Martin Beyer

 3.9 Sterne bei 39 Bewertungen
Autor von Alle Wasser laufen ins Meer, Und ich war da und weiteren Büchern.
Autorenbild von Martin Beyer (© Steffi Herrmann)

Lebenslauf von Martin Beyer

Martin Beyer, geboren 1976 in Frankfurt am Main, veröffentlichte mit 18 Jahren seine erste Erzählung. Nach seiner Promotion arbeitet er als freier Schriftsteller, Redakteur und Dozent. Seit 2003 leitet er mit dem Gitarristen Gerald Kubik das Musik-Literatur-Projekt »SilbenMusik«. Der literarische Durchbruch als Autor gelang Martin Beyer bereits mit seinem Debütroman »Alle Wasser laufen ins Meer«.

Alle Bücher von Martin Beyer

Cover des Buches Alle Wasser laufen ins Meer9783608936094

Alle Wasser laufen ins Meer

 (33)
Erschienen am 01.03.2009
Cover des Buches Und ich war da9783550200397

Und ich war da

 (5)
Erschienen am 30.08.2019
Cover des Buches Zeichen & Wunder9783981363821

Zeichen & Wunder

 (1)
Erschienen am 10.05.2011
Cover des Buches JDD - Rap trifft Goethe & Co.!9783898557122

JDD - Rap trifft Goethe & Co.!

 (0)
Erschienen am 04.12.2007
Cover des Buches Mörderballaden9783941639096

Mörderballaden

 (0)
Erschienen am 01.02.2013
Cover des Buches Zachäus kehrt um9783850227612

Zachäus kehrt um

 (0)
Erschienen am 08.05.2009
Cover des Buches Religionsloses Ostdeutschland?9783374040469

Religionsloses Ostdeutschland?

 (0)
Erschienen am 01.03.2015

Neue Rezensionen zu Martin Beyer

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Rezension zu "Und ich war da" von Martin Beyer

Abrechnung mit dem Mitläufertum
evaczykvor 9 Monaten

Wie kann man ihn am besten beschreiben, den Bauernsohn August Unterseher, Ich-Erzähler in Martin Beyers Roman "Und ich war da"? - Opfer der Ereignisse, "nur" ein Mitläufer, Mittäter und Gehilfe bei Kriegsverbrechen und Nazi-Willkür? Der Erzähler, der Jahrzehnte später auf seine Jugend im Nationalsozialismus zurückblickt, scheint da mitunter selbst unentschlossen, mal beschwichtigend, mal die eigene Rolle durchaus selbstkritisch einschätzend. Wie so viele seiner Generation war er jahrzehntelang sprachlos, hat geschwiegen über die Vergangenheit und seine Rolle im Krieg. Nun sucht er doch noch nach Worten, für seine Tochter, die wissen will, wer er eigentlich ist, so lange das nocg möglich ist.

Anders als der ältere Bruder, der voller Überzeugung bei der Hitler-Jugend aktiv ist, sieht August die Zeit in der nationalsozialistischen Jugendorganisation vor allem als willkommene kleine  Flucht vor dem prügelnden und trinkenden Vater. Der lässt die mutterlosen Söhne schuften. Als er August einmal bewusstlos prügelt,  lässt sich der herbeigerufene Arzt nur zu bereitwillig von eine Unfall überzeugen. Das kriegerische HJ-Gehabe ist dennoch nicht die Welt des eher verträumten August, der gerne zeichnet und davon träumt, Naturforscher zu werden. Sein Freund Paul wird in der HJ gemobbt - der Junge hasst den Nationalsozialismus. Als er mit seiner Familie aus Deutschland flieht, bittet er August, mitzukommen. Doch August kommt nicht zu dem nächtlichen Treffpunkt. Wäre das seine Chance gewesen?

Auch der Kontakt zu einer jungen Frau, die sich als Mitglied einer kommunistischen Widerstandszelle entpuppt, hätte ein Wendepunkt in Augusts Leben sein können, eine Entscheidung gegen das Regime. Doch wieder bleibt er passiv, einer, der daneben steht und die Dinge ihren Lauf nehmen lässt. Eine verpasste Chance? Eine Garantie des eigenen Überlebens?

Als Soldat der Wehrmacht an der Ostfront erlebt August den Krieg von seiner fürchterlichsten Seite. Nicht nur die Einsatztruppen der SS sind verantwortlich für den Terror in den besetzten Gebieten, an Massenerschießungen und Verbrechen an Zivilisten. Auch August wird nicht nur Zeuge, sondern Mittäter dieser Morde. Der junge Mann, dessen Kindheit von Gewalt geprägt war, ist nun selbst einer von denen, die für Gewalt und Terror stehen, einer, der als ausgezeichneter Schütze auch im Kampf gegen Partisanen eingesetzt wird. Was macht das mit einem Menschen? Ist das die Zeit, die August zu dem um Worte verlegenen Mann macht? Im Rückblick wird ihm klar, dass er sich nach dem Tod wie nach einer Befreiung gesehnt haben muss, doch als eine junge Russin auf ihn schießt, überlebt er und kehrt als kriegsuntauglich auf den väterlichen Hof zurück.

