Die Wand

von Marlen Haushofer 
4,1 Sterne bei761 Bewertungen
Die Wand
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (578):
unas avatar

Aussergewöhnlich fasznierend! Eine Frau wird von der anscheinend erstarrten Aussenwelt abgetrennt hinter einer unsichtbaren Wand...

Kritisch (66):
Moonwishess avatar

Super Beginn, gezogener Mittelteil.

Alle 761 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Die Wand"

Eine Frau will mit ihrer Kusine und deren Mann ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen verbringen. Nach der Ankunft unternimmt das Paar noch einen Gang ins nächste Dorf und kehrt nicht mehr zurück. Am nächsten Morgen stößt die Frau auf eine unüberwindbare Wand, hinter der Totenstarre herrscht. Abgeschlossen von der übrigen Welt, richtet sie sich inmitten ihres engumgrenzten Stücks Natur und umgeben von einigen zugelaufenen Tieren aufs Überleben ein.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783548288123
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:Ullstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum:14.03.2016
Das aktuelle Hörbuch ist bei Hörbuch Hamburg erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    BrittaRoeders avatar
    BrittaRoedervor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein moderner Klassiker – spannend, vielschichtig, eindringlich, zeitlos.
    Ein großer Roman vom Menschsein

    Absolut unerwartet findet sich die Protagonistin des Romans eines Morgens vom Rest der Welt abgeschnitten vor. Eine unsichtbare Wand hat das Gebiet rund um ein Jagdhaus in den Alpen, in dem sie sich als Gast aufhält, weiträumig eingeschlossen. Alles Leben jenseits dieser Abgrenzung scheint tot zu sein, auf ihrer Seite dagegen ist alles intakt, alle Tiere und sie als einziger Mensch haben überlebt. Soweit die Ausgangssituation von Haushofers Roman aus dem Jahre 1968.

    Auf den ersten Blick ist Haushofers Roman vor allem eine spannend geschriebene Robinsonade. Ausführlich schildert die Autorin den harten Überlebenskampf der urplötzlich völlig auf sich allein gestellten Frau. Sehr detailliert beschreibt sie wie sich aus ungewohnten absolut neuen Herausforderungen (Jagd, Landwirtschaft, Viehhaltung) allmählich ein harter Alltag herausbildet. Haushofers Präzision erzeugt dabei eine eindringliche Authentizität, deren Sog man sich nicht entziehen kann.
    Doch ohne Frage ist dieser großartige Roman mehr. Mit der im Mittelpunkt stehenden namenlos bleibenden Protagonistin, aus deren Ich-Perspektive die Ereignisse berichtet werden, gerät die Geschichte zum Entwicklungs- , man mag fast sagen, zum Selbstfindungsroman.

    Wie verändert sich ihr Verhältnis zu Natur und Tieren? Wie wirkt sich die Einsamkeit aus? Welche Folgen hat der psychische Druck eines täglichen Überlebenskampfes auf sie? Welche Bedürfnisse entwickelt sie? Welche Ängste? Welche existenziellen Fragen stellt sie sich?

    Haushofer verrät ihren Lesern nur wenig über die Vorgeschichte ihrer Hauptfigur. Die wenigen biographischen Details erfährt man fast beiläufig (Mitte vierzig, seit einiger Zeit Witwe, Mutter zweier inzwischen erwachsener Kinder). Alles was die überlebende Frau mit ihrem bisherigen Leben verband hat auf einen Schlag an Bedeutung verloren. Erstaunlich gefasst nimmt sie ihr Schicksal an und wird als einziger, letzter Mensch auf der Welt exemplarisch zum Repräsentanten der Menschheit. In den wenigen Momenten, in denen sich die Protagonistin rückblickend auf ihr altes Leben besinnt, lässt Haushofer zivilisationskritische Töne laut werden.

