Marlon Brand

 4 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf

Marlon Brand studierte Komparatistik in Bochum und schreibt seit 2017 unter @booksaregayasfuck über queere Literatur, seit 2021 gibt er gemeinsam mit Tobi Schiller das Newsletter-Magazin »Queerer Kanon?« heraus. Er lebt in Dortmund.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Marlon Brand

Cover des Buches Und jetzt queer! (ISBN: 9783701183968)

Und jetzt queer!

(3)
Erschienen am 03.03.2026

Neue Rezensionen zu Marlon Brand

Cover des Buches Und jetzt queer! (ISBN: 9783701183968)
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Rezension zu "Und jetzt queer!" von Bianca-Maria Braunshofer

downey_jr
Que(e)rbeet für alle: Für mehr Vielfalt beim Lesen

„Und jetzt queer!“ von Bianca-Maria Braunshofer, Marlon Brand und Tobi Schiller ist ein umfassendes und schön (mit farbenfrohen Illustrationen von Jasmina El Bouamraoui) gestaltetes Sachbuch über queere Literatur. Thematisch werden hier sowohl die Definition als auch die Geschichte der queeren Literatur, die verschiedenen Genres, Autor*innen und Verlage abgedeckt. Die Autor*innen gehen der Frage nach, weshalb der klassische Literaturkanon nur einen Bruchteil der Weltliteratur abbildet, und sie zeigen auf, dass queeres Schreiben und queere Autor*innen schon immer fester Bestandteil der Literaturgeschichte waren. 

Sehr interessant fand ich auch, dass das Buch einen starken Fokus auf die aktuelle politische Lage weltweit legt sowie auf „banned books“ sowie Diskriminierung damals und heute.

 

„Mehr als ein Comeback müssen wir Zensur als eine historische Konstante verstehen. Lange bevor der Buchdruck Wissen allmählich demokratisierte, entschieden wenige Machthaber darüber, was gelesen werden durfte. Die Katholische Kirche hat seit jeher versucht, bestimmte Sachverhalte oder Erzählungen nicht an die breite Bevölkerung durchdringen zu lassen.

Von Gelehrten oder Priestern – jene also, die Lesen und Schreiben erlernen durften – ging die Deutungshoheit aus. Und das bedeutete Macht. Bücher spielten eine entscheidende Rolle dabei, diese zu untergraben. Der Buchdruck sorgte dafür, dass wissenschaftliche Schriften von immer mehr Menschen gelesen werden konnten. Dadurch wurde die klerikale Weltordnung zunehmend infrage gestellt. Um sich nicht noch angreifbarer zu machen, begannen meist mächtige Männer bereits im 16. Jahrhundert Bücher zu verbieten.

Eines der folgenreichsten Verbote versammelte der Index Librorium Prohibitori kurz Index Romanus. Dieser listete all jene Werke, die nach Ansicht der Kirche ihre Macht zu schwächen drohten – und hielt sich bis 1965. Heute existiert dieser Index nicht mehr; die langen Listen verbotener Bücher tragen nun neue Namen. Die Logik bleibt dieselbe: Was nicht in das Weltbild der jeweiligen Regierungen und Mächtigen passt, muss verschwinden. Je autoritärer ein Staat, desto länger ist die Liste der verbotenen Bücher.“

 

Die vorgestellten queeren Genres trafen nicht alle meinen persönlichen Lesegeschmack; sehr positiv fand ich aber auf jeden Fall das Kapitel über queere Kinder- und Jugendliteratur. Gerade im Bereich der Schullektüren besteht hier ein großer Bedarf an moderneren, vielfältigeren Leselisten!

 

Abgerundet wird das Buch durch ein Glossar, eine ausführliche Literaturliste und hilfreiche Weblinks.

