Martin Keune Black Bottom

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Inhaltsangabe zu „Black Bottom“ von Martin Keune

Berlin, 1930. Bei einem Giftgas anschlag auf den legendären Tanzpalast 'Femina' am Tauentzien sterben elf Menschen. Auch Kriminalkommissar Sándor Lehmann kommt nur knapp mit dem Leben davon – denn eben noch stand er inkognito als Jazzmusiker auf der Bühne. Bei der Aufklärung des brisanten Falls hat er gleich zwei Probleme: Er muss zusehen, dass sein geheimes Doppelleben nicht auf fliegt, und sich mit dem neuen Kollegen Belfort herumärgern, einem linientreuen Nazi, der über das quirlige Nachtleben der Reichshauptstadt ganz eigene Ansichten hat … Der Auftakt zu einer neuen Krimiserie mit dem Klarinette spielenden Kommissar Sándor Lehmann. 'Keune zieht gekonnt eine Reihe von literarischen Registern. Dabei ist das, was so anschaulich und farbig wie ein spannender Roman daherkommt, genau recherchiert' DeutschlandRadioKultur über Martin Keunes 'Groschenroman'

Atmosphärisch dichter, sprachlich fantasievoller, auf die Handelnden bezogener Krimi, der sich verdammt erfrischend abzuheben vermag.

— Mannhardt
Mannhardt

Angekündigt als Krimi, mit gutem Willen wahrzunehmen als historischer Roman. Ein spannender Schluss als einziges Krimi-Element reicht nicht!

— TochterAlice
TochterAlice

Berlins Jazzszene 1930: Ein Tanz auf dem Vulkan. Auf der Bühne steht ein Kommissar. Er spielt Klarinette. Die Verhältnisse spielen verrückt.

— Martin_Keune
Martin_Keune

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  • Jazz, Jazz, Jazz

    Black Bottom
    Leseratz_8

    Leseratz_8

    Sandor Lehmann, am Tag Kriminalkommissar, in der Nacht, heimlich und inkognito,  Jazz-Klarinettist, spielt im „Femina“ dem angesagten Tanzpalast am Tauentzien, als dort ein Giftgasanschlag verübt wird. Es sterben elf Menschen, er und seine Musiker-Kollegen können jedoch entkommen. Jetzt hat er den Fall aufzuklären und dabei gleich mehrere Probleme zu lösen, warum ist Bella, die aufreizende neue Sängerin kurz vor dem Anschlag verschwunden, wie hält er sein brisantes Doppelleben geheim, dass ihn seinen Brotberuf kosten kann und warum war sein linientreuer Nazi-Kollege Belfort auch im „Femina“. Das Buch ist, soweit man dies als Laie beurteilen kann, ein brillant recherchierter Bilderbogen des Berlins der dreißiger Jahre. Beinahe sämtliche Personen sind historisch belegte Persönlichkeiten des öffentlichen und kulturellen Lebens der Stadt. Besonderes Augenmerk wird auf die Vorstellung der Jazzszene gelegt, hier ist der Kriminalfall angesiedelt. Leider bleibt dieser regelmäßig auf der Strecke, denn der Autor ist so detailverliebt wie jazzbegeistert. Durch die bildhafte Sprache und die umfangreichen Beschreibungen fühlt man sich mitten in die Zeit versetzt. Manchmal überschreiten die Bilder die Grenzen der Logik, aber sei es drum. Es ist eine spannende Geschichtsstunde.  Der Protagonist Sandor Lehmann ist mir sehr sympathisch, er kämpft mit seiner Zeit und den aufziehenden Veränderungen, hat im ersten Weltkrieg einige Lektionen lernen müssen und will nur eines: leben. Dass er sich dabei nicht immer buchstabengetreu an das Gesetz hält, macht ihn nur noch echter. Letztendlich wird der Fall logisch aufgelöst, die Hinweise sind da, aber für mich zu gut unter der Masse an Informationen verborgen.  Fazit: Ich habe dieses Buch gern gelesen, aber ein Krimi war es nicht. Ich bin trotzdem sehr gespannt auf den Nachfolger, auch wenn ich diesen mit völlig anderen Erwartungen lesen werde. Wer also eher historisch als kriminalistisch interessiert ist, wird hier bestens bedient.

