Martin Booth

 3.8 Sterne bei 14 Bewertungen
Autor von The American, Der Sohn des Schamanen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Martin Booth

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The American

The American

 (8)
Erschienen am 25.08.2010
Doctor, Detective and Arthur: A Biography

Doctor, Detective and Arthur: A Biography

 (1)
Erschienen am 05.03.1998
Stirb im Rampenlicht

Stirb im Rampenlicht

 (1)
Erschienen am 01.06.1987
Doctor Illuminatus

Doctor Illuminatus

 (1)
Erschienen am 29.03.2010
War Dog

War Dog

 (0)
Erschienen am 01.10.1997
Soul Stealer

Soul Stealer

 (0)
Erschienen am 06.09.2006
Golden Boy

Golden Boy

 (0)
Erschienen am 14.11.2006

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TheRavenkings avatar

Rezension zu "Stirb im Rampenlicht" von Martin Booth

Musiker in Gefahr
TheRavenkingvor 2 Jahren

Martin Booth ist der Autor eines meiner Lieblingsbücher: A Very Private Gentleman, verfilmt unter dem Titel The American.

Noch am Anfang seiner Karriere veröffentlichte er diesen Thriller, in dem es um einen Rockstar geht, der von einem Psychopathen verfolgt wird.

Für Bohny Oppen könnte es kaum besser laufen: Er ist einer der bedeutendsten Stars im Musikgewerbe. Er hat eine hübsche Freundin und jede Menge Geld. Gerade bereitet er sich mit seiner Band auf eine neue Tournee vor. Aber dann erhält Bohnys Manager verstörende Drohbriefe. Zunächst will der Musikstar das Ganze nicht ernst nehmen, aber dann macht der Psychopath ernst und verübt einen Mordanschlag auf die Band.

Bohny ist kein Bad Boy. Drogen nimmt er nur in Maßen, er behandelt Frauen mit Respekt und ist anständig zu seinen Angestellten. Außerdem ist er gebildet, investiert sein Geld in vernünftige Dinge (er sammelt Kunst).

Etwa in der Mitte des Buches lernen wir den Antagonisten kennen, eine gestörte Person, deren Frust und Verbitterung sich auf den erfolgreichen Prominenten entlädt. Sonderlich komplex ist die Figur allerdings nicht gezeichnet und die Rollen von Gut und Böse sind von Anfang an klar verteilt, weshalb die Sympathien des Lesers eindeutig beim Musiker liegen.

Der Böse ist natürlich sadistisch veranlagt und schreckt auch vor Tierquälerei nicht zurück. Ich hätte gut auf die Szene verzichten können, wo der Bösewicht seine Laserwaffe (kein Witz!) an einer ahnungslosen Hauskatze ausprobiert.

Der Autor behandelt das Ganze vollkommen ernsthaft, ohne dabei sonderlich in die Tiefe zu gehen. Die Polizei kommt dem Verbrecher schließlich eher durch Zufall auf die Schliche, so wirkt das Ende willkürlich und nicht besonders gut durchdacht.

Es wird hier einiges an Potenzial verschenkt. Deshalb werde ich den Verdacht nicht los, dass Booth das Werk als eine Art Auftragsarbeit geschrieben hat.

Immerhin war der Autor nah am Puls der Zeit. Das Buch erschien 1980, im selben Jahr als John Lennon Opfer des geistig gestörten Attentäters Mark David Chapman wurde.

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WolffRumps avatar

Rezension zu "The American" von Martin Booth

Vorzügliches Setting und charakterliche tief angelegte Hauptfigur
WolffRumpvor 5 Jahren

Genre:
Thriller.

Umfang:
Ca. 397 Seiten (TB/Print).

Serie:
Nein.

Inhalt:
Signor Farfalla („Herr Schmetterling“) ist ein Handwerker des Todes: er stellt handgefertigte Waffen für Berufskiller her. Bevor er sich in seinem geliebten italienischen Bergdorf zur Ruhe setzt, nimmt er einen letzten Auftrag an. Schon bald bemerkt er, dass er von einem Unbekannten beschattet wird. Farfalla steckt in der Zwickmühle: er weiß, dass er den Auftrag nicht einfach abbrechen kann, ohne selbst zum Ziel seiner Auftraggeber zu werden, zudem würde er bei einer Flucht sein Versteck verlassen müssen, das ihm ebenso wie seine junge Geliebte ans Herz gewachsen ist. Ihm bleibt keine Wahl: er muss sich seinem Verfolger stellen.

