Martin Genahl Der Tag, an dem es Kapitalisten regnete

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Inhaltsangabe zu „Der Tag, an dem es Kapitalisten regnete“ von Martin Genahl

Berlin 1929: Ein Börsenmakler stürzt aus einem Bürogebäude in den Tod. Während die Polizei den Fall rasch als Selbstmord zu den Akten legt, gibt sich der Bruder des Toten damit nicht zufrieden. Mit Hilfe der illustren Musiker aus seiner Tanzkapelle Grammofox und der onorthodoxesten Ermittlungsmethoden der Kriminalgeschichte setzt Barmusiker Max Gerepolski eine fulminante Verbrecherjagd in der Hauptstadt der untergehenden Weimarer Republik in Gang. Eine stimmungsvoll-spannende Zeitreise in die Goldenen Zwanziger.

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  • Wenn die Kurse fallen, dann fällt auch so mancher Börsenmakler.

    Der Tag, an dem es Kapitalisten regnete

    Iudas

    09. June 2014 um 16:13

    Es ist das Jahr 1929, das als Krisenjahr der Börsengeschichte bekannt werden sollte. Der Schwarze Freitag war der Tag, an dem die große Börsenblase, die sich in den letzten Jahren der Goldenen Zwanziger, die so voller Musik, Licht und Show waren, langsam aufspekuliert hatte, zerplatzte. Es war der Tag, der so viele Menschen aus der bunten schillernden Welt in die harte Realität geworfen hatte, ohne eine Mark in der Tasche und bettelarm. Max Gerepolski, von seinen Freunden auch liebevoll Wahni genannt, ist der Mann am Kon­trabaß, an dem er zusammen mit seinem Musikerkollegen vom Berliner Musikensensemble Grammofox die Zuhörer mit der neuen Musik in swingende Laune versetzt. Er arbeitet hart für sein Brot, aber für ihn zählt nur die Musik. Anders als sein Bruder Bernd, der als erfolgrei­cher Spekulant an der Börse sein Geld macht und zahlreiche Liebschaften unterhalten kann. Doch dann kommt der Zusammenbruch und nicht nur die Börsenkurse fallen. Auch Max’ Bruder Bernd fällt – aus dem Fenster. Es sieht alles nach dem Selbstmord eines verzweifelten Spekulanten aus, doch Max zweifelt rasch diese Theorie an – ein so selbstverliebter Mensch wie sein Bruder hängt am Leben. Gemeinsam mit seinen Freunden macht er sich auf die Su­che nach dem Mörder seines Bruders. Waren es die sich immer wieder mit linksradikalen Banden prügelnden Nationalsozialisten oder eine der vielen Geliebten Bernds. Oder deren be­trogene Ehemänner? Das vor kurzem neu erschienene Werk von Martin Genahl trägt den schönen und interessan­ten Titel »Der Tag, an dem es Kapitalisten regnete« und erschien in dem für Kriminalroma­ne durchaus bekannten Emons: Verlag (der Kölner Verleger Hermann Josef Emons erhielt erst kürzlich auf der Crimanale in Berlin den Friedrich-Glauser-Ehrenpreis der Autoren für sein besonderes Engagement im Bereich der Kriminalliteratur). Dabei ist man hier als Leser nach den ersten Seiten erstmal etwas verwirrt. Hat man hier wirk­lich einen historischen Kriminalroman, wie auf dem Cover versprochen, in den Händen? His­torisch ist es allemal, spielt das ganze kleine Geschichtchen doch in der wunderbar farbenfro­hen Welt des Berlins der Goldenen Zwanziger. Aber seitenlang kein Kriminalfall in Sicht. Die Gruppe tingelt duch Berlin von einer Aufführung zur nächsten, man wird mit den Personen vertraut gemacht und erhält Einblicke in die Charaktere. Es ist fast eine Hommage an die Zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, wie es da schillernd brummte und summte, aber trotzallem auch dunkle, gefährliche Ecken gab, in denen man um sein Leben bangen mußte. Aber man gewinnt doch zunehmend den Eindruck, daß es hier mehr um alte Schlager der Zeit geht, die immer wieder in das Geschehen einfließen und deren Texte das Geschehen wie im Hintergrund laufende