Marlies Ferber

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Interview mit Marlies Ferber

7 Fragen an Marlies Ferber

1.a. Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Als ich 11 Jahre alt war, liebte ich Pferde und Bücher, schrieb im Einfinger-Suchsystem auf der uralten mechanischen Schreibmaschine meines Großvaters - bei der man noch mit den Fingern zwischen die Tasten hauen konnte - ein Buch über Mädchen und Pferde und fieberte den sonntäglichen Besuchen der Galopprennbahn entgegen. Was ich mal werden wollte, war klar: Rennjockey oder Schriftstellerin. Dreißig Jahre später war die Vorstellung von mir als Rennreiterin nicht mehr wirklich mein Traum (geschweige denn der Traum irgendeines Rennpferdes). Aber der Traum vom Schreiben, der war noch da. Und wann eigentlich, wenn nicht jetzt, dachte ich ...

1.b. Was begeistert Dich daran besonders?

Wenn ich eine gelungene Szene geschrieben habe - okay, eine Szene, von der ich erstmal glaube, dass sie gelungen ist - habe ich den ganzen Tag gute Laune. Außerdem ist es wunderbar, sein eigener erster Leser zu sein, der Premierenbesucher im Kopfkino. Das ist Flow pur, und irgendwann schaue ich dann auf die Uhr und denke: Nur noch eine halbe Stunde Zeit zum Schreiben, die Zeit rast mal wieder. Die Figuren entwickeln, je weiter die Geschichte voranschreitet, immer mehr ein Eigenleben, das ist spannend. Sie werden fast schon real. Es ist ein bisschen so, als hätte man interessante neue Leute kennengelernt. Bald redet, klatscht und tratscht man über sie, als wären sie liebe Freunde mit Schrullen und Macken. Das mag vielleicht ein wenig seltsam klingen, aber unheimlich würde es wohl erst, wenn man nicht mehr nur über sie spricht, sondern mit ihnen. Wenn ich irgendwann in die Küche gehe, um mir einen Kaffee zu machen, und James und Sheila schon am Tisch sitzen und mir zuwinken, zum Beispiel. Das wäre dann schon ein bisschen gruselig.

2. Welche Bücher/Autoren liest Du selbst gern?

Ich liebe Old-School-Krimis wie die von Agatha Christie. Momentan lese ich "Das Geheimnis des weißen Bandes - der neue Sherlock-Holmes-Roman" von Anthony Horowitz, und ich freue mich danach auf "Ewig Dein" von Daniel Glattauer. Meine Leseliste im Januar und Februar bislang: "Kühlfach - Betreten verboten" von Jutta Profijt, "Nein - ich geh nicht zum Seniorentreff" von Virginia Ironside, "Sommerhaus mit Swimmingpool" des Niederländers Herman Koch, "Schweinskopf al dente" von Rita Falk, "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson, "Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt" von Dora Heldt, "Ein ungezähmtes Leben" von Jeannette Walls. Einen Ehrenplatz im Bücherregal hat die Gesamtausgabe von James Herriot. Ein großes, großes Vorbild: Nick Hornby.

3. Von welchem Autor würdest Du Dir mal ein Vorwort für eines Deiner Bücher wünschen und warum?

Ganz klar von Agatha Christie. Ich mag ihre Bücher sehr, sie begleiten mich seit meiner Jugend. Einmal lag ich mit einer schlimmen Erkältung im Bett und habe die "ABC Murders" in einer abgegriffenen, vergilbten Taschenbuch-Ausgabe von Fontana Books aus dem Jahr 1956 gelesen. Während mein Körper mit den Bazillen kämpfte, bin ich in Agatha Christies großartige Krimi-Welt abgetaucht, und als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, war das Schlimmste vorbei, und ich denke heute an diese Erkältung mit warmen Gefühlen zurück. Wenn ein Buch von mir so etwas auch nur für einen Menschen sein könnte, diese Vorstellung würde mich glücklich machen.

4. Wo holst Du Dir die Ideen und Inspiration fürs Schreiben?

Etwa zwei Drittel kommen beim Schreiben selbst. Mit der Lebenserfahrung von 45 Jahren sind schon per se eine Menge Bilder, Vorstellungen, Szenen und Sätze im Kopf, die abgerufen werden können und sich verweben lassen. Bei der konkreten Arbeit dieses Verwebens - besonders, was die logische Seite betrifft - helfen lange Waldspaziergänge mit meiner Hündin Curly, Klarheit zu gewinnen. Zum anderen schärft das Schreiben auch noch einmal die Wahrnehmung, während des Schreibprozesses bin ich viel offener für alle Arten von Inspirationen, die aus der unmittelbaren Umgebung kommen.

5. Wie und wann schreibst Du normalerweise, kannst Du dabei diszipliniert vorgehen oder wartest Du, bis Dich in einer schlaflosen Nacht die Muse küsst?

Ich bin eher niemand, der in einer magischen, schlaflosen, rauschhaften Nacht von der Muse geküsst wird. Morgens zwischen 8 und 13 Uhr sitze ich professionell-profan am Schreibtisch, und wenn ich Glück habe, schaut mir die Muse zwischendurch über die Schulter. Dann kommen die Kinder von der Schule nach Hause, und der Laptop wird zugeklappt. Einzige Ausnahme: Das erste Kapitel des zweiten Bandes von Null Null Siebzig entstand in einer Sommernacht, während des Zelturlaubs am Meer. Auf dem Bauch liegend und eine Taschenlampe haltend, bekritzelte ich einen Collegeblock, während aus den Schlafsäcken rechts und links neben mir tief und friedlich geatmet wurde. Das war schön.

6. Welche Wünsche hast Du in Bezug auf Deine Bücher und Deine Arbeit für die kommenden Jahre?

Weiter schreiben zu können.

7. Wie fühlt man sich, wenn man erfährt, dass das erste eigene Buch veröffentlicht wird?

Schwindelig. Bestes Mittel dagegen: hinlegen, Löcher in die Luft starren, akuten Glücksschock genießen.