Martin Horváth Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

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Inhaltsangabe zu „Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten“ von Martin Horváth

Voller Fabulierlust und Tragikomik Ali hat seine Augen und Ohren überall. Er ist – so behauptet er jedenfalls – fünfzehn Jahre alt und kommt irgendwo aus dem Westen Afrikas, spricht nach eigenen Angaben vierzig Sprachen und Deutsch am allerbesten und weiß genauestens Bescheid über das Leben und Sterben in den ärmeren Ländern der Welt. Ali kann alles, kennt alles und fristet sein Dasein nur aus einem Grund in einem Wiener Asylbewerberheim: Er, der Anwalt der Unterdrückten, der Beschützer aller Gedemütigten, hat es sich zur ehrenhaften Aufgabe gemacht, seine Mitinsassen von ihren Ängsten und Albträumen zu befreien. Seine Wunderwaffe: das Erzählen. Ali ist ein Erzählverführer, der mit beißendem Spott und subversivem Humor bewaffnet zur täglichen Weltrettung antritt. Ein scharfsichtiger Roman, der wortmächtig und voller unerschöpflicher Fabulierlust unserer Welt den Spiegel vorhält.

Berührend, schockierend, unvergesslich. Mein Horizont ist mit jedem gelesenen Satz gewachsen.

— LeBoudoir

Dieses Buch werde ich nicht so schnell vergessen!

— aba

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  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    Literatur

    10. January 2013 um 18:37

    Ali, der Erzähler mit dem poetischen, unbekannten Namen, lebt in einem Asylheim in Wien, wobei er dem Leser seine ganz eigene Sichtweise vom Leben und Alltag in dieser kleinen Welt, vom Leben, den Traumata und den Träumen seiner Mitbewohner erzählt. Seine Sichtweise ist gefärbt von Selbstherrlichkeit, Neugierde und sexuellem Überbau, aber ich finde, dass deutlich wird, dass dies eine notwendige Fassade ist, um sein Trauma vor sich und anderen zu verbergen. Die Verzahnung der alltäglichen Anekdoten aus dem Asylbewerberheim mit den so persönlichen und gewaltintensiven Vorerfahrungen der Jugendlichen ist äußerst gelungen wie auch die Mischung aus tragischen und komischen Momenten und aus Deskription und Sarkasmus. Die Menschen dort leben in einem künstlich erschaffenen Lebensraum, kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen und müssen dennoch miteinander harmonieren, auch das wird außergewöhnlich gut beschrieben. Die poetische, spielerische, aber auch direkte Sprache fordert Zeit und ein bewusstes Lesen, um ihre Wirkung entfalten zu können. Insgesamt ist der Roman außergewöhnlich vielschichtig, tiefsinnig, sprachlich gewitzt und berührend. Er fordert den Leser auf bedrängende Weise zum Nachdenken auf, verbindet Tragik und Komik auf erschütternde, wach rüttelnde Weise, lässt den Leser einerseits nicht los, bringt ihn jedoch auch an seine Grenzen. Sprachlich und inhaltlich ist dieser Roman eine sehr intensive Leseerfahrung, die sich tief einprägt und die ein mutiges, wichtiges und aufwühlendes Thema beinhaltet!

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  • Leserunde zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    Sophia!

    „Damit Sie's gleich wissen: Meine Haut ist braun. Dunkelbraun. Man könnte auch sagen kaffeebraun, was man natürlich in dieser Stadt der tausend Kaffeehäuser etwas präziser formulieren muss...“ „Einfühlsam und wortgewaltig – Aban“ „Mutig und unerhört komisch – SchöneSeiten“ (Quelle: Amazon) _ Die ausschließlich positiven Bewertungen zu Martin Horváths Debütroman machen Lust auf Mehr! Angesichts der doch eher ernsten Thematik des Fremdseins, der Diskriminierung und verhärteten Vorurteilen gegenüber einer Bevölkerungsgruppe muss es sich also um eine textuell brilliante Umsetzung handeln. Martin Horváth wurde 1967 in Wien geboren, studierte an der dortigen Universität für Musik und darstellende Kunst und lebt seit 1988 als freischaffender Musiker. Während eines mehrjährigen New-York-Aufenthalts arbeitete er als Journalist und Übersetzer sowie an einem Forschungsprojekt zur Geschichte der österreichisch-jüdischen Emigration in die USA. Für seine Kurzprosa, Essays und andere Texte erhielt er Preise und Stipendien. "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" ist sein erster Roman. Zum Inhalt: „Ali hat seine Augen und Ohren überall. Er ist – so behauptet er jedenfalls – fünfzehn Jahre alt und kommt irgendwo aus dem Westen Afrikas, spricht nach eigenen Angaben vierzig Sprachen und Deutsch am allerbesten und weiß genauestens Bescheid über das Leben und Sterben in den ärmeren Ländern der Welt. Ali kann alles, kennt alles und fristet sein Dasein nur aus einem Grund in einem Wiener Asylbewerberheim: Er, der Anwalt der Unterdrückten, der Beschützer aller Gedemütigten, hat es sich zur ehrenhaften Aufgabe gemacht, seine Mitinsassen von ihren Ängsten und Albträumen zu befreien. Seine Wunderwaffe: das Erzählen. Ali ist ein Erzählverführer, der mit beißendem Spott und subversivem Humor bewaffnet zur täglichen Weltrettung antritt.“ Ein scharfsichtiger Roman, der wortmächtig und voller unerschöpflicher Fabulierlust unserer Welt den Spiegel vorhält. Der DVA-Verlag stellt 20 Exemplare für eine Leserunde zur Verfügung. Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen, euch mit anderen Lesern austauschen und am Ende euer persönliches Feedback in einer Rezension formulieren wollt, dann beantwortet folgende Frage: In welcher Situation habt ihr selbst einmal das Gefühl von Fremdheit erfahren müssen? Teilnahmeschluss ist der 7. September, 23.59 Uhr. Die Leserunde wird von Martin Horváth begleitet! Eine Leseprobe zum Text findet ihr unter folgendem Link: http://www.randomhouse.de/Buch/Mohr-im-Hemd-oder-Wie-ich-auszog-die-Welt-zu-retten-Roman/Martin-Horvath/e392914.rhd?mid=4&serviceAvailable=true&showpdf=false#tabbox

