Marlies Hübner Verstörungstheorien

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Inhaltsangabe zu „Verstörungstheorien“ von Marlies Hübner

Autismus ist eine unsichtbare Behinderung, über die bis heute zahlreiche Vorurteile bestehen und großes Unwissen herrscht. Besonders in den Medien wird der Begriff oftmals als plattes Stilmittel für negatives Verhalten fehlverwendet, jedoch nicht hinterfragt oder gar verstanden. Autisten nehmen ihre Umwelt anders wahr: Kommunikation ist ein Minenfeld, soziale Interaktionen sind oft unlogisch, und Sinneseindrücke wirken wie ungefiltert auf das Gehirn einprasselnde Geschosse. Besonders bei Mädchen und Frauen wird die korrekte Diagnose erst spät gestellt, weil die Symptome mit Schüchternheit, Verschlossenheit und ähnlichen Charakterzügen verwechselt werden. Elisabeth lebt in ihrer eigenen Welt, sagen die anderen. Elisabeth lebt in einer komplizierten Welt, sagt sie selbst. Als zunächst noch nicht diagnostizierte Autistin wird sie mit einem Alltag konfrontiert, den sie nicht versteht, mit Menschen, deren Art zu kommunizieren verwirrend und missverständlich ist. Das Memoir beginnt mit dem Verlassen des Elternhauses und Elisabeths ersten Schritten in die Selbstständigkeit. In dem für sie so fremden Universum kommt sie nur schwer zurecht. Doch auch die 'normalen' Menschen in ihrem Umfeld sind mit ihrem Verhalten vollkommen überfordert. Nur langsam findet sich Elisabeth mit ihrem Anderssein ab. Zahlreiche gescheiterte Jobs und Beziehungen sind notwendig, um sie erkennen zu lassen, wer sie wirklich ist. Erst die Autismusdiagnose hilft ihr, einen Platz in dieser Welt zu finden.

Autismus-Erfahrungen einer Frau, gut geschrieben!

— vanessabln

empfehlenswert

— PattyKK

Erleben & Fühlen einer autistischen Protagonistin sowie Informationen über Autismus von einer Autorin, die selbst Autistin ist. Bereichernd!

— elane_eodain

Wortgewaltig, Bildgewaltig, mittreissend wie ein kleiner Orkan. Informativ, sachdienlich und hautnah. Ein Pageturner.

— Ramira

Ein tiefgehender, sehr lesenswerter Einblick in das Leben einer Autistin, Empfehlung!

— MaggieGreene

Ungeschönt, authentisch, horizonterweiternd

— GraceJones

Autismus aus Sicht einer Autistin. Lesenswert!

— LimitLess

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  • Interessantes Buch zur autistischen Vielfalt

    Verstörungstheorien

    vanessabln

    04. January 2017 um 09:24

    "Verstörungstheorien" ist das Buch einer Autistin, die erst im Erwachsenenalter die Diagnose erhielt, und enthält verschiedenste Erfahrungen und Einblicke aus dieser Perspektive. Aufgrund des Titels "Memoiren" bin ich eigentlich von einer Autobiographie ausgegangen, aber schnell stellte sich heraus, dass die Protagonistin Elisabeth heißt, was ich zunächst ein wenig irritierend fand. Trotzdem ist das Buch mehr oder weniger autobiographisch, wie im Nachwort steht.Das Buch besteht aus durcheinandergewürfelten Kapiteln zu verschiedensten Altersstufen von der Kindheit bis zur Gegenwart. Das Nichtchronologische daran hat mich nicht gestört. Aber man merkt, dass einiges zurechtgestutzt wurde. Elisabeth entwickelt sich von einem unsicheren Mädchen, dem von der Umwelt immer wieder bestätigt bekommt, dass mit ihm etwas nicht stimmt, zu einer immer selbstbestimmteren Frau. Welche Probleme sich durch den Autismus für Frauen ergeben, wird im Buch besonders deutlich. Dass sich Elisabeth nicht im IT-Bereich auskennt, war erfrischend zu hören und trägt hoffentlich zu noch mehr Vorurteilsabbau bei. Jedes Buch über Autismus, das von einem Autisten selbst geschrieben wurde, ist sowieso ein wichtiges Buch. Positiv ins Auge fällt hier auf jeden Fall der gute Schreibstil.

