Markus Veith Eulenspiegels Enkel

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Inhaltsangabe zu „Eulenspiegels Enkel“ von Markus Veith

Erasmus hat ein seltsames Leiden: Nachdem er in seiner Kindheit jahrelang mit Gedichten gefüttert wurde, kann er nur noch und ausschließlich in Versen sprechen.
Da alle Welt glaubt, er verulke sie mit seiner lyrischen Sprache, macht er aus der Not eine Tugend: Er zieht als moderner Eulenspiegel umher und spielt Streiche. Genau wie der berühmte Narr, hält er der Gesellschaft einen Spiegel vor. Er macht vor nichts Halt und nutzt alles, was die heutige Zeit ihm bietet: Einkaufszentren, Fast-Food-Restaurants, Bundeswehr, Internet und Fernsehen. Er führt die Menschen an der Nase herum, aber auch zu manch erkenntnisreicher Einsicht.
„Ich garantiere euch: Ich bin wirklich nur der größte Fan der menschlichen Natur.“

Der Autor und Schauspieler Markus Veith hat die Menschen und sich selbst beobachtet und die entdeckten Marotten und Eigenheiten in süffisanter Art zu Papier gebracht.
Der in Versform verfasste Roman besitzt nichts Sperriges und Altmodisches. Die gereimten Verse sind mit Leichtigkeit versehen und pointenreich. Ein Lesevergnügen der besonderen Art.

