonst niemand wahrnimmt. Anfangs vermuten seine Eltern nur eine lebhafte Phantasie, aber nach einem Zusammenbruch wird klar, dass Konrad ein Zeitlauscher ist. Das heißt, dass er durch die Zeit hören und somit längst vergangene Gespräche und Aussagen verfolgen kann, welche an dem Ort, an dem er sich aufhält, gehalten wurden. Seine Eltern erkennen die Gefahr und ziehen mit ihm aufs Land zu seinem Großvater. Dort lernt Konrad über die Jahre seine Gabe zu beherrschen und kontrolliert einzusetzen. Eines Tages schnappt er etwas auf, das sein Weltbild zerstört und in seiner Wut fährt er durch die Zeit und findet die Stimme der jungen Klara, die fast 500 Jahre vor ihm gelebt hat. Schon nach kurzer Zeit merkt Konrad, dass etwas anders ist, denn nicht nur er kann sie hören, sondern Klara auch ihn! Was wird geschehen und hat sein unfreiwilliger Eingriff in die Vergangenheit weitreichende Konsequenzen?

Die Charaktere:

Durch seine Gabe ist hat Konrad nur sehr wenige Freunde, da ihn natürlich alle merkwürdig finden. Erschwerend kommt noch hinzu, dass er sowieso ein Einzelgänger ist. Nur mit seiner Schwester, die er immer nur “Blume” nennt, versteht er sich richtig gut. Zumindest bis er Klara kennenlernt, mit der er bald ein Herz und eine Seele ist.

Das junge Mädchen, das 500 Jahre vor Konrad gelebt hat, ist für ihre Zeit sehr aufgeschlossen und nach dem ersten Schreck, dass sie plötzlich eine Stimme hören kann, freut sie sich immer mehr auf die Gespräche mit ihm.

Die Handlung:

Diese Handlung ist mal etwas wirklich neues und auch die Liebesgeschichte ist alles andere als 08/15. Leider ist das Buch viel zu kurz und schon bevor man richtig angefangen hat ist es auch schon wieder zu Ende. Aus einigen Stellen hätte man sicher mehr machen können, was aber nicht heißt, dass das Buch in irgendeiner Form schlecht wäre. Ganz im Gegenteil, ich war sogar ziemlich enttäuscht als ich nach viel zu kurzer Zeit am Ende angelangt war. Trotzdem gibt es einen Kritikpunkt, den ich anbringen möchte, und das ist eben das übliche Paradoxon, welches bei allen Handlungen mit Reisen oder in diesem Fall hören bzw. sprechen in die Vergangenheit auftritt. Ich möchte mich nun auch nicht weiter damit befassen, aber auf diese Sache muss man sich einlassen können, wenn man das Buch lesen will.

Fazit: „Der Zeitlauscher“ ist eine sehr spezielle Liebesgeschichte über die Jahrhunderte. Es sind zwar nur wenige Seiten, aber dafür ist die Geschichte darin wirklich gut. Man muss allerdings das Thema Zeitreisen mögen.