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  • empfehlenswert

    Verstörungstheorien

    PattyKK

    13. November 2016 um 22:00

    empfehlenswert

  • Lesermeinung zu "Verstörungstheorien" von Marlies Hübner

    Verstörungstheorien

    elane_eodain

    03. August 2016 um 17:41

    » Das Leben mit Autismus fühlt sich zu oft an, als verlange man von mir, im Ski-Anzug zu schwimmen: Theoretisch müsste das schon gehen, denn die Schwimmbewegungen bleiben die gleichen, egal was man dabei trägt. Aber beim Versuch der praktischen Umsetzung geht man trotzdem gnadenlos unter. « INHALT: Elisabeth hat Autismus, eine seelische Entwicklugsstörung, die ein anderes Erleben der Umwelt mit sich bringt und großen Einfluss auf die Kommunikationsfähigkeit mit anderen Menschen hat. Aber Elisabeth weiß lange nicht, dass sie diese als Behinderung geltende Krankheit hat und muss viele schwierige Situationen, die sie sozial isolieren und psychisch belasten erleben, bevor der Begriff "Autismus" den Weg zu ihr findet. GEDANKEN: Menschen mit Autismus sind mir schon mehrfach begegnet, im direkten Kontakt und auch in der Literatur, aber dabei war ich noch nie so tief drin im Erleben und Fühlen wie bei diesem Buch. Marlies Hübner gelingt es mich mitzunehmen in Elisabeths Geschichte und damit auch in ihre eigene - die Grenzen verschwimmen -, denn die Autorin ist selbst Autistin und Elisabeths Erzählung ist aus Marlies Hübners Erfahrungen heraus entstanden. Dass hier nicht über, sondern von einer Autistin erzählt wird, das spürt man sofort, da die Erzählung sehr authentisch und nah wirkt. Und ich finde genau das sehr wichtig, denn ich kann andere Menschen doch am besten verstehen, wenn ich ihnen zuhöre, mich ihren Gedanken und Emotionen öffne. So glaube ich, dass die Autorin mit ihrem Buch, das auch viel Wissenswertes über die Entwicklungsstörung Autismus beinhaltet, einen Beitrag zu mehr Verständnis leistet, das unser Zusammenleben mit den verschiedensten Eigenheiten besser machen kann. Das ist sehr wertvoll! » Ein bisschen fühlt es sich so an, als würden Autisten und Nichtautisten zwei verschiedene Sprachen sprechen, die nur zufällig sehr ähnlich klingen. « Ihre Geschichte ist hart, sie musste - und muss vermutlich noch immer - schwierige Situationen und Tiefpunkte in ihrem Leben erfahren, die vom Autismus bedingt sind, aber Marlies Hübner schreibt sehr nichtsdestotrotz sehr angenehm und sehr bildhaft, so dass das Lesen ihres Buches eine durchweg positive Erfahrung ist. FAZIT: Das Erleben und Fühlen einer Autistin kombiniert mit Informationen über Autismus von einer Autorin geschrieben, die selbst Autistin ist und deshalb sehr authentisch erzählt. Bereichernd! (Zitate aus "Verstörungstheorien" von M. Hübner)

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  • Autisten haben keine Gestik und keine Mimik. Ach ja und keinen Humor....

