Martin Horváth

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Mein Name ist Judith

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Erschienen am 25.03.2019

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Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth
Literaturvor 6 Jahren

Ali, der Erzähler mit dem poetischen, unbekannten Namen, lebt in einem Asylheim in Wien, wobei er dem Leser seine ganz eigene Sichtweise vom Leben und Alltag in dieser kleinen Welt, vom Leben, den Traumata und den Träumen seiner Mitbewohner erzählt. Seine Sichtweise ist gefärbt von Selbstherrlichkeit, Neugierde und sexuellem Überbau, aber ich finde, dass deutlich wird, dass dies eine notwendige Fassade ist, um sein Trauma vor sich und anderen zu verbergen.
Die Verzahnung der alltäglichen Anekdoten aus dem Asylbewerberheim mit den so persönlichen und gewaltintensiven Vorerfahrungen der Jugendlichen ist äußerst gelungen wie auch die Mischung aus tragischen und komischen Momenten und aus Deskription und Sarkasmus. Die Menschen dort leben in einem künstlich erschaffenen Lebensraum, kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen und müssen dennoch miteinander harmonieren, auch das wird außergewöhnlich gut beschrieben.
Die poetische, spielerische, aber auch direkte Sprache fordert Zeit und ein bewusstes Lesen, um ihre Wirkung entfalten zu können.
Insgesamt ist der Roman außergewöhnlich vielschichtig, tiefsinnig, sprachlich gewitzt und berührend. Er fordert den Leser auf bedrängende Weise zum Nachdenken auf, verbindet Tragik und Komik auf erschütternde, wach rüttelnde Weise, lässt den Leser einerseits nicht los, bringt ihn jedoch auch an seine Grenzen. Sprachlich und inhaltlich ist dieser Roman eine sehr intensive Leseerfahrung, die sich tief einprägt und die ein mutiges, wichtiges und aufwühlendes Thema beinhaltet!

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Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth
missingpiecevor 6 Jahren

Mohr im Hemd oder Wie ich auszog die, Welt zu retten.

Ali, nach eigenen Angaben 15 Jahre alt nimmt uns mit auf eine Reise in eine andere Welt. Eine Welt, die uns rein global betrachtet sehr nah ist und jeder von uns sehen könnte, würden wir nur mit offenen Augen durchs Leben gehen...und doch ist auch mir diese Welt, Alis Welt, die Welt der Asylbewerber völlig fremd.
Das Buch rüttelt wach, berührt und regt zum Nachdenken an, mich zumindest.

Auf den Inhalt möchte ich gar nicht groß eingehen, denn ich möchte nichts vorweg nehmen.
Schreckliche Geschichten, die in einem Ayslantenheim aufeinandertreffen und von Ali auseinander gepflügt, zusammengesetzt und verdaut werden....

Der Schreibstil hat mir von Anfang an sehr, sehr gut gefallen. Er ist einfühlsam, wortgewaltig und einfach nur schön.

Im Gegensatz zu vielen Anderen Lesern mag ich Ali, den Protagonisten.
Vielleicht nicht in dem Maße, wie ich Protagonisten anderer Geschichten mag. Er ist mir nicht nah aber ich kann ihn oft verstehen, finde sein Gebaren nicht immer bzw. meistens nicht korrekt, jedoch muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass Ali ein junger Mann ist, der seine ganze Familie, sein Leben verloren hat und mitten in einem fremden Land, unter fremden Menschen sitzt, mag er auch so großkotzig tun und einzig und allein auf das Wohlwollen eines Staatsapparates angewiesen ist, das für sein ganzes Leben von riesiger Bedeutung sein wird.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, auch, wenn es schwer zu lesen war bzw. ich häufig Pausen von einigen Wochen gemacht habe, bis ich weitergelesen habe.
Auch hat es mich nicht gefesselt, wie beispielsweise andere Geschichten und trotzdem bin ich dankbar, für die Einblicke, die dieses Buch gewährt.