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  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    missingpiece

    21. November 2012 um 18:38

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog die, Welt zu retten. Ali, nach eigenen Angaben 15 Jahre alt nimmt uns mit auf eine Reise in eine andere Welt. Eine Welt, die uns rein global betrachtet sehr nah ist und jeder von uns sehen könnte, würden wir nur mit offenen Augen durchs Leben gehen...und doch ist auch mir diese Welt, Alis Welt, die Welt der Asylbewerber völlig fremd. Das Buch rüttelt wach, berührt und regt zum Nachdenken an, mich zumindest. Auf den Inhalt möchte ich gar nicht groß eingehen, denn ich möchte nichts vorweg nehmen. Schreckliche Geschichten, die in einem Ayslantenheim aufeinandertreffen und von Ali auseinander gepflügt, zusammengesetzt und verdaut werden.... Der Schreibstil hat mir von Anfang an sehr, sehr gut gefallen. Er ist einfühlsam, wortgewaltig und einfach nur schön. Im Gegensatz zu vielen Anderen Lesern mag ich Ali, den Protagonisten. Vielleicht nicht in dem Maße, wie ich Protagonisten anderer Geschichten mag. Er ist mir nicht nah aber ich kann ihn oft verstehen, finde sein Gebaren nicht immer bzw. meistens nicht korrekt, jedoch muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass Ali ein junger Mann ist, der seine ganze Familie, sein Leben verloren hat und mitten in einem fremden Land, unter fremden Menschen sitzt, mag er auch so großkotzig tun und einzig und allein auf das Wohlwollen eines Staatsapparates angewiesen ist, das für sein ganzes Leben von riesiger Bedeutung sein wird. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, auch, wenn es schwer zu lesen war bzw. ich häufig Pausen von einigen Wochen gemacht habe, bis ich weitergelesen habe. Auch hat es mich nicht gefesselt, wie beispielsweise andere Geschichten und trotzdem bin ich dankbar, für die Einblicke, die dieses Buch gewährt.

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  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    Marcuria

    06. November 2012 um 22:13

    Martin Horváths Debütroman "Mohr im Hemd" spielt in einem Asylantenheim in Wien, genauer gesagt primär im "Leo", dem dortigen Bereich der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Einer der Bewohner ist der Protagonist Ali - angeblich 15 Jahre alt, ursprünglich aus Afrika, vorlaut und allwissend. Der selbsternannte „Anwalt der Unterdrückten und Übervorteilten, der Beschützer der Geschmähten und Gedemütigten, der Retter der Witwen und Waisen“ fühlt sich dazu auserkoren, die Geschichten seiner Mitbewohner zu erfahren und wiederzugeben. „Jeder von euch hat viel Trauriges erlebt, aber es nützt nichts, das Erlebte zu verschweigen. Ihr müsst darüber reden, müsst es loswerden, sonst bleibt es für immer in euch gefangen.“ (S.29) . Es sind die Geschichten von gescheiterten und geglückten Fluchtgeschichten, getöteten und traumatisieren Flüchtlingen, Geschichten von Gewalt, Rassismus, dem Zwang zur Prostitution oder dem Einsatz als Kindersoldat. Geschichten über Abschiebung, Verweisung, Einweisung, Geschichten über die geringen Chancen der Asylanwärter. . Diese Schicksale könnten berühren, nachdenklich stimmen, etwas bewirken, wenn sie im richtigen Licht dargestellt worden wären. "Mohr im Hemd" weist aber einen kindischen, arroganten und vor allem anstrengenden Erzähler auf, bei dem es nahezu unmöglich ist, Sympathie aufzubauen. Während Ali zu Beginn des Buches noch durchaus Wortwitz zeigt und seine offene, vollkommen von sich selbst überzeugte Art zu lustigen Situationen führt, wird sein Charakter mit der Zeit immer überspitzter und dadurch unglaubwürdig, sowie zwangsläufig nervig. Anstatt seinen Mitbewohnern wirklich zuzuhören, macht er sich bald nur noch über sie lustig, springt ständig singend und reimend durch die Gegend, redet wirr und erlebt stets komischere Situationen, da die gesamte Handlung immer mehr ins Lächerlich-Überspitzte abdriftet. Dies wird zwar am Ende erklärt, ändert für mich aber nichts daran, dass dieses Buch ohne jenen anstrengenden Protagonisten sehr viel besser hätte sein können. Meiner Meinung nach wären die zahlreichen Schicksale viel aussagekräftiger und einprägsamer gewesen, wenn sie in Form von kurzen Kapiteln in einem Erzählband oder aber normal mit einem Erzähler, der nicht Teil der Geschichte ist, präsentiert worden wären. . Martin Horváths Schreibstil ist an sich gut und interessant, geht aber in der Wirrheit der Geschichte mit der Zeit völlig unter, passt sich der Affigkeit des Protagonisten an, um am Ende plötzlich wie ein zu weit aufgeblasener Ballon laut zu explodieren und nichts als lauwarme Luft sowie farbenfrohe, doch bedeutungslose Fetzen um sich zu werfen. "Mohr im Hemd" ist bisher das einzige Buch, bei dem mir der Anfang gut gefallen hat, während das Ende die reine Qual darstellte. Bei dieser Krönung der Überspitzung schleicht sich das Gefühl ein, dass dem Autor für dieses wirre Buch schlichtweg kein gutes Ende mehr einfallen wollte. Er verweist in der Danksagung sogar auf einen Freund, der ihm die Idee für den Epilog gegeben habe. Jenes Ende war leider dermaßen unnötig und anstrengend, dass es für mich nur schwer zu ertragen war. . Insgesamt befasst sich "Mohr im Hemd" mit einer wichtigen Thematik, die aber durch das zunehmende Abdriften ins Phantastische immer unglaubwürdiger und lächerlicher dargestellt wird, wodurch das Buch im Endeffekt kaum zu berühren, geschweige denn zu beschäftigen weiß.

