Marlen Hobrack

 3,9 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor*in von Schrödingers Grrrl, Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt und weiteren Büchern.

Lebenslauf

MARLEN HOBRACK, geboren 1986 in Bautzen, studierte Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaften und arbeitete zunächst in einer Unternehmensberatung. Seit 2016 schreibt sie hauptberuflich u.a. für der Freitag, Zeit Online, Die Welt und Der Spiegel. In ihren beiden Sachbüchern Klassenbeste und Erbgut verhandelt sie das Leben ihrer Mutter und Fragen nach sozialer Herkunft und Gerechtigkeit. 2023 debütierte sie mit Schrödingers Grrrl als Romanautorin. Für ihre Literaturkritik erhielt sie 2023 den Jörg‑Henle‑Preis. 2025 wurde sie mit dem Anna‑Seghers‑Preis für ihre literarische Auseinandersetzung mit Klassismus ausgezeichnet. Marlen Hobrack hat drei Kinder und lebt in Leipzig.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Marlen Hobrack

Cover des Buches Schrödingers Grrrl (ISBN: 9783957325495)

Schrödingers Grrrl

(21)
Erschienen am 02.03.2023
Cover des Buches Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt (ISBN: 9783365008133)

Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt

(5)
Erschienen am 24.09.2024
Cover des Buches Klassismus. 100 Seiten (ISBN: 9783150207147)

Klassismus. 100 Seiten

(3)
Erschienen am 16.02.2024
Cover des Buches Klassenbeste (ISBN: 9783446274778)

Klassenbeste

(2)
Erschienen am 22.08.2022

Neue Rezensionen zu Marlen Hobrack

Cover des Buches Klassismus. 100 Seiten (ISBN: 9783150207147)
downey_jrs avatar

Rezension zu "Klassismus. 100 Seiten" von Marlen Hobrack

downey_jr
Marlen Hobrack in Kurzform zu den Themen Klassismus, Herkunft und Gesellschaft

Marlen Hobracks Buch „Klassismus. 100 Seiten“ aus der Reihe „Reclam 100 Seiten“  bringt in Kurzform eine Menge Wissen über ein Thema, über das leider noch viel zu wenige etwas wissen: Klassismus.

Neben Rassismus und Sexismus ein sehr wichtiges und immer noch aktuelles Thema.

 

»Klassismus hat für die Mittelklasse eine Funktion, ist Mittel zum Zweck: Klassistische Erzählungen von der Faulheit und Dummheit der Armen legitimieren deren schlechte Behandlung.«

 

Leider spielt die Herkunft der Eltern immer noch eine viel zu große Rolle bei den Bildungs- und Karrieremöglichkeiten. 

Die Autorin geht der Frage nach, wie eine gerechtere Gesellschaft aussehen könnte.

 

Marlen Hobrack gibt auf 100 Seiten (inklusive einiger Abbildungen) einen überraschend umfangreichen Überblick zum Thema Klassismus. Das ist meiner Meinung nach recht gut gelungen, um einen ersten Einstieg in die Themen Klassismus, Herkunft und Gesellschaft zu bekommen.

Cover des Buches Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt (ISBN: 9783365008133)
downey_jrs avatar

Rezension zu "Erbgut. Was von meiner Mutter bleibt" von Marlen Hobrack

downey_jr
Sehr persönliches Buch: Aufarbeitung einer Mutter-Tochter-Beziehung / Trauerarbeit

"Ich weiß sehr wohl, dass dieses Buch meine Mutter über die Maße verletzt und gekränkt hätte. Ich weiß, dass viele sagen werden, man solle die Tote ruhen lassen. Doch das ist der Punkt: Die Tote kann nicht ruhen, solange ihr Rätsel ungelöst bleibt."

 

Die Autorin Marlen Hobrack begann mit der Arbeit an ihrem Buch „Erbgut“ direkt nach dem Tod ihrer Mutter, als der Schock darüber noch frisch war. Sicherlich ist dieses Buch ein Stück Trauerarbeit, heilsam und wichtig zugleich. Das Buch ist gleichzeitig auch eine Art Aufarbeitung einer Mutter-Tochter-Beziehung, einerseits sehr persönlich, andererseits kann es auch durchaus hilfreich und heilsam für alle sein, die ein schwieriges bzw. zwiegespaltenes Verhältnis zur eigenen Mutter haben.

