Martin Amanshauser Logbuch Welt

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Inhaltsangabe zu „Logbuch Welt“ von Martin Amanshauser

Der Reisejournalist und Autor Martin Amanshauser versammelt in seinem Logbuch Welt bunte Geschichten für Profi-Reisende und für chronische Daheimbleiber. Die ganze Welt in 52 Geschichten – Orte, die Sie unbedingt kennenlernen müssen, und Orte, die Sie getrost vergessen dürfen! Running Sushi in Tokyo, ein Partyschiff in Nha Trang, eine Brücke in Mostar: Das Logbuch Welt führt Sie an besondere Orte. Amanshauser zeigt Ihnen die Welt aus der Perspektive eines professionellen Reisenden, und dabei verschieben sich die Perspektiven: ob er in Namibia das Paarungsverhalten von Giraffen analysiert; ob ihn deutsche Rentner fragen, wie es ihm in Wien damals unter alliierter Besatzung gegangen ist; oder ob er in einem Zug den sexuell immer noch aktiven Emigranten Otto, 93 1⁄2 Jahre, trifft – die Texte sind aufschlussreich und brauchbar als Anleitung zum richtigen (manchmal auch zum falschen) reisen. Und sie manchen garantiert Lust auf Ortsveränderung.
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  • Rezension zu "Logbuch Welt" von Martin Amanshauser

    Logbuch Welt
    HeikeG

    HeikeG

    12. August 2008 um 21:17

    Die grüne Drachenfrucht ist gar nicht grün Martin Amanshauser plaudert charmant über Land und Leute in 52 Orten auf fünf Kontinenten Wussten Sie, dass man in Japan im Sushi-Restaurant niemals zu viel Wasabi zu sich nehmen sollte? Diese dem Meerrettich ähnliche Beilage ist gewöhnlich sehr scharf und kann schon mal zu kräftigem Naselaufen führen. Aber Vorsicht: niemals schnäuzen - in Japan schnupft man hinauf! Auch sollten Sie gewappnet sein, wenn Sie in Syrien einen Hamam betreten. Dort kann es durchaus vorkommen, dass Sie meinen, in der Hölle persönlich zu sein, denn eine traditionelle Waschung mutet einem Europäer eher wie eine teuflische Karthasis an. Und wer misst schon so einem "gewöhnlichen" Ereignis wie einer Sonnenfinsternis große Bedeutung bei, wenn in einer Kleinstadt in Ghana partout kein Geschäft zu finden ist, das Ansichtskarten verkauft. Skurilles, Komisches, Nachdenkliches und Interessantes hat der österreichische Autor Martin Amanshauser in seinem Logbuch Welt verewigt. Doch 52 Reiseziele für Profi-Traveller und chronische Daheimbleiber sind keine Reisebeschreibungen in herkömmlichem Sinn. Auch ist das Buch keineswegs als neuartiger Reiseführer al la Marco Polo, MERIAN und dergleichen zu werten. Vielmehr vermittelt sein Duktus folgendes: originelle und unterhaltsame Reiselektüre. Amanshauser bietet dem Leser Momentaufnahmen aus vielen Jahren intensiver Reisetätigkeit. Das Büchlein basiert auf Kolumnen, die der Autor bei der Tageszeitung "Die Presse" unter dem Titel "Amanshauser Welt" veröffentlicht hat. Dabei haben seine Geschichten nicht immer mit dem vermeintlichen Reiseziel zu tun. Man könnte sie eher als "Screenshots" bezeichnen. Dieser Begriff aus der Datentechnik trifft es am besten. Es sind kurzzeitige, bemerkenswerte und/oder erwähnenswerte Eindrücke die Amanshauser "eingefroren" hat, um sie nun dem Leser visuell zu übermitteln. Entstanden ist eine amüsante, humorvolle, kurzweilige und von Zeit zu Zeit gar wissenswerte kleine Lektüre: ein Sammelsurium aus länderspezifischen Kuriositäten, menschlichen Eigenheiten oder interessanten "Nebensächlichkeiten". Das Buch ist gleichfalls eine Reise durch das Leben des Autors selbst. So erfährt der Leser von Amanshausers erster Enttäuschung mit dem weiblichen Geschlecht auf einem Luxuskreuzfahrtschiff oder dem unfreiwilligen Zustandekommen eines Titelfotos in einer portugiesischen Zeitung, auf dem er - zwanzigjährig - mit seinen Freunden abgebildet war. In einer anderen Geschichte, die in China handelt, rächt sich der bekennende Nicht-Hundefreund Amanshauser an einer in der Kindheit erfahrenen Schmach, und zwar mittels eines lecker zubereiteten Eintopfgerichtes aus Datteln, Knoblauch, Chili, Glasnudeln, Zwiebeln und... "Esshund", mit interessanten Nebenwirkungen. Doch Reisen ist offensichtlich nicht immer nur amüsant. Vor allem wenn man in südamerikanische Länder fährt, wo es solch "possierliche Tierchen" wie die Scabies gibt, die man in heimischen Gefilden - gottlob - nicht antreffen wird. Scabies? Fragen Sie lieber nicht (oder lesen Sie Martin Amanshauser) - eine sehr unangenehme Erfahrung! Da waren die Brusthaare fressenden Zebrafische beim Schnorcheln auf den Seychellen vergleichsweise harmlos. 52 weltweite Stationen besucht der Autor, die neben den vielfältigen Erfahrungsberichten auch noch eine Adresse des jeweiligen Aufenthaltsortes, viele Fotos und eine kleine Grafik mit der geografischen Einordnung enthalten. Aber lassen Sie sich nicht in die Irre führen: nach Griechenland, Bosnien-Herzegowina oder Ungarn müssen Sie nicht über Indien fahren, denn beide Länder sind immer noch Bestandteil Europas. Hier ist dem Druck wohl ein kleines Missgeschick unterlaufen, der diese Länder flugs nach Asien integriert. Wohl kaum hätten sonst Aml (so hieß der Autor damals) und sein Freund Hardy mit ihrer Vespa 1986 den Weg von Salzburg an den Balaton in 14 Stunden geschafft. Trotz allen Humors schlägt Martin Amanshauser auch leise und nachdenkliche Töne an. So endet sein "Länderhopping" bei Jimmy, dem obdachlosen Poeten am Bondi Beach in Sydney, dessen Schicksal tief berührt. Ganz bewusst nimmt der Autor den euphorischen Blick etwas zurück und regt zum Nachdenken an: darüber, dass Reisen nicht für Jeden die gleiche Bedeutung hat. Fazit: Auch wenn die "habituelle Unfreundlichkeit" seiner hauptstädtischen Landsleute nicht immer Wonnegefühle verströmt, so bieten Martin Amanshausers Anekdoten einen bunten, individuellen, pointierten und intelligenten Auszug seiner Reiseerlebnisse in großartiger Erzählqualität und optisch ansprechender Aufbereitung.

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