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  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    michaela_sanders

    30. October 2012 um 21:35

    Der Autor berichtet in sehr schönen warmherzigen Worte, von dem leben im asylntenheim. Sein Held Ali, erfährt Geschichten Boden anderen Heimbewohner. Ein Buch das ich sehr empfehlen kann, weil der Autor eine wunderschöne Sprache wählt, viel stellen finde ich ansprechend, warm und weise und manchmal auch nur witzig - "Wie alt bist du, Ali?...Auf dem papier steht geschrieben, dass ich zu alt bin um nur zu spielen , zu jung um ohne Wunsch zu sein" - Ich bin ein UMF, ein Unbekleideter Minderjähriger Flüchtling. - Fenetrer gehört für den alpinen franzosen zum fixen Bestandteild es vorspiels, vor dem penetrer, ist sozusagen das um und auf, vor dem rein und raus. Mich hat das Buch sehr berührt, vor allem wegen dem Schicksal aller Bewohner des asylntenheim. Ich bin aber nur sehr langsam vorangekommen. Was Sicher zum Teil daran lag, dass ich mich gerade in einem hektischen Abschnitt meines Lebens befinde und mir das Buch zu "langsam" war. Deshalb leider nur 3 Sternchen von mir.

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  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    28. October 2012 um 18:28

    Ein Buch, dass mich gespalten zurück lässt... * "Nun, meine Aufgabe ist es, den Geschichten meiner Mitbewohner hinterherzuspüren. Es sind Geschichten mit vielen exotischen Namen, die schwer zu merken sein mögen, Geschichten, so sei ausdrücklich gewarnt, in denen eindeutig die dunklen Kapitel überwiegen." (S. 12) * Ali lebt gemeinsam mit über hundert anderen Menschen in Wien in einem Asylantenwohnheim. Ali ist 15 Jahre alt und spricht vierzig Sprachen. Ali weiß einfach alles und spürt den Geschichten seiner Mitbewohner hinterher... * Oh we - letztens habe ich gelesen, dass es vielen Lesern am schwersten fällt ein Drei-Sterne-Buch zu bewerten, und ich muss sagen, dass es stimmt. Es gibt nichts was einen über die Maße begeistert hat, aber auch nichts, worüber man sich schwarz geärgert hat. Aber ich starte jetzt meinen Versuch. * Das schönste und auffälligste an diesem Buch ist definitiv Martin Horvaths Schreibstil. Er schreibt so toll und so abwechslungsreich. Mal poetisch, mal mit sehr spitzer Zunge und mal voller Witz und Ironie - sein Sprachstil ist einfach und schlicht beeindruckend. Er versteht es ohne Probleme mit den Worten umzugehen und fast schon brillante Sätze zu formulieren. Vielleicht müsste ich einfach noch ein anderes Buch von ihm lesen, vielleicht würden dann Geschichte und Stil zusammen passen oder zusammen wachsen. * Die Geschichte an und für sich fand ich sehr schwer. Natürlich geht es in einem Asylantenwohnheim nicht lustig zu. Menschen, die schlimmes gesehen oder erlebt haben werden dort geparkt, bis man weiß, wie es mit ihnen weitergeht. Ob sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen oder ausgewiesen werden. Andere Menschen haben die Möglichkeit diese Leben mit einem Wort oder einem Schriftstück zu zerstören - oder wieder lebenswert zu machen. Natürlich sind viele Geschichten traurig,m aber auch das ist in Ordnung. * Nicht klar gekommen bin ich allerdings mit Ali - und ich denke, dass das schon das Hauptproblem ist. Wie soll man in einer Geschichte versinken und sie genießen, wenn man den Hauptprotagonisten und in diesem Fall auch noch Erzähler des Buches nicht mag? Ich glaube dann hat man halt einfach verloren. Ich wollte ihm immer wieder eine Chance geben und habe mir gesagt:"Sabrina, geh nicht zu hart mit Ali ins Gericht, er hatte bestimmt ein schlimmes Leben!" Aber genutzt hat es nichts. Er war mir zu altklug, zu überheblich und zu frühreif. Ich konnte mich ihm einfach nicht nähern. * Ein weiteres Problem war für mich, dass ich nachher nicht mehr wirklich zwischen Fakten und Fiktion unterschieden konnte. Aber wieso das so ist, werdet ihr schon rausfinden, wenn ihr euch an dieses Buch herantraut. Es ist wirklich nicht schlecht und wie gesagt, der Schreibstil ist großartig - aber Ali und ich, wir kommen in diesem Leben nicht mehr zusammen!

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  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    bokworm

    20. October 2012 um 13:03

    Ali hat seine Augen und Ohren überall. Er ist – so behauptet er jedenfalls – fünfzehn Jahre alt und kommt irgendwo aus dem Westen Afrikas, spricht nach eigenen Angaben vierzig Sprachen und Deutsch am allerbesten und weiß genauestens Bescheid über das Leben und Sterben in den ärmeren Ländern der Welt. Ali kann alles, kennt alles und fristet sein Dasein nur aus einem Grund in einem Wiener Asylbewerberheim: Er, der Anwalt der Unterdrückten, der Beschützer aller Gedemütigten, hat es sich zur ehrenhaften Aufgabe gemacht, seine Mitinsassen von ihren Ängsten und Albträumen zu befreien. Seine Wunderwaffe: das Erzählen. Ali ist ein Erzählverführer, der mit beißendem Spott und subversivem Humor bewaffnet zur täglichen Weltrettung antritt. Meine Meinung: Ich muss ehrlich zugeben, dass mich das Buch auf eine Irrfahrt von Gefühlen geschickt hat. Die Schicksalsschläge der Asylbewerber nimmt einen mit: was die meisten in ihren Heimatländern erfahren mussten, ist grausam, auch, dass, was sie in Österreich erleben - sie werden von fremden Menschen schief angeguckt, angepöbelt und sogar angespuckt - ist nicht angenehm. Die Asylbewerber erhalten negative Bescheide, werden abgeschoben, von ihren Familien getrennt. So sieht sie aber aus, die grausame Realität und Martin Horváth hat sie spannend in ein Buch verpackt. Auf anderer Seite muss ich aber auch zugeben, dass ich mit dem Protagonisten, genannt "Ali", absolut nicht zurechtkomme. Er sagt, er wäre 15, oder auch 51, das weiß niemand so genau - genauso wenig wie seinen richtigen Namen, Ali ist sehr schlau, kann 40 Sprachen fließend, doch er hat mich beim Lesen irgendwie die ganze Zeit genervt. Auf einer Seite möchte er seinen Mitbewohnern helfen, sich um sie kümmern, Geschichten erzählen, doch auf anderer Seite macht er sich über sie lustig, verachtet einige. Die Erzählweise ist etwas kompliziert: keine Anführungszeichen und viele Haupt- und Nebensätze werden einfach nebeneinander gereiht. Auf alle Fälle kein Buch, das leicht zum Lesen ist. Das Ende war für mich sehr überraschend und hat meinen Verstand ganz schön ins Wanken gebracht, aber mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Fazit: Die Thematik fand ich absolut spannend und jeder sollte sich mehr mit Asylbewerber und deren Wohnheime auseinandersetzten. Doch der Protagonist war mir absolut nicht sympathisch und die Erzählweise fand ich manchmal anstrengend und hat mich nicht überzeugt. Daher nur 3 Sterne.

