Martin Doerry "Mein verwundetes Herz"

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Inhaltsangabe zu „"Mein verwundetes Herz"“ von Martin Doerry

Das Leben der Ärztin Lilli Jahn ist beispielhaft für die deutsch-jüdische Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.§Dem jüdischen bildungsbürgerlichen Milieu in Köln entstammend, entschließt sich Lilli Schlüchterer, gegen Widerstände den protestantischen Arzt Ernst Jahn zu heiraten. Die große Familie mit fünf Kindern lebt in Frieden in Immenhausen bei Kassel, bis die politischen Auswirkungen der nationalsozialistischen Politik auch das Leben der Jahns grundlegend verändern.§Der Riß zwischen Deutschen und Juden geht mitten durch die Familie, Ernst Jahn läßt sich von Lilli scheiden und liefert sie schutzlos der nationalsozialistischen Verfolgung aus. 1943 wird Lilli Jahn in ein Arbeitserziehungslager gebracht und beginnt eine lange, intensive Korrespondenz mit ihren nun auf sich selbst gestellten Kindern.§ Die Überlieferung der Briefe grenzt an ein Wunder: Es gelang Lilli Jahn, sie vor der Deportation nach Auschwitz einer Aufseherin anzuvertrauen, die sie dann den Kindern übergab. 1998, als der Sohn von Lilli, Gerhard Jahn, Bundesjustizminister im Kabinett Willy Brandts, starb, fand die Familie den kompletten Briefwechsel in seinem Nachlaß. Der Enkel Martin Doerry hat eine Auswahl getroffen und die Briefe mit zeitgeschichtlichen Hintergrundinformationen zu einem großen Lebensporträt zusammengestellt.§

gehört auf den stapel der bücher, die ich nie vergessen werde!

— Ein LovelyBooks-Nutzer

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  • Rezension zu ""Mein verwundetes Herz"" von Martin Doerry

    "Mein verwundetes Herz"

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. May 2009 um 16:08

    Das ist ein Buch mit absolutem Gänsehautfeeling. Unglaublich. Und seeeehr interessant, wie Lilli in den zwanziger Jahren in Köln ihr Medizinstudium absolviert - nach einer wohlbehüteten Kindheit und Jugend in ihrem Elternhaus- , eine junge, zielstrebige Frau, intellektuell und an den Künsten interessiert, sie genießt ihr Leben, geht ins Theater. Die Briefe, die sie an ihren schwermütigen Freund schreibt sind bezaubernd; Lilli war eine zarte feinfühlige Frau mit einem großen Herzen. An manchen Stellen, an denen sie ihren Freund und späteren Mann (ihren Amadé), stärkt, obwohl er auch andere Frauen trifft, kann ich sie nicht verstehen. Aus meiner heutigen Sicht. Verglichen mit meinen eigenen Erfahrungen in Liebesdingen verstehe ich aber, dass sie mit all ihrer Liebe absolut und unbeirrt (ohne Wenn und Aber) hinter ihm stand und auch vor den Eltern dazu, dass sie ihn wollte, obwohl er kein Jude war. Nichts ahnend, dass diese Verbindung ihr späteres Verhängnis werden sollte. Die Lebensgeschichte Lillis bis in die Zwanziger liest sich gut und es wird deutlich, dass Lilli für die damalige Zeit eine ziemlich selbstbewusste junge Frau war, die ihren Beruf liebte und diesen keineswegs aufgeben wollte; sie stand mit beiden Beinen fest im Leben. Die Dreißiger Jahre sind geprägt von schweren Zeiten. Immenhausen, in dem das Ehepaar Jahn ihre Praxis eröffnete, verwandelte sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zu einem Albtraum. Freunde sowie Bekannte zogen sich immer mehr zurück. Unter dem Druck öffentlicher Diffamierung wendet sich schließlich auch der Ehemann von Lilli ab. Im September 1943 wird Lilli im Arbeitserziehungslager Breitenau nahe Kassel interniert. Was nun folgt ist schier unbegreiflich. Herzzerreißende Korrespondenz zwischen Lilli und ihren fünf Kindern! Fast alle Briefe sind vollständig erhalten. Für mich war das Lesen dieser erschütternden Zeitdokumente spannend und traurig zugleich. Die Kinder schrieben mit einer Hilflosigkeit und Liebe an die Mutter; die Mutter ihrerseits ließ die Kinder nicht zu viel von ihrem Leid merken...auch sie war hilflos, konnte sie ihren Kindern nicht beistehen. Für mich wurde der Verfall Lillis in ihren Briefen (an liebe Freunde) immer deutlicher. Aus einer jungen, selbstbewussten Frau war ein eingeschüchterter Mensch geworden, der um seine zeitweise auf sich selbst gestellten Kinder bangte. Selten hat mich ein Buch so sehr berührt. Für mich gehört es an die Seite des Zeitdokuments Anne Frank Tagebuch. Sehr sehr berührt hat mich der letzte Brief von Lilli, aus dem hervorgeht, dass sie wusste, was sie in Auschwitz erwartete. Ich bin Martin Doerry, einem Enkel Lilli Jahns, sehr dankbar, dass er es ermöglicht hat, dieses Buch heraus zu geben und dass er die Briefe hierfür verwenden durfte. Sehr wohltuend, dass er nicht wertet, sondern sachlich den Rahmen für die Briefe anhand seiner erklärenden Berichte bildet und dadurch einen zeitlichen Kontext erschafft. Auch ganz bewegend: Viele Bilder, die Lilli mit ihren Kindern zeigen. Bilder aus glücklichen Tagen mit ihrem Ex-Mann und Bilder ihrer Eltern sind ebenfalls vorhanden. Eine Freundin Lillis hat ein Buch geschrieben, welches ich auch gern lesen möchte: Unter einem fremden Stern von Lotte Paepcke. Im Anhang ist eine Zeittafel Lilli Jahns, ein Namensverzeichnis über Lillis Familie, Freunde und Zeitgenossen, eine Danksagung von M. Doerry, eine Editorische Notiz und ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Ingesamt eine Lektüre, die ich nie vergessen werde ... !

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  • Rezension zu "Mein verwundetes Herz" von Martin Doerry

    "Mein verwundetes Herz"

    Cayenne

    07. March 2009 um 20:06

    Das Leben der Lilli Jahn ist ein erschütterndes und ergreifendes Zeitdokument des Holocaust,das aus Briefen von 1900-1944 zwischen Lilli und ihrer Familie besteht.Vorallem die liebevollen und erschütternden Zeilen,die ihre Töchter ihr ins Arbeitserziehungslager schreiben berühren tief.

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