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Maxileilas avatar

Rezension zu "Zeitlauscher" von Markus Veith

Zeitlauscher - Markus Veith
Maxileilavor einem Jahr

Konrad kann seit seiner Geburt in die Vergangenheit hören. Egal wie weit sie zurückliegen, hört er die Gespräche von den Menschen, die vor ihm an diesem Ort waren. Niemand kann sich erklären, warum Konrad diese besondere Fähigkeit hat. Die Menschen finden ihn seltsam, nur seine Schwester, die er Blume nennt, unterstützt ihn und ist für ihn da. Eines Tages läuft Konrad aufgrund trauriger Umstände zu einer großen Eiche auf dem Hügel. Jedoch lauscht er dort nicht nur in die Vergangenheit, sondern er kann sich das erste mal mit einer Person aus einer anderen Zeit unterhalten. Nämlich mit Klara, die 470 Jahre vor ihm lebte. Die beiden treffen sich seit dem jeden Tag und es entsteht eine enge Bindung zwischen den beiden. Doch Konrad bringt Klara durch seine Unvorsichtigkeit in Gefahr.
Mit seinen 107 Seiten ist das Buch schnell gelesen. Das tut der Geschichte allerdings nichts ab. Diese gehört nämlich zu den wohl schönsten und kreativsten die ich jemals gelesen habe. Der Schreibstil ist sehr schlüssig und verständlich, man könnte sagen, die Seiten fliegen dahin. Die Story ist mal etwas ganz anderes und hat sehr viel Spaß gemacht. Wundervoll gestaltete und sympathische Charaktere, die wir von Konrads Geburt bis in sein Erwachsenenalter begleiten. Die Geschichte hat mich wirklich sehr berührt und ich hab noch Tage später darüber nachgedacht. Sie war jedoch an keiner Stelle kitschig. Zum Schluss muss ich noch ein großes Lob an den Verlag aussprechen, der dieses Buch unglaublich liebevoll gestaltet hat. Ein Daumenkino am Rand und Seiten mit besonderer Schriftgestaltung machen das Buch zu etwas ganz außergewöhnlichen.
Dementsprechend kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der mal Lust auf etwas neues und besonderes hat. Es hat mir viel Spaß gemacht in die Geschichte von Konrad und Klara einzutauchen.

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Gespräche aus der Community

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OCM_Verlags avatar

„Menschenfischer“ – der Psychothriller von Markus Veith

„Menschenfischer“ handelt von einem großen Gerücht und von Menschen, die anders sind. Jeder kennt sie, es gibt sie überall. Sie sind stadtbekannt, fallen durch ihre Spleens und seltsam anmutenden Eigenarten auf. Ist es möglich, dass diese Menschen mehr als nur ihre Andersartigkeit verbindet?

Um das herauszufinden laden wir euch zur Leserunde ein.

Dazu verlosen wir 6 signierte Exemplare vom „Menschenfischer“.


Kurz vor Ostern wird der Volontär Patric spontan und unvorbereitet in ein Interview geschickt.
Die Künstlerin Elisa Hain will die Hintergründe des Rosenmontagsanschlags aufdecken, der Wochen zuvor verübt wurde. Bei dem noch nicht identifizierten Todesopfer, so behauptet sie, handele es sich um ihre Nichte Susanne. Während die Künstlerin den bizarren Leidensweg ihrer Nichte beschreibt, führt sie den Volontär zu Orten, an denen sich Susannes Lebensgeschichte zugetragen haben soll. Patric bemerkt, dass Elisa panisch auf stadtbekannte Gestalten reagiert, die allgemein als Spinner belächelt werden. Schließlich weiht sie Patric in das mysteriöse Wirken des „Klubs der Menschenfischer“ ein, in in dessen Kreis auch Susanne aufgenommen worden ist. Sie hatte eine Geheimidentität entwickelt: die „Eule“. Durch ihre Liebesbeziehung mit dem „Prediger“, einem Ex-Menschenfischer, zerstritt sich Susanne mit dem Geheimbund, was zu einem skurril-dramatischen Kleinkrieg führte, der darin gipfelte, dass Susanne bei jenem Bombenanschlag ums Leben kam.
Da Patric Beweise verlangt, führt Elisa Hain ihn zum abgelegenen Klubhaus der Menschenfischer. Eine grausige Entdeckung lässt ihn Hals über Kopf flüchten.

Die Leseprobe als PDF oder in einem anderen Format für euer Lesegerät findet ihr hier.

In dem außergewöhnlichen Psychothriller „Menschenfischer“ wird die Vorliebe des Dortmunder Autors und Schauspielers Markus Veith für den Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe mit seinem „Faust“ und für die Aphorismen des Schriftsteller Stanislaw Jerzy Lec deutlich.
Die Geschichte um Patric und das Geheimnis der „Eule“, einen gekreuzigten Papagei und viele skurrile Gestalten, ist mit Faustzitaten und Grafittisprüchen gespickt.