Perspektive:
Ich-Erzähler. Da es in ‚The American’ vor allem um die Selbstbetrachtungen des Antihelden geht und nicht um Action, ermöglicht die Ich-Perspektive dem Leser bestmöglich in die Gedankenwelt des Protagonisten einzutauchen.

Erzählzeit:
Gegenwart mit zahlreichen Rückblenden im Präteritum.

Setting:
Die Story spielt hauptsächlich in einem kleinen Bergdorf in Italien, dass die mittelalterliche Kulisse für Farfallas neugewonnene Heimatgefühle bietet. Er bewohnt ein altes Gebäude mit einem Turm, in dem er seine Werkstatt eingerichtet hat. Seine Freizeit verbringt er in einem Café, in dem er mit seinen wenigen Freunden – einfachen Dorfbewohnern zusammenkommt. Das Dorf mit seinen kauzigen Bewohnern und der pittoresken Umgebung ist Klischee pur, doch durch den Gegensatz zu der latenten Bedrohung durch den Beschatter („Schattenbewohner“) und den menschenverachtenden Job des Protagonisten gewinnt das Setting an Reiz. Und zugegeben, es hat für den Leser auch eine touristische Qualität, ähnlich wie Venedig für die Donna Leon – Krimis. Die Ortsbeschreibungen sind ebenso detailverliebt wie authentisch und sie sind in diesem Roman das hauptsächliche Futter für das Kopfkino des Lesers.

Die Rückblenden bedienen sich unterschiedlicher Settings weltweit.

Struktur und Spannungsbogen:
Wer den spannenden Blockbuster ‚The American’ mit George Clooney gesehen hat oder generell einen actionreichen Thriller erwartet, der wird den Roman spätestens nach hundert Seiten enttäuscht aus der Hand legen. Und er tut gut daran, denn es gibt nur ein einziges Action-Kapitel fast am Ende der Geschichte, das gerade einmal zehn Seiten umfasst. Der Rest des Romans besteht aus Selbstbetrachtungen, Ortsbetrachtungen, Charakterisierungen sowie philosophischen und geschichtlichen Einordnungen. Das Drehbuch des Films teilt mit dem Roman lediglich die Hauptfigur, ein paar Nebenfiguren sowie das Setting. Der Rest – also nahezu die gesamte Handlung des Films – hat mit dem Roman wenig zu tun. Selbst der Titel des Films ‚The American’ hat mit dem ursprgl. und viel passenderen Titel des bereits einige Jahre zuvor erschienenen Buchs ‚A Very Private Gentleman’ keine Schnittmenge.

Wenn man die (falsche) Erwartungshaltung über Bord wirft, lohnt sich die Lektüre des Romans allemal. Spannung ensteht auch und vor allem durch die latente Bedrohung, die durch den sog. ‚Schattenbewohner’ ausgeht, der aus einem auch dem Protagonisten unbekannten Grund seine Verfolgung aufgenommen hat. Der Konflikt, der sich für Farfalla ergibt, hat nichts mit dem typischen Krimikonflikt zu tun, es handelt sich vielmehr um einen Lebenskonflikt. Farfalla hat eine emotionale Schutzschicht um sich herum errichtet, die maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass seine Feinde ihm bislang nichts anhaben konnten. Doch nun, am Ende seiner Karriere, hat er erstmals einen Ort und Menschen gefunden, an denen ihm etwas liegt und sein Fluchtinstinkt führt einen permanenten Kampf gegen seinen Wunsch, zu bleiben und ein richtiges Leben zu führen. Auch wenn er unter einer Legende und falschem Namen lebt, fällt es ihm immer schwerer, seine Mitmenschen anzulügen. Sein bester Freund, ein sinnesfroher Pastor, versucht ihn aus der Reserve zu locken und fordert ihn auf, sich zu seinem Leben zu bekennen. Seinen verzweifelten Kampf gegen sein altes Ich und um seine Freiheit zu beobachten, ist spannend, vor allem, weil dieser Kampf unter der Oberfläche gärt und das Ergebnis nur tragisch enden kann. Farfalla kann sein altes (totes) Leben weiterführen oder sich für das neue Leben entscheiden, das aber wahrscheinlich zu seinem Tod führen wird. Der Roman ist insofern mehr Drama und Tragödie als ein Thriller und das Krimimotiv Tod ist nur der Mittel zum Zweck, um den zentralen Konflikt zu dramatisieren.