 

„Die Frage, warum nicht-queere Menschen queere Literatur lesen sollten, amüsiert und frustriert mich gleichermaßen. Die Antworten darauf sind offensichtlich und vielfältig. Andersherum gefragt: Welche Gründe könnte es geben, keine queere Literatur zu lesen? Wenn wir Queerness als ein Spektrum menschlicher Realität begreifen, wieso sollten wir uns ausgerechnet damit nicht beschäftigen wollen? Warum sollte unsere menschliche Neugierde hier ein Ende finden? Fürchten wir etwa, uns mit den Figuren nicht identifizieren zu können? Ich halte das für ein fadenscheiniges Argument. Immerhin können wir uns mit allen möglichen Fabelwesen oder Superheld*innen identifizieren, ebenso wie mit Normalsterblichen, die plötzlich Großes vollbringen. In der Regel haben unsere gewöhnlichen Leben wenig mit diesen Geschichten gemeinsam. Dank der Kraft der Fiktion und unserer Imagination können wir uns trotzdem in ihnen verlieren. Ich wiederhole: Weshalb sollten wir uns nicht auch mit queeren Menschen identifizieren können?“

 

„Und jetzt queer!“ ist ein Buch, das ich allen Lesenden empfehlen möchte – ein tolles Nachschlagewerk und eine Einladung an alle, die ganze Vielfalt der Literatur kennenzulernen!

 

„Wie in diesem Buch hoffentlich deutlich wird, ist queere Literatur mehr als ein bestimmtes Thema, nicht nur eine Perspektive oder ein Genre. Queerness ist eine offene Bewegung. Sie bedeutet ein Hinterfragen von Normen und die Suche nach Freiheiten, die unser Leben bereichern können. Und davon können wir alle profitieren – auch nicht-queere Menschen.“

 

Vielen Dank an den Leykam Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚


Cover des Buches Und jetzt queer! (ISBN: 9783701183968)
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Rezension zu "Und jetzt queer!" von Bianca-Maria Braunshofer

Seitenmusik
Was der Kanon verschweigt – und was Literatur wirklich kann

„Queere Literatur ist auch heute noch alles andere als selbstverständlich." (S. 10) 

„Und jetzt queer! Lesen jenseits der Norm“ ist am 3. März 2026 im Leykam Verlag erschienen. Verfasst wurde es von Bianca-Maria Braunshofer, Marlon Brand und Tobi Schiller, begleitet von wunderschönen Illustrationen von Jasmina El Bouamraoui (El Boum).

Worum geht’s?

Das Buch bietet einen tiefen Einblick in die queere Literatur – ihre Geschichte, ihre Genres, ihre Verlage, ihre Kämpfe und ihre Zukunft. Es geht der Frage nach, warum der klassische Literaturkanon nur einen kleinen Teil der Welt abbildet, und zeigt gleichzeitig auf, dass queeres Schreiben und queere Kunstschaffende schon immer fester Bestandteil der Literaturgeschichte waren. Ergänzt wird das Werk durch ein Glossar, eine umfangreiche Leseliste und hilfreiche Linktipps.

Meine Meinung

Mich hat das Buch direkt zu Beginn abgeholt, weil es genau weiß, was es sein will – und was nicht. Die drei Autor:innen benennen im Intro klar ihre eigene Positionierung: queere, weiße, österreichische und deutsche Perspektiven, teils aus nicht-akademischen Familien, teils neurodivers, mit einem eurozentrisch geprägten Blick und bewussten Leerstellen. Für mich ist es bei einem Sachbuch (eigentlich bei jedem Buch) essenziell, dass sich Autor:innen ihrer eigenen Privilegien bewusst sind und aufzeigen, wie sie Leerstellen ausgleichen – etwa indem sie Betroffene direkt zu Wort kommen lassen.

Was „Und jetzt queer!“ zudem auszeichnet, ist seine enorme Breite. Es ist weder ein reiner Essay noch eine Monografie, sondern ein echtes Kompendium. Es behandelt die Definition queerer Literatur, erklärt die politische Relevanz queerer Buchhandlungen als Orte der „Bibliodiversität“ und berichtet von Zensur sowie den kolonialen Ursprüngen anti-queerer Gesetze. Die Reise führt von Lyrik über Science-Fiction bis hin zur Frage, warum ein Kafka-Kapitel in einen queeren Kanon genauso gehört wie eines über Audre Lorde. Besonders stark: Intersektionalität ist hier keine Randnotiz, sondern zieht sich durch die Themen Klasse, Race, Neurodiversität und trans Sichtbarkeit wie ein roter Faden.