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  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    Anchesenamun

    KURZ ÜBER DEN INHALT: Das Buch spielt in einem (fiktiven) Asylbewerberheim in Wien. Es ist aus Sicht des Protagonisten Ali geschrieben, der die Geschichten der Einwohner rekonstruiert bzw. es zumindest versucht und von dem Alltag im Heim erzählt. Dabei ist Ali der stets Allwissende. Ali hat es eigentlich nicht nötig, in diesem Heim zu wohnen, denn er ist überdurchschnittlich intelligent, spricht fließend Deutsch, weiß sich in jeder Lebenslage selbst zu helfen und hat kein Trauma zu verarbeiten. Er ist eigentlich nur hier, um den Anderen ihre Geschichten zu entlocken, um ihnen zu helfen. Er selbst hat selbstverständlich keine Probleme, benötigt keine Hilfe, und die seltsamen Albträume, die ihn nachts plagen, haben so rein gar nichts mit ihm zu tun. Oder vielleicht doch? MEINE MEINUNG: Ali ist angeblich 15, könnte aber auch, wie er selbst sagt, genauso gut 51 sein. Zahlen sind eben auch nur Schall und Rauch für ihn. Und wenn man mal von dem typischen Teenagerverhalten absieht, was Frühlingsgefühle betrifft (Ali verliebt sich regelmäßig in eine der arbeitenden Damen im Heim und spart nicht mit Anzüglichkeiten.), ist Ali für sein Alter erstaunlich weise. Nicht nur überdurchschnittlich schlau, sondern nahezu allwissend. Ali beherrscht die deutsche Sprache fließend. Und nicht nur das, er spricht JEDE Sprache dieser Welt. Was natürlich von Vorteil ist, wenn Ali sich mit den Heimbewohnern unterhält, die noch nicht so gut Deutsch können. Oder wenn er mal wieder andere belauscht, die wahlweise auf Deutsch, Englisch oder in ihrer Heimatsprache miteinander reden. Nicht nur, dass Ali alle Sprachen der Welt zu sprechen scheint, macht stutzig. Auch seine enorme Klugheit. Ali ist eloquent wie kein Anderer, und seine Vergleiche, Metaphern etc. setzen ein sehr fundiertes Wissen in vielen Bereichen (Literatur, Mythologie, Geschichte,...) voraus. Ich will einem 15jährigen ein solches Wissen nicht absprechen, aber dies zusammen mit dem unbändigen Fundus an Sprachen macht Ali fast schon zu einer Art „Asylantenheimgott“, der (fast) alles weiß, die Schicksale vieler Bewohner in ihren Gesichtern ablesen kann und alles mitkriegt. Ali lässt es auch im Dialog mit dem Leser sichtlich heraushängen, was er von manchen seiner nicht so gebildeten Mitbewohner hält. Dadurch war er mir zumindest am Anfang reichlich unsympathisch. Doch er zeigt im Laufe des Buches immer mehr Zuneigung zu vielen seiner Mitbewohnern/innen, kann nachsichtig und einfühlsam sein, steht jederzeit für seine Freunde ein und hilft ihnen aus der Patsche. In der Geschichte werden dem Leser viele (Neben-)Figuren vorgestellt. Ich habe manchmal ganz ehrlich den Überblick verloren und wusste oft nicht mehr, welches Land ich welchem Namen zuordnen muss. Im Nachhinein wäre es wohl für eine vergessliche Person wie mich gescheit gewesen, einfach beim Lesen ein Personenverzeichnis anzulegen. Aber die Vielzahl an Personen, die auftreten, macht das Buch erst richtig lebendig und spannend, da man natürlich über jeden wissen will, was er/sie erlebt hat. Deshalb ist es immer sehr spannend, wenn Ali so nach und nach erfährt, was den Anderen widerfahren ist. Die Schicksale sind – da es sich um eine fiktive Geschichte (wenn auch mit realem Hintergrund) handelt – vermutlich rekonstruiert. Aber jeder, der so wie ich schon zahlreiche Autobiographien aus aller Herren Länder gelesen hat (z. B. über Genozide, Bürgerkriege oder Sklaverei), weiß, dass die im Buch beschriebenen Schicksale absolut realistisch wiedergegeben sind. Als Außenstehende frage ich mich immer wieder, wie ein Mensch ein solches Erlebnis überhaupt verarbeiten kann, wie er noch lachen und (Über-)Lebenswillen haben kann. Umso erschütternder ist es für mich zu sehen, wie bescheiden Asylsteller in westlichen Ländern behandelt werden. Für die Behörden sind sie nur eine Nummer; die Ablehnungsgründe sind ohne Hand und Fuß, von Menschen geschrieben, die sich vermutlich noch keine Sekunde Gedanken darüber gemacht haben, was diese Menschen durchgemacht haben. Nun möchte ich aber nicht nur darüber schimpfen, wie schlecht wir Westler doch alle Ausländer behandeln. Alleine, wie sehr sich die Angestellten des Heimes um ihre Schützlinge bemühen, ist rührend. Dennoch finde ich es traurig, dass scheinbar alle Menschen außerhalb des Heimes ausländerfeindlich sind. Ali begegnet „draußen“ keiner einzigen Person, die nett zu ihm ist. Ein bisschen schürt der Autor damit auch die Vorurteile gegenüber dem Westen, dass dort alle ausländerfeindlich wären. Das finde ich doch etwas schade, aber vielleicht ist damit auch einfach das subjektive Empfinden von Ali und den anderen Bewohnern wiedergegeben, die ausnahmslos schlechte Erfahrungen mit den Einheimischen gemacht haben. Es dauert schon eine Weile, bis man als Leser merkt, dass mit Ali etwas nicht stimmt. Ich will hier nicht zu viel spoilern, nur anmerken, dass es mir irgendwann selbst schwerfiel, Alis Erlebnisse richtig einzuordnen in Realität oder Einbildung. Da Ali der Erzähler ist und es immer seine Wahrheit ist, egal ob es so war oder nicht, ist das auch für den Leser nicht so einfach zu unterscheiden. Später wird dann anhand einiger Anhaltspunkte (z. B. das Unverständnis des Umfelds auf angebliche Erlebnisse, von denen Ali erzählt) klarer, was nur Alis Kopf entsprungen ist. Das Ende war harter Stoff, das kann ich jetzt einfach nicht blumiger ausdrücken. Es ist klar, dass es sich hierbei um eine surreale Situation handelt, aber ich musste mich richtig durch diese Seiten quälen, der bisherige Lesefluss wurde deutlich zäher, und ich war regelrecht erschöpft danach. Das hat mir als Leserin das Gefühl gegeben, am Ende mit diesem Buch völlig im Regen stehen gelassen worden zu sein. Sicherlich beabsichtigte der Autor damit, dass man sich selbst seine Gedanken machen muss, dass die Schicksale der Figuren offen bleiben müssen – und dass Ali ein größeres Problem hat, als er (und der Leser) dachte. Ja, ich gebe zu, ich hätte mir ein Happy End gewünscht. Wenigstens für Ali, oder für den Großteil der Bewohner. Mit offenen Enden habe ich immer so meine Probleme, zumal dies kein Buch ist, das nach einer Fortsetzung aussieht. Aber das ist nunmal die harte Realität. Die Sprache ist anspruchsvoll, auf recht hohem Niveau, aber durchaus angenehm lesbar. Wie ich bereits bei Ali andeutete, gibt es zahlreiche Verweise auf irgendwas, so dass es nicht schadet, wenn der Leser eine gewisse Allgemeinbildung vorweisen kann. Vieles, worauf Ali Bezug nahm, kannte ich zwar, doch einiges verstand ich auch gar nicht. Jetzt bin ich weder ein Genie noch eine Hohlbratze, aber ich denke, man hätte es durchaus auch ein bisschen weniger anspruchsvoll machen können, und trotzdem hätte der Autor Alis Intellekt gerecht werden können. Alles in Allem ein Buch, das fesselt, bedrückt und nicht mit der letzten Seite beendet ist, da sich die meisten Leser sicherlich auch noch danach viele Gedanken über die Thematik machen werden.

