Marlen Haushofer

 4,1 Sterne bei 1.069 Bewertungen

Lebenslauf

Marlen Haushofer, geboren am 11.4.1920, gestorben 21.3.1970, war eine österreichische Schriftstellerin. 1940 fing sie ein Germanistik Studium in Wien an, welches sie jedoch abbrach. Ab 1946 publizierte sie kleinere Erzählungen in Zeitungen und Zeitschriften, ihren Durchbruch schaffte sie erst 1952 mit der Novelle „Das fünfte Jahr“. Der Roman „Die Wand“, der 1963 veröffentlicht und 2012 verfilmt wurde, ist wahrscheinlich Haushofers wichtigstes Werk. 1970 starb sie dann an einer Knochenkrebs Erkrankung. Die Autorin wurde zu Lebzeiten und auch nach ihrem Tod mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Darunter Kinderbuch- und Literaturpreise.

Alle Bücher von Marlen Haushofer

Neue Rezensionen zu Marlen Haushofer

Cover des Buches Die Wand (ISBN: 9783548605715)
jtk_0701s avatar

Rezension zu "Die Wand" von Marlen Haushofer

Einsam, mit Tieren, der Natur und vielen Gedanken
jtk_0701vor 6 Tagen

Ok, vornweg, ich hab erst den Film gesehen und jetzt dieses Buch gelesen. Damals wusste ich nicht, dass es ein Buch dazu gibt und nun nach so langer Zeit, habe ich auf mein löchriges Gedächtnis gehofft. Ganz so löchrig ist es nicht, dennoch war es eine tolle Leseerfahrung. 

Ich war überrascht, wie wenig in einem Buch passieren kann und ich nichtsdestotrotz wissen will, wie es weiter geht. Eigentlich erleben wir nicht mehr als den Alltag harter Arbeit. Die Protagonistin kämpft täglich ums Überleben, nachdem sie eines Morgens in der Jagdhütte ihrer Cousine aufwacht und eine unsichtbare Wand die Icherzählerin vom Rest der Welt abschirmt. Sie,  alleine in der Jagdhütte, mit ihren Tieren und der Natur. Geschrieben wie ein Bericht erfahre ich, wie sie diese Zeit körperlich uns seelisch meistert. Das schönste dabei sind die Gedanken, die ihr kommen. Regte mich selbst zum Nachdenken an und schenkt viel Raum für Interpretationen. Ich konnte ambivalente Gefühle zum Muttersein herauslesen, Gesellschaftskritik, Fragen zur Identität und Umwelt. Ich habe mich gefragt, ob die Wand eine Depression darstellen soll? 


„Es gab keine Gedanken, keine Erinnerungen, nur das große stille Schneelicht. Ich wußte, daß diese Vorstellung für einen einsamen Menschen gefährlich war, aber ich brachte nicht die Kraft auf, mich dagegen zu wehren.“ (S.148)


Ich habe die Wand auch teilweise positiv gedeutet: endlich weg von dem gesellschaftlichen Druck, keine Luxusgüter, keine Gedanken zum Äußeren, keine Normen. Wie verhalte ich mich, wenn von außen keine Einflüsse auf mich einwirken?


“Es ist ja keiner da, der mich darauf aufmerksam machen könnte. Niemand sagt mir, wie ich aussehe, und ich selber denke nie darüber nach.“ (S.151)


„Aber ich verstehe, warum die anderen immer in der Übermacht waren. Lieben und für ein anderes Wesen sorgen ist ein sehr mühsames Geschäft und viel schwerer, als zu töten und zu zerstören. Ein Kind aufzuziehen dauert zwanzig Jahre, es zu töten zehn Sekunden.“ (S.161)


Ganz viele Fragen, die ich mir während dem Lesen gestellt habe. Kein Buch zum nebenher Weglesen, sondern eins, bei dem ich innehalte, nachdenke, versuche die Gedanken der Protagonistin weiter zu denken und zu übertragen. Unglaublich, wenn ich darüber nachdenke, dass Marlen Haushofer dieses Buch 1963 geschrieben hat und ich heute noch all die Gedanken nachvollziehen kann. War eine besondere Leseerfahrung und kann ich allen weiterempfehlen, die gerne beim Lesen nachdenken. 