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    Eulenspiegels Enkel

    MarkusVeith

    12. July 2014 um 10:55

    Nachdem mein Wilhelm-Busch-Solo "Ein jeder Narr tut was er will" zwei Sommer beim Fränkischen Theatersommer (für den es auch inszeniert worden war) ziemlich gut lief und auch außerhalb von Franken und NRW seine Lorbeeren sammeln durfte, sagte mir mein Intendant und Regisseur Jan Burdinski im Mai 2012, ich solle für den FTS im Folgejahr ein neues Solo entwickeln. "Lass dir mal was einfallen. Mach mir ein Konzept. Ich würde wieder Regie führen." Nun, bereits verfasste Texte eines Autoren wie Wilhelm Busch für ein Theaterstück zu bearbeiten ist die eine Sache. Sich ein komplett neues Stück aus dem Hirn zu wringen, gezielt als Solo, in dem also auch die möglichst spannende Handlung allein bestritten, erzählt, gespielt werden muss, natürlich auch alles mit möglichst preisgünstigem Equipment und tour-gerecht ... das ist schon eine andere Sache. Erst recht, wenn es sich quasi um einen Auftrag handelt, ohne erste Idee und der Zeitvorgabe: bis Jahresende sollte es fertig geschrieben sein. Da erscheinen sieben Monate plötzlich erschreckend kurz und es folgt eine Phase verzweifelter Ideenlosigkeit. Ich entschloss mich, strategischer vorzugehen. Das Busch-Solo lief (und läuft) doch gut. Was gab es also an diesem Stück, was es erfolgreich machte und was man problemlos auch auf eine andere Produktion anwenden konnte, ohne die Parallelen allzu präsent zu machen? Simples-Fahrwasser-Prinzip: Es müsste – wie das Busch-Solo – komplett in gereimter Sprache sein, denn das hebt es von anderen modernen Stücken ab. Zunächst kam da der Gedanke, dass der Protagonist wegen eines Zwanges, eines psychologischen Ticks nur noch in Versen sprechen kann und mir vielen dazu auch gleich einige kleine, daraus resultierende Handlungsstränge ein. Jan war davon schon begeistert. Doch mir reichte das noch nicht ... Könnte das Stück – ebenso wie beim Busch-Solo – nicht eine historische Gestalt behandeln oder thematisieren, die möglichst jeder kennt? Es ist schon vier, fünf Jahre her, da führte mich eine Kindertheater-Tournee nach Mölln. Und obwohl ich – es war nach einem Auftritt – ziemlich erschöpft war, überredete mich mein Kollege, die ‚Eulenspiegel-Stadt‘ zu besichtigen und, wo wir doch schon mal da waren, auch das Grab des berühmten Streiche-Spielers zu besuchen. Wie ich also auf dem Kirchenhügel stand, wo sich auch die (angebliche) Ruhestätte Eulenspiegels befindet, schaute ich über die Häuser und die vielen dort montierten Parabolspiegel und kam auf den Gedanken, dass Till heute womöglich keine Schuhe auf dem Hochseil, sondern die Kabel der TV-Konsumenten verknüpfen würde, um damit heilloses Chaos zu stiften. Die Idee gefiel mir und ich besorgte mir im Museum eine Studien-/Gesamtausgabe der Eulenspiegel-Historien. Daheim verfasste ich eine Notiz und ließ sie, inklusive Buch, wie so viele Ideen und Konzepte erst mal in meiner Schreibtischschublade verschwinden. – Es ist gut, solchen Ideen Zeit zum Reifen zu gönnen … So erinnerte ich mich an dieses alte Eulenspiegel-Konzept, kramte es aus der Schublade, entstaubte es und empfand es als höchst trefflich. Nun endlich las ich jene Studienausgabe und gelangte zu der Überzeugung, dass es nur richtig sein konnte, den Eulenspiegel in die heutige Zeit zu verlegen, denn die fast hundert Streiche des Volks-Narren beinhalten deftigen und durchaus brutal-bösartigen (Fäkal-)Humor, der im Mittelalter die Leute sicher lachen ließ, heute aber nur noch Ekel oder aber Schulterzucken hervorbrächte. Mich verwunderte es, wie die Figur inzwischen kinderbuch-verklärt worden ist. Davon abgesehen merkte ich aber auch den fulminanten Vorteil, dass Till durch ganz Deutschland gezogen und somit wirklich überall bekannt ist. Das könnte für die Akquise, so sagte ich mir, von enormen Vorteil sein. Ich trug also weitere Ideen zusammen: Erzählungen von Freunden und Bekannten, die ich in meinem 'blauen Buch' (in dem ich sämtliche Ideen-Fragmente sammle) fand und als Streiche nutzen konnte; ich sah mir auf YouTube alles an, was der Filmchen-Speicher zu Begriffen wie 'Streich', 'Verarsche', etc. hergab; und ich spickte die immer üppiger werdende Sammlung natürlich mit Begebenheiten aus meiner eigenen Vita. Die Theatersommer- Saison '12 ging dem Ende zu und ich hatte die Freizeit zwischen den Auftritten genutzt, eine umfangreiche Konzept-Datei anzulegen, auch schon einen Anfang zu reimen und im gut bestückten Kostüm-Fundus Textilien zu sammeln, die in ihrer Kombination jedes Auge quälen. Ich besprach mit Jan die Konzeption und er zeigte sich überzeugt und gab mir grünes Licht. Nun kam es allerdings so, dass mir für den anstehenden Winter ein Engagement wegbrach und mir plötzlich ein ungewohntes Maß an Zeit zur Verfügung stand. (Mal abgesehen von der kleinen