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Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth
Marcuriavor 6 Jahren

Martin Horváths Debütroman "Mohr im Hemd" spielt in einem Asylantenheim in Wien, genauer gesagt primär im "Leo", dem dortigen Bereich der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Einer der Bewohner ist der Protagonist Ali - angeblich 15 Jahre alt, ursprünglich aus Afrika, vorlaut und allwissend. Der selbsternannte „Anwalt der Unterdrückten und Übervorteilten, der Beschützer der Geschmähten und Gedemütigten, der Retter der Witwen und Waisen“ fühlt sich dazu auserkoren, die Geschichten seiner Mitbewohner zu erfahren und wiederzugeben.
„Jeder von euch hat viel Trauriges erlebt, aber es nützt nichts, das Erlebte zu verschweigen. Ihr müsst darüber reden, müsst es loswerden, sonst bleibt es für immer in euch gefangen.“ (S.29)
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Es sind die Geschichten von gescheiterten und geglückten Fluchtgeschichten, getöteten und traumatisieren Flüchtlingen, Geschichten von Gewalt, Rassismus, dem Zwang zur Prostitution oder dem Einsatz als Kindersoldat. Geschichten über Abschiebung, Verweisung, Einweisung, Geschichten über die geringen Chancen der Asylanwärter.
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Diese Schicksale könnten berühren, nachdenklich stimmen, etwas bewirken, wenn sie im richtigen Licht dargestellt worden wären. "Mohr im Hemd" weist aber einen kindischen, arroganten und vor allem anstrengenden Erzähler auf, bei dem es nahezu unmöglich ist, Sympathie aufzubauen. Während Ali zu Beginn des Buches noch durchaus Wortwitz zeigt und seine offene, vollkommen von sich selbst überzeugte Art zu lustigen Situationen führt, wird sein Charakter mit der Zeit immer überspitzter und dadurch unglaubwürdig, sowie zwangsläufig nervig. Anstatt seinen Mitbewohnern wirklich zuzuhören, macht er sich bald nur noch über sie lustig, springt ständig singend und reimend durch die Gegend, redet wirr und erlebt stets komischere Situationen, da die gesamte Handlung immer mehr ins Lächerlich-Überspitzte abdriftet. Dies wird zwar am Ende erklärt, ändert für mich aber nichts daran, dass dieses Buch ohne jenen anstrengenden Protagonisten sehr viel besser hätte sein können.
Meiner Meinung nach wären die zahlreichen Schicksale viel aussagekräftiger und einprägsamer gewesen, wenn sie in Form von kurzen Kapiteln in einem Erzählband oder aber normal mit einem Erzähler, der nicht Teil der Geschichte ist, präsentiert worden wären.
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Martin Horváths Schreibstil ist an sich gut und interessant, geht aber in der Wirrheit der Geschichte mit der Zeit völlig unter, passt sich der Affigkeit des Protagonisten an, um am Ende plötzlich wie ein zu weit aufgeblasener Ballon laut zu explodieren und nichts als lauwarme Luft sowie farbenfrohe, doch bedeutungslose Fetzen um sich zu werfen.
"Mohr im Hemd" ist bisher das einzige Buch, bei dem mir der Anfang gut gefallen hat, während das Ende die reine Qual darstellte. Bei dieser Krönung der Überspitzung schleicht sich das Gefühl ein, dass dem Autor für dieses wirre Buch schlichtweg kein gutes Ende mehr einfallen wollte. Er verweist in der Danksagung sogar auf einen Freund, der ihm die Idee für den Epilog gegeben habe. Jenes Ende war leider dermaßen unnötig und anstrengend, dass es für mich nur schwer zu ertragen war.
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Insgesamt befasst sich "Mohr im Hemd" mit einer wichtigen Thematik, die aber durch das zunehmende Abdriften ins Phantastische immer unglaubwürdiger und lächerlicher dargestellt wird, wodurch das Buch im Endeffekt kaum zu berühren, geschweige denn zu beschäftigen weiß.

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Damit Sie's gleich wissen: Meine Haut ist braun. Dunkelbraun. Man könnte auch sagen kaffeebraun, was man natürlich in dieser Stadt der tausend Kaffeehäuser etwas präziser formulieren muss...“

Einfühlsam und wortgewaltig – Aban“

Mutig und unerhört komisch – SchöneSeiten“

(Quelle: Amazon)

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Die ausschließlich positiven Bewertungen zu Martin Horváths Debütroman machen Lust auf Mehr! Angesichts der doch eher ernsten Thematik des Fremdseins, der Diskriminierung und verhärteten Vorurteilen gegenüber einer Bevölkerungsgruppe muss es sich also um eine textuell brilliante Umsetzung handeln.