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    • 4
  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    aba

    Politically correct Bevor ich Ali kennenlernte, hatte ich nie über etwas namens "Mohr im Hemd" gehört. Das Internet hat ganz schnell die Antwort geliefert: "Mohr im Hemd" ist, politically incorrect, der Name einer traditionellen österreichischen Süßspeise, deren Geschmack, sicher besser ist, als ihr Name kling. Aber es geht hier sicherlich nicht um diese Süßspeise, sondern um Ali, der auf jeden Fall sehr gern "Mohr im Hemd" isst. Ali ist Asylbewerber, 15 Jahre alt und lebt ganz ohne Familie, in einem Asylbewerberheim in Wien. In "Mohr in Hemd" von Martin Horváth gewährt uns Ali einen Blick in dem Alltag der Bewohner eines Asylbewerberheims. Ali, ein allwissender, hoch begabter 15-jähriger Flüchtling aus Afrika, öffnet uns die Türen zu diesem Asylbewerberheim und erzählt uns Geschichten über seine Mitbewohner, über ihr Leben in der Heimat vor der Flucht und über ihre Gründe, die sie dazu geführt hat, dieses zu verlassen. Auch über die Ängste, die Albträume und über die Hoffnung auf eine Zukunft in Österreich, weit weg von den Gefahren von Krieg und Verfolgung. Während wir mehr und mehr über die vielen Schicksale erfahren, bleibt Ali selber eine geheimnisvolle Figur. Nur seine Träume verraten uns einen Bruchteil davon, was er in seinen jungen Jahren erlebt haben muss. Die Charaktere in "Mohr im Hemd" haben mich nicht nur überzeugt, sie haben mein Herz erreicht. Viele der in diesem Buch erscheinenden Figuren - Flüchtlinge und ihre Betreuer - werden sehr lebendig dargestellt und man kann nicht anders als ihre Lebensläufe zu verstehen und nachvollziehen: die Flüchtlinge wegen ihrer tragischen Geschichten, die Betreuer, weil sie ihre Arbeit so gut wie möglich machen, obwohl sie wenig bewirken können, wenn es darum geht, die Schicksale ihrer Schützlinge in positivem Sinne zu beeinflussen. Die Rechtslage bietet wenig Hoffnung. "Mohr in Hemd" ist Martin Horváths erster Roman. Und ein Roman, der mich bewegt hat. Ein hoch aktuelles Thema wird in diesem Buch behandelt, und aus der Sicht von einem Jugendlichen, was mich noch mehr betroffen gemacht hat. Hoffnung und Hoffnungslosigkeit gehen Hand in Hand in dieser Erzählung. Man erlebt, wie bei einem gemeinsamen Essen der Traum von einer friedlichen multikulturellen Gesellschaft für kurze Zeit wahr wird, man lacht, man leidet und man wird wütend bei der ganzen Halbherzigkeit der Gesetzgeber und der Ignoranz und Gleichgültigkeit in weiten Teilen der Bevölkerung. Dieses Thema wird von Martin Horváth mit einer kraftvollen Sprache in seinem Roman behandelt. Auf fast jeder Seite überraschte er mich mit Wortspielen und Metaphern, die besonders bei Alis Träumen zur Geltung kommen, und die teilweise den Leser in die Irre führen, vor allem bei bestimmten Passagen mit surrealem Charakter (auf die ich persönlich verzichtet hätte, deren Bedeutung für die Handlung mir aber absolut bewusst war), in deren Realität und Fantasie nicht voneinander zu unterscheiden sind. Nicht nur dieses Buch mit allen seinen Figuren, vor allem Ali, sondern auch den Autor Martin Horváth, den ich als empfindsamen Menschen wahrgenommen habe, werde ich ganz lange in Erinnerung behalten. Denn nur jemand mit einer besonderen sozialen Ader ist in der Lage, ein so schwieriges Thema aufzugreifen, und eine Botschaft zu senden, die ich, da bin ich mir sicher, verstanden habe. Es bleibt mir zu wünschen, dass noch viele Menschen von dieser Botschaft erreicht werden.