Die Klimax ist aus meiner Sicht der schwächste Teil des Plots. Die plötzliche Action wirkt bemüht und die Motive des Täters sind oberflächlich. Es kommt keine Empathie auf, die Action wirkt geschildert wie in einer Nachrichtensendung und nicht (mit)erlebt. Ich habe fast den Eindruck, als wäre dem Autor am Ende seines Werks plötzlich wieder eingefallen, dass er eigentlich einen Krimi schreiben wollte, also wurde noch mal eine Handvoll Geballere in den Roman-Eintopf geworfen. Das dramatische Ende ist den Drehbuchautoren aus Hollywood übrigens wesentlich besser gelungen.

Hauptcharaktere:
Signor Farfalla (ital.: Herr Schmetterling): Protagonist, offiziell Schmetterlingsmaler, tatsächlich Gewehrbauer, sein tatsächlicher Name bleibt unbekannt; am Ende gibt er als ersten Schritt der Öffnung seinen Vornamen bekannt: Edmund. Der Charakter wird ausgesprochen tief und durch zahlreiche Rückblenden auch in seiner Entwicklung ausgeführt. Eigentlich ist Farfalla viel eher ein sensibler Schmetterlingsmaler und Handwerker als ein soziopathischer Killer-Support. Die tragische Ironie des Namens passt zu seiner Situation. Farfalla macht im Verlauf der Story einen umfassenden Wertewandel durch.
Don Benedetto: Pfarrer im Ort, sinnesfrohe Barockfigur; obwohl Farfalla Atheist zu sein scheint, ist Benedetto sein engster Freund und ‚Versteher’.
Carla: Prostituierte, Studentin, verliebt sich in Farfalla und lockt ihn zum Ende hin aus seinem Schneckenhaus.
Der Antagonist Schattenbewohner tritt erst ganz am Ende des Romans für einen kurzen Moment aus dem Halbdunkel, um sich bleihaltig in der Handlung zu verewigen. Er ist nur ein Instrument und keine differenzierte Figur.

Sprache/Duktus:
Booths Spache ist bildgewaltig und reich an Metaphern. Oft sind seine Bilder gelungen, zuweilen übertreibt er seine Suche nach Allegorien jedoch und reiht in einem einzigen Satz ein halbes Dutzend Vergleiche aneinander, so als würde er ein inneres Brainstorming durchführen, um den besten Begriff ausfindig zu machen. Dass ein Autor beim Schreiben auf genau diese Art vorgeht, ist naheliegend, aber das Ergebnis der Suche sollte das stärkste Bild für den Leser sein und nicht die Ideensammlung. Leider verfällt Booth seiner Sammelleidenschaft immer wieder, wodurch der Eindruck einer unangemessen barocken Ausdrucksweise entsteht – schade, denn im Kern ist seine Ausdruckkraft beeindruckend.
Als (positives) Beispiel sei der erste Satz des Romans zitiert: „Hoch oben in den Alpeninnen, dem Rückgrat Italiens, mit seinen Wirbeln aus jungem Gestein, an denen die Sehnen und das Fleisch der Alten Welt befestigt sind, gibt es eine kleine Höhle über einem tiefen Abgrund.“
Wer nach diesem Satz noch einen Actionthriller erwartet, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.

Fazit:
Wenn man den vom Verlag offensichtlich beabsichtigten Rückwärts-Ausstrahlungseffekt des Films ‚The American’ auf den Roman ‚A Very Private Gentleman’ ausblendet und keinen Thriller erwartet, dann kann man als Leser das bewegende Drama eines Menschen miterleben, der erkennen muss, dass er nur dann wirklich leben kann, wenn er dem Tod die Tore öffnet. Das vorzügliche Setting und die charakterliche Tiefe der Hauptfigur entschädigen für die zeitweise zu blumige und antiquierte Ausdrucksweise.