    Man kann sich diesem Roman auf sehr verschiedenen Wegen nähern. Unter den vielen Rezensionen gibt es feministische Interpretationen ebenso wie tiefenpsychologische Ansätze. Auch autobiografische Bezüge lassen sich ausmachen. Doch seine besondere Größe liegt in der Darstellung der Protagonistin, die sich angesichts der Aussichtslosigkeit ihres Schicksals ihr Menschsein bewahrt.

    „Es gibt keine vernünftigere Regung als die Liebe. — Marlen Haushofer , Die Wand. 2. Auflage. [Hamburg & Düsseldorf]: Claassen, 1968. S. 238

    Kommentare: 5
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    supersusis avatar
    supersusivor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Das Buch blieb die ganze Zeit über spannend, da immer wieder Andeutungen auf spätere Ereignisse gemacht wurden und man unbedingt wissen woll
    Besser als gedacht

    Eine Frau, die für ein paar Tage in die Berge fährt mit Freunden, findet sich plötzlich völlig allein und auf sich gestellt von einer (Glas ?)wand umgeben wieder. Was jenseits der Wand los ist weiß sie nicht, macht sich aber auch nicht viele Gedanken darüber, sondern konzentriert sich auf sich und das Überleben. Erst dachte ich, wie langweilig, ´ne Frau allein im Wald und daher lag es lange auf dem SuB. Aber nun habe ich es gelesen und es ist genauso wenig langweilig wie Hemmingways "Der alte Mann und das Meer".

    Das Buch ist von der Frau geschrieben. Sie schreibt auf allem Papier, was sie findet, ist sich aber darüber im klaren, dass es wohl nie jemand lesen wird, da sie ja durch die Wand von den anderen Menschen getrennt ist. Was ich etwas befremdlich fand, ist, wie schnell sie sich in ihr Schicksal einfindet, wie wenig sie ihren Töchtern nachtrauert und dass sie so gar nicht bitter ist oder verzweifelt. Ich fand auch bewundernswert, wie sie sich selbst zu helfen weiß und z.B. Bohnen und Kartoffeln anbaut, die sie in der Hütte gefunden hat oder, dass sie weiß, wie man Butter macht. Ich wüßte nicht, wie das geht und sicher viele andere Leute auch nicht. Dann habe ich gesehen, dass das Buch Anfang der 60ziger Jahre geschrieben wurde. Damals verstanden die Menschen sich noch darauf, für sich selbst zu sorgen, vor allem, wenn sie die harten Kriegsjahre mitgemacht hatten.

    Ich hätte mir an ihrer Stelle viel mehr Gedanken gemacht, was das für eine Wand ist, wo sie über Nacht herkommt, was wohl mit den anderen passiert ist, die jenseits der Wand waren. Diese Frau hadert aber nicht mit ihrem Schicksal, sondern manchmal klingt es, als sei es für sie eine Art Befreiung, sich nicht mehr rechtfertigen zu müssen, keine Pflichten und Erwartungen, die andere ihr auferlegen, erfüllen zu müssen und dass sie niemandem etwas vorzumachen braucht. Im Gegenteil, die Tiere, die sie findet und um die sie sich dann kümmert, sind zwar nützlich und sie entwickelt auch eine emotionale Bindung zu ihnen, aber sie empfindet sie zeitgleich als Belastung, grade weil sie eine Bindung zu ihnen aufbaut. Manchmal wirkt es, als blühe sie regelrecht auf, weil sie ihr bisheriges Leben ohne schlechtes Gewissen abstreifen kann und sich selbst genug ist. Als ich das Nachwort über die Autorin Marlen Haushofer gelesen habe, wurde mir auch klar, warum. Für die Autorin war dies ein regelrechter Befreiungsschlag und sie lebte ihre Bedürfnisse durch diese Figur und ihr Schicksal aus. Daher die Distanz zu ihrer Familie und den anderen Menschen. Habe aber eine andere Ausgabe gelesen und weiß nicht, ob hier ebenfalls das Nachwort drin ist.