Besonders relevant war für mich das Kapitel zur queeren Kinder- und Jugendliteratur, da ich in meiner beruflichen Arbeit täglich erlebe, wie wichtig Repräsentation für junge Menschen ist. Dass die österreichischen Lehrpläne 2025 das Lesen ganzer Bücher nicht mehr vorsehen, ist schockierend. In Bezug auf einen diversen Kanon möchte ich hier ergänzend auf Teresa Reichl verweisen, die in ihrem Buch „Muss ich das gelesen haben?“ in jugendgerechter Sprache den Literaturkanon auseinandernimmt. Dieser Tipp hat mir in der ansonsten hervorragenden Liste von „Und jetzt queer!“ noch gefehlt, gerade wenn es um den Schuleinsatz geht.

Ein weiterer Pluspunkt ist die flexible Struktur: Man kann das Buch, wie von den Autor:innen vorgeschlagen, wortwörtlich „que(e)r lesen“. Ein kleiner Wermutstropfen sind die Querverweise auf Seitenzahlen, die in der Praxis nicht immer ganz konsistent funktionieren, wenn ein Titel mehrfach im Buch auftaucht.

Last but not least: Die Illustrationen von El Boum. Mir fällt dazu nur ein: Ein wahres Feuerwerk an Farben! Ich weiß, „never judge a book by its cover“, aber allein wegen der Gestaltung ist dieses Buch ein absolutes Must-have :D

Fazit

„Und jetzt queer!“ ist für mich kein Buch, das man nur einmal liest. Ich sehe mich schon jetzt die umfangreichen Literaturtipps nach und nach „abarbeiten“. Die Autor:innen haben hier ein Standardwerk geschaffen, das queere Literatur nicht als Nische behandelt, sondern als das, was sie ist: ein zentraler, politisch relevanter und ästhetisch reicher Teil der Literaturgeschichte. Für alle, die lesen. Wirklich für alle. Herzlichen Dank an den Leykam Verlag für das Rezensionsexemplar! 🙏

Cover des Buches Und jetzt queer! (ISBN: 9783701183968)
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Rezension zu "Und jetzt queer!" von Bianca-Maria Braunshofer

Aniya
Queer gelesen

Ich bin zwar mit anderen Erwartungen an dieses Buch gegangen, aber es war trotzdem keine Enttäuschung.
Wer mehr über die Geschichte queerer Literatur wissen und dabei den ein oder anderen Tipp abstauben möchte, ist hier goldrichtig.

Die einzelnen Essays, die auch quer und unabhängig voneinander gelesen werden können, sind zugänglich geschrieben und enthalten viel Wissenswertes.

Womit ich nicht in dem Ausmaß gerechnet habe, ist der Fokus auf die aktuelle politische Lage, auch in anderen Ländern, auf banned books und auf Diskriminierung früher und heute. Ich wollte mich intensiv mit queerer Literatur auseinandersetzen und nicht in Depressionen versinken... aber ich verstehe auch, dass es vielleicht nötig ist, das alles so umfangreich zu benennen.

Besonders gefallen haben mir die Abschnitte zu Kinder- und Jugendliteratur sowie Fantasy und Sci-Fi. Letzteres ist eben genau meins und ich finde, da hätte man noch so viel mehr sagen und empfehlen können.

Leider liegt der Fokus stattdessen etwas zu sehr auf Klassikern und Literary Fiction - zwei Genres mit denen ich nicht so viel anfangen kann. Man bekommt auch den Eindruck, dass die Autor*innen da nicht so ganz aus ihrer akademischen Haut können.
Komplett gefehlt haben dafür queerer Horror und Romance. Dabei gibt es da so viel, vor allem im englischsprachigen Raum! Und zumindest bei Romance kriegt man dann auch das so viel gewünschte Happy End, das ist da nämlich Standard.

Ich lese seit über 10 Jahren viel queer und darf mir ein Sternchen in mein Heft eintragen: ich kannte die meisten der erwähnten Bücher und Autor*innen.
Trotzdem habe ich bei der literarischen Weltreise noch was gelernt und musste mir Leerstellen eingestehen.

Alles in allem ein wirklich wichtiges und gutes Buch, auch wenn ich mir persönlich einen anderen Fokus gewünscht hätte. Aber das ist einfach Geschmackssache.

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