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    • 2
    Arun

    Arun

    29. March 2015 um 00:01
  • Leserunde zu "Black Bottom" von Martin Keune

    Black Bottom
    Martin_Keune

    Martin_Keune

    Jazz, Verbrechen und Politik: BLACK BOTTOM! Gerade mal drei Wochen ist mein neues Buch in den Buchhandlungen; ich als Autor schlendere über die Leipziger Buchmesse, mache erste Lesungen, schiele nach Rezensionen. Ich bin gespannt:Berührt BLACK BOTTOM – hinter dem neben dem Schreiben eine Unmenge an Recherche steckt – bei den Leserinnen und Lesern einen Nerv? Finden sie die turbulenten Jahre zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus ebenso spannend wie ich, oder ist das, was vor 80 Jahren die Welt verändert hat, längst abgehakte Geschichte? Hat mein Protagonist Sándor Lehmann – eine Figur zwischen den Stühlen, zwischen den klaren Kategorien von Opfer- oder Heldentum – eine literarische Daseinsberechtigung; sind die Dreissiger Jahre als Szenario für Belletristik „erlaubt“, wenn sie das Zeitgeschehen ernst nehmen … oder noch immer tabu? Fragen, die ich als Autor in den paar Minuten Gespräch nach einer Lesung kaum beantwortet bekomme. Ich schreibe Bücher, ich signiere sie schwungvoll auf dem Vorsatzblatt: Aber was meine Leser/innen letztlich denken, erfahre ich nur selten (und oft gefiltert durch die freundliche Brille des Freundeskreises).  Also raus mit dem Buch in die Leserunde! 15 Exemplare stellt der be.bra verlag netterweise zur Verfügung; verlost wird unter allen, die binnen einer Woche den Namen eines Jazzmusikers der 20er Jahre posten. Ich selbst werde die Leserunde intensiv betreuen (und bedanke mich für die überzeugendste Rezension mit einem handsignierten Exemplar meines anderen Dreissiger-Jahre-Romans, dem „Groschenroman“!) Bin wirklich gespannt auf Deine Meinung zum Buch! Martin Keune

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    • 630
  • Gasangriff in der Femina

    Black Bottom
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Sándor Lehmann ist Kommissar im Berlin, er hat sich aus der sozialen Unterschicht in diese Stellung hochgearbeitet. Seine Leidenschaft gehört der Jazzmusik, er spielt inkognito in einer Band. Bei einem Gasangriff in der legendären Femina steht er gerade auf der Bühne, kann aber den Kollegen nicht mitteilen das er Augenzeuge war. Wir begleiten den eigensinnigen Sándor Lehmann durch die bekannten Straßen von Berlin und durch die Jazzlokale dieser Zeit. Bei der Aufklärung kommen ein Toter, eine schöne Frau und ein neuer Kollege mit brauner Gesinnung ins Spiel. Der Krimi tritt in den Hintergrund, was mich nicht gestört hat. Die unzähligen Informationen über das Leben in der Weimarer Republik, die Jazzmusik und deren Musiker haben mir sehr viel Vergnügen bereitet.

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  • Giftgasanschlag im Musikermilieu