 

"Man kann seine Mutter nicht heilen. Man sollte es gar nicht erst versuchen."

 

Als Marlen Hobracks Mutter stirbt, hinterlässt sie eine Wohnung, die vollgestopft ist mit vielen Dingen: Massen an Steppdecken, Vitaminpillen, Tupperdosen, Putzmittel, Keramikfiguren und anderem, alles im Übermaß. 

Doch sie hinterlässt auch jede Menge Erinnerungen, gute wie schlechte, Kindheitstraumate und auch Gedanken an die eigene Vergangenheit, denn die Mutter hatte es selbst nicht leicht, war das ungeliebte Kind ihrer eigenen Mutter, was diese ihr auch immer gezeigt hatte.

Marlen Hobrack muss die Wohnung ihrer Mutter ausmisten, die Dinge loswerden, die Gefühle und Gedanken verarbeiten. Das ist Scherstarbeit, physisch, aber vor allem emotional. Vor allem die Frage, wieviel „Erbgut“ sie von der Mutter in sich hat, beschäftigt sie stark.

 

„Das Erbgut ist diese Angst: Wie viel meiner Mutter steckt in mir? Werde ich sein, wie meine Mutter gewesen ist?“

 

"Dann die bedrückende Erkenntnis: dass ich an meiner Mutter am meisten ablehne, was ich selbst tue. Dass ich mich in ihr erkenne, aber nicht wiedererkennen will. Deswegen das Aussortieren, das zur Gewohnheit gewordene ausmisten, das sich wie ein Befreiungsschlag anfühlt."

 

"Jeder Akt des Aufräumens bestätigt, dass ich nicht bin wie meine Mutter. Jedes Aufräumen ist der Beweis, dass ich ich bin."

 

Das Buch ist sehr ehrlich, offen und authentisch geschrieben. Viele Gedanken und Gefühle kann man sehr gut nachempfinden und man kommt nicht umhin, über sein eigenes Leben und Verhältnis zur Mutter nachzudenken.

 

"Kein Mensch sollte Massen von irgendetwas besitzen. Massen von Dingen, Massen von Geld. Kein Mensch sollte seine Verluste und Traumata mit dem massenhaften Konsum von Gegenständen ver­arbeiten können. Das Problem ist so alt wie die Konsumgesellschaft.“

 

"Erbgut. Schreibt sich die Arbeit dem Körper ein? Wird er geformt, über Generationen hinweg, wird er optimiert für ein Leben, das aus Arbeit besteht? Körper lassen sich formen, bis zu einem gewissen Grad."

 

"Am Ende steht keine tiefere Erkenntnis, sondern die Ordnung. Sie ist wiederhergestellt, das rechte Maß gefunden. Doch die traurige Erkenntnis muss lauten: nachträglich lässt sich das Leben meiner Mutter nicht ordnen. Der Prozess des Ordnens kann nur für diejenige, die ihn ausgeführt hat, katharisch sein."

 

Ein Buch, das stark zum Nachdenken anregt über die Fragen, wer wir sind, wie wir sind und warum; empfehlenswert für alle Töchter (und Mütter).

Cover des Buches Schrödingers Grrrl (ISBN: 9783957325495)
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Rezension zu "Schrödingers Grrrl" von Marlen Hobrack

Svenjas_BookChallenges
Interessanter Ansatz, der aber leider nicht ausgebaut wurde

Marlen Hobracks Romandebüt „Schrödingers Grrrl“ lag seit etwa einem Jahr auf meinem Stapel ungelesener Bücher, weshalb ich mich sehr gefreut habe, als es im Buchclub ausgewählt wurde. Denn was mich an der Geschichte von Anfang an gereizt hat: Sie handelt von einer jungen, perspektivlosen Frau, die quasi aus Versehen zur Hochstaplerin wird, indem sie als Jungautorin für einen Roman gecastet wird – und damit die Literaturwelt auf den Kopf stellt.

Ein spannendes Thema, von dem ich mir tiefe Einblicke in den bzw. scharfe Kritik am deutschen Literaturbetrieb erhofft habe. Ich muss allerdings gestehen, dass ich nach „Yellowface“ von R. F. Kuang, das ja eine ganz ähnliche Thematik behandelt, relativ hohe Erwartungen an „Schrödingers Grrrl“ hatte – denn ich hatte ja schon einen Roman über eine junge Frau gelesen, die den Text einer anderen für ihren eigenen ausgibt, und ich fand ihn großartig. Und das war wahrscheinlich das Problem, denn Marlen Hobracks Version einer literarischen Hochstaplerin konnte da für mich leider nicht mithalten.

