Martin Dornes Die Modernisierung der Seele

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Inhaltsangabe zu „Die Modernisierung der Seele“ von Martin Dornes

Kinder und Eltern haben derzeit eine schlechte Presse. Kindeer sind angeblich entweder verwöhnt und tyrannisch oder verwahrlost und gewalttätig. Eltern setzen angeblich keine Grenzen, fordern die Kinder zu wenig oder fördern sie falsch. Trotz guten Willens seien viele Eltern einfach überfordert. Der Autor untersucht den Realitätsgehalt dieser Meinungen; sein Ergebnis: Kinder und Eltern sind besser als ihr Ruf.

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  • Rezension zu "Die Modernisierung der Seele" von Martin Dornes

    Die Modernisierung der Seele

    WinfriedStanzick

    08. May 2012 um 12:15

    Der 1950 geborene Psychoanalytiker, Soziologe und Psychotherapeut Martin Dornes, zur Zeit leitend tätig am Institut für Sozialforschung in Frankfurt, gehört zu den gegenwärtig wichtigsten Vertretern der Säuglings- und Kleinkindforschung im deutschsprachigen Raum. Insbesondere mit seinen ersten vier Büchern * Der kompetente Säugling. Frankfurt/M (Fischer) 1993 (14. Aufl. 2009) * Die frühe Kindheit. Frankfurt/M (Fischer) 1997 (9. Aufl. 2009) * Die emotionale Welt des Kindes. Frankfurt/M (Fischer) 2000 (6. Aufl. 2010) * Die Seele des Kindes. Frankfurt/M (Fischer) 2006 (3. Aufl. 2010) hat er grundlegende Erkenntnisse vermittelt, in denen er sich scharf von der bisherigen psychoanalytischen Theoriebildung über die frühe Kindheit abgrenzt, die er für viel zu spekulativ hält. Man kann, so sagt er immer wieder, nicht wie in der psychoanalytischen Theoriebildung aus den Erinnerungen von meist psychiatrisch auffälligen Erwachsenen eine Theorie der normalen Entwicklung des Menschen ableiten. Es müssen nach Dornes empirische Forschungsergebnisse in diese Theoriebildung einbezogen werden. In seinen Büchern und insbesondere in dem neuen hier vorliegenden, seine Forschungen zusammenfassenden Buch hat er das immer wieder getan. Die Erkenntnisse der Bindungstheorie nach John Bowlby, die Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und die Säuglings- und Kleinkindforschung sind hier wichtige Bausteine. In dem hier vorliegenden Buch „Die Modernisierung der Seele“ legt Martin Dornes eine umfassende wissenschaftlich fundierte Analyse vor von „Kind- Familie - Gesellschaft“. Neben der zusammenfassenden Wiederholung seiner schon bekannten Auffassungen über die Entwicklungspsychologie des Säuglings und Kleinkindes, schreibt er in acht Kapiteln so etwas wie eine Psycho- und Sozio-Analyse unserer gegenwärtigen Gesellschaft: 1. Kindheit heute: Ein problemorientierter Überblick 2. Die Situation der Erwachsenen 3. Neue Freiheiten: Von der Selbstverwirklichung zur Selbstfindung 4. Adoleszenz, Autoritätsverlust und Erziehungsprobleme 5. Die veränderte Integration in die Gesellschaft 6. Der Erziehungswandel und seine Folgen für die Psyche: Die postheroische Persönlichkeit 7. Weitere Überlegungen zum Verhältnis von kulturellem und psychischem Wandel 8. Haben psychische Krankheiten zugenommen? Am Ende fasst er zusammen: „Die vorstehenden Befunde und Ausführungen sollten zu einem realistischen Bild über die psychosoziale Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in der heutigen Gesellschaft beitragen; es steht in eigenartigem Kontrast zur öffentlichen Besorgnis.“ Das heißt: Kinder und Eltern, die Familie – sie sind besser als ihr Ruf. Die ganzen Debatten und Ratgeber über entweder verwöhnte und tyrannische oder verwahrloste und gewalttätige Kinder und ihre keine Grenzen setzenden und überforderten Eltern zeigen nach ihrer empirischen Überprüfung durch Dornes wenig wirklichen Realitätsbezug, sondern sind nur Ausdruck eines Diskurses, in dem die Prophezeiungen sich durch allfällige Wiederholung selbst zu erfüllen scheinen. Der tatsächliche psychosoziale Befund ist viel positiver und macht Mut, in der Familie, in den Sozialisationsinstanzen und in den vielfältigen Feldern von Erziehung, Beratung und Therapie auf die Entwicklungs- und Adaptionsfähigkeit der (jungen) Menschen zu setzen, anstatt immer nur zu klagen über die sicher auch vorhandenen Defizite. Ein wichtiges Buch, das man allen in der Erziehung, Pädagogik und Therapie tätigen Menschen nur empfehlen kann.

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