Wenn ihr Lust habt euch auf die spannende und ungewöhnliche Story einzulassen, dann bewerbt euch für die Leserunde. Der Autor Markus Veith ist mit dabei und freut sich auf den Austausch mit euch.

Um eins von sechs Rezensionsexemplaren zu gewinnen, beantwortet folgende Frage:
Gibt es in eurer Stadt auch so skurrile Gestalten mit schrulligen Marotten, die scheinbar immer und überall sind?

Wir sind gespannt auf eure Antworten und drücken allen die Daumen.
Die Bewerbung läuft bis einschließlich 16. November 2014.
Auch diejenigen, die nicht zu den glücklichen Gewinnern gehören, sind natürlich herzlich zum Mitlesen eingeladen.

Wir freuen uns auf die Leserunde mit euch!

***Wichtig***

Bitte beachtet, dass ihr euch im Gewinnfall zur zeitnahen und aktiven Diskussion in allen Leseabschnitten, sowie zum Schreiben einer Rezension verpflichtet.

Es werden nur Bewerber mit aussagekräftigen Rezensionen berücksichtigt.

Blausterns avatar
Letzter Beitrag von  Blausternvor 4 Jahren
Zur Leserunde
MarkusVeiths avatar
MarkusVeith

"Menschenfischer", mein zweites Baby, das den Weg in die Bücherregale fand, ist ein Thriller und entstand nach einem Gespräch mit einer guten Freundin im Westpark. Jana erzählte mir damals von einem Typen, der in Bonn durch sein befremdliches Verhalten bekannt geworden sei. So kamen wir zur Aufzählung verschiedenster seltsamer Gestalten, die wir selbst gesehen oder von denen wir gehört haben. 
Es ist verblüffend, wie die Gesellschaft mit Menschen umgeht, die sie nicht versteht, weil sie andersartig sind. Im allgemeinen wird Individualität zwar gelobt, doch wenn Zeitgenossen zu anders sind, werden sie als Kranke oder gar Spinner verspottet. Es ist eine Tatsache, dass es diese anomalen Gestalten in jeder Stadt gibt, ja, dass sie nahezu lokalprominent sind. (Sogar in der Literatur werden sie genannt; z.B. in Stadt aus Glas von Paul Auster.)
Ich habe mir das Gedankenspiel erlaubt: Was wäre, wenn diese Andersartigen eine heimliche Organisation bilden?
Auf die Frage, worum es in „Menschenfischer“ geht, antworte ich meist: Um Gerüchte. Und hier beginnt das Experimentelle, worauf ich wieder einmal nicht verzichten konnte:
Der Roman ist in vier Kapitel gegliedert: Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag. Der gesamte Karfreitag besteht aus dem Interview, das Patric mit Elisa führt und das in Realzeit acht Stunden dauert. Eine Art ‚moderierter Dialog’; die unglaubliche Geschichte der Susanne Nemus (die Elisa Hain teilweise auch nur ‚hintenrum’ erfahren hat) wird also in wörtlicher Rede erzählt. Man bekommt sie aus zweiter bis dritter Hand erzählt.
Ich verrate nur so viel: Der Effekt ist nicht nur enorm spannend, er ist in diesem Roman auch absolut notwendig.
„Menschenfischer“ hat ziemlich viel Hirnschmalz gekostet. Denn hinter der anfangs simpel erscheinenden Grundidee taten sich während des Schreibprozesses phantastische Abgründe auf. Die Aufgabe, die verstrickten Elemente logisch und vor allem übersichtlich zu sortieren, dabei keinen Faden zu verlieren und den Spannungsaufbau nicht außer Acht zu lassen, war eine anderthalb Jahre andauernde Herkulesarbeit, die mich mehrere Male verzweifeln ließ. Auch die Wahl des Titels passierte etliche Stationen. Irrwitzigerweise war meine allererste Idee schon "Menschenfischer", dieser wechselte wegen der vielen Anspielungen auf Goethes "Faust" und mit Hinblick auf das Thema 'Gerüchte' zu "Des Pudels Kern", wechselte dann zu dem poetischen, aber doch recht verwirrenden "Wald zwischen den Bäumen", um dann letztendlich wieder bei "Menschenfischer" zu landen.
Übrigens: Wo der Roman spielt, ist zwar nicht explizit hervorgehoben, da ich den Eindruck vermitteln möchte, dass es die Menschenfischer in jeder Stadt geben könnte, doch steht eindeutig Dortmund Pate; wer meine Heimatstadt kennt, wird das erkennen. Spielorte sind der Hellweg und andere Stellen in der City: Mayersche Buchhandlung, Corso-Passage, Karstadt-Parkhaus, Franziskuskirche, Stadtgarten, etc. Das Clubhaus entspricht einem leer stehenden Gebäude am Dortmunder Feld, das Clochard dem kleinen Café Anno 1900 gleich neben der WAZ-/WR-Redaktion.