Panik, wie ich ohne dieses Engagement über die Winter- und Frühlingsmonate kommen sollte.) Die Zeit musste also zumindest für etwas anderes gut genutzt werden. Also stürzte ich mich nicht nur in die Akquise, sondern beschloss auch, zumal angesichts der Menge an Stoff, die sich mittlerweile für "Eulenspiegels Enkel" angesammelt hatte, die Story nicht nur als Theaterstück, sondern gleich als ganzes Buch zu schreiben. Ich dichtete also was das Zeug hielt und schaffte es tatsächlich bis Weihnachten, eine erste Fassung zu vollenden, die ich Jan und einigen Test-Lesern, aber auch dem OCM-Verlag vorlegen konnte. Die Reaktionen waren sagenhaft. Als ich mich mit Jan nach Weihnachten zur Stück-Besprechung in Franken traf und wir uns stundenlang im schönen Wittelsbacher Hof bei viel Kaffee daranmachten, die hundert Skript-Seiten immerhin auf sechzig Seiten zu kürzen, lachten, vielmehr giggelten wir in der Gasthof-Sitzecke wie Pubertierende über die gereimten Streiche. Ich bekam auch Lob von allen anderen Seiten, sowohl für die Geschichte, als auch die gereimte Mach-Art, was mich - so paradox es klingen mag - mehr verunsicherte, als wenn ich Kritik erhalten hätte. Also organisierte ich für Anfang Februar eine (Benefiz-)Test-Lesung für die Dortmunder Obdachlosen-Zeitung BoDo, die ebenfalls enorm gute Resonanzen ergab. OCM sagte mir die Veröffentlichung im Handel zu. Wahnsinn! Erasmus Odysseus schien unaufhaltsam in Spurt zu geraten. Ich machte mich ans Auswendiglernen. Und bemerkte, dass es weitaus schwieriger ist, sich einen selbst geschriebenen, zudem rhythmisch gereimten Text in den Kopf zu bannen, als einen 'festen' von einem anderen Autoren, denn ich kaute jede Zeile immer und immer wieder durch, änderte sie Dutzende Male, strich, erweiterte, bis ich endlich mit dem Text zufrieden war. In dieser Zeit traf ich mich auch mit meinen Leutchen von OCM zur Endkorrektur und brachte sie mit meinen nicht enden wollenden Änderungen (in meinen Augen natürlich Verbesserungen) schier zur Verzweiflung. Hinzu kam, dass ich wusste, dass der Text als Stück immer noch viel zu lang war und ich keine Ahnung hatte, wie es auf sinnvollste Weise zu kürzen wäre, dass ich somit viel Textmasse auswendig lernte, die später wahrscheinlich noch dem Rotstift zum Opfer fallen musste. Ende März begannen endlich die Proben mit Jan und ich war mit dem Einpauken trotz selbstständiger Kürzungen immer noch nicht fertig. Mir fehlten noch etwa 15 Seiten, die ich bei langen Spaziergängen durch die weiterhin kalte, schneebedeckte fränkische Schweiz vor mich hinbrabbelte. Den ersten Akt hatten wir aber recht schnell fertig, ich strich mir mindestens zehn Seiten bereits gelernten Text wieder aus dem Kopf und irgendwann hatte ich die Fassung im Kopf, die wir als letztendliche entschieden hatten. An jenem Abend, als ich mir die letzten noch fehlenden Verse eintrichterte, gönnte ich mir eine gute Flasche Wein. Doch tags darauf brachte Jan mich an den Rand der Verzweiflung: Seiner Meinung nach fehlte Minas Final-Streich noch der gewisse Pfiff. So muss sich ein Architekt fühlen, wenn er, obwohl das Projekt schon in Bau ist, zurück ans Reißbrett muss. Wir haben den zweiten Akt nochmals gekürzt und um eine Passage erweitert. Doch letztendlich muss ich gestehen: Es ist wirklich besser geworden. Nun war das Buch aber zu diesem Zeitpunkt bereits in Druck. Somit hat "Eulenspiegels Enkel" die, wie ich denke, passende Eigenart, dass das Stück ein anderes Finale hat als das Buch. Und das Ende im Stück hätte im Buch auch gar nicht funktioniert. Mit väterlich-stolzer Freude durfte ich am 26. April mein neuestes Baby mit einer gelungenen Buchpremiere zu seinen ersten Schritten in die Welt hinaus schicken. Es ist ein wirklich properes Büchlein geworden, 137 Seiten lang. Ich bin im höchsten Maße zufrieden mit dem Ergebnis. Die offizielle Premiere im Vino an der B1 war wirklich schön und schon die Lokation an sich stellte sich als ein echter Glücksgriff heraus. An dieser Stelle nochmals Dank an Herrn Cherifi, der mit so viel Freude und Bereitschaft den Abend mit ermöglichte. Die Zuhörer waren zufrieden, meine kleine Verlag-Familie war zufrieden, ich sowieso, war toll. Und am 09. Mai 2013 erblickte auch das Theaterstück das Bühnenlicht der Welt im schönen Brückentheater im Kurpark in Bad Staffelstein - schon immer einer meiner Lieblings-Spielorte hier in Franken. Wie immer dort recht gut besucht, wie immer dort war das Publikum entzückend und die Atmosphäre sehr intim. Was will ich mehr? Na ja, eigentlich will ich noch viel, viel mehr ...

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    Eulenspiegels Enkel

    MarkusVeith

    11. July 2014 um 10:56

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    Eulenspiegels Enkel

    MarkusVeith

    11. July 2014 um 10:00

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