Marlen Suyapa Bodden

 4.5 Sterne bei 22 Bewertungen

Alle Bücher von Marlen Suyapa Bodden

Der Himmel über Alabama

Der Himmel über Alabama

 (21)
Erschienen am 21.07.2014
The Wedding Gift

The Wedding Gift

 (0)
Erschienen am 09.05.2013

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Rezension zu "Der Himmel über Alabama" von Marlen Suyapa Bodden

Am Vorabend des Bürgerkriegs
Helen13vor 2 Jahren

Alabama 1853


Bodden führt uns mitten hinein in das Leben von weißen Plantagenbesitzern und schwarzen Sklaven in den amerikanischen Südstaaten. In Alabama 1853 ist zwar heimlich hinter der Hand die Rede von Sklavenbefreiung – die herrschende Wirklichkeit sieht anders aus. Aus zwei Perspektiven erleben wir die Geschichten der Protagonisten. Theodora, die Herrin der Plantage und Sarah, die junge Sklavin, fast noch ein Kind erzählen uns die Geschehnisse. Theodora erzieht Sarah mit Clarissa, ihrer Tochter, sie erlaubt Sarah, bei den Schulstunden zuzuhören. Sarah nimmt alles auf und lernt lesen und schreiben, eine Seltenheit in der Sklavenbevölkerung. Die handelnden Personen sind untereinander durch Blutsbande verbunden. Cornelius, Theodoras Ehemann, hat ein langjähriges Verhältnis mit Adeline, Sarahs Mutter und ist Sarahs Vater. Sarah und Clarissa, die Halbschwestern wachsen wie Schwestern auf und später, als Clarissa heiratet, muss Sarah ihr folgen. Sie wird das Hochzeitsgeschenk für Clarissa, im Original heisst der Roman „The Wedding Gift“. Ein wesentlich besserer Titel als der deutsche.
Im Gegensatz zu ihrer Mutter, der Haussklavin Adeline, denkt Sarah immer und immer an Freiheit, an Weglaufen. Sie lässt nie von diesem heimlichen Plan los.
Die Geschichten in dieser Geschichte sind so vielfältig, wie die Charaktere, von denen wir lesen. Wir bewegen uns zwischen der Welt der Weißen und der der afrikanisch stämmigen Schwarzen. Wir erfahren viel über die Umstände des Lebens der Sklaven, ihrer Gepflogenheiten, ihrer Kochkünste sowie ihrer medizinischen Kenntnisse. Adeline kennt sich aus mit Heilkräutern, die sie in ihrem Garten anpflanzt und regelmäßig für Gesunde und Kranke anwendet.
Die Plantage, von der wir hier lesen, ist weitläufig, riesig, das Wohngebiet der Sklaven weit entfernt vom Herrenhaus. Wir erleben die Hierarchie der Sklaven - Feldsklaven sind nicht gleich Haussklaven und ein Feldsklave zu werden ist eine Drohung.
Sarahs Wunsch wird sich unter den schwierigsten Umständen erfüllen. Bevor es so weit ist, nimmt die Geschichte interessante und unerwartete Wendungen und lässt uns gründlich die Gesellschaftsstrukturen dieser Zeit betrachten. Viele Charaktere treten auf, alle liebevoll gezeichnet und fesselnd in ihren Rollen.
Boddens Schreibstil ist flüssig und fesselnd. Leider hat die Übersetzung einige Mängel, zu viele Redensarten wiederholen sich im Laufe der Geschichte. Trotzdem – es ist seit langem ein Buch dieses Themas, ins Deutsche übersetzt, das enorm fesselt, historisch korrekt ist, alle Sinne anspricht und das man nicht gern aus der Hand legen möchte. Bodden ist Anwältin in New York und setzt sich seit Jahren in der Legal Aid Society für die Belange benachteiligter Arbeiter und Immigranten sein. 

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Wassollichlesens avatar

Rezension zu "Der Himmel über Alabama" von Marlen Suyapa Bodden

Fesselnder historischer Roman
Wassollichlesenvor 3 Jahren

"Der Himmel über Alabama" hat mich zunächst stark an Bücher / Filme wie "Die Farbe Lila" oder "12 Years a slave" erinnert. Aber auch wenn ihr diese oder andere Bücher / Filme über das Thema "Sklaverei" schon gelesen / gesehen habt,  lohnt es sich dieses Buch zu lesen! Zu Beginn habe ich erst einmal ein bisschen Zeit gebraucht, bis ich in der Geschichte drin war, aber dann kam ich nicht mehr von ihr los. Sie hat mich gefesselt! Gut gefallen hat mir, dass das Geschehen aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Zum einen aus der Sicht der jungen Sklavin Sarah und zum anderen aus der, der Plantagenherrin Theodora. Und das Beste: das Ende ist wirklich richtig gut! Ich liebe überraschende Enden! Das Thema "Sklaverei in den USA im 19. Jahrhundert" ist harte Kost, aber dieses dunkle Kapitel in der Geschichte darf niemals in Vergessenheit geraten. (Liebe Lehrer, dies wäre mal ein gutes Buch für den Unterricht!)
Fazit
"Der Himmel über Alabama" kann sich in einer Reihe mit "Die Farbe Lila" stellen. Sehr gelungener historischer Roman über die Sklaverei mit einer mutigen Heldin! 

