Martin Carrier Werte in den Wissenschaften

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Inhaltsangabe zu „Werte in den Wissenschaften“ von Martin Carrier

Welche Rolle spielen Werte in den Wissenschaften? Diese Frage bildet den Kern des Werturteilsstreits, einer der nachhaltigsten Debatten der Wissenschaftsphilosophie und Sozialphilosophie. Nach einem ersten Höhepunkt in den 1960er und 1970er Jahren wurde in jüngster Zeit eine Reihe neuer Ansätze zu diesem Thema entwickelt. Der Band präsentiert neue Aufsätze zum Werturteilsstreit, zum Teil in deutscher Erstübersetzung, sowie historische Schlüsseltexte der Debatte. Er bietet einen umfassenden Überblick über eine der wichtigsten Fragen der Wissenschaft.

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  • Wertfreiheit versus Wertbezogenheit in der Wissenschaft

    Werte in den Wissenschaften

    michael_lehmann-pape

    08. August 2013 um 15:42

      Ausgehend von dem durch Max Weber angestifteten, ersten „Werturteilsstreit“ (1917), steht die Frage nach dem Verhältnis von strikter „Neutralität der Wissenschaft“ und durchaus ja vorhandenen Werten in den Personen der Forschenden selbst, im Raum („Wertneutralität gegen Kadersozialisten“, wie Weber damals pointiert formulierte). Eine Reibung, die bis in die Gegenwart reicht und immer wieder mit neuen Argumenten von beiden Seiten neu aufflammt.   Im ersten Teil des Buches wird durch die verschiedenen Autoren zunächst die Geschichte der Werturteilsstreitigkeiten in ihren einzelnen Etappen und in ihren „klassischen Ausgangspunkten“ dargestellt, beginnend mit der auslösenden Schrift von Max Weber aus dem Jahre 1917 und führt durch die Repliken von Habermas und der Konkretisierung zur Frage der „kritischen Sozialwissenschaften“ über Dahms und Leo Strauss hin zu Rudner und Douglas mit ihrer Haltung „Pro externer Wertungen“ und endet mit den Einlassungen von Hempel um 1960 herum.   Eine fundierte Grundlegung zu den verschiedenen Haltungen, Wertungen und Rezeptionen der einzelnen Beiträge zum Werturteilsstreit im Laufe der Jahrzehnte, die als Basis für den zweiten Teil des vorliegenden Buches dienen, in dem vor allem das Argument der Notwendigkeit „externer und kategorischer Werturteile bei der Akzeptanz von Hypothesen“ in den Beiträgen von Douglas und Wilholt ausführlich diskutiert wird, um sodann in weitere Verzweigungen und neuere Ansätze zu führen.   Wie Wertneutralität und Wertbezogenheit ein „Zusammenspiel“ ergeben können, das ist das Thema des dritten Teils des Buches, in dem vor allem die Ausführungen von Doppelz zur „Wertgeladenheit wissenschaftlicher Erkenntnis“ eine Inklusion beider Haltungen voranbringt.   Dennoch muss diese Wertbezogenheit in behaupteter und vielfach auch anzustrebender Wertneutralität zumindest offen gelegt sein, erkennbar vor Augen stehen und darf nicht nur inhärent Motivation zur Forschung mit sein. Im vierten Teil des Buches erfolgt die kritische Diskussion der Gegenwart auf der Basis der bis dato dargelegten Linien der „Werte in den Wissenschaften“. Mit „Wissenschaft im Griff der Wirtschaft: Auswirkung kommerzieller Forschung auf den Erkenntnisgewinn“ zeigt Martin Carrier im Buch ebenso die grundlegende Problematik und Reibung von Wertfreiheit und Wertbezogenheit in den Wissenschaften für die Gegenwart auf, wie Matthais Adam der Frage „Interessen in wirtschaftsnaher Forschung – nutzen oder bannen?“ differenziert nachgeht.   Gerade der letzte Teil des Buches zeigt deutlich auf, dass es in der Ausgangsfrage nicht nur um eine theoretische und wissenschaftsimmanente Auseinandersetzung geht, sondern es in einem breiten Bereich der gesellschaftlich-ökonomische Kontext ist, der die Frage nach den Werten in der Wissenschaft so brisant gemacht hat und bis heute hält.   Der Leser erhält, auf hohem sprachlichen Niveau, teils auch abstrakten Darstellungen von Gedankengängen und nicht einfach zu lesen, einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Wertestreites in der Wissenschaft, die Grundlagen dieses Streites in der faktischen Welt und die Kernelemente der Grundfrage nach einer Wertebezogenheit in der Forschung und Wissenschaft, die bis heute für Reibung sorgen und  nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

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