Musik durchdringen. Zugegeben, ich mag diese Lieder und habe mir zahlreiche der erwähnten Titel nach dem Lesen auch zu Gemüte geführt, aber in der Erzäh­lung verfehlten sie doch ihre Wirkung – sei es zur Untermalung der Kulisse oder zur Verdeut­lichung der Erzählung. Besonders bedauerlich fand ich dann doch den Kriminalfall, auch den man so gespannt warte­te. Er kam rasch, wurde rasch durchgespielt und verschwand ebenso rasch. Wirklich dabei­sein war da nicht und dramturgisch wurde das Ganze nicht wirklich spannend aufgebaut. Die Person des Lebemannes Bernd war dem Leser von Anfang an schon nicht besonders ange­nehm und wirklich nah kam man ihr nie – im Grunde ist sein Tod dem Leser so egal wie es den Polizisten war, die den Fall fünf Minuten nach Bekanntwerden zu den Selbstmordakten legten. Max Gerepolski verkommt hier zur Statistenfigur, die zwar verzweifelt versucht, sich durch das Berliner Gewirr zu schlagen und mit seiner pulsierenden linken Ader etwas zu bewegen, aber im Grunde sind es dann doch zwei seiner Freunde, die letztendlich den Sherlock Holmes geben können. Aber davon bekommt man erst am Ende etwas mit. Währenddessem wird die Zeit in der Kneipe des Freunde mit zahlreichen Bier totgeschlagen und man redet über alles, was die Republik bewegt. Und wenn man doch mal aus der Tür geht, um in einem Außenein­satz dem Mörder auf die Schliche zu kommen, gerät man doch promt in einen Konflikt mit den Nationalsozialisten. Es ist aber durchaus lobenswert zu erwähnen, mich welcher Sorgfalt er die Personen, die hier miteinander agieren (vornehmlich der illustre Kreis um Max), in ihrem Wesen darstellte. Da fand sich auch Platz für die aufkommende Debatte um die Rolle der Frau oder um die politische Zukunft Deutschlands, das innerhalb des Freundeskreises für reichlich Zündstoff und gute Unterhaltung sorgte. Und eines muß noch lobend erwähnt werden, wobei ich es fast schon betrüblich finde, daß dem so ist: es war schön, endlich mal wieder einem Protagonisten zu begegnen, dem nicht auf Teufel komm’ raus eine Herzensdame an die Seite gestellt wurde, in die er sich im Laufe der Geschichte zu verlieben hatte und mit der er anschließend im Bett landete. Dabei ist der Erzählstil – komplett und chronologisch (mit einer Rahmenerzählung) aus der Sicht Max Gerepolskis – wirklich interessant gestaltet. Genahl läßt seinen Protagonisten sich gewählt und im Stile der Zeit ausdrücken und man kann sich gut in die Zeit und Art der Protagonisten verset­zen. Dabei will man auch den Humor nicht zu kurz kommen lassen und streut immer wieder kleine Wortwitze ein, die durchaus auch zünden, den Leser amüsieren und bei der Stange hal­ten, wenn er sich mal wieder fragt, wo denn eigentlich die spannende Handlung hin ist. Ja, von dieser Seite betrachtet, ist der Roman durchaus lesenwert und macht auch Spaß. Als be­sonderes Späßchen hätte ich – antiquiert wie ich bin – es gefunden, hätte man passend zum Schreibstil auch die alte Rechtschreibung gewählt, denn gerade hier fiel mir die neue Recht­schreibung doch störend ins Auge. Dramaturgisch bleibt der Kriminalroman allerdings stellenweise auf der Strecke, erweist sich des öfteren als Zusammenreihung verschiedener Themen, die man einfach abhandeln muß, wenn man über die Zeit schreibt – so zum Beispiel Straßenkämpfe, Schlager und Aufkommen des Radios. Aber für Freunde historischer Romane, die in dieser, noch nicht lang entfernten Epoche unserer Geschichte spielen, ist das durchaus eine Empfehlung von mir an euch. Und wer sagt schon, wie ein regulärer Kriminalfall gestrickt zu sein hat? Ich danke dem Emons: Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars.

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