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    • 5

    michelauslönneberga

    17. October 2012 um 11:58
  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    michelauslönneberga

    Stell dir vor du wurdest geschlagen und verletzt, du wurdest diskriminiert und musstest hungern. Für dich gibt es keine Zukunft in dem Land das sich deine Heimat nennt. Deine Familie lebt teilweise nicht mehr oder kann sich nicht um dich kümmern. Also fliehst du in eine Zukunft, die goldig und verheißungsvoll wirkt. Doch als du ankommst, im traumhaften Europa, ist plötzlich alles anders - du bist nicht erwünscht, die Menschen starren dich an, beschimpfen dich als nutzlosen Esser. Du glaubst ihnen, schließlich darfst du außer Sprachkursen nichts tun, denn Arbeit findet nur derjenige, der stolz einen positiven Asylbesheid vorweisen kann. Das ganze hört sich nach einem Albtraum an? Ist es auch. Doch viele Flüchtlinge in Europa erleben eben diese Dinge und nun gibt es ein Buch, dass sich der ganzen Thematik literarisch zuwendet. Martin Horváth lässt den Protagonisten Ali erzählen. Ali ist 15 oder 51 so genau weiß das keiner. Er sammelt Geschichten; Geschichten seiner Heimmitbewohner, die mich das ein oder andere mal zu Tränen gerührt haben. Ali berichtet auch von der Enge des Heims, den Anfeindungen, derer, die in ihrer Heimat leben können und natürlich auch von Menschen, die sich an jeden Strohhalm-Hoffnung klammern. Mich hat das Buch sehr berührt und nachdenklich gestimmt. Ali, unser Protagonist ist nicht einfach und ab und zu ist es schwierig seinen Erzählungen zu folgen, doch seine Geschichten sind wichtig und emotional und so habe ich das Buch regelrecht verschlungen. Dies ist definitv kein Buch für Zwischendurch, doch wer sich die Zeit und Kraft nimmt Ali durch das Heim zubegleiten wird mit einem literarischen Feuerwek, frechen Sprüchen, wunderschöner Sprache und tollen Geschichten belohnt. Schieb das Buch nicht ab, sondern lass es in dein Leben und lass dich von seinen Figuren bereichern .