    Verstörungstheorien

    Ramira

    07. April 2016 um 21:28

    Diese und andere Vorurteile gibt es reichlich. Wollt ihre wirklich Einblick in ein autistisches Leben haben? Wollt ihr versuchen zu verstehen? Ein Buch lesen, das nicht über Autisten und Symptome ist (da könnt ihr ja Wikipedia fragen)? Sondern ein Buch von einer Autistin, die Euch hautnah beschreiben kann, wie es ist? Eine Autistin, die die Stimme erhebt und sich weigert unsichtbar zu bleiben?Traut ihr Euch, sich dem zu stellen? Seid aber gewarnt, ihr könntet Dingen begegnen die Euch nicht gefallen werden. Dinge erfahren, wo Du Deinen eigenen Vorurteilen begegnetest, Deinem eigenem Autismus oder ungeschönten Wahrheiten. Seid ihr dazu bereit, dann kann ich Euch dieses großartige Buch nur empfehlen. Ein großartiges Buch, von einer großartigen Autorin und Frau. Ein Buch das wertvoll für alle Autisten, Angehörigen, Ärzten, Betreuern, Psychologen und Interessierten ist. Informativ, intim, fachlich und mit allen Emotionen versehen, zu denen Du fähig bist. Ein Pageturner.Elisabeth ist 17 Jahre alt, eine junge Frau, mit ihrer Ausbildung zur Krankenschwester beginnt und von einer Falle in die nächste läuft und selbst gar nicht weiß, warum das so ist. Elisabeth ist Autistin und für sie funktioniert die soziale Welt anders. Und das führt immer wieder zu Missverständnissen und zu Verletzungen. Und Verletzungen muss Elisabeth viele ertragen...Wir erhalten Rückblenden aus Elisabeth`s Kinder-und Jugendzeit und aus der Zeit als Erwachsene.Ich tue mich sehr schwer mit einer Rezension. Im Falle von Marlies Hübner kann ich nur versagen, bzw. ihr und ihrem Buch nicht mal annähernd gerecht werden. Und wie kann ich es wagen, etwas zu bewerten oder Kritik zu üben, von etwas, das persönlich ist udn auf Erfahrung beruht? Ich versuche es trotzdem.Zuerst einmal hat Marlies Hübner meinen vollen Respekt und meine Hochachtung. Sie schreibt wortgewaltig und bildgewaltig, wie ein kleiner Orkan, der sehr zielstrebig mitzureissen weiß. Sie schreibt so eindringlich, so hautnah und nachvollziehbar , das der Leser mitfühlen und verstehen lernen kann. Ich konnte mit Elisabeth weinen und lachen. Ja genau lachen, den Marlies Hübner hat jede Menge Humor, ich gebe zu, recht sarkastischen, aber das liegt auf meiner Welle, so das ich mir einige Male, vor Lachen den Bauch gehalten habe. Aber ich war auch wütend. Was Elisabeth und sehr viele Autisten erleben müssen, ist alles andere als lustig. Es schmerzte mich beim lesen zutiefst.Ich frage mich manchmal wer "autistischer" ist, die Autisten oder die Nicht-Autisten. Die Nicht-Autisten sind manchmal wie die Axt im Walde und selbst, bei Untersellung nicht böser Absichten, zumindest gedankenlos. Marlies hat einige dumme Sprüche in ihrem Leben gehört, Vorurteile umzingeln sie geradezu, Stigma und Ausgrenzung eingeschlossen. Fast schlimmer als hätte man Lepra. Marlies Hübner wollte den Autisten eine Stimme geben. Sehr erfolgreich, wie ich finde. Marlies, höre ja nicht auf damit. ein großes Dankeschön. Ich wünsche mir, das die Menschen mehr Toleranz zeigen, weniger wertend und behutsamer durch die Welt gehen. Das gilt für alle Lebewesen und die Welt selbst. Marlies Hübner hat mir für viele Dinge die Augen geöffnet, mich eingiges gelehrt. Zugegeben ist ein bisschen unbequem. Aber ehrlicher und sehr bereichernd.Fazit: ein großartiges Buch von einer großartigen, wortgewaltigen Autorin. Informativ, sachdienlich und hautnah. Sehr empfehlenswert, klare Kaufempfehlung

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  • Leserunde zu "Verstörungstheorien" von Marlies Hübner