Vielleicht noch interessant: Es ist schon ein kurioses Ding, dass ich in dem Jahr, in dem dieses Buch - dessen Hauptprotagonist den Faust gespielt und diese Rolle sehr verinnerlich hat - erschienen ist, gleichfalls im Frankenland erstmals als Faust auf der Bühne stehe.

Zum Thema
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MarkusVeith
Nachdem mein Wilhelm-Busch-Solo "Ein jeder Narr tut was er will" zwei Sommer beim Fränkischen Theatersommer (für den es auch inszeniert worden war) ziemlich gut lief und auch außerhalb von Franken und NRW seine Lorbeeren sammeln durfte, sagte mir mein Intendant und Regisseur Jan Burdinski im Mai 2012, ich solle für den FTS im Folgejahr ein neues Solo entwickeln. "Lass dir mal was einfallen. Mach mir ein Konzept. Ich würde wieder Regie führen." Nun, bereits verfasste Texte eines Autoren wie Wilhelm Busch für ein Theaterstück zu bearbeiten ist die eine Sache. Sich ein komplett neues Stück aus dem Hirn zu wringen, gezielt als Solo, in dem also auch die möglichst spannende Handlung allein bestritten, erzählt, gespielt werden muss, natürlich auch alles mit möglichst preisgünstigem Equipment und tour-gerecht ... das ist schon eine andere Sache. Erst recht, wenn es sich quasi um einen Auftrag handelt, ohne erste Idee und der Zeitvorgabe: bis Jahresende sollte es fertig geschrieben sein. Da erscheinen sieben Monate plötzlich erschreckend kurz und es folgt eine Phase verzweifelter Ideenlosigkeit. Ich entschloss mich, strategischer vorzugehen. Das Busch-Solo lief (und läuft) doch gut. Was gab es also an diesem Stück, was es erfolgreich machte und was man problemlos auch auf eine andere Produktion anwenden konnte, ohne die Parallelen allzu präsent zu machen? Simples-Fahrwasser-Prinzip: Es müsste – wie das Busch-Solo – komplett in gereimter Sprache sein, denn das hebt es von anderen modernen Stücken ab. Zunächst kam da der Gedanke, dass der Protagonist wegen eines Zwanges, eines psychologischen Ticks nur noch in Versen sprechen kann und mir vielen dazu auch gleich einige kleine, daraus resultierende Handlungsstränge ein. Jan war davon schon begeistert. Doch mir reichte das noch nicht ... Könnte das Stück – ebenso wie beim Busch-Solo – nicht eine historische Gestalt behandeln oder thematisieren, die möglichst jeder kennt? Es ist schon vier, fünf Jahre her, da führte mich eine Kindertheater-Tournee nach Mölln. Und obwohl ich – es war nach einem Auftritt – ziemlich erschöpft war, überredete mich mein Kollege, die ‚Eulenspiegel-Stadt‘ zu besichtigen und, wo wir doch schon mal da waren, auch das Grab des berühmten Streiche-Spielers zu besuchen. Wie ich also auf dem Kirchenhügel stand, wo sich auch die (angebliche) Ruhestätte Eulenspiegels befindet, schaute ich über die Häuser und die vielen dort montierten Parabolspiegel und kam auf den Gedanken, dass Till heute womöglich keine Schuhe auf dem Hochseil, sondern die Kabel der TV-Konsumenten verknüpfen würde, um damit heilloses Chaos zu stiften. Die Idee gefiel mir und ich besorgte mir im Museum eine Studien-/Gesamtausgabe der Eulenspiegel-Historien. Daheim verfasste ich eine Notiz und ließ sie, inklusive Buch, wie so viele Ideen und Konzepte erst mal in meiner Schreibtischschublade verschwinden. – Es