Am meisten enttäuscht hat mich, dass das Thema eigentlich nur die Rahmenhandlung bildet und gerade im Vergleich zu „Yellowface“ nicht die größte Rolle innerhalb der gesamten Handlung spielt – da hatte ich angesichts des Klappentextes etwas anderes erwartet. Schon das Szenario, durch welches Mara dazu auserkoren wird, die Rolle der überraschenden Jungautorin zu spielen, fand ich unglaubwürdig. Und die gesamte Farce wird anschließend gefühlt nur in Nebensätzen abgehandelt und am Ende schnell, schnell aufgelöst. Es gibt zwar einige interessante Szenen und Dialoge, in denen geschildert wird, wie Mara und ihr Manager und letztlich auch der Autor, der eigentlich hinter dem Text steckt, die Literaturwelt vorführen. Das waren aber immer nur kleine Häppchen – das hat mir einfach nicht gereicht.

Wesentlich mehr als um den Literaturbetrieb geht es um das alltägliche Leben von Mara, die als Schulabbrecherin und Hartz-IV-Empfängerin mit Depressionen keinerlei Perspektiven hat und das auch ständig von ihrem Umfeld gespiegelt bekommt. Mara ist ein Mensch, der bisher nichts in die eigenen Hände genommen hat, sondern mit dem Dinge passieren – und genauso rutscht sie quasi ganz beiläufig in ihre Rolle als Betrügerin hinein. Marlen Hobrack zeichnet das ungeschönte Porträt einer jungen Frau, die ein Leben im Stillstand führt, deren Alltag von Antriebslosigkeit, Schulden und oberflächlichen Beziehungen geprägt ist und die den skrupellosen Machtspielchen eines misogynen Managers und eines glanzlosen Schriftstellers schutzlos ausgeliefert ist.

In gewisser Weise hält Marlen Hobrack mit „Schrödingers Grrrl“ der Gesellschaft den Spiegel vor – wenn wir Menschen abschreiben, dann schreiben diese Menschen auch sich selbst ab. Wenn wir Vorurteile stumpf reproduzieren, dann haben wir am Ende eine sich selbsterfüllende Prophezeiung. Und diesen Aspekt der Geschichte fand ich durchaus interessant, auch wenn Maras zielloses Leben gerade im Mittelteil für mich eher langatmig geschildert wurde und ich ehrlich gesagt nicht viel davon wirklich nachvollziehen konnte.

Zusätzlich gibt es für mich auch einige Diskrepanzen, was die Handlung angeht – so ist Mara aufgrund ihrer Depression kaum in der Lage, sich um sich selbst, um andere und um ihre Katze (!!!) zu kümmern, schafft es kaum, sich die Haare zu waschen und einkaufen zu gehen (soweit sicherlich eine authentische Darstellung). Es wird aber im späteren Handlungsverlauf nicht erläutert, wie sie es schafft, ganze Lesereisen und Signierstunden, Fernsehauftritte und sogar Auftritte auf der Buchmesse zu absolvieren und dabei alle Anwesenden von sich zu überzeugen. Vermutlich ist hier das Problem, dass auch diese Geschehnisse nur in wenigen Sätzen oder kurzen Absätzen abgehandelt werden – so richtig dabei ist man nicht und so verliert die Figur Mara in ihrer Anlage leider an Glaubwürdigkeit und der Geschichte fehlt es an Tiefe.

Der Roman begann vielversprechend, konnte aber meiner Meinung nach seine Versprechen nicht halten – hier war einfach zu viel gewollt und nichts so richtig ausgefeilt. Vor allem eben nicht (und das finde ich wirklich schade, weil es so viel Potenzial hatte) die Thematik des literarischen Betrugs und der Blick auf den Literaturbetrieb. Der Fokus lag im Wesentlichen auf Maras Alltag als Hartz-IV-Empfängerin und leider nicht auf der Grundthematik, wie sie der Klappentext suggeriert. Und so konnte „Schrödingers Grrrl“ meinen Erwartungen am Ende leider nicht gerecht werden.

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