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    • 3

    michelauslönneberga

    17. October 2012 um 11:54
  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    Iudas

    "Mohr im Hemd" - ja, was ist denn das? So etwas wie "Würstchen im Schlafrock"? Die Assoziationen, die bei diesem doch recht auffälligen Titel entstehen, sind vielfältig und nicht selten doch recht skurril. Um dem gleich vorweg zu greifen: Mohr im Hemd gibt es wirklich und es ist ein österreichisches Dessert. Daran merkt man doch gleich, dass Martin Horváth ein Österreicher ist. Der Protagonist seiner Geschichte, genannt einfach Ali, stammt aus Afrika, ist 15 Jahre alt, spricht nach eigenen Angaben wohl 40 Sprachen fließend und hat eben gern einen Mohr im Hemden. Dabei teilt er sich mit einigen anderen Jugendlichen aus aller Herren Länder eine Etage im Wiener Asylheim und sein besonderes Interesse gilt eben diesen Menschen und ihren Geschichten. Denn Ali liebt es, in seinen Mitmenschen und ihren Gesichtern "zu lesen" und diese Geschichten dann zu erzählen - denn Erzählen soll heilende Wirkung haben und Ali sieht sich als Retter der Menschheit. Er will derjenige sein, der Gerechtigkeit übt und die Welt zu einem besseren Platz machen möchte. Doch vorerst muss er sich mit dem UMF - den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen - und ihren Problemen und Geschichten auseinandersetzen, denn wöchentlich kommen neue Flüchtlinge und bitten um Aufnahme, so wie auch Flüchtlinge wieder abgeschoben werden, da sie in höchster Instanz negative Asylbescheide erhielten. Und gegen diese Ungerechtigkeiten in Alis Augen will er vorgehen - wenn nötig auch mit Gewalt. Der Roman des österreichischen Schriftstellers Martin Horváth "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" sticht auf alle Fälle aus der Masse heraus - und das nicht nur durch seinen, für heutige Verhältnisse, ungewohnt langen und sperrigen Titel oder seine Thematik. Ich fand das wirklich Herausragende und Besondere an dieser Erzählung den Schreibstil. Er ist derart leichtfüßig und clownesk, dass man besonders in der ersten Hälfte des Romans oft schmunzeln muss, wenn man wieder über amüsante Wortschöpfungen und Metaphernkonstruktionen stolpert, die in diesem Zusammenhang ungewohnt sind, aber ein wunderbar amüsantes Bild generieren. Ali spricht in seiner Erzählung oftmals in einem ungewohnt geschwollenem Tonfall, fast schon arrogant, ohne wirklich so zu wirken. _"Um neun Uhr wird die Küche geputzt, deshalb gibt es nach neun kein Frühstück mehr. Ich wanke in die Küche, gieße heißes Wasser in eine Tasse, füge einen Teebeutel hinzu, streiche Erdnussbutter auf ein Brot und verzehre beides schweigend. Die meisten meiner Mitbewohner frühstücken spät, und diese Mahlzeit spielt sich üblicherweise in monastischem Schweigen ab. Meine Brüder und Schwestern, sie hängen halb tot über einem der beiden langen Tische, und nur selten durchbricht ein Wort die Stille im Refektorium: Wo ist das Zucker, Bruder, Der Zucker, Schwester, Danke Bruder, Wie spät ist es, Wahrlich, ich sage euch, es ist neun Uhr und fünf Minuten. Du bist immer Letzte, schimpft Amal, die heute Küchenputzdienst hat. Der Herr sei mit dir, Schwester, die du selbst immer die Vorletzte bist, und mit deinem Geiste und mit den Armen im Geiste." (S. 35)_ Hier stellt man auch gleich eine weitere Besonderheit des Textes fest: fehlende Anführungszeichen. Diese Art der Erzählweise unterstreicht hier einen besonderen narrativen Charakter des Textes, in dem er dem Ganzen den Anstrich einer Wiedergabe Alis gibt, der dem Leser hier mit einem Redeschwall Einblick in seine Erlebnisse und Gedanken gibt. Man muss auch durchaus keine Angst vor dieser Erzählweise haben - es liest sich erstaunlich flüssig und natürlich. Bedauerlicherweise lässt besonders der humoreske Aspekt ab Mitte des Buches doch sehr stark nach, was aber zum teil auch der Entwicklung der Geschichte geschuldet ist. Ein weiterer, bemerkenswerter Aspekt ist die Figurencharakterisierung. Anders, als man es so oft gewohnt ist, werden die Charaktere hier nur auf ihre Geschichte beschränkt. Ihr Äußeres wird in den Hintergrund gerückt und spielt für die Geschichte nur eine sehr untergeordnete Rolle. Alis Schilderungen leben von der Geschichte hinter den Menschen - von deren berührenden Schicksalen, die Ali schlussendlich dazu bringen, mit aller Macht dagegen vorgehen zu wollen und Teil dieser Erzählungen in seiner eigenen Welt zu werden. Einzig der Erzähler Ali bleibt in dem Buch fast durchgängig nur eine geisterhafte Erscheinung, der über dem Ganzen schwebt und wären da nicht die ziemlich realen Gespräche mit den anderen Heimbewohnern könnte man fast meinen, er wäre gar nicht wirklich existent. Soviel der Leser auch über alle Jugendlichen und Erwachsenen des Heimes erfährt, so wenig gibt Ali von sich selbst preis. Und so bleibt er auch bis zum Schluss ein undurchschaubares Geheimnis seiner Selbst. Dabei sind die Schicksalserzählungen immer sehr traurig und emotional, doch durch den Erzählstil wird dem Schrecken ein wenig die Basis genommen, was es Ali erleichtert, diese Geschichten auch mit einer gewissen Distanz zu erzählen und diese Distanz zum Geschehen auch dem Leser zu ermöglichen, denn im Grunde ist dieses Buch ein sehr emotionales, ergreifendes und nachdenklich stimmendes Buch, das es dem Leser durch die guten Recherchen Horváths ermöglicht, sich auf mal in den unbekannten Gefilden eines solchen Asylbewerbeheims zu bewegen und das Leid und Elend der dort befindlichen Jugendlichen, die um Sicherheit und Schutz kämpfen, zu sehen. Das ist definitiv ein Buch, das man lesen kann und das einen auch noch nach der Lektüre eine ganze Weile beschäftigt und nachdenklich stimmt. Auch lässt sich dieses Buch flüssig lesen, aber Pausen sollte man doch immer wieder einlegen, um die Geschichten, die uns Ali hier in seiner ganzen sprachlichen Vielfalt wiedergibt, ersteinmal sacken zu lassen - denn einfach nur zu puren Unterhaltung und zum In-einem-Zuge-durchlesen ist dieses Buch nicht gedacht.

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  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ali, ein angeblich 15jähriger afrikanischer Asylbewerber hat in seinem Wiener Heim seine Ohren und Augen überall. Er spricht über 40 Sprachen, weiß alles über das Leben und ist auf der Suche nach den Geschichten seiner Mitbewohner. Seine eigene Geschichte jedoch verdrängt er! Ali greift alle gängigen Vorurteile gegenüber Asylbewerbern und ihre Probleme auf. Alle müssen sie warten und hoffen! Abwarten, wie sich die Behörden entscheiden. Müssen sie zurück in ihre Heimatländer, in denen sie die Hölle erlebt haben oder dürfen sie bleiben (in einer Gesellschaft die sie zu großen Teilen gar nicht haben möchte)? Auch untereinander geraten die verschiedenen Charaktere aneinander, denn sie leben auf engstem Raum zusammen und bringen die Konflikte, welche in ihrer Heimat vorherrschen auch mit nach Österreich. Eigene Meinung: Der Erzähler Ali wirkt allwissend, oder gibt dies zumindest vor, das ist sicher nicht jedermanns Sache. Er wirkt zu Beginn der Geschichte sehr arrogant und abgehoben, mir ist er aber im Laufe des Buches ans Herz gewachsen. Trotzallem ist er sehr humorvoll und entlockt so ab und an auch ein Schmunzeln bei Themen, die eigentlich gar nicht witzig sind. Die Schreibweise es Autors ist sehr poetisch, zu Beginn etwas schwierig zu lesen ist, aber man gewöhnt sich schnell daran. An vielen Stellen war es trotzdem schwierig weiterzulesen, nicht weil es langweilig oder unverständlich war, sondern aufgrund der Schicksale, die wohl niemanden kalt lassen. Das muss man erst einmal verarbeiten! Der Roman ist wortgewaltig, regt zum Nachdenken an und offenbart die Vorurteile gegenüber Asylbewerbern und deren Perspektive sehr anschaulich und unterhaltsam.