    Black Bottom
    britta70

    britta70

    Black Bottom bildet den Auftakt zu einer neuen Krimireihe rund um den Ermittler Sándor Lehmann. Der Kriminalroman spielt in politisch brisanten Berlin der 1930er Jahre. Die Nazionalsozialisten sind auf dem Vormarsch und schränken das gesellschaftliche Leben immer mehr ein. Der Hauptprotagonist Sándor Lehmann führt ein Doppelleben: Nachts tritt er mit seiner Jazzband auf, tagsüber ermittelt er. Als er eines Nachts im legendären Tanzpallast Fermina auftritt, sterben dort 11 Menschen durch einen Giftgasanschlag. Er selbst kommt nur knapp mit heiler Haut davon. Nun soll er gemeinsam mit seinem Kollegen Bellfort in diesem Fall ermitteln. Während es den Anschein hat, dass Sándor viel zu sehr mit seinem Privatleben und der Vertuschung seines Doppellebens befasst ist, als dass er sich auf seine Ermittlungsarbeit konzentriert, ist für den linientreuen Nazi Bellfort schnell klar, dass der Täter sicher zum "jüdischen Abschaum" gehört. Doch ein Erfolg bei den Ermittlungen bleibt aus und so droht ein neuer Giftgasanschlag, als ein Musikwettbewerb ansteht... Martin Keune hat mit "Black Bottom" ein gelungenes Debüt im Bereich Kriminalroman vorgelegt. Krimis, die in den 1930er Jahren spielen, sind rar. Die Darstellung der politisch wie auch gesellschaftlich brisanten Zeit ist brilliant, historische Fakten und Einzelheiten der Musikerszene sind sehr gut recherchiert. Die beiden für den Roman entscheidenden Ebenen, Politik und Musik gehen eine Synthese ein, die sich sehr gut bereits im klug gewählten Titel "Black Bottom" ausdrückt, insofern dieser einerseits auf Leid und Zerstörung durch die Natioaldozialisten hinweist, andererseits aber auch ein Musikstück von Fuhs bzw. einen populären Tanz darstellt. Der Kriminalroman hat mir sehr gut gefallen, nicht zuletzt auch wegen der außerordentlich guten sprachlichen Präsentation. Für mich hat das Buch alles, was ein guter Krimi benötigt: einen brisanten Fall, ein Ermittlungsteam mit interessanten Charakteren und eine überraschende Auflösung. Einziger Kritikpunkt: An manchen Stellen, gerade im Mittelteil, hätte ich mir etwas mehr Spannung gewünscht. Ich freue mich schon sehr, Sándor Lehmann bei weiteren Ermittlungen zuzuschauen und kann dieses Buch all jenen empfehlen, die sich gerne auf anspruchsvolle Literatur einlassen, die mitunter etwas quer zu den gängigen Genregrenzen liegt.

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    • 2
  • Historischer Kriminalroman im Berlin der 30er Jahre mit ganz viel Jazz

