Das Fundament: Tomate ohne Schale (Band 1)
Schon der erste Band hat mich tief berührt. Wer erinnert sich nicht an die Metapher der „Vase“? Eine Geschichte über eine zerbrechende Beziehung, bei der man schmerzhaft lernt, dass manche Scherben sich nicht mehr kitten lassen.
Aber es war vor allem die Geschichte über die demente Mutter im Heim, die mir das Herz schwer gemacht hat: Sie schwärmt von einem fremden Herrn, der ihr immer Blumen bringt – nur um am Ende zu erfahren, dass es ihr eigener Ehemann ist, den sie jeden Tag neu „kennenlernt“. Diese Mischung aus Mitgefühl, Nachdenklichkeit und dem punktgenauen Witz (erinnert ihr euch an die „Lebensentscheidungen“ im Loriot-Stil?) macht die Reihe so besonders.
Die Fortsetzung: Ein Liter Kakao (Band 2)
Band 2 ist die absolut stimmige Weiterführung dieses Gefühls. Es ist wie eine kleine Auszeit im hektischen Alltag – witzig, aber immer mit einer Prise Wahrheit, die einen kurz innehalten lässt.
Die Magie im Alltag: Da ist zum Beispiel die kleine Meerjungfrau, die in einer Kaffeetasse erscheint (passend zum Anhänger aus der Box!). Eine wunderschöne Idee, die aber fast traurig endet, weil die Verkäuferin den Kaffee einfach wegschüttet – die Magie stört eben den reibungslosen Kundenbetrieb. Ein kleiner Stich ins Herz, wie oft wir das Besondere im Leben übersehen.
Menschliche Abgründe & Schusseligkeit: Die Illustrationen vom Tomaturm und Wurmanas sehen so knuffig aus, aber ihre Geschichte hat es in sich. Durch ein Missgeschick kommt eine ältere Frau zu Tode, während ihr Sohn – der ohnehin eine schlechte Bindung zu ihr hatte – eigentlich nur noch gierig auf das Erbe schielt. Das ist kein platter schwarzer Humor, sondern eine sehr ehrliche, fast schon entlarvende Beobachtung menschlicher Schwächen.
Lieblingsmomente: Mein absolutes Highlight ist „Älter werden“. Die Perspektiven der verschiedenen Generationen werden hier so respektvoll und schön beleuchtet, dass man sich einfach verstanden fühlt. Auch die Outtakes sind ein toller Bonus, da sie den Charakteren noch mehr Tiefe verleihen.
Fazit
„Ein Liter Kakao“ ist genau wie das Getränk selbst: Es wärmt von innen, ist süß, hat aber durch die tiefgründigen und manchmal traurigen Untertöne eine ganz eigene, ehrliche Note. Wer Kurzgeschichten sucht, die nicht nur unterhalten, sondern die man mitfühlen kann, sollte hier definitiv zugreifen.
Eine absolute Leseempfehlung für alle, die im Alltag mal kurz abtauchen und mit einem Lächeln (und vielleicht einer kleinen Träne im Knopfloch) wieder auftauchen wollen.