    Das Buch blieb die ganze Zeit über spannend, da immer wieder Andeutungen auf spätere Ereignisse gemacht wurden und man unbedingt wissen wollte, was passiert ist. z.B." damals wußte ich noch nicht..." oder " Zu der Zeit... aber später, ohne ihn..." oder " Wenn ich das geahnt hätte, was da geschah, dann wäre ich nicht wieder hingegangen" oder " Das hätte mir eine Warnung sein sollen". Man erfährt über die Dinge aber nur nach und nach und oft viel später, aber die Spannung bleibt die ganze Zeit über aufrecht.

    Auf jeden Fall ein gelungenes Buch, da es wider Erwarten spannend blieb. Das Nachwort über die Autorin war sehr aufschlußreich und sie hat die Auszeichnungen zu Recht verdient. Gute Literatur, wie man früher sagte. Sehr Empfehlenswert .

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    Simon_Lokarnos avatar
    Simon_Lokarnovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Einfach pure poesie. In seiner Reinen melancolischen Form. Ich freier das. Ist aber harte kost.
    Die Wand ein Fest der Poesie

    Einfach pure Poesie. In seiner reinen melancolischen Form. Ich freier das. Ist aber harte kost.

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    WildRoses avatar
    WildRosevor einem Jahr
    Dieses Buch bleibt im Gedächtnis...

    Die namenlose Protagonistin, aus deren Sicht das Buch erzählt wird, findet sich hinter einer unsichtbaren, undurchdringlichen Wand wieder, Gesellschaft leisten ihr nur ein paar Tiere. Auf der anderen Seite der Wand scheinen sowohl Tiere als auch Menschen einfach erstarrt zu sein. Da die Protagonistin Urlaub auf dem Land machte, ist sie nun völlig auf sich alleine gestellt und muss sich in der Natur zurechtfinden. Das Forsthaus, in dem sie eigentlich nur einige Tage verbringen wollte, wird so zu ihrem Zuhause, die Tiere werden zu Gefährten, denen sie Namen gibt und zu denen sie eine enge emotionale Bindung aufbaut. Sie baut Kartoffeln an, hackt Holz, geht jagen. Ihr emotionaler Zustand schwankt im Laufe des Buches immer wieder stark, mal ist sie in ihrer Situation sehr zufrieden, mal sehnt sie sich nach anderen Menschen.

    Ich hatte zunächst Bedenken, das Buch könne sich langweilig lesen. Tatsächlich las ich das Buch innerhalb nur weniger Tage aus, da ich von der ersten Sekunde an völlig gefesselt war - sowohl von der Handlung als auch von Haushofers Schreibstil, der einerseits sehr klar, andererseits aber doch sehr poetisch und melancholisch ist. Das Buch ist einfach etwas ganz Besonderes, es bleibt im Gedächtnis, lässt nicht los, macht betroffen und hoffnungsvoll, stimmt mal zuversichtlich, mal traurig.
    Es gelingt Haushofer unglaublich gut, die schwankenden Gemütszustände ihrer Protagonistin für den Leser anschaulich und berührend zu beschreiben. Ebenso eindrucksvoll und ergreifend liest sich die Beziehung der namenlosen Protagonisten zu ihren Tieren, insbesondere zu dem treuen Hund Luchs, der sie stets begleitet.

    Wer Bücher mit einem traurigen und/oder ungewissen Ende nicht mag, dem wird "Die Wand" nicht gefallen. Am Ende kam es zu einem für mich derartig traurigem Vorfall, der im Laufe des Buches bereits immer wieder angekündigt wird - nichtsdestotrotz hoffte ich bis zum letzten Moment wider besseres Wissen, die Katastrophe könne noch abgewendet werden. Haushofer schildert den Verlust, den ihre Protagonistin erlebt, so hautnah und greifbar, dass mir selbst danach wirklich zum Weinen zumute war.

    Letztlich werden sich an "Die Wand" wohl die Geister scheiden. Ich finde es genial, aber man muss wohl in der richtigen Stimmung sein und auch sehr düsteren, nachdenklichen Büchern etwas abgewinnen können, um es in sein Herz lassen zu können. Für mich bleibt "Die Wand" eine unvergessliche Lektüre.