Hier lässt Autor Beyer den großen, starken Bauernjungen voller Lebensüberdruss jedoch nicht. Ausgerechnet in dem Moment, als sich August das Leben nehmen will, kommt der oberste Scharfrichter des Reiches vorbei. Krankheitshalber ohne den benötigten Gehilfen, rekrutiert er August. So wird der verhinderte Selbstmörder zum Zeugen der Hinrichtung der Geschwister Scholl. Die Mitglieder der "Weißen Rose", etwa im gleichen Alter wie August, beeindrucken ihn tief - doch auch diesmal bleibt der Wendepunkt, bleibt eine innere Abkehr, aus. Und gerade darin liegt das Erschreckende dieser Figut eines Mitläufers - er hätte so viele andere Perspektiven gehabt, hatte Alternativen aufgezeigt bekommen. Doch stets wählt er den Weg des geringsten Widerstands und macht einfach das, was ihm gesagt wird. Und verstrickt sich genau deshalb in Schuld.

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Rezension zu "Und ich war da" von Martin Beyer

Jahre des Krieges
yellowdogvor 10 Monaten

Martin Beyer hat mit „Und ich war da“ ein ambitioniertes und bewegendes Buch geschrieben. Mit Themen, über die es sich lohnt, nachzudenken.

 

Die Hauptfigur August Unterseher ist ein Junge, später junger Mann in den schlimmen Jahren 1936 bis 1943 in Deutschland. Sein tyrannischer Vater hat einen Bauernhof und behandelt seine beiden Söhne streng. Nicht selten geht es gewalttätig zu. Die Kindheit ist sowohl von der Gewalt des Vaters als auch das der Umgebung und der Gesellschaft geprägt. August Schicksal scheint vorbestimmt. Und nur zweimal glaubt August, auch andere Möglichkeiten zu haben. Zuerst durch seinen intellektuellen Freund Paul, der immerhin Widerstand leistet. August schafft das nicht. Und später durch die Widerständlerin Isabella, in die er sich verliebt, der er aber am Ende doch nicht helfen kann.

 

Später werden die Söhne in den Krieg ziehen und nur August wird versehrt zurückkehren. Aus einer Perspektive aus dem Jahr 1988 versucht der alte August sich durch Traumtherapie an die Kriegsjahre zu erinnern und es folgen grausame Kriegsszenen, in der August immer wieder an die extreme stößt. Er tötet viel und es gibt auch Erschießungsszenen, wo er blind gehorcht. Auch nach dem Krieg wird der traumatisierte August beim Töten helfen.

 

Die Frage ist nun, warum August zum Mitläufer wurde und man kann sich die Frage stellen, wie man selbst reagiert hätte.

Die Fragestellung löst sich durch den Roman meiner Meinung nach nicht auf. Die Beschreibungen der einzelnen Szenen zeigen, dass August Möglichkeiten zu begrenzt waren. Dass er sich innerlich nicht befreien konnte, kann ich verstehen. Aber ein Roman muss die Lösung nicht unbedingt in sich tragen, um zu überzeugen.

 

Man kann sich der Intensität des Romans nur schwer entziehen.

Ich halte den Roman daher für lesenswert.

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Rezension zu "Und ich war da" von Martin Beyer

Gnadenlos ehrlich
Lenchivor 10 Monaten

August Unterseher. Seine Geschichte. Gewaltvoll, heroisch und doch naiv. Das Leben, beschrieben vom Aufwachsen auf dem Bauernhof unter dem tyrannischen Vater. Hin zum Krieg und Pflichterfüllung. Fragen nach dem Leben. Nach dem Warum.
Brutal ehrlich schildert der Autor seinen Lebensweg und lässt dabei nichts aus. Er präsentiert sich nicht als Held sondern als Mitläufer und auch als Zweifler. Sprachlich geschickt verfasst lässt er die LeserInnen durch seine Geschichte schweifen. Manchmal verwirrend. Ist es Traum oder Wirklichkeit was geschah? Reue. Hätte er mehr tun können als hinzunehmen, was geschehen ist?

Mir hat das Buch sehr gut gefallen obwohl ich zwischendurch ein wenig Mühe hatte, es zu lesen. Ich war mir nicht ganz sicher, was wirklich passiert war. Trotz allem hat die Geschichte etwas beeindruckendes. Er beschreibt sich selbst als Mitläufer, als jemand, der tat, was eben verlangt wurde. Genau das hat mich überzeugt, denn es ist kein Buch, in dem es sich um phrasenlange Absätze über Vergebung handelt, sondern um die ehrliche Geschichte eines jungen Mannes, der in den Kriegswirren gefangen war.
Leseempfehlung!

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