    Black Bottom
    Deengla

    Deengla

    26. April 2013 um 17:56

    Kurzmeinung Jazzfreunde und Geschichtsinteressierte werden hier deutlich mehr auf ihre Kosten kommen als Krimifreunde. Für mich leider kein Lesevergnügen, daher 2 1/2 Sterne. Inhalt Berlin, 1930: Giftgasanschlag im Tanzpalast Femina. Inkognito vor Ort ist der in einer Jazzband Klarinette spielende Kommissar Sándor Lehmann. Bei seinen Ermittlungen geht es nicht nur darum herauszufinden, wer nun hinter dem Anschlag steckt und welche Motive es dafür gab (Waren es lediglich neidische Konkurrenten? Oder hat es doch politische Hintergründe?), sondern auch seine eigene Identität und sein Alter Ego als Jazzmusiker zu schützen. Allerdings ist das nicht der einzige Stein, der ihm in den Weg gelegt wird. Sein neuer Kollege Belfort, überzeugter Nazi, und dessen Ermittlungsmethoden gilt es ebenfalls zu überwinden. Meine ausführlichere Meinung Vorneweg: ich habe lange überlegt, wie viele Sterne ich diesem Buch geben soll. Denn leider bin ich weder mit den Charakteren warm geworden noch mit dem Schreibstil. Hätte ich das Buch nicht in einer Leserunde zusammen mit dem Autor gelesen, hätte ich es wohl abgebrochen. Die letzten Kapitel haben mich dann doch ein wenig versöhnt, da mein Lesefluss endlich fließen konnte und fast nicht mehr unterbrochen wurde durch irgendwelche historischen Exkurse oder ausführlichen Szenenbeschreibungen. Auch die Tatsache, dass Martin Keune gründlich recherchiert hat und ein wirklich beeindruckendes Geschichts- sowie Jazzmusikwissen besitzt, haben dann noch ein halbes Sternchen mehr gegeben. Der Schreibstil war zumindest für meinen Geschmack oft zu bildgewaltig; die Sätze sind oft lang und es finden sich auffallend viele Aufzählungen, die meiner Einschätzung nach in dieser Fülle nicht unbedingt notwendig sind und meinen Lesefluss oft haben stocken lassen. Auch an die verwendete Sprache selbst habe ich mich erst gewöhnen müssen, da diese für meine Verständnisse doch teilweise recht modern ist ("Das Ding war purer Sex", S. 15) Ebenfalls als störend empfand ich die teilweise doch sehr ausführlichenen Beschreibungen. Hier ein Beispiel: "Im Zweiminutentakt rumpelten draußen die Züge vorbei; Sándor erahnte im Vorbeigehen das Gedränge monströser schwarzer Dampflokomotiven mit den dunkelgrünen und dunkelblauen Waggons aus Moskau und Paris; lehmverkrusteter Güterzüge voller Backsteine oder Kies aus Rathenow oder der Uckermark und der S-Bahn mit den quietschenden, schlingernden, immer überfüllten Wagen." (S. 43) Mit den Charakteren bin ich leider ebenfalls nicht wirklich warm geworden, was unter anderem auch daran lag, dass ich mir vom Protagonisten Lehmann nach den ersten 100 Seiten immer noch kein klares Bild machen konnte. Ebenfalls habe ich Probleme damit, dass Lehmann nur mit Hilfe eines angeklebten falschen Schnurrbarts seine Identität geheim halten kann und von (fast) niemanden erkannt wird. Insbesondere, nachdem er doch als eher eindrucksvolle Erscheinung beschrieben wird. Das ist für mich so ein bisschen wie Superman, der nur eine Brille braucht und dann zu Clark Kent wird und keinem auch nur annähernd die Ähnlichkeit zwischen den beiden auffällt. Tut mir leid, aber das kaufe ich einfach nicht ab. Der eigentliche Kriminalroman steht leider im Hintergrund, weswegen Krimifans hier nur äußerst eingeschränkt an diesem Buch ihre Freude haben werden. Von den eigentlichen Ermittlungen bekommt man sehr wenig mit. Insgesamt überwiegen deutlich historische Szenen und Fakten, die teilweise unabhängig vom eigentlichen Plot im Raum stehen und die Handlung unterbrechen anstatt diese voranzutreiben. Diese Szenen sind exzellent recherchiert und auch interessant, aber in dieser gewaltigen Fülle und Detailverliebtheit, wie sie in "Black Bottom" vorkommen, wären sie mir sogar in einem eindeutig als "Historischen Roman" ausgewiesenem Buch zu viel. Dennoch sind diese - neben den Jazzmusikszenen - eindeutig die Stärken des Buches, weswegen ich es dennoch (wenn auch eingeschränkt) empfehlen kann. Vielleicht könnte der Verlag ja Band 2 - dieses Buch soll nämlich der Auftakt einer Krimireihe sein - als "Historischen Kriminalroman" einordnen? Dann ginge man auf jeden Fall mit anderen Erwartungen an die Sache heran. Fazit Obwohl dieses Buch mir persönlich leider nicht viel Spaß beim Lesen bereitet hat, sollten Jazzfreunde und Geschichtsinteressierte ihm eine Chance geben. Mein Tipp: die ersten zwei Kapitel (bis Seite 20) anlesen, um ein Gefühl für Schreibstil und Sprache zu bekommen. Wer damit klar kommt und wem die Krimihandlung nicht wichtig ist, dem wird das Buch sicherlich mehr Spaß machen als mir.

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  • Black Bottom oder Don`judge a book by it`s genre