Cover des Buches Die Wand by Marlen Haushofer(2012-10-19) (ISBN: B00OX8DKRA)
Tilman_Schneiders avatar

Rezension zu "Die Wand by Marlen Haushofer(2012-10-19)" von Marlen Haushofer

ein starkes Stück Literatur
Tilman_Schneidervor 9 Tagen

Eine Frau möchte mit Verwandtschaft ein Wochenende in einem Jagdhaus verbringen. Die Beiden gehen nochmals in Dorf und sie bleibt mit dem Hund zurück. Sie ist müde und geht früh ins Bett und wird durch den Hund geweckt. Das Haus ist aber ansonsten leer und sie ist sehr verwundert, wo die Beiden abgeblieben sind. Sie zieht sich an und läuft los und hat die unpassendsten Schuhe an. Als sie um eine Ecke biegt kommt sie nicht mehr weiter. Eine unsichtbare Wand hält sie zurück und es gibt kein durchkommen. Sie setzt sich erstmal hin und überlegt und glaubt an eine Sinnestäuschung, aber die Wand bleibt und nicht nur an dieser Stelle. Mit dem fröhlich herum hüpfenden Hund kehrt sie ins Jagdhaus zurück und muss heraus finden, dass sie hier fest sitzt. Weitere Versuche die Wand zu überwinden bleiben ohne Erfolg und irgendwie scheint das Leben auf der anderen Seite still zu stehen. Der Hund wird ihr Gefährte, ihr Freund, ihr Vertrauter und sie fängt an das Land zu bewirtschaften, Vorräte zu bunkern und auch zu jagen. Eine Kuh kommt ins Haus und auch eine Katze. Beide bringen junge zur Welt und vergrößern quasi ihre Familie. Die Jahreszeiten bieten verschiedene Probleme, Schönheiten und Aufgaben und sie wächst immer mehr hinein und das Denken, das Grübeln setzt immer mehr aus und sie streicht zwar immer in einem Kalender die Tage an um den Überblick zu behalten, aber Fragen nach dem warum, wie lange und wo sind die Anderen stellt sie sich irgendwann nicht mehr und unternimmt im Sommer mit ihren Tieren einen stunden langen Marsch zu einer Sommeralm. Das Leben hat sich verändert und ihr Denken, Handeln, Fühlen, Zweifeln auch. Aber nicht alles bleibt für immer so, wie es ist. Marlen Haushofers Roman ist ein Klassiker und Weltbestseller. Es ist eins von Elke Heidenreichs Lieblingsbüchern und sie hat es wieder ins Gespräch gebracht. Es ist verstörend, aufrüttelnd, wie ein Sog und jeder hat seine persönliche Wand, seine Mauern und die versperren oft mehr, als man denkt. Kein einfaches Buch, denn die Autorin verlangt dem Leser einiges ab und gerade das ruhige, das einfach dahin gleitende ist das Tolle und man versinkt in einer ganz neuen Welt.


Cover des Buches Die Wand (Marlen Haushofer: Die gesammelten Romane und Erzählungen 3) (ISBN: 9783546100793)
Melanie_M1s avatar

Rezension zu "Die Wand (Marlen Haushofer: Die gesammelten Romane und Erzählungen 3)" von Marlen Haushofer

Ruhig und langatmig, jedoch auch stellenweise sehr berührend
Melanie_M1vor 3 Monaten

Das Buch ,,Die Wand" von Marlen Haushofer ist eine ruhige Geschichte, in der die Welt der Protagonistin im wahrsten Sinne des Wortes stillsteht. In dieser Überlebenssituation, in der sie sich befindet, treten Empfindungen und Bedürfnisse an die Oberfläche, die im Alltagstrott meistens untergehen.


Als großer Naturfreund war das Setting sehr angenehm für mich. Auch die philosophischen Ansätze haben mir sehr gut gefallen, zwei Textstellen fand ich besonders berührend. Jedoch hat mir die Erzählstruktur überhaupt nicht gefallen. Die Handlungen der Protagonistin haben sich sehr häufig wiederholt und das war für mich auf Dauer sehr langweilig. Außerdem hat mich die Erzählerin teilweise mehrmals gespoilert, dadurch kam erst recht kein Spannungsbogen zustande. Das Ende hat mich auch ziemlich enttäuscht. 


Zusammenfassend kann ich sagen: Im Rahmen der eigenen Selbstreflexion kann einem das Buch kostbare Impulse schenken. Als naturverbundener Mensch ist es außerdem schön, in dieses Setting einzutauchen. Jedoch wurde es alles andere als spannend geschrieben. Das Buch regt sehr stark zu Eigeninterpretation an, da viele Fragen bis zuletzt unbeantwortet bleiben. 



Gespräche aus der Community

Wir lesen mit eigenem Exemplar. Jeder ist herzlich willkommen mitzulesen!

Die Leserunde startet am 1. Januar.

363 Beiträge
Dajobamas avatar
Letzter Beitrag von  Dajobamavor 4 Jahren

Zusätzliche Informationen

Marlen Haushofer wurde am 11. April 1920 in Wien (Österreich ) geboren.

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von 22 Leser*innen aktuell gelesen

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