Ich hatte richtig Lust auf dieses Buch. Familiengeschichten mit historischem Tiefgang, vor allem rund um den Holocaust, lese ich viel - vorausgesetzt, ich bin in der passenden Stimmung. Und die war definitiv da.
Trotzdem fiel mir der Einstieg überraschend schwer. Der Erzählstil ist sehr ausschweifend, fast schon sperrig. Ich fand lange keinen echten Zugang zur Handlung oder den Figuren. Mehr als einmal stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Und dennoch: Etwas hielt mich - vielleicht die Hoffnung auf eine unerwartete Wendung, vielleicht einfach die Neugier. Auch wenn ich ehrlich sagen muss: Das Ende hat mich nicht überrascht.
Was das Buch aber durchaus interessant macht, sind die Zeitsprünge. Sie fordern Aufmerksamkeit, belohnen aber mit tieferen Einblicken in die Lebenswirklichkeit der Personen - damals wie heute. Diese Struktur kann für manche Lesende verwirrend wirken, trägt aber zur Komplexität der Geschichte bei.
Die Thematik - jüdische Identität, Erinnerung, Verlust, Vergangenheit und Gegenwart - wird mit einer gewissen Tiefe behandelt, bleibt aber für meinen Geschmack streckenweise zu distanziert. Das Erzählerische bleibt mir manchmal zu verkopft.
„Mein Name ist Judith“ ist eine anspruchsvolle Familiensaga, die sich mit wichtigen Themen auseinandersetzt, mich persönlich aber emotional nicht ganz erreichen konnte. Es ist kein Holocaust-Roman, der mir lange im Gedächtnis bleiben wird - auch wenn er definitiv Denkanstöße liefert.
©2025 adlatb