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    Laura_Ms avatar
    Laura_Mvor einem Jahr
    Naja... mal was anderes

    "Die Wand" von Marlen Haushofer ist ein Buch über eine Frau in der Abgeschiedeheit, die durch eine unsichtbare Wand von der restlichen Welt ferngehalten wird.

    Eine völlig andere Geschichte. Ich weiß nicht wie ich das Buch beschreiben soll. Nicht mal das Genere kann ich benennen. Fantasy kann man es nicht nennen, da dass was der Protagonistin im Weiteren passiert, durchaus nicht unrealitsisch ist (abgesehen von der Wand). Utopie vielleicht...

    Insgesamt hat mich das Buch nicht sehr überzeugt.
    Zum Einen hat es mich gestört, dass die Geschichte in einem durchgängigen Text ohne Kapitel oder Absatz.
    Zum Anderen hat die Protagonistin in der eigenen Geschichte ziemlich viel vorweg genommen und mich damit zusehr gespoilt. Auch das Ende war unbefriedigend bzw. dass die Handlungen der letzten Seiten nicht genauer erläutert wurden. Ich als Leser und auch die Protagonistin hätten gerne die Beweggründe erfahren, die dazu geführt haben.

    Fazit: Skurrile Geschichte, die man gelesen habe kann (da es mal was anderes ist), aber nicht muss.

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    Edith_Hornauers avatar
    Edith_Hornauervor einem Jahr
    Kurzmeinung: ... nur eine Wand, kein Brett vor dem Kopf...
    Hindernisse

    Ein Buch, dessen Inhalt ich nicht erleben möchte. Da steht die Frau auf, wundert sich, dass ihre Mitbewohner die Nacht nicht zurück gekommen sind, geht ihnen entgegen und stößt an eine durchsichtige Wand, hinter der der Tod augenscheinlich ist.
    Sie läuft und läuft, findet keinen Ein- oder Ausgang und kehrt zurück zur Hütte. Nach längerem Begreifen richtet sie sich ein, sie weiß, sie
    ist allein, muss sich um alles selbst kümmern, an alles allein denken.
    Immer noch in der Hoffnung, diese Wand verschwindet, wird ihr bewusst, dass die Zeit vergeht und der Winter vor der Tür steht.
    Die Tiere, die auf ihrer Seite der Wand waren, eine Katze, ein Hund,
    eine Kuh, beschäftigen sie und werden zu ihrem Inhalt.
    Ein spannendes, sehr lehrreiches Buch bis zum Schluss, der dann auch noch einmal an Spannung zunimmt...

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Interessant, zieht sich jedoch in die Länge

    Zum Inhalt:
    Eine Frau fährt mit ihrer Cousine und deren Mann, sowie deren Hund Luchs, in eine Hütte im Wald. Ihre Cousine und deren Mann beschließen, auszugehen und kehren bis spät in die Nacht nicht zurück. Die Protagonistin legt sich schlafen.
    Als die beiden am nächsten Morgen noch immer nicht wieder da sind, will sie auf die Suche nach ihnen begeben und stößt dabei auf eine durchsichtige Wand, hinter der jedes Leben wie erfroren erscheint. Die Frau ist isoliert und erkennt bald, wie weit ihr Gebiet bis zu der unumstößlichen Wand reicht. Sie kann nicht fliehen.

    Die Handlung erstreckt sich über drei Jahre und während dieser Zeit laufen ihr Tiere zu, um die sich sich, genauso wie um ihren Wegbegleiter Luchs, der ihr nur geblieben ist, kümmert. Die Tiere sind Bezugspersonen und Anlaufpunkte für die Protagonistin und der hauptsächliche Grund für sie, am leben zu bleiben.
    Die Frau wandelt sich enorm. Sie fügt sich ihrem Schicksal und versucht, die Gedanken an ihr früheres Leben zu unterdrücken.
    Sie kann nur durch Vorräte ihres Schwagers, einfach Hausmittel und die Jagd überleben.
    Das Ende des Buches ist sehr überraschend und bedeutet eine Wende im Geschehen, die nur noch mehr Fragen aufwirft, die nicht beantwortet werden.