    Verstörungstheorien

    MarliesHuebner

    Hallo, mein Name ist Marlies Hübner und ich bin Autistin – genau wie meine Protagonistin Elisabeth. Von ihr handelt mein erstes Buch, das seit heute, 7. März 2016, erhältlich ist: Verstörungstheorien  Memoiren einer Autistin, gefunden in der Badewanne (Schwarzkopf&Schwarzkopf) Ich möchte euch zu meiner Leserunde einladen. Der Verlag hat mir 5 Exemplare zur Verfügung gestellt – 5 von euch erhalten also die Möglichkeit, Verstörungstheorien gemeinsam mit mir zu lesen. Ich würde mich sehr freuen, wenn  ihr euch zahlreich bewerbt  , ihr diese Leserunde begleitet und bereichert.   Darum geht es in Verstörungstheorien: Autismus ist eine unsichtbare Behinderung, über die bis heute zahlreiche Vorurteile bestehen und großes Unwissen herrscht. Besonders in den Medien wird der Begriff oftmals als plattes Stilmittel für negatives Verhalten fehlverwendet, jedoch nicht hinterfragt oder gar verstanden. Autisten nehmen ihre Umwelt anders wahr: Kommunikation ist ein Minenfeld, soziale Interaktionen sind oft unlogisch, und Sinneseindrücke wirken wie ungefiltert auf das Gehirn einprasselnde Geschosse. Besonders bei Mädchen und Frauen wird die korrekte Diagnose erst spät gestellt, weil die Symptome mit Schüchternheit, Verschlossenheit und ähnlichen Charakterzügen verwechselt werden. Elisabeth lebt in ihrer eigenen Welt, sagen die anderen. Elisabeth lebt in einer komplizierten Welt, sagt sie selbst. Als zunächst noch nicht diagnostizierte Autistin wird sie mit einem Alltag konfrontiert, den sie nicht versteht, mit Menschen, deren Art zu kommunizieren verwirrend und missverständlich ist. Das Memoir beginnt mit dem Verlassen des Elternhauses und Elisabeths ersten Schritten in die Selbstständigkeit. In dem für sie so fremden Universum kommt sie nur schwer zurecht. Doch auch die 'normalen' Menschen in ihrem Umfeld sind mit ihrem Verhalten vollkommen überfordert. Nur langsam findet sich Elisabeth mit ihrem Anderssein ab. Zahlreiche gescheiterte Jobs und Beziehungen sind notwendig, um sie erkennen zu lassen, wer sie wirklich ist. Erst die Autismusdiagnose hilft ihr, einen Platz in dieser Welt zu finden. Übrigens: In einem der Unterthemen findet ihr den Link zu einer Leseprobe sowie einem Interview mit mir! Ihr möchtet bei der Leserunde mitmachen? Großartig! Teilt mir das in einem Kommentar mit und erzählt, ob und welche Berührungspunkte ihr schon mit Autismus hattet oder warum euch das Thema interessiert. Unter allen Teilnehmenden verlose ich gemeinsam mit Schwarzkopf&Schwarzkopf 5 Leseexemplare. Bewerbungsschluss ist Montag, der 14. März. Die GewinnerInnen erhalten ein druckfrisches Exemplar – alle anderen dürfen und sollen natürlich trotzdem bei der Leserunde mitmachen.

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    • 139
  • Lest es! Es wird euch bereichern!

    Verstörungstheorien

    LimitLess

    06. April 2016 um 10:30

    Autismus ist ein stark stigmatisierter Begriff, der einhergeht mit Vorurteilen und oft auch mit Unwissen, was diese Behinderung jetzt nun wirklich ist. Umso wichtiger ist Marlies Hübners Debütroman. Die Geschichte erzählt über Autismus aus Sicht einer Autistin und ist geschrieben von einer Autistin. Authentischer kann ein Buch über dieses Thema nicht sein, hat es ja auch einen autobiografischen Anteil. In unterschiedlichen Zeitepisoden, die sich immer wieder abwechseln, zeigt die Protagonistin Elisabeth, wie sie zuerst mit ihrem nicht diagnostizierten Autismus immer wieder an ihre Grenzen stößt und welche Probleme und Schwierigkeiten sich im Leben für sie ergeben, um dann mit der Diagnose zu leben und sie zu akzeptieren. Autismus ist eine unsichtbare Behinderung, die Probleme in der Kommunikation, im Umgang mit anderen Menschen und mit einer Flut von ungefilterten Sinneseindrücken mit sich bringt und doch umfasst es ein sehr großes Spektrum mit unterschiedlichen Variationen und Ausprägungen, dass man nie jemanden in eine vorgegebene Kategorie einordnen sollte. Durch Beschreibungen des Alltags und vor allem der Gedankenwelt Elisabeths wird man als Leser sehr sensibel an das Thema herangeführt. Zusätzlich werden sehr viel Wissen und Fakten über Autismus vermittelt, die das Buch bzw. das Thema sehr bereichern. Hübner schreibt sehr intensiv, schonungslos und überzeugend. Das Alltägliche wird für Elisabeth zur Herausforderung und dies wird in vielen kleinen Situationen dargestellt, damit man ein umfangreiches Bild von Autismus bekommt. Jeder der über Autismus ein konkretes Bild im Kopf hat, wird nach dem Lesen des Buches mit ganz anderen Augen sehen und viel für den Umgang mit anderen Menschen mitnehmen. Es erweitert den Horizont und schafft Bewusstsein, Respekt und Verständnis für alle Menschen. Fazit Marlies Hübner schreibt über ihre eigene Behinderung und zeigt durch ihre Protagonistin Elisabeth wie es ist, wenn man Autistin ist. Sie gibt einen ungeschönten Einblick in die Gedankenwelt und Lebensumstände und zeigt auf, dass am Denken in unserer Gesellschaft noch sehr viel gearbeitet werden muss, damit Toleranz gegenüber allen Menschen zur Selbstverständlichkeit wird.