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    aba

    17. October 2012 um 00:33
  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Kurzbeschreibung: Voller Fabulierlust und Tragikomik Ali hat seine Augen und Ohren überall. Er ist – so behauptet er jedenfalls – fünfzehn Jahre alt und kommt irgendwo aus dem Westen Afrikas, spricht nach eigenen Angaben vierzig Sprachen und Deutsch am allerbesten und weiß genauestens Bescheid über das Leben und Sterben in den ärmeren Ländern der Welt. Ali kann alles, kennt alles und fristet sein Dasein nur aus einem Grund in einem Wiener Asylbewerberheim: Er, der Anwalt der Unterdrückten, der Beschützer aller Gedemütigten, hat es sich zur ehrenhaften Aufgabe gemacht, seine Mitinsassen von ihren Ängsten und Albträumen zu befreien. Seine Wunderwaffe: das Erzählen. Ali ist ein Erzählverführer, der mit beißendem Spott und subversivem Humor bewaffnet zur täglichen Weltrettung antritt. Ein scharfsichtiger Roman, der wortmächtig und voller unerschöpflicher Fabulierlust unserer Welt den Spiegel vorhält. (lt. Amazon) Mir hat das Buch sehr gut gefallen auch wenn ich sagen muss das ich durchaus meine Schwierigkeiten hatte mich mit dem Schreibstil und dem Aufbau des Buches anzufreunden, hat es sich gelohnt durchzukämpfen. Das Buch spricht die typischen Vorurteile gegen Asylbewerber mal aus der anderen Perspektive an und das auf eine sehr lustige und unterhaltsame Art und Weise. Ich könnte mir hier sehr gut eine Verfilmung in Sachen TV-Produktion vorstellen. Ich wünsche dem Buch sehr viele Leser, da es mich zum Nachdenken angeregt an.

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    aba

    17. October 2012 um 00:32
  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    Mone80

    Kurzbeschreibung: Ali ist 15 und lebt in einem Wohnheim für Asylbewerber in Wien. Ali ist allerdings nicht sein richtiger Name und ob er wirklich 15 ist, verrät er uns nicht. Ali kann alle Sprachen fliessend sprechen und kennt alle Bewohner des Hauses und deren Geschichten. Oftmals liest er sie aus ihren Gesichtern, darüber sprechen müssen die Bewohner nicht, aber er erzählt ihre Geschichten in der Küche von Pietra. Seine Geschichte verdrängt er. Meine Meinung: Ali war mir am Anfang sehr unsympathisch. Durch seine Gedanken, der gehobenen Aussprache und das Gefühl, er sei allwissend wirkte er sehr arrogant und älter als er sich gibt. Aber in den richtigen Momenten, ist seine überspitzte Art der Erzählung sehr humorvoll. Im Laufe der Geschichte und mit dem Auftauchen kurzer Einblicke in seiner eigenen Geschichte, wurde er für mich greifbarer, bekam mehr Farbe. Doch im Endeffekt bliebt er immer ein wenig geisterhaft. Die Schreibweise von Martin Hovárth ist gewöhnungsbedürftig. Ich habe ein wenig gebraucht, um mich in das Buch einzulesen. Sie ist sehr poetisch und langsam. Diese Langsamkeit kann man auch mit dem Leben der Bewohner innerhalb des Heimes vergleichen. Sie gelangen nach ihrer Flucht in dieses Heim und ihnen bleibt nichts anderes als zu Warten. Warten und hoffen, auf einen positiven Bescheid. Das ihre Flucht ein Ende hat. Mit dem Warten steigt allerdings auch die Angst vor der Abschiebung. Dem Autor ist es gelungen, diese schwere Thematik umzusetzen und den Leser zum nachdenken zu bewegen. Mit Ali beschreibt er das Verhalten der Gesellschaft gegenüber den Flüchtlingen mit einer grossen Portion Ironie. Aber gerade das, rüttelt einen beim Lesen wach. Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken gebracht... Fazit: Ein Buch was sprachlich gewaltig ist und wachrütteln möchte. Es hinterlässt einen nachdenklich.

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    aba

    17. October 2012 um 00:31
  • Rezension zu "Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten" von Martin Horváth

    Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

    irishlady

    Mein Name ist Ali und ich bin neu in dieser Stadt. Seit kurzer Zeit lebe ich in einem Heim unweit der Donau und kenne mittlerweile alle hundertdreißig Mitbewohnerinnen und -bewohner sowie alle Betreuerinnen und Betreuer beim Namen. Ali ist laut eigenen Angaben 15 Jahre alt, kann alle Sprachen sprechen und lebt in einem Asylwerberheim in Wien. Dort beobachtet er seine MitbewohnerInnen, BetreuerInnen und seine Umgebung. Er beschreibt das Leben in einem Asylwerberheim, das Leben als Asylbewerber und die vielen Vorurteile der Gesellschaft gegenüber den Menschen, die um Asyl bitten. Neben dem erfahren wir als Leser aber auch sehr viel über das Schicksal eines jeden Mitbewohners. Ali bedient sich dabei immer wieder sarkastischer und provozierender Sprachelemente, die teils komisch anklingen, aber teilweise eben auch die eigene Gesellschaft und deren Umgangsweisen uns zu Augen führen. Martin Horváth schreibt so poetisch, so fantastisch. Schon alleine dieser Sprachstil ist Grund, dieses Buch zu lesen! Aber natürlich rüttelt er auf; mit seiner Geschichte wird eine Thematik angesprochen, die untergeht in der Gesellschaft, die Vorurteile deutlich sichtbar macht und keinen verschont. Mit seinem Protagonisten hat er eine Person geschaffen, die fast übersinnlich wirkt, die alles weiß, die provoziert, die was ändern will, die so stark wirkt, die uns einen Spiegel vorhält, die aktiv ist und weiter werden will. Ist nur die Frage, ob Ali all das schafft oder ob auch er scheitern wird... Einen Abzug gibt es dafür, dass die Geschichte an einigen Stellen etwas langatmig wirkt, aber sonst: Absolute Empfehlung für all jene, die etwas zum Nachdenken suchen...

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    aba

    17. October 2012 um 00:29
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