Martín Kohan Sittenlehre

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Inhaltsangabe zu „Sittenlehre“ von Martín Kohan

Buenos Aires, Anfang 1982: Dicke Mauern umgeben das streng traditionelle Elitegymnasium Colegio Nacional, in dem die junge María Teresa ihre Stelle als Aufseherin angetreten hat. Außerhalb der Mauern herrschen die Militärs, der Falkland-Krieg ist in vollem Gange. Drinnen soll María Teresa die strikte Einhaltung der Disziplin überwachen. Sie ist nur ein kleines Glied in der Kette, aber sie will es gut, ja peinlich genau machen. Schließlich ist Ordnung der sicherste Halt in einem Leben, in dem die Mutter in der Küche Kriegsnachrichten hört und der Bruder verstörend rätselhafte Postkarten aus der Etappe schickt. Eines Tages geht sie in ihrem Überwachungseifer so weit, daß sie sich in der Jungentoilette einschließt, um einen Schüler in flagranti zu ertappen, den sie im Verdacht hat, heimlich zu rauchen. Mit ebendiesem Schritt gelangt ihre Moral in eine eigentümliche, beunruhigende Schieflage.

Darf die Darstellung des Schrecklichen ins Komische kippen? Soll man sich in eine Mitläuferin einfühlen? Martín Kohan ist ein blitzwacher Beobachter und ein kompositorischer Meister des Nebeneinanders von Banalem, Bösem und Groteskem.

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  • Rezension zu "Sittenlehre" von Martín Kohan

    Sittenlehre

    Wolkenatlas

    15. September 2010 um 09:15

    Martín Kohans dritter Roman "Sittenlehre" ist ein an Konzentration und Strenge kaum zu überbietendes literarisches Meisterwerk. Schauplatz ist das Elitegymnasium Colegio Nacional, ein Gymnasium, das bis vor wenigen Jahren nur für Knaben zugelassen war und Schüler, die das Schuljahr nicht positiv beenden, ausschließt. Man schreibt das Jahr 1982, Militärpräsenz und Falklandkrieg gehören zum Alltag. Menschenverachtende Disziplin und Härte gehören zu einem Schulalltag, an dem das Lachen eines Schülers für die ganze Klasse mit einer Woche täglich eine Stunde nachsitzen enden kann. Eine Stunde, die natürlich nur zu bestimmten Zwecken genutzt werden darf. Für die Disziplin sorgt eine Gruppe von Aufsehern und Aufseherinnen. María Teresa, die noch mit ihrer Mutter wohnt, ist Aufseherin am Colegio Nacional und hat neben der ihr täglich in der Schule gestellten Aufgaben keine weiteren Freuden im Leben. María Teresas Bruder, der gerade seinen Militärdienst ableistet, erscheint während dieses Romans entweder als Anrufender, oder als Absender skurriler Postkarten, die entweder nur wenig Sinn, oder wenig, bis gar keine Worte enthalten. María Teresas Mutter scheint in der Welt ihres Fernsehapparats zu leben. Auch sie scheint keine weiteren Freuden im Leben zu haben. María Teresas Drang nach Disziplin und Ordnung ist ihr große Stütze im Leben. Als sie einmal an einem Schüler Tabak riecht, vermutet sie, dass dieser Schüler heimlich auf der Knabentoilette raucht und entschließt sich, von jetzt an geheim auf der Knabentoilette Wache zu schieben. María Teresas Aufenthalte auf der Knabentoilette werden immer häufiger, und so verschieben sich bald die Grenzen zwischen (unnötigem) Zweck und absurder Übertreibung. Großartig, wie Martín Kohan hier die Psyche der Aufseherin beleuchtet, wie er die Entwicklung ihres Verdachts zu einem Drang, zu einer Obsession zeichnet. Mit dem Wandel zur Obsession vollzieht sich in "Sittenlehre" auch ein Wandel ins Grotesk-Absurde. Ein Wandel, der neue Facetten mit sich bringt und neue Ebenen öffnet. Ein Wandel, der die sozial unterentwickelte Erzieherin in die Falle des Oberaufsehers tappen lässt und der den Überwachungsstaat ad absurdum führt. "Sittenlehre" ist ein dunkler, böser und großartiger Roman. Martín Kohan ein extrem eigenständiger Autor abseits der Mainstreamliteraturschiene, der die Tradition der argentinischen Literatur auf höchstem Niveau weiterführt. Absolute Empfehlung.

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