    Black Bottom
    GetReady

    GetReady

    26. April 2013 um 12:25

    Martin Keune entführt uns in seinem jazzigem Kriminalroman in das Berlin von 1930. Im Tanzpalast Femina explodiert eine Giftgasgranate, der Jazz spielende Kommissar Sándor Lehmann ermittelt. Denn es sind weitere Anschläge in den Vergnügungsstätten der Stadt zu befürchten. Handelt es sich bei den Drahtziehern des Anschlags um konkurrierende Clubbesitzer oder stecken politische Motive hinter dem Anschlag? Sándors Ermittlungen werden zusätzlich von dem Umstand erschwert, daß er selber inkognito auf der Bühne Klarinette spielte, kurz bevor die Granate explodierte. Und die Ermittlungstechniken seines verhassten neuen Kollegen Belfort bringen ihn ebenso durcheinander, wie ihn Belforts Nazigesinnung zur Weißglut treibt. Soweit die Rahmenhandlung, aber handelt das Buch wirklich davon? Ich glaube nicht, tatsächlich finden sich im Krimiplot einige Schwächen, aber trotzdem ist das Buch absolut lesenswert. Martin Keune hat ein wundervolles Detailwissen über die Zeitgeschichte, die Stadt Berlin und den Jazz der Zeit. An allem lässt er uns, auf für mich sehr unterhaltsame Art, teilhaben. Er beschreibt sehr interessante Fakten über die Art und Weise wie die politische Situation in den 30er Jahren langsam in Richtung Nationalsozialismus kippte, er zeigt auch auf wie unterschiedlich die Bevölkerung damit umging. Das Arbeitermilieu und auch die Vergnügungstempel der Stadt, in denen man versuchte sich abzulenken sind sehr lebendig geschildert. Keunes Beschreibungen der Jazzsongs regen an, in den eigenen Sammlungen nach zuhören oder im Netz nach alten Aufnahmen zu suchen. (Habt ihr mal über eine Kompilation zum Buch nachgedacht? Ich weiß die Rechteklärung ist oft schwierig.) Als Berlinerin habe ich mich immer wieder auch an den Beschreibungen der Berliner an sich und diverser Lokalitäten erfreut. Sándor glaubt, wie jeder Berliner, er wäre der einzige, der Berlin wirklich kapiert. Die von einigen der Leserunde bekrittelte KaDeWe-Szene ist grandios,besonders,  wenn man weiß wie das Kaufhaus inzwischen heruntergekommen ist, aber verzweifelt versucht sich auf den Ruhm von damals zu beziehen. Vor allem aber ist es ein Buch, wie einer der beschriebenen Jazzsongs, es funktioniert nur, wenn der Leser mitspielt. Martin Keune gibt quasi einen Grundtakt und eine Grundmelodie vor, und wir Leser können wunderbar darauf mit unseren eigenen Gedanken und Assoziationen improvisieren. Zumindest mich regte das Buch sehr an, zu eigenen Recherchen und Assoziationen. So kam es nicht unbedingt zum langen Lesefluß, sondern eher zu kurzen Lesestücken, aber Ich hatte an diesem Buch großen Spaß. Weshalb ich mit 4,8 von 5 möglichen Klarinetten werte und mit einem, der Zeit nicht entsprechenden, Miles Davis Zitat enden möchte, das das Buch ganz gut beschreibt: "I'll play it first & tell you what it is later „

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  • Unter Jazzmusikern

    Black Bottom
    elisabethjulianefriederica

    elisabethjulianefriederica

    19. April 2013 um 22:33

    Martin Keune : Black Bottom Der Roman spielt in Berlin im Jahr 1930. Er beginnt mit einem Giftgasanschlag auf den bekannten Tanzpalast Femina, mit 11 Todesopfern und zahlreichen Verletzten. Der Kriminalkommissar Sándor Lehmann war anwesend, denn er führt ein geheimes Doppelleben als Jazz-Klarinettist und stand an diesem Abend mit den „Follies“ um Julian Fuhs auf der Bühne. Nun muss er einerseits den Fall voranbringen, andererseits seine Tätigkeit als Jazzmusiker verschleiern, besonders da sein neuer Kollege Belfort „als Aufpasser oder Konkurrent abgestellt von ganz oben“ von Jazzmusik als „Negermusik“ spricht und politisch rechts steht. Die Geschichte es meines Erachtens sehr gut recherchiert, gefallen hat mir Beschreibung der politischen Lage, die Atmosphäre unter Jazzmusikern und die Situation der „kleinen Leute“ in der Zeit vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Das alles nimmt in diesem Roman einen großen Raum ein, leider bleibt die Ermittlung Lehmanns dabei etwas auf der Strecke. Da ich historische Romane sehr gerne lese, habe ich das Buch dennoch geniessen können, auch wenn manchmal sprachlich kleine Ungereimtheiten vorkamen. Der Schluss allerdings war spannend und temporeich und hat mich mit kleinen Längen in der historischen Beschreibung ausgesöhnt. Der Roman ist Band 1 einer geplanten Reihe, Band 2 ist schon in Vorbereitung. Man kann dem Autor, der so atmosphärisch das Berlin der Zeit um 1930 beschreiben kann nur wünschen, dass er den nächsten Kriminalfall spannend und in einem Fluss in dieses hervorragend recherchierte Milieu einbinden kann. Ich kann dieses Buch historisch interessierten Lesern und besonders Jazzliebhabern empfehlen, mir hat es gut gefallen.