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  • Vergesst Rainman...Ein tiefgehender Einblick in das Leben einer Autistin

    Verstörungstheorien

    MaggieGreene

    04. April 2016 um 09:40

    Vergesst Rainman...Ein tiefgehender Einblick in das Leben einer Autistin „Ich fragte mich, wie es diesen anderen Autisten geht. Sie schienen selbst keine Stimme zu haben und nur als zu behandelnde Subjekte vorzukommen. Man schrieb über sie, beschäftigte sich mit ihnen, ohne sie aber zu Wort kommen zu lassen.“ Ich muss vorausschicken, dass ich als Angehörige und Interessierte schon vorher den Blog von Marlies Hübner gelesen und geschätzt habe, und deshalb schon sehnsüchtig auf dieses Buch gewartet habe. Endlich jemand, der Autisten eine Stimme gibt, die nicht mehr überhört werden sollte. Und das Buch hat mich nicht enttäuscht! Es erzählt die Geschichte von Elisabeth, die zuerst nichts von ihrer seelischen Behinderung weiß, und ihrem schweren Weg ins Leben und die Selbstständigkeit. Wir begleiten Elisabeth bis zur Autismus-Diagnose und darüber hinaus. Sehr oft kommt sie schwer mit Situationen und anderen Menschen zurecht, ihre Mitschülerinnen in der Schwesternausbildung verstehen sie oft falsch, Männer nutzen ihre Art aus und verletzen sie tief. Das ist sehr intensiv geschildert und ich konnte mich beim Lesen von Anfang an in Elisabeth hineinversetzen und ihre Reaktionen gut verstehen. Der Erzählstil ist klar und flüssig zu lesen, und die Idee, Elisabeths Geschichte mit Sachinformationen zu vertiefen, fand ich sehr gelungen. Dadurch ist Marlies Hübners Buch weit mehr als ein Roman geworden. Es vermittelt gute, verständliche Einblicke in das Denken und Fühlen einer Autistin, und macht Schluss mit falschen Vorstellungen und Vorurteilen. Ich wünsche mir sehr, dass dieses Buch von ganz vielen gelesen und beachtet wird, und wir endlich erkennen, dass es eben einfach eine Vielfalt an menschlichem Denken und Fühlen gibt, aber nichts davon besser oder schlechter sein muss. Klare Leseempfehlung- nicht nur für Betroffene oder Angehörige, sondern für alle, die sich für andere Menschen und Lebensgeschichten interessieren! Ich freue mich sehr auf weitere Bücher von Marlies Hübner.

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  • Autismus - eine sensible Aufklärung