ist gut, solchen Ideen Zeit zum Reifen zu gönnen … So erinnerte ich mich an dieses alte Eulenspiegel-Konzept, kramte es aus der Schublade, entstaubte es und empfand es als höchst trefflich. Nun endlich las ich jene Studienausgabe und gelangte zu der Überzeugung, dass es nur richtig sein konnte, den Eulenspiegel in die heutige Zeit zu verlegen, denn die fast hundert Streiche des Volks-Narren beinhalten deftigen und durchaus brutal-bösartigen (Fäkal-)Humor, der im Mittelalter die Leute sicher lachen ließ, heute aber nur noch Ekel oder aber Schulterzucken hervorbrächte. Mich verwunderte es, wie die Figur inzwischen kinderbuch-verklärt worden ist. Davon abgesehen merkte ich aber auch den fulminanten Vorteil, dass Till durch ganz Deutschland gezogen und somit wirklich überall bekannt ist. Das könnte für die Akquise, so sagte ich mir, von enormen Vorteil sein. Ich trug also weitere Ideen zusammen: Erzählungen von Freunden und Bekannten, die ich in meinem 'blauen Buch' (in dem ich sämtliche Ideen-Fragmente sammle) fand und als Streiche nutzen konnte; ich sah mir auf YouTube alles an, was der Filmchen-Speicher zu Begriffen wie 'Streich', 'Verarsche', etc. hergab; und ich spickte die immer üppiger werdende Sammlung natürlich mit Begebenheiten aus meiner eigenen Vita. Die Theatersommer- Saison '12 ging dem Ende zu und ich hatte die Freizeit zwischen den Auftritten genutzt, eine umfangreiche Konzept-Datei anzulegen, auch schon einen Anfang zu reimen und im gut bestückten Kostüm-Fundus Textilien zu sammeln, die in ihrer Kombination jedes Auge quälen. Ich besprach mit Jan die Konzeption und er zeigte sich überzeugt und gab mir grünes Licht. Nun kam es allerdings so, dass mir für den anstehenden Winter ein Engagement wegbrach und mir plötzlich ein ungewohntes Maß an Zeit zur Verfügung stand. (Mal abgesehen von der kleinen Panik, wie ich ohne dieses Engagement über die Winter- und Frühlingsmonate kommen sollte.) Die Zeit musste also zumindest für etwas anderes gut genutzt werden. Also stürzte ich mich nicht nur in die Akquise, sondern beschloss auch, zumal angesichts der Menge an Stoff, die sich mittlerweile für "Eulenspiegels Enkel" angesammelt hatte, die Story nicht nur als Theaterstück, sondern gleich als ganzes Buch zu schreiben. Ich dichtete also was das Zeug hielt und schaffte es tatsächlich bis Weihnachten, eine erste Fassung zu vollenden, die ich Jan und einigen Test-Lesern, aber auch dem OCM-Verlag vorlegen konnte. Die Reaktionen waren sagenhaft. Als ich mich mit Jan nach Weihnachten zur Stück-Besprechung in Franken traf und wir uns stundenlang im schönen Wittelsbacher Hof bei viel Kaffee daranmachten, die hundert Skript-Seiten immerhin auf sechzig Seiten zu kürzen, lachten, vielmehr giggelten wir in der Gasthof-Sitzecke wie Pubertierende über die gereimten Streiche. Ich bekam auch Lob von allen anderen Seiten, sowohl für die Geschichte, als auch die gereimte Mach-Art, was mich - so paradox es klingen mag - mehr verunsicherte, als wenn ich Kritik erhalten hätte. Also organisierte ich für Anfang Februar eine (Benefiz-)Test-Lesung für die Dortmunder Obdachlosen-Zeitung BoDo, die ebenfalls enorm gute Resonanzen ergab. OCM sagte mir die Veröffentlichung im Handel