    Alles in allem verfolgt das Buch eine überaus interessante Geschichte, die den Einzelnen zum nachdenken anregt - wie würde ich in einer solchen Situation handeln? Könnte ich das ertragen?
    Andererseits ist das Buch etwas anstrengend zu lesen, da zum einen viele landwirtschaftliche Arbeiten thematisiert werden, von denen man nicht unbedingt eine Ahnung hat und zum anderen, weil es von häufige Wiederholungen durchzogen ist und sich damit enorm in die Länge zieht.
    Ein weiterer Punkt, der mich gestört hat, ist es, dass man nicht erfährt, woher die Wand kommt und warum sie da ist. Zwar lässt das Raum für Fantasie, aber der Mensch strebt nun einmal nach plausiblen Antworten.
    Dennoch verdient das Buch seine vier Sterne.
    Empfehlenswert für diejenigen, die sich gerne mit einer solchen Thematik befassen wollen und sich auch durch Passagen "quälen" können, die weniger interessant sind. Der Film ist ergänzend ebenfalls sehenswert, zieht sich aber auch etwas in die Länge.

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein kleiner, leiser Roman, der nachdenklich macht, der einen selbst – mit der Heldin zusammen – an Grenzen führt. Beeindruckend! (*****)
    Verwandlung vom „Getrenntsein“ in die Einheit mit allem Leben.

    Verwandlung vom "Getrenntsein" in die Einheit mit allem Leben.

    Die am 11.4.1920 in Oberösterreich geborene und am 21.3.1970 in Wien verstorbene Autorin studierte Germanistik in Wien und Graz und lebte später mit ihrem Mann und zwei Kindern in Steyr. Obwohl sie u.a. mit dem Österreichischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet wurde, hatten ihre Bücher erst nach ihrem Tod großen Erfolg, als die Frauenbewegung sie für sich entdeckte. Der vorliegende Roman von 1963 ist mein Erster von ihr.

    Zum Inhalt (Klappentext): Eine Frau will mit ihrer Kusine und deren Mann ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen verbringen. Nach der Ankunft unternimmt das Paar noch einen Gang ins nächste Dorf und kehrt nicht mehr zurück. Am nächsten Morgen stößt die Frau auf eine unüberwindbare Wand, hinter der Totenstarre herrscht. Abgeschlossen von der übrigen Welt, richtet sie sich inmitten ihres engumgrenzten Stücks Natur und umgeben von einigen zugelaufenen Tieren aufs Überleben ein.

    Meine Meinung: Der Roman hat mich gleich an Kafkas „Die Verwandlung“ denken lassen, denn auch hier ist das Grundthema des Romans eine Metamorphose – eine Verwandlung einer Frau, die aus einer Zivilisation kommt, wo sie wie die meisten von uns getrennt ist von allem Leben, abgesondert als einzelnes „Ich“ zwischen allen anderen Lebewesen und die sich nun wandelt zu einer neuen Frau, die eins wird mit allen Tieren und der Natur.

    „Es fällt mir schwer, beim Schreiben mein früheres und mein neues Ich auseinanderzuhalten, mein neues Ich, von dem ich nicht sicher bin, dass es nicht langsam von einem größeren Wir aufgesogen wird. Aber schon damals bahnte die Verwandlung sich an. Die Alm war schuld daran. Es war fast unmöglich, in der summenden Stille der Wiese unter dem großen Himmel ein einzelnes abgesondertes Ich zu bleiben, ein kleines, blindes, eigensinniges Leben, das sich nicht einfügen wollte in die große Gemeinschaft. Einmal war es mein ganzer Stolz gewesen, ein solches Leben zu sein, aber auf der Alm schien es mit plötzlich sehr armselig und lächerlich, ein aufgeblasenes Nichts.“