    Verstörungstheorien

    GraceJones

    28. March 2016 um 18:41

    Wer bei "Autismus" an "verrückte Genies" oder wahlweise "Problemkinder" denkt, dem sei nachdrücklich Marlies Hübners Werk "Verstörungstheorien" ans Herz gelegt. Denn Autismus ist mehr als die Klischees, die - zumeist höchst ungerechtfertigt - damit assoziiert werden. In ihrem Roman leistet Hübner daher auf äußerst sensible Weise eine wahre Aufklärungsarbeit, indem sie die Leser das Romangeschehen, das einige Jahre umfasst, durch die Augen von Protagonistin und Autistin Elisabeth sehen lässt. Damit leistet der Roman in vielerlei Hinsicht mehr, als jedes Sachbuch oder jeder Ratgeber es vermutlich könnten. Dabei geht es weniger um das Bereitstellen von Fakten, als vielmehr darum, den Autismus in seiner Vielschichtigkeit halbwegs erfahrbar zu machen.In meinem Fall ist dieses Experiment geglückt. Angefangen bei der bedrückenden Episode, die Elisabeth in ihrer Zeit in der Krankenschwesterausbildung erlebt, die man als Leser nahezu körperlich fühlt bis hin zum Moment, in dem Elisabeth die Trennung von ihrem Freund in Kauf nimmt und nehmen muss, weil sie sich außer Stande sieht, die Rolle als Mutter und Ehefrau zu erfüllen und in Abhängigkeit zu leben. Dabei stößt der Leser mehr und mehr gemeinsam mit der Protagonistin auf Sackgassen, Widersprüche, Grenzen. Im einen Moment befindet man sich gemeinsam mit Elisabeth in der Oper oder im Museum und staunt über ihre Fähigkeit in das Geschehen bzw. in die Kunst einzutauchen und sie mit allen Facetten wahrzunehmen und im nächsten Moment verzweifelt man gemeinsam mit ihr, als ihr Date ihr eine Abfuhr erteilt mit der Begründung, sie sei zu distanziert gewesen. Während man als "neurotypischer Mensch" in der Regel nur äußerlich auf Autisten blicken kann, so bietet Hübners Werk eine Innensicht, die überrascht und nachdenklich macht. Dabei wird der Leser auch auf Widersprüche in der "neurotypischen Welt" aufmerksam gemacht. Warum sagen Menschen nicht einfach das, was sie meinen? Warum die Zwischentöne, das Zwischen-den-Zeilen-Lesen? Wäre das Leben nicht leichter, wenn jeder sagen würde, was er wirklich sagen will?Am Ende des Werkes erwartet den Leser - natürlich - kein Happy End, zumindest kein klares. Das wäre auch grundfalsch gewesen, denn das Leben mit Autismus ist schwierig - ein Handycap und nicht zu Unrecht auch offiziell eine Behinderung. Dies wird nach dem Lesen von "Verstörungstheorien" klar. Vollkommen zurecht thematisiert die Autorin in ihrem Buch auch konkret zehn Fehler, die "Neurotypischen" immer wieder im Umgang mit Autisten unterlaufen. Warum kann ein Autist sich denn etwa nicht "einfach mal zusammenreißen"? Diese und viele andere Fragen sollten sich nach der Lektüre des Werkes jedenfalls nicht mehr stellen.Insgesamt lässt sich also sagen: "Verstörungstheorien" ist ein mutiges und ein wichtiges Buch, das nicht nur unterhält, sondern vor allem den eigenen Horizont  auch merklich erweitert. Es geht um ein wichtiges Thema, das - leider - in der Gesellschaft noch mit einem Stigma behaftet ist, eine Art "Tabu" darstellt oder einfach unter den Tisch gekehrt wird. "Verstörungstheorien" ist ein gutes Beispiel und ein wichtiger Schritt dahin, die "Schublade Autismus" vielleicht nach und nach abzuschaffen.

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  • Dem Autismus eine Stimme geben