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  • Historisch stark, handwerklich schwach

    Black Bottom
    alasca

    alasca

    19. April 2013 um 16:42

    Historisch stark, handwerklich schwach Berlin zu Beginn der 30er Jahre, die politische Situation gerät langsam in Schieflage. Ein Kriminaler namens Sándor Lehmann, der nebenher und heimlich in einer Jazzband Klarinette spielt. Deren Sängerin Bella, die ihrem Namen alle Ehre macht. Ein Giftgasanschlag im Femina, einem der für die damalige Zeit typischen Tanzpaläste, kurz nachdem Sándor auf der Bühne gestanden hat. Ein rivalisierender Kollege, der nur in Richtung der immer mehr geächteten Juden ermittelt. Und eine Romanze gibt es auch noch. Dieser Einstieg in eine Krimireihe hat also eine Menge vielversprechende Bestandteile aufzuweisen. Leider ergeben die kein stimmiges Ganzes. Nicht nur, dass die Charakterisierung des Helden erst erfolgt, wenn man auf Seite 100 kurz davor ist, endgültig das Interesse an ihm zu verlieren. Auch der Krimiplot funktioniert nur, wenn man dessen Dreh- und Angelpunkt, einen falschen roten Schnurrbart und seine Tarnkappenwirkung, akzeptiert. Lässt man sich darauf ein, wartet der Autor mit einem Helden auf, der sich 200 Seiten lang treiben lässt, sich schließlich einen Rüffel einfängt und dann in einem dramatischen Showdown das ganz große Aha-Erlebnis hat. Eher zerrissen als zusammengehalten wird das Ganze durch viele historische Details, die gut recherchiert und interessant sind, aber nicht unbedingt zum Fortgang der Geschichte beitragen. Dies sehe ich als größte Schwäche des Buches: Diese Hintergrundinformationen sind schlecht in die Romanstruktur eingebunden und stehen oft ganz zusammenhanglos im Text, wie zum Beispiel ein Exkurs über Heinrich Mann über fast drei Seiten oder abschnittlange Statements zur politischen Lage. Zudem habe ich mich mit dem Stil des Autors schwergetan. Er möchte sich vom Mainstream abheben, greift aber zu oft daneben. Das hat mich manchmal richtig geärgert, auf jeden Fall aus dem Lesefluss gerissen. Im Mittelteil aber auch immer mal Sprachperlen und ausdrucksstarke Bilder, die ich sehr mochte – das Ganze bunt gemischt, ein Wechselbad aus misslungenem Wollen und Poesie. Mein Eindruck ist, dass hier ein durchaus talentierter Autor seinem eigenen Dünkel unterlegen ist: Kiekma-wie-kreativ-ick-bin. Á propos: Toll hätte ich eine Figur mit richtig schöner Berliner Schnauze gefunden. Gibt´s aber nicht. Trotzdem habe ich zu Ende gelesen, nachdem ich auf Seite 97 eine größere Lesekrise überwunden hatte. Warum? Weil es in der Buchmitte besser wird und endlich einige Figuren, auch Sándor Lehmann, Profil bekommen. Weil der Autor sich so gut und tief im Berlin dieser Zeit auskennt, dass allein das Unterhaltungswert besitzt und eine schöne Zeitstimmung erzeugt. Das letzte Drittel fiel sprachlich wieder ab, aber da wollte ich dann doch wissen, wie der Autor seinen unwahrscheinlichen Plot am Ende auflöst. Ist das nun ein Krimi? Nicht so richtig, siehe oben. – Ist es einfach ein Roman? Auch nicht; dafür fehlt es an Tiefe und Substanz. – Ist es ein historischer Roman? Dafür überwiegt zu sehr das Krimithema. – Oder einfach ein Werk, das mit allen Genres souverän spielt? Auch das nicht – Regeln kann souverän nur brechen, wer sie beherrscht. Fazit: Für die Perlen gibt es von mir einen Stern, einen zweiten für die schöne Zeitstimmung. Zu mehr reicht es nicht, auch wenn „Black Bottom“ nicht völlig enttäuscht. Vielleicht wird der Nachfolgekrimi – auch das Schreibhandwerk übt sich – besser?