zu. Wahnsinn! Erasmus Odysseus schien unaufhaltsam in Spurt zu geraten. Ich machte mich ans Auswendiglernen. Und bemerkte, dass es weitaus schwieriger ist, sich einen selbst geschriebenen, zudem rhythmisch gereimten Text in den Kopf zu bannen, als einen 'festen' von einem anderen Autoren, denn ich kaute jede Zeile immer und immer wieder durch, änderte sie Dutzende Male, strich, erweiterte, bis ich endlich mit dem Text zufrieden war. In dieser Zeit traf ich mich auch mit meinen Leutchen von OCM zur Endkorrektur und brachte sie mit meinen nicht enden wollenden Änderungen (in meinen Augen natürlich Verbesserungen) schier zur Verzweiflung. Hinzu kam, dass ich wusste, dass der Text als Stück immer noch viel zu lang war und ich keine Ahnung hatte, wie es auf sinnvollste Weise zu kürzen wäre, dass ich somit viel Textmasse auswendig lernte, die später wahrscheinlich noch dem Rotstift zum Opfer fallen musste. Ende März begannen endlich die Proben mit Jan und ich war mit dem Einpauken trotz selbstständiger Kürzungen immer noch nicht fertig. Mir fehlten noch etwa 15 Seiten, die ich bei langen Spaziergängen durch die weiterhin kalte, schneebedeckte fränkische Schweiz vor mich hinbrabbelte. Den ersten Akt hatten wir aber recht schnell fertig, ich strich mir mindestens zehn Seiten bereits gelernten Text wieder aus dem Kopf und irgendwann hatte ich die Fassung im Kopf, die wir als letztendliche entschieden hatten. An jenem Abend, als ich mir die letzten noch fehlenden Verse eintrichterte, gönnte ich mir eine gute Flasche Wein. Doch tags darauf brachte Jan mich an den Rand der Verzweiflung: Seiner Meinung nach fehlte Minas Final-Streich noch der gewisse Pfiff. So muss sich ein Architekt fühlen, wenn er, obwohl das Projekt schon in Bau ist, zurück ans Reißbrett muss. Wir haben den zweiten Akt nochmals gekürzt und um eine Passage erweitert. Doch letztendlich muss ich gestehen: Es ist wirklich besser geworden. Nun war das Buch aber zu diesem Zeitpunkt bereits in Druck. Somit hat "Eulenspiegels Enkel" die, wie ich denke, passende Eigenart, dass das Stück ein anderes Finale hat als das Buch. Und das Ende im Stück hätte im Buch auch gar nicht funktioniert. Mit väterlich-stolzer Freude durfte ich am 26. April mein neuestes Baby mit einer gelungenen Buchpremiere zu seinen ersten Schritten in die Welt hinaus schicken. Es ist ein wirklich properes Büchlein geworden, 137 Seiten lang. Ich bin im höchsten Maße zufrieden mit dem Ergebnis. Die offizielle Premiere im Vino an der B1 war wirklich schön und schon die Lokation an sich stellte sich als ein echter Glücksgriff heraus. An dieser Stelle nochmals Dank an Herrn Cherifi, der mit so viel Freude und Bereitschaft den Abend mit ermöglichte. Die Zuhörer waren zufrieden, meine kleine Verlag-Familie war zufrieden, ich sowieso, war toll. Und am 09. Mai 2013 erblickte auch das Theaterstück das Bühnenlicht der Welt im schönen Brückentheater im Kurpark in Bad Staffelstein - schon immer einer meiner Lieblings-Spielorte hier in Franken. Wie immer dort recht gut besucht, wie immer dort war das Publikum entzückend und die Atmosphäre sehr intim. Was will ich mehr? Na ja, eigentlich will ich noch viel, viel mehr ...
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