    Verstörungstheorien

    bookrauhl

    Verständnis ist nicht immer einfach. Menschen unterscheiden sich, denken je nach Charakterstärken und Erfahrungen anders, verstehen vieles nicht, wollen es gar nicht verstehen. Und dann gibt es Menschen, die oft missverstanden werden. Menschen, die eine andere Denkweise haben, Menschen, für die soziale Kontakte schwer einzuschätzen sind, denen die Kommunikation schwer fällt. Die dann gerne von anders Denkenden als komisch und unhöflich bezeichnet werden, wobei in vielen Fällen andere Dinge dahinter stecken. Schüchternheit zum Beispiel, Selbstzweifel oder eben Autismus. Autismus ist eine Behinderung. Leider wird das Wort „Behinderung“ in unserer Gesellschaft gerne in eine negative Spalte gesteckt und häufig als Schimpfwort missbraucht. Da der Autismus eine unsichtbare Behinderung ist, wird auch dieses Wort oft falsch interpretiert. Autisten nehmen ihre Umgebung anders wahr, haben Probleme mit sozialen Kontakten und der Kommunikation, was häufig zu Missverständnissen führt. Über den Autismus herrscht bis heute großes Unwissen, und wird daher oft falsch dargestellt und kaum hinterfragt. Marlies Hübner ist selbst Autistin und will mit ihrem Buch „Verstörungstheorien“, erschienen im Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag, Licht in die Dunkelheit bringen und neue Perspektiven schenken. Ihre Protagonistin Elisabeth muss mit den Konfrontationen einer Welt klarkommen, die sie nicht versteht. Das Buch beginnt mit einem Ausschnitt aus dem Leben der siebzehnjährigen und noch nicht diagnostizierten Autistin Elizabeth, die den ersten Schritt zur Selbstständigkeit wagt und sogleich mit vielen unverständlichen und neuen Dingen konfrontiert wird. Der Roman erzählt in Rückblenden und heutigen Passagen und gliedert diese auf eine Art und Weise, die den Leser Schritt für Schritt näher bringt. Marlies Hübner beherrscht eine große Erzählkraft, die den Leser fesselt, berührt und zum Nachdenken bringt. Sie schreibt intim, aber mit Distanz und lässt den Leser in den Kopf einer Autistin schlüpfen. Ich bin zugleich begeistert und fasziniert von der Kraft, die aus diesem Buch ausgeht und so viel Verständnis hervorbringt. Während des Lesens spürte ich immer mehr, wie das Wort Behinderung nicht mehr zu meiner Auffassung des Autismus passt. Elisabeths Gedankengänge und Handlungen sind nachvollziehbar, obwohl man selbst vielleicht anders handeln würde und vor allem deckt dieses Unklarheiten auf, von denen man nicht mal wusste, dass sie existierten. Ich hoffe, dass viele Menschen dieses Buch lesen werden. Marlies schreibt in ihrem biografischen Roman aus der Sicht von Elisabeth: „Es juckte mir in den Fingern, das zu ändern. Die Möglichkeit zu ergreifen, Autismus eine Stimme zu geben. Darüber zu erzählen, wie es ist, mit einer Neurodiversität zu leben, ohne es zu wissen.“ (S.226). Ich denke dieses Buch ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.

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  • Aus dem Leben einer Autistin

    Verstörungstheorien

    Babscha

    26. March 2016 um 02:05

    "Die anderen konnten etwas, das ich nicht konnte. Sie konnten Mensch". Diese so klaren wie traurigen Worte, rückblickend durch die Protagonistin des Buches namens Elisabeth in Erinnerung an ihre Kindergartenzeit als Vierjährige formuliert, sagen eigentlich alles. Sie beschreiben das von klein auf empfundene eigene Anderssein, die fehlende Kompatibilität zu anderen Menschen, das gegenseitige Nichtverstehen, Nichtnachempfindenkönnen, das elementar Bedrückende in ihrer Selbsterkenntnis. Die Autorin ist selbst Autistin und breitet mit stark autobiographischer Anlehnung in ihrem Buch über die icherzählende Elisabeth das Leben eines Menschen mit diesen besonderen Eigenschaften in all seinen zumeist unerfreulichen, oftmals faszinierenden, manchmal einfach nur speziellen Facetten in den einzelnen Phasen von der Kleinkindzeit bis zur erwachsenen Frau aus. Das macht sie hier genauso pragmatisch wie emotional. Erst in ihren frühen Zwanzigern und aus eigener Kraft schafft sie es endlich, sich die Diagnose von den Medizinern selbst zu "besorgen" und damit endlich eine Erklärung für ihre ganzen selbst empfundenen Abweichungen vom "Standard" und den Verhaltensnormen ihrer Umwelt zu haben. Der Leser erfährt hier direkt aus erster Hand von einer Frau, die weiß, wovon sie spricht, viele neue, oftmals bisher unbekannte Einzelheiten aus dem täglichen Leben eines Autisten und mit welchen Widrigkeiten er zu kämpfen hat. Neben den ganzen rein sachlichen medizinischen Informationen überzeugt das Buch durch eine während der Lektüre tief nachzuempfindende Ehrlichkeit und Abgeklärtheit in der Haltung der Autorin zu ihrem Anderssein, und durch eine spürbare Kraft und Stärke, der lange Jahre voller Enttäuschungen und Rückschläge voran gehen mussten. Ein positives, starkes, informatives und empathisches Buch. Empfehlung für alle, die noch mehr direkt aus dem Innersten einer unmittelbar Betroffenen über dieses ganz spezielle Thema erfahren möchten. Klarer Hinweis der Autorin am Rande: "Forget rain man!"

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