Martin Horváth wurde 1967 in Wien geboren, studierte an der dortigen Universität für Musik und darstellende Kunst und lebt seit 1988 als freischaffender Musiker. Während eines mehrjährigen New-York-Aufenthalts arbeitete er als Journalist und Übersetzer sowie an einem Forschungsprojekt zur Geschichte der österreichisch-jüdischen Emigration in die USA. Für seine Kurzprosa, Essays und andere Texte erhielt er Preise und Stipendien. "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" ist sein erster Roman.

Zum Inhalt:

Ali hat seine Augen und Ohren überall. Er ist – so behauptet er jedenfalls – fünfzehn Jahre alt und kommt irgendwo aus dem Westen Afrikas, spricht nach eigenen Angaben vierzig Sprachen und Deutsch am allerbesten und weiß genauestens Bescheid über das Leben und Sterben in den ärmeren Ländern der Welt. Ali kann alles, kennt alles und fristet sein Dasein nur aus einem Grund in einem Wiener Asylbewerberheim: Er, der Anwalt der Unterdrückten, der Beschützer aller Gedemütigten, hat es sich zur ehrenhaften Aufgabe gemacht, seine Mitinsassen von ihren Ängsten und Albträumen zu befreien. Seine Wunderwaffe: das Erzählen. Ali ist ein Erzählverführer, der mit beißendem Spott und subversivem Humor bewaffnet zur täglichen Weltrettung antritt.“


Ein scharfsichtiger Roman, der wortmächtig und voller unerschöpflicher Fabulierlust unserer Welt den Spiegel vorhält.

Der DVA-Verlag stellt 20 Exemplare für eine Leserunde zur Verfügung.

Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen, euch mit anderen Lesern austauschen und am Ende euer persönliches Feedback in einer Rezension formulieren wollt, dann beantwortet folgende Frage:


In welcher Situation habt ihr selbst einmal das Gefühl von Fremdheit erfahren müssen?


Teilnahmeschluss ist der 7. September, 23.59 Uhr.


Die Leserunde wird von Martin Horváth begleitet!

Eine Leseprobe zum Text findet ihr unter folgendem Link:

http://www.randomhouse.de/Buch/Mohr-im-Hemd-oder-Wie-ich-auszog-die-Welt-zu-retten-Roman/Martin-Horvath/e392914.rhd?mid=4&serviceAvailable=true&showpdf=false#tabbox


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Letzter Beitrag von  Literaturvor 6 Jahren
Meiner Rezension voranstellen möchte ich ein riesiges Entschuldigung, da ich ganz vergessen habe, dass meine Rezension noch aussteht ... . Herzlichen Dank, dass ich mitlesen durfte. Ali, der Erzähler mit dem poetischen, unbekannten Namen, lebt in einem Asylheim in Wien, wobei er dem Leser seine ganz eigene Sichtweise vom Leben und Alltag in dieser kleinen Welt, vom Leben, den Traumata und den Träumen seiner Mitbewohner erzählt. Seine Sichtweise ist gefärbt von Selbstherrlichkeit, Neugierde und sexuellem Überbau, aber ich finde, dass deutlich wird, dass dies eine notwendige Fassade ist, um sein Trauma vor sich und anderen zu verbergen. Die Verzahnung der alltäglichen Anekdoten aus dem Asylbewerberheim mit den so persönlichen und gewaltintensiven Vorerfahrungen der Jugendlichen ist äußerst gelungen wie auch die Mischung aus tragischen und komischen Momenten und aus Deskription und Sarkasmus. Die Menschen dort leben in einem künstlich erschaffenen Lebensraum, kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen und müssen dennoch miteinander harmonieren, auch das wird außergewöhnlich gut beschrieben. Die poetische, spielerische, aber auch direkte Sprache fordert Zeit und ein bewusstes Lesen, um ihre Wirkung entfalten zu können. Insgesamt ist der Roman außergewöhnlich vielschichtig, tiefsinnig, sprachlich gewitzt und berührend. Er fordert den Leser auf bedrängende Weise zum Nachdenken auf, verbindet Tragik und Komik auf erschütternde, wach rüttelnde Weise, lässt den Leser einerseits nicht los, bringt ihn jedoch auch an seine Grenzen. Sprachlich und inhaltlich ist dieser Roman eine sehr intensive Leseerfahrung, die sich tief einprägt und die ein mutiges, wichtiges und aufwühlendes Thema beinhaltet!
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