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  • Ein Stück deutsche Geschichte

    Black Bottom
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    16. April 2013 um 14:25

    Inhalt Handlungsort: Berlin. Handlungszeitpunkt: 1930.  Elf Menschen sterben durch einen Giftgas Anschlag auf den legendären Tanzpalast "Femina". Kriminalkommissar Sándor Lehmann hat Glück, dass er noch lebt, denn er stand in diesem Moment inkognito als Jazzmusiker auf der Bühne. Nun steht er vor zwei schwierigen Problemen: Um den Fall aufzuklären, muss er einerseits versuchen, sein Doppelleben weiterhin geheim zu halten, andererseits bekommt er auch noch einen neuen Kollegen, der ihn als linientreuer Nazi an seine Grenzen treibt. Das Buch ist der Auftakt zu einer neuen Krimiserie mit Kommissar Sándor Lehmann.   Meinung Das Buch sticht vor allem durch seine brilliant recherchierten Fakten und Hintergründe über die damalige Situation hervor und ist damit ein Muss für alle Geschichtsfans. Die Einordnung als Krimi finde ich jedoch nicht ganz in Ordnung, da mir die Spannung dafür zu sehr auf der Strecke blieb und die Aufklärung des Verbrechens in all den geschichtlichen Fakten beinahe unterging. Der Schreibstil des Autors war für mich anfangs gewöhnungsbedürftig, doch nach den ersten 50 Seiten hatte ich mich dann an die häufig eingesetzten sprachlichen Bilder gewöhnt, ja, ich lernte sie sogar zu schätzen.   Bewertung Ich gebe 3 von 5 Sternen, weil das Buch mir eben nicht Krimi genug war und ich zu den Lesern gehöre, die das erwarten, was drauf steht. Empfehlen würde ich das Buch allen, die sich für die 30er Jahre oder generell für deutsche Geschichte interessieren. Für echte Krimi-Fans könnte das Buch jedoch enttäuschend sein. 

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  • Jede Menge Informationen zu historischen Details

    Black Bottom
    TochterAlice

    TochterAlice

    16. April 2013 um 13:11

    ...aus dem Berlin der frühen 1930er Jahre erfährt der Leser von Martin Keunes historischem Kriminalroman "Black Bottom", doch leider geschieht dies auf Kosten einer spannenden und stringenten Krimihandlung. Dabei ist der Plot vielversprechend: Sándor Lehmann, tagsüber Kriminalbeamter aus äußerst bescheidenen Verhältnissen, nachts inkognito als Klarinettist in einer Jazzband unterwegs gerät in Ausübung der zweiten Tätigkeit in einen Anschlag auf den angesagten Tanzpalast "Femina", bei dem elf Menschen sterben. Folge: er muss im Rahmen seiner ersten Funktion ermitteln, wobei er sowohl ins gesellschaftliche als auch ins politische Kreuzfeuer gerät, denn es ist der Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung. Ich habe einen tollkühnen Krimi zu Jazz und dem Berliner Untergrund mit ganz viel Lokalkolorit erwartet. Es kam anders: Zwar rahmen liebevolle Details sowohl zu Sándors Herkunft als auch zur Einbettung der Handlung in die damalige historische Realität die eigentliche Krimihandlung ein. Man lernt viel über das Berlin der späten Weimarer Republik, wenn es auch insgesamt ein wenig auf Kosten der Atmosphäre geht und die Krimihandlung sich von Zeit zu Zeit in Einzelheiten verliert. Nichtsdestotrotz gibt es einen spannenden Schluss, wobei der Leser dann möglicherweise schon alle Wendungen und Ränke, die eine Rolle spielen, vergessen hat. So erging es zumindest mir - zu unübersichtlich war die teilweise Überlagerung der erzählten Geschichte durch die historischen Details. Es wäre also ratsam, wenn Martin Keune sein ganzes angesammeltes und durchaus detailliertes und originelles Fach- und Rahmenwissen sowohl zur Berliner Geschichte als auch zum Jazz der damaligen Zeit in einem oder gar mehreren Sachbüchern bündeln und dem geneigten Leser zur Verfügung stellen würde, denn den zweiten Teil einer Krimireihe mit Sándor Lehmann, so dieser denn geplant ist, würde ich mir eher sparen und zu historischen Berliner Krimis über die Weimarer Zeit von anderen Autoren, bspw. Susanne Goga oder Volker Kutscher greifen.

