Martin Amis

 3,8 Sterne bei 93 Bewertungen
Autor*in von Interessengebiet, Pfeil der Zeit und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Martin Amis, geboren 1949 in Swansea, ist einer der bedeutendsten englischen Gegenwartsautoren. Er ist der Verfasser von vierzehn Romanen, sechs Sachbüchern und zwei Kurzgeschichtensammlungen. Für sein Romandebüt »Das Rachel-Tagebuch« (1973) erhielt er den Somerset Maugham Award. Zu seinen bekanntesten Werken zählen weiterhin »Gierig« (1984), »London Fields« (1989) und »Pfeil der Zeit« (1991). Martin Amis lebt in New York.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Martin Amis

Cover des Buches Interessengebiet (ISBN: 9783036959535)

Interessengebiet

 (22)
Erschienen am 26.04.2017
Cover des Buches Pfeil der Zeit (ISBN: 9783423132091)

Pfeil der Zeit

 (10)
Erschienen am 01.06.2004
Cover des Buches Gierig (ISBN: 9783036959306)

Gierig

 (9)
Erschienen am 13.08.2015
Cover des Buches Night Train (ISBN: 9783596149353)

Night Train

 (6)
Erschienen am 01.02.2001
Cover des Buches Haus der Begegnungen (ISBN: 9783446230521)

Haus der Begegnungen

 (5)
Erschienen am 20.08.2008
Cover des Buches Das Rachel-Tagebuch (ISBN: 9783036959313)

Das Rachel-Tagebuch

 (1)
Erschienen am 13.08.2015
Cover des Buches Die Hauptsachen (ISBN: 9783423136594)

Die Hauptsachen

 (1)
Erschienen am 23.04.2008

Neue Rezensionen zu Martin Amis

Cover des Buches Interessengebiet (ISBN: 9783036959535)
S_Malts avatar

Rezension zu "Interessengebiet" von Martin Amis

EINE BITTERBÖSE SATIRE
S_Maltvor 23 Tagen

Puuuh…das ist schon harter Tobak, dem der Leser durch dem Autoren hier vorgesetzt wurde.

Übersetzt von Werner Schmitz, erschienen bei Kein&Aber.


Ich musste einige Male ordentlich schlucken. Das Thema Auschwitz und die kategorische Vernichtung der Juden geht mir schon sehr nahe und wurde hier in einer bitterbösen Weise dargestellt.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven. 

Zu Wort kommen Golo Thomsen (der Neffe des Reichsleiters Martin Bormann), verantwortlich für das Funktionieren des Buna-Werkes; dieses wurde in der Nähe des KZ Auschwitz durch die I.G. Farben errichtet, um dort - mit jüdischen Zwangsarbeitern - einen synthetischen Kautschuk zu produzieren. Da immer mehr Häftlinge dort arbeiten, errichtet man schließlich ein firmeneigenes Konzentrationslager - in der Größe einer Stadt.

Dann der Lagerkommandant, Paul Doll (mit der Biografie des echten Befehlshabers Rudolf Höß), dessen größte Sorgen zum Einen die Entsorgung der getöteten Juden und zum anderen das Verhalten seiner Ehefrau Hannah sind.

Schließlich noch der Häftling Szmul, der Leiter der „Sonder“ einer Einheit von Juden, die für die Verwertung der Juden eingesetzt werden.


Eigentlich darf man hier nicht zu weit greifen, da der Leser sich selbst ein Bild machen sollte, von der Art und Weise, wie der Autor eine Hölle schildert, nurmehr genährt von Wahn- und Irrsinn; in der sich diese Menschen, ihre Familien und Angehörigen bewegen.


Während die Nazis fast ein normales Leben leben, mit gesellschaftlichen Verpflichtungen, wie Theater- und Musikaufführungen sowie den Sorgen der Kommandantenkinder um deren krankes Pony, erfolgt nebenan die Anlieferung und Selektion der Juden; Entweder arbeitsfähig oder direkte Vernichtung in den Gaskammern. Doll denkt nur in Stückzahlen, Thomsen - ein Schürzenjäger, der sich unvermittelt in Hannah Doll verliebt - versucht die Produktion in den Buna-Werken voranzutreiben und betrachtet die jüdischen Zwangsarbeiter wie Treibstoff, der verbraucht wird; Szmul versucht irgendwie zu überleben und mit der Ehrlosigkeit klar zu kommen, die seine Tätigkeit zur Folge hat. Zwischendurch versucht er Leben zu erleichtern, indem er - nach seiner eigenen Selektion - Menschen vor der Gaskammer oder vor der Zwangsarbeit rettet - wobei beides trotzdem deren Tod bedeutet.


All diese verrückten Umstände sind begleitet von Alkoholismus sowie perversen Ausschweifungen. Dabei lässt der Autor die Figuren im wahrsten Sinne des Wortes entarten - denn anders kann man sich ihr Handeln und ihr Denken eigentlich auch nicht mehr vorstellen. Mit Menschen normalen Denkens - so der klar gezeichnete Eindruck - kann man es hier nicht zu tun haben.


Eine tiefschwarze Satire auf ein bitterernstes Thema. Wer sich diesem stellen mag, soll selbst lesen - ich möchte hier nicht vorgreifen; jedoch sollte man keine zu schwachen Nerven haben.


Von meiner Seite gibt es hier 5/5 Sternen und die Hoffnung, dass dieses Buch (die Verfilmung kenne ich noch nicht) einmal mehr zeigt, welch unmenschliche Taten im Nazi-Deutschland von unmenschlichen Bestien durchgeführt wurden - während sie nach außen hin den Schein gewahrt haben, sich normal zu verhalten.


Cover des Buches Interessengebiet (ISBN: 9783036957241)
Buecherseele79s avatar

Rezension zu "Interessengebiet" von Martin Amis

Holocaust aus drei Blickwinkeln
Buecherseele79vor 2 Monaten

"Nach einer Weile bemerkt man, dass alle Sonders das tun: Sie alle suchen ihre Augen zu verbergen. Und wer hätte gedacht, wie essenziell notwendig es im Umgang miteinander ist, die Augen des anderen zu sehen? Ja. Denn die Augen sind die Fenster der Seele, und wenn die Seele weg ist, sind auch die Augen unbewohnt." (Seite 112)

Es ist schwer dieses Buch in Worte zu fassen. Auf jeden Fall gelingt Martin Amis ein sehr bedrückendes und erschreckend geliefertes Bild über den Holocaust.

Wir haben es mit drei männlichen Protagonisten zu tun. 

Alle drei "arbeiten" im Kat Zet. Alleine dass es so ausgeschrieben wird hat mich fasziniert. Man kann sich denken, mit gewissen geschichtlichen Hintergrund, um welches Kat Zet es sich handelt.

Golo Thomsen ist SS- Offizier und ist tätig im Kat Zet. Er hegt Recht früh Gefühle für Hannah, die Frau an der Seite des Lagerkommandanten. Thomsen war mir lange Zeit zu zwielichtig, machte eher den Eindruck als geht es hier nur um Frauen und wer sie ins Bett bekommt. Seine Rolle wird nicht ganz aufgeklärt, aber er hatte auf jeden Fall verschiedene Ansichten und auch mit einer gewissen Nazigrösse im Reich zu tun.

Paul Doll ist der Lagerkommandant und eigentlich, hässlich gesagt, dieser dumme Trottel der der ganzen Propaganda erlegen war und versuchte alles umzusetzen was möglich war. Interessant waren immer die Interaktionen zwischen ihm und seiner Frau Hannah, denn hier trafen Welten aufeinander und gerade Hannah konnte sich mit ihrer schrecklichen Ehrlichkeit in mein Herz spielen.

Der schwerste Part hat hier Szmul. Er ist dafür verantwortlich dass alle Wertgegenstände den Juden angenommen werden und ins Lager "Kanda" kommen. Man lebt auf jeden Fall besser als die restlichen Juden im Kat Zet aber was es für die Menschlichkeit bedeutet wird bei Szmul am ehesten erklärt. Und ich war hier zwischen geschockt und Unglauben weil es an Grenzen des Möglichen ging.

Die Tatsache dass hier drei Männer erzählen fand ich sehr gut umgesetzt. Denn meist waren sie in der Zeit des Dritten Reichs an der Macht, waren die Anführer und Wortgeber. Wie sie den Holocaust, ihre Taten erleben, verantworten, darüber nachdenken oder nicht war erschreckend realistisch und hat mich sehr oft ins kalte Wasser geschmissen.

Ich glaube durch diese drei Protagonisten ist auch klar geworden wie sehr man abstumpfen kann. Gegenüber den Menschen im Allgemeinen, aber auch gegenüber Frauen. Gerade die zwei Männer Doll und Thomsen waren fast schon besessen was den Sex und die Frauenwelt angeht. 

Dieses Buch befasst sich mit den Abläufen in einem Kat Zet und welche Interessengebiete hier eine Rolle gespielt haben. Eine ganz eigene, dreckige und absolut menschenunwürdige Welt die sich in diesem Buch offenbart. 

Ganz klar ein Buch was man gelesen haben sollte. 

Cover des Buches Im Vulkan (ISBN: 9783036957883)
J

Rezension zu "Im Vulkan" von Martin Amis

Engagierte Gelegenheitsarbeiten
jamal_tuschickvor 6 Jahren

Bertolt Brecht konnte nicht schreiben, wenn er erkältet war. Martin Amis nimmt die Frage eines Leserbriefschreibers zum Anlass, sich als Arbeiter am Schreibtisch darzustellen – so abhängig von der Verfassung des Leibes wie jeder, der nur seine Körperkraft im Verein mit einem Können auf den Markt werfen kann. Amis beschreibt seine Produktion als physischen Prozess ohne den Aspekt der Entfremdung. Der Vergleich mit dem Arbeiter humpelt solange, bis man an seiner Stelle einen Athleten auftreten lässt. Der Autor schildert Schreiben als Sport: professionell betrieben auf den Ebenen des Romans; spielerisch-belustigt und angeturnt in Ausnahmesituationen (so wie bei einem London Trip mit Tony Blair im gepanzerten Jaguar auf geräumten Straßen, den Triumphbogen des Constitution Arch tunnelnd und alle roten Ampeln überfahrend) in den Niederungen der Zeitungsprosa. Eine von Daniel Kehlmann herausgegebene Sammlung von Amis‘ Besprechungen und essayistischen Übungen zeigt den hingerissenen und (vom Premier) mitgenommenen Amateur, der ohne professionellen Abstand zu seinen Gegenständen zum Sekretär einer rauschenden Gegenwart wird.

„Nun fällt mir auf, dass der Premierminister nicht angeschnallt ist.“

Amis erklärt Blairs jugendliches Aussehen mit einer Quarantäne: „Zehn Jahre in einer Welt ohne Straßenverkehr.“ Er überliefert, was er zu Blair gesagt hat. Die Reportage „Unterwegs mit Tony Blair“ liest sich, als habe der Staatschef kaum Gelegenheit gefunden, dem Autor gegenüber ausführlich zu werden.

Amis erscheint als Rezensent so engagiert wie Prinz Philipp von Griechenland als Ehemann einer Königin, die zehn Premierminister überlebte und nur bei ihrer Taufe in der Öffentlichkeit auf Contenance verzichtete. Er stürzt sich auf die Titel, Thesen, Termine und Temperamente, die ihm offeriert werden. Er reißt das Thema einer Stunde mit einem intellektuellen Nackenbiss, auf Figuren zur Textaufwertung stets verzichtend. Der Griff einer Frau in ihr Haar, eine obsolete Redewendung oder der verregnete Anblick einer vergessenen Sache lösen Romane aus den Klammern des Vorbewussten. Den Schwung für die Gelegenheitsarbeiten erhält das Golfen auf avancierten Allgemeinplätzen. Der Tod einer traurigen Prinzessin, „die Nachricht erreichte Balmoral Castle um ein Uhr früh am 31. August 1997“, zwang Königin Elisabeth zu Vorspiegelungen, die Amis eine Chance boten, das Haus Windsor introspektiv einzunehmen.

„Die Rede der Königin“ entstand 2002. Im Text kehrt der Autor zurück zum Anfang eines Endes. Er malt sich den jungen Philipp in der Rolle des Verehrers als Habenichts mit „sensationellem Stammbaum“ aus. Er geht steil: „Freud persönlich riet Philipps Mutter, da sie sich einbildete, die Geliebte von Buddha und Jesus zu sein, zu einer Bestrahlung der Eierstöcke, um das Einsetzen des Klimakteriums zu beschleunigen“.

Amis beruft sich auf Orwell in seiner Erklärung, warum die repräsentative Monarchie das XX. Jahrhundert überlebt hat. Angeblich gibt es einen Trutz der Zuneigung, der „fast so alt ist wie die Geschichte. Die Idee, dass der König (die Königin) und das gemeine Volk eine Allianz gegen die herrschende Klasse bilden.“

Manches erscheint so exaltiert, als habe sich ein Troll an der Übersetzung vergriffen. Das gilt zumal für die Titelgeschichte „Im Vulkan“ - in Anspielung auf Malcolm Lowrys Hauptwerk „Unter dem Vulkan“. Ich weiß nicht, ob Amis seine wilden Feststellungen auf der Grundlage einer Biografie traf, die Gordon Bowker unter dem Titel „Pursued by Furies“ veröffentlichte, oder ob er, als Sohn von Kingsley Amis fürstlich informiert, über jeden Zweifel erhabenen Betriebstratsch in die Konsumentensphäre streute. Ich finde die Ladung so überspannt, dass ich das Original vom 12.12.1993 googele. „Demons under the volcano: A new life of Malcolm Lowry shows the 'internal romance' of the boozy, bragging drifter“ liefert dem Text die herabsetzende Überschrift. Die Übersetzung trifft aber jeden Punkt einer irrwitzig engagierten Auseinandersetzung.

„Lowry war zusätzlich mit einem besonders kleinen Penis ausgestattet, was geholfen haben dürfte.“

Wobei denn?

Die Bemerkung wird von negativen Zuschreibungen gerahmt. Der „fünfunddreißig Jahre lang (nahezu ununterbrochen) beschickerte“ Lowry sei unzuverlässig gewesen, ein zwanghafter Lügner und Aufschneider vielmehr.

„Um als Alkoholiker wirklich erfolgreich zu sein, um bis zum Ende durchzuhalten, muss man (noch) eine Reihe anderer Eigenschaften haben: Man muss … vor kaum etwas zurückschrecken, solipsistisch leben, unsicher und unermüdlich.“  Der Satz bricht da ab. Gleichwohl überliefert er den blutleeren Exzess eines Mannes, der sein Leben an die Sucht delegierte, nicht anders als William Seward Burroughs, den Amis unterschlägt.

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