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Klusis avatar

Rezension zu "Der Himmel über Alabama" von Marlen Suyapa Bodden

Der Himmel über Alabama
Klusivor 4 Jahren

Ein Großteil des Romans ist aus Sarahs Sicht geschrieben. Die junge Frau ist bereits als Sklavin geboren. Sie hat hellere Haut als ihre Mutter und ihre Schwester, denn sie ist nicht nur Cornelius Allens Besitz, sondern zugleich seine Tochter. Sarah kann sich nicht mit ihrer Situation abfinden. Im Gegensatz zu ihrer Mutter und ihrer Schwester Belle denkt sie häufig an Flucht. Da sie im gleichen Alter ist wie Cornelius' anerkannte, eheliche Tochter Clarissa, wachsen die beiden Mädchen zusammen auf, und Sarah erfährt mehr Bildung als es für eine Sklavin üblich ist. Durch ihre bloße Anwesenheit, während Lady Allen ihre Tochter Clarissa unterrichtet, lernt Sarah fast spielerisch das Lesen und Schreiben. Dieses Wissen ist lebensgefährlich, denn kein Sklave sollte lesen und schreiben können. Käme Sarahs Wissen an die Öffentlichkeit, würde sie ausgepeitscht werden.

Clarissas Verheiratung ändert alles in Sarahs Leben, denn sie begleitet die junge Braut auf die Plantage ihres Ehemanns. Die Tatsache, dass dieser Clarissas Kind nicht als das seine anerkennt, wirft neue Probleme auf, und auch Sarah kommt durch die veränderte Sachlage in Bedrängnis.


Die Autorin zeigt die Situation auf den Plantagen in den Südstaaten, zur Mitte des 19. Jahrhunderts, aus einem anderen Blickwinkel als man es von den meisten historischen Südstaatenromanen kennt, wo es oft in der Hauptsache um die Herrschaften und Plantagenbesitzer geht und die Sklaven nur eine Statistenrolle einnehmen.

Hier erfährt man hautnah, wie sich das Leben der Sklaven auf so einer Plantage abgespielt hat. Welche Demütigung war es für die Versklavten, wenn sie kaum etwas in ihrem Leben frei entscheiden durften, wenn sie nicht als denkende, fühlende Menschen, sondern lediglich als Gewinn bringende Ware angesehen und behandelt wurden. Sie waren ein wirtschaftlich wertvoller Besitz der Plantagenbesitzer, der sich im optimalen Fall sogar noch vermehrte, wenn die Herrschaft einer eheähnlichen Beziehung zustimmte und sich Nachwuchs einstellte.


Zwischen den Kapiteln, in denen Sarah erzählt, gibt es auch Abschnitte aus einem anderen Blickwinkel, nämlich aus der Sicht von Lady Theodora Allen, Cornelius' Gattin. Sie ist zwar die Dame des Hauses und offiziell die Frau an seiner Seite, hat aber genauer besehen nur wenig mehr Rechte als ihre Sklaven. Cornelius bevormundet und betrügt sie und gewährt ihr kaum Einblick in seine Geschäfte und sonstigen Angelegenheiten. Wenn ihm etwas nicht passt, wird er sogar handgreiflich. Dieses Machtgefüge innerhalb der Familie war sicher kein Einzelfall, sondern in vielen Häusern damals ähnlich zu finden.

Die Autorin lässt ihre Protagonisten sehr ausführlich zu Wort kommen. Sarahs und auch Theodoras Erzählungen sind ausgesprochen bildhaft, und der Schreibstil des Romans passt sich sehr gut den damaligen Gegebenheiten an. Manche Episoden im Verlauf der Geschichte wurden für mein Empfinden fast etwas zu detailliert geschildert. Dafür sind die letzten Kapitel sehr kurz gefasst, und gerade hier hätte ich gerne noch ein paar mehr Informationen erhalten, wie es mit den Protagonisten weiterging, auch wenn das Ende plausibel und schlüssig war.

Der Roman hat mich nachhaltig beschäftigt, und besonders Sarahs Schicksal fand ich sehr beeindruckend. Am Ende hat diese auch noch einige Überraschungen parat. Es klärt sich vieles in einer Weise, wie ich es vorab nicht vermutet hätte. 

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