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  • Black Bottom

    Black Bottom
    guybrush

    guybrush

    14. April 2013 um 11:08

    Berlin 1930, eine politisch und gesellschaftlich hochbrisante Zeit, ein „Tanz auf dem Vulkan“. Sándor Lehmann, „Bastard“ aus ärmlichen Verhältnissen – tagsüber Polizist, nachts Jazz-Musiker, immer Überlebenskünstler – entkommt bei einem Auftritt mit seiner Kapelle nur knapp einem Giftgasanschlag auf den legendären Tanzpalast „Femina“. Er und sein neuer Kollege Belfort sollen den Anschlag aufklären. Lehmann ist mit seinem Privatleben und dem Verstuschen seiner nächtlichen Aktivitäten so beschäftigt, dass er für Mordermittlungen keine Zeit hat. Belfort hingegen, fleißig und nationalsozialistisch verblendet, vermutet den Täter unter dem „jüdischen Abschaum“ und setzt alles daran, dies auch zu beweisen. Die Nebenfiguren in Black Bottom mussten nicht erfunden werden, „Mordinspektor“ Ernst Gennat, Polizeipräsident Bernhard Weiß, Bandleader Julian Fuhs, sie alle haben real existierende Vorbilder. Kaum ein Jazzmusiker aus dieser Ära, der in diesem Roman nicht mindestens einmal erwähnt wird und auch Josephine Baker und Heinrich Mann haben Gastauftritte. Die Sprache des Buches ist gewöhnungsbedürftig. Sie kommt sehr bildhaft daher und zuweilen auch wortschöpferisch kreativ. Aber was eigentlich Bilder im Kopf des Lesers entstehen lassen soll, ist dann an manchen Stellen doch eher irritierend und stört den Lesefluss. Ich jedenfalls habe Probleme damit mir „eine vollblonde naturschwarze Brünett-Grazie“ oder „eine bauchnabelfreie Burka“ vorzustellen. Trotz detailverliebter Beschreibung des Ambientes, kann der überwiegend sachlich emotionslose Erzählstil die Atmosphäre nicht überzeugend vermitteln. Darüber hinaus stufe ich das Buch eher als historischen denn als Kriminalroman ein. Für einen Krimi fehlen mir dann doch zu viele Elemente, die dieses Genre ausmachen. Es wird nicht ermittelt, es gibt keinen erkennbaren Spannungsbogen und die Auflösung ist vorhersehbar. Man kann Martin Keune wirklich nicht vorwerfen, er hätte nicht gut recherchiert. Aber genau das ist für mich das große Manko dieses Romans. Es ist so viel Wissen eingebracht, dass der Erzählstrang völlig in den Hintergrund gerät. Und so ist es eher ein Sachbuch, anstatt ein Roman geworden, aber auf jeden Fall kein Krimi.

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  • Black Bottom - Martin Keune

    Black Bottom
    Helli

    Helli

    13. April 2013 um 12:09

    Buch:   Berlin, 1930. Bei einem Giftgas Anschlag auf den legendären Tanzpalast »Femina« am Tauentzien sterben elf Menschen. Auch Kriminalkommissar Sándor Lehmann kommt nur knapp mit dem Leben davon - denn eben noch stand er inkognito als Jazzmusiker auf der Bühne. