Marlon James

 3 Sterne bei 80 Bewertungen
Autorenbild von Marlon James (©Jeffrey Skemp)

Lebenslauf

Erzählungen eines jamaikanischen Ausnahmetalents: Marlon James wird 1970 in Jamaika geboren und wächst in Portmore, einem Vorort von Kingston, mit sieben Geschwistern auf. Bereits als Jugendlicher liest er viel und kommt in der High School zum ersten Mal mit Texten von Shakespeare und Dickens in Berührung, die ihn bis heute prägten. Er studiert an der University of the West Indies, wo er 1991 mit einem Bachelor abschließt. Anschließend arbeitet er über ein Jahrzehnt als Werbetexter und Grafikdesigner, bis er schließlich mit dem Schreiben beginnt. Der Entwurf seines ersten Romans wird jedoch von amerikanischen Verlegern und Agenten abgelehnt. Erst auf einem Literaturworkshop in Jamaika wird eine Literaturproduzentin auf James aufmerksam und holt ihn in die Vereinigten Staaten. James studiert an der Wilkes Unversity in Pennsylvania, wo er 2006 seinen Master in Kreativem Schreiben macht. Ab 2007 unterrichtet er als Assistenzprofessor für Englisch und Kreatives Schreiben in Minnesota. Sein Debüt als Romanautor legt er 2005 mit dem Buch „John Crow’s Devil“ hin. Das Buch bringt dem Autor erste Erfolge und Nominierungen und es wird auch in Deutschland unter dem Titel „Tod und Teufel in Gibbeah“ veröffentlicht. Auch sein zweiter Roman, „The Book of Night Women“ ist sehr erfolgreich und gewinnt erste Preise, den Höhepunkt seines literarischen Schaffens markiert jedoch James' dritter Roman, „A Brief History of Seven Killings“ von 2014. Das Buch erzählt die Geschichten von sieben Auftragskillern, die auf die Ermordung von Bob Marley angesetzt wurden. An der deutschen Fassung, „Eine kurze Geschichte von sieben Morden“ arbeiten insgesamt fünf Übersetzer. Das Buch gewinnt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der American Book Award und der Man Booker Prize. Marlon James lebt und schreibt heute in Minneapolis.

Alle Bücher von Marlon James

Cover des Buches Schwarzer Leopard, roter Wolf (ISBN: 9783453272224)

Schwarzer Leopard, roter Wolf

 (46)
Erschienen am 20.10.2019
Cover des Buches Eine kurze Geschichte von sieben Morden (ISBN: 9783453677265)

Eine kurze Geschichte von sieben Morden

 (19)
Erschienen am 07.10.2018
Cover des Buches Der Kult (ISBN: 9783453677180)

Der Kult

 (7)
Erschienen am 20.05.2018
Cover des Buches A Brief History of Seven Killings (ISBN: 9781594633942)

A Brief History of Seven Killings

 (2)
Erschienen am 06.10.2015

Videos

Neue Rezensionen zu Marlon James

Cover des Buches Eine kurze Geschichte von sieben Morden (ISBN: 9783453677265)
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Rezension zu "Eine kurze Geschichte von sieben Morden" von Marlon James

Großartiges Gesellschaftsepos
uliseslimavor 2 Monaten

«Eine kurze Geschichte von sieben Morden» von Marlon James mag beim Lesen der ersten Abschnitte und Unterkapitel als ungemein brutales Gangster-Epos erscheinen, fast als sinnloses Gemetzel und Mörderballade um ihrer selbst willen. Mir jedenfalls hat die Gewalt, die Brutalität und die Verrohung einzelner Charaktere (z.B. Josey Wales oder Weeper) anfangs ziemlich auf den Bauch geschlagen – bis ich die wahren Personen recherchierte, die als Vorbild für James’ Charaktere dienten, und rasch herausfand, dass jene Epoche in der jamaikanischen Geschichte tatsächlich von hunderten Gangmorden und politischen Hinrichtungen, Erpressung, Terror an der Zivilbevölkerung etc. geprägt war (eine Entwicklung, die sich in leicht abgeschwächter Form bis heute fortsetzt). Von diesem Punkt an las ich das Buch durch eine andere Brille, mehr als Gesellschafts- und weniger als Gangsterroman. Besonders spannend und eklatant waren für mich die Verflechtungen der USA/CIA in Jamaika, die wie in vielen anderen Ländern ihre Interessen mit zwielichtigen und brutalen Mitteln durchzusetzen versuchte und Politiker, Gangs und Journalisten instrumentalisierte.