    Außerdem bedient sich das Buch wie Kafkas Roman des von mir innig geliebten Genres „Magischer Realismus“, ein Genre, das ein magisches Element in die Realität integriert als gehöre es ganz natürlich zu ihr. Genauso wie sich niemand in Kafkas Roman darüber wundert, dass der Protagonist eines Tages als Käfer aufwacht, wird die Wand in diesem Roman irgendwann zu einer natürlichen Erscheinung, die fast oder gänzlich in Vergessenheit gerät. Es ist nicht mehr wichtig, wie dieses Phänomen entstand, wer es erschuf oder ob es für die Heldin besser wäre, über einen Fluchtweg nachzudenken. Das ist alles nebensächlich. Der Autorin geht es meines Erachtens ganz klar darum, eine Verwandlung zu zeigen, den Leser zum Nachdenken über sich und seine Welt zu bewegen. Und dies ist mehr als gelungen! Man fragt sich mehr als einmal, wie man selbst mit der Situation umgegangen wäre und merkt, dass man immer wieder bei der Frage endet: Wer bin ich? Wie bin ich als Mensch?

    Sprachlich entfaltet der Roman ebenso eine starke Sogwirkung. Die Stilmittel sind zwar einfach gehalten, aber die Beobachtungsgabe der Autorin ist beeindruckend. Präzise und treffend werden die Charaktere der Tiere und deren Beziehung zur Heldin beschrieben und viele rührende Szenen erwärmen das Herz. Auch wird durch das Mittel der geschickten Andeutung beim Leser Spannung bis zum Ende erzeugt, bei diesem Plot eine wahre Meisterleistung. Außerdem erfüllt es einen mit Hochachtung, wenn man erlebt, wie die Autorin es schafft, mit diesem „dürftigen“ Plot fast 300 Seiten zu füllen.

    Fazit: Ein kleiner, leiser Roman, der nachdenklich macht, der einen selbst – mit der Heldin zusammen – an Grenzen führt. Ein Buch, das nicht jedem gefallen wird, denn man muss schon erfahren haben, was Einsamkeit wirklich bedeutet, um diesen Roman wirklich schätzen zu können. Es ist eine Reise zu sich selbst. Und ich kann sehr gut nachvollziehen, warum Elke Heidenreich diesen Roman zu den zehn wichtigsten Büchern ihres Lebens zählt. Für mich ein Lese-Highlight des Jahres, ich vergebe die vollen 5 Sterne und sage: absolut lesenswert!

    Kommentare: 4
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    srieglers avatar
    srieglervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein kurioser Roman
    Ein langatmiger Roman

    Diesen Roman habe ich schon vor sehr vielen Jahren gelesen. Die Geschichte ist mir bis heute in Erinnerung, weil ich diese so skurril fand. Sicher lässt einen der Roman darüber nachdenken, wie es einem so alleine gehen würde, abgeschirmt von allen anderen Menschen. Insgesamt hat mir aber damals irgendwie ein komplettes Verständnis für diesen Roman gefehlt, aber vielleicht war ich einfach auch noch zu jung dafür.

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    Mrs-Jasmines avatar
    Mrs-Jasminevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Super Thema, toll umgesetzt. Und trotz nur einer Person in diesem Buch, ist keine einzige Seite Langweilig! Das Buch lebt von Gedanken und
    Eine Starke Frau

    Obwohl das Buch von nur einer Protagonistin handelt und ausser ein paar Tieren nur wenigen Personen in der Vergangenheit vorkommen, ist das Buch mit keiner Seite langweilig!
    Es ist spannend und sehr unterhaltsam! Man erfährt das ganze Buch über nicht den Namen der Protagonistin und auch sonst erfährt man nicht wie es zu dem seltsamen Phänomen überhaupt gekommen ist. Das macht das Buch so einzigartig! Ein ganz tolles Buch über eine sehr starke Frau die versucht am Leben zu bleiben...für sich und ihre Tiere!

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    L
    Habe gerade "Die Wand" von Marlen Haushofer fertig gelesen ... hat mir echt gut gefallen - Jetzt bin ich natürlich auf der Suche nach Büchern mit ähnlichem Stil ... jemand Tipps?
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