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Rezension zu "The American" von Martin Booth

Rezension zu "The American" von Martin Booth
TheRavenkingvor 8 Jahren

"Ich befürworte den professionellen Mord. Er ist die beste Todesart. Der Tod sollte edel, sauber, eindeutig, exakt, spezifisch sein. Er ist der letzte Pinselstrich auf der Leinwand des Lebens, der abschließende Tupfen Farbe, der das Bild vollendet, es zur Vollkommenheit abrundet. Das Leben ist hässlich durch seine Unsicherheitsmomente, schreckenerregend durch seine Ungewissheiten. Das Leben kann uns in den Bankrott treiben und an den Bettelstab bringen, der Liebe und Achtung berauben, verhasst und Elend machen. Der Tod tut nichts dergleichen."

Er ist der beste seines Fachs. Niemand kennt seinen Namen. Man nennt ihn nur Signore Farfalla wegen der Schmetterlinge, die er malt. In einem kleinen italienischen Städtchen in den Abruzzen bereitet er sich auf seinen letzten Auftrag vor.

Im Kino gab George Clooney diesen wortkargen Einzelgänger. Film und Buch haben allerdings nur oberflächliche Ähnlichkeit miteinander. Das Setting und die Grundstory sind zwar das selbe, aber der springende Punkt ist, wie das Ganze erzählt wird. Während Clooneys Filmfigur bis zum Ende enigmatisch und undurchschaubar bleibt, fungiert Signore Farfalla im Roman als Erzähler und gewährt dem Leser Einblick in sein Innenleben.
Man ist mittendrin im Kopf eines Mannes, der, obwohl eigentlich nur Waffenschmied, auch vor dem Töten nicht zurückschreckt, wenn er in Gefahr ist.
Ähnlich wie "Der Talentierte Mr. Ripley" gelingt es der Hauptfigur den Leser von Anfang an auf seine Seite zu ziehen. Man leidet mit Signore Farfalla, man fühlt seine wachsende Paranoia und fiebert mit ihm während er versucht seinen Widersachern zu entkommen. Sehr eindrucksvoll beschreibt Martin Booth einen Charakter, der sein Leben in Einsamkeit und Paranoia fristet. Wie geht man damit um, wenn man ständig das Gefühl haben muss verfolgt zu werden? Wie schafft man es mit seinen Mitmenschen zu interagieren ohne sie zu nah an sich heranzulassen? Schließlich könnte sich hinter jedem noch so freundlichen Gesicht ein potentieller Gegenspieler verbergen.
In einer Szene bekommt der Ich-Erzähler von seiner Freundin ein Geschenk überreicht, aber seine Reaktion ist nicht etwa Freude oder Dankbarkeit, sondern Furcht, dass das Päckchen eine Bombe enthalten könnte.

Zwischendurch erfährt man auch von der Vergangenheit der Hauptfigur, über seine diversen Einsätze, sei es in bürgerkriegsgeplagten Gegenden der Dritten Welt oder westlichen Metropolen, bei denen Größen der Politik oder der Wirtschaft eliminiert werden. All das wird so realistisch beschrieben, dass man glatt das Gefühl bekommen könnte, der Autor wäre selber in dieser Branche tätig gewesen.

"Es ist besser die Weise zu verändern, wie der Mensch die Welt wahrnimmt, als die Welt, die er wahrnimmt. Denken Sie einmal darüber nach." Immer wieder stößt man beim Lesen des Buches auf solche interessanten philosophischen Gedanken. Denn "The American" (der im Buch eigentlich ein Englishman ist), ist ein denkender und einfühlsamer Schurke, und gerade das macht ihn so interessant.
Man lernt ihn so gut kennen, dass man wenn man das Buch am Ende zuschlägt, das Gefühl hat für einige Stunden tatsächlich ein anderes Leben gelebt zu haben.
Ein großartiges Buch, das ich sicher nicht zum letzten Mal gelesen habe.

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