James taucht dabei voll in seine Charaktere ein, indem er ihnen ausgiebig Raum und Zeit gibt, um ihre Weltsicht, ihre Motive und ihre Geschichten zu erzählen – so kaputt und moralisch degeneriert sie auch sein mögen –, von den Gang-Dons und Handlangern über Journalisten, Politiker und CIA-Agenten bis hin zu Nina, die im Verlaufe der Jahrzehnte umspannenden Erzählung gezwungenermaßen mehrere Identitäten annehmen muss, und diese polyfone Subjektivität, wenn man so will, die aufeinandertrifft, schafft ein ungemein dichtes, chaotisches, breites und komplexes Bild einer Gesellschaft, die von der Politik und den Gangs zersetzt wird. Und mittendrin steht der Sänger, der diese maroden Strukturen mit Musik und Rastafari aufzuweichen, eine bessere Welt zu schaffen versucht. Dabei ist der Mordversuch am Sänger zwar der Aufhänger der Geschichte, im Grunde aber lediglich der Anstoß für weitschweifige Entwicklungen und Verstrickungen, die weit über die Motive des Attentats hinausreichen.

Was besonders beeindruckt, ist, wie James es erreicht, jedem Charakter seine eigene, authentische Stimme zu verleihen – eine große literarische Leistung. Dasselbe gilt auch für die Montage der Sequenzen und Kapitel: Sie erzählen ausschweifend und detailreich (und manchmal auch geschwätzig), lassen aber trotzdem Freiräume und Lücken offen, die man sich selbst erklären muss. James erzählt dabei viel über die Dialoge, die oftmals ausufern (und ihm neben der Gewalt auch schon einen Vergleich mit Quentin Tarantino eingebracht haben), und auch wenn man die Gespräche vermutlich etwas hätte kürzen können, fand ich, dass sie viel zur Atmosphäre des Romans und der Ausgestaltung der Charaktere beitragen (besonders in Erinnerung geblieben ist mir das letzte Gespräch von Gang-Don Josey Wales mit dem Auftragsmörder in der Zelle: selten habe ich ein so intensives, suggestives, manipulatives und spannendes Gespräch gelesen). 

Nicht zuletzt ist der Roman für mich herausragend, weil er die politische Komponente der Geschichten nicht an den Rand stellt, sondern sie in jede Erzählstimme einfließen lässt und den Text so auch zu einem subtilen Kommentar über Imperialismus und seine Folgen für die zweckmissbrauchten Länder macht. 

Alles in allem liegt hier ein Roman vor, der eigenwillig daherkommt und in seiner Breite und Tiefe durchaus als größenwahnsinnig bezeichnet werden kann. Meiner Meinung nach ist dies im vorliegenden Fall ein Gütesiegel, denn James versteht es meisterhaft, die Fäden seiner Geschichte in der Hand zu halten und sie am Ende zu einem stimmigen Gesamtwerk zu verweben. Wer auf epische Literatur mit Anspruch steht und dazu Geschichtsinteresse mitbringt, der wird hier voll bedient. 

Cover des Buches Schwarzer Leopard, roter Wolf (ISBN: 9783453272224)
Thalas avatar

Rezension zu "Schwarzer Leopard, roter Wolf" von Marlon James

Nichts für zwischendurch
Thalavor 9 Monaten

Das Buch "Schwarzer Leopard, roter Wolf" war in vielerlei Hinsicht ungewohnt. Zunächst war es für mich sehr schwierig, überhaupt einen roten Faden zu erkennen. Stattdessen werden sehr viele, scheinbar zusammenhanglose Geschichten voller Gewalt und Sexualität in allen Facetten erzählt. Gut, aufgrund der Gewalt- und Sexszenen wurde das Buch bei Heyne Hardcore veröffentlicht. 


Positiv fand ich das westafrikanische Setting und den Einblick in verschiedene afrikanische Mythen und Sagen. Gut fand ich auch, dass der Autor nicht gleich einen Wikipedia-Eintrag zu allen nicht-westlichen Elementen geliefert hat. So wurde der Lesefluss zumindest nicht durch seitenlange Erklärungen unterbrochen. 


Dennoch, ich konnte mir aufgrund der Komplexität der Geschichte, der vielen Charaktere und unzähligen Nebengeschichten nicht richtig auf die Story konzentrieren. Kaum dialoglästig, sondern eher in der Erinnerung des Suchers geschrieben, blieb der Sucher ein distanzierter Protagonist. 


Mein Fazit: Sehr ideenreich, jedoch sollte man sich das Buch vielleicht im Urlaub mit einem frischen Kopf vornehmen und in einem Stück lesen. Triggerwarnungen für verstörenden Content, explizit beschriebene Gewalt und sexuelle Handlungen. 

Cover des Buches Schwarzer Leopard, roter Wolf (ISBN: 9783453272224)
mariesbuechers avatar

Rezension zu "Schwarzer Leopard, roter Wolf" von Marlon James

Eine Spur zu viel...oder zu wenig.
mariesbuechervor einem Jahr

Mehrere Anläufe habe ich gebraucht und habe mich jetzt wirklich etwas gequält:

Was soll ich sagen?

Jemand versucht jemand anderen zu finden und trifft bei der Suche Verbündete und Feinde.   

Nichts ist, wie es scheint und alles ist mystisch.

Wer diese Form von unkonsistenter Erzählung mag, findet es bestimmt toll - ich nicht.

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Zusätzliche Informationen

Marlon James wurde am 24. November 1970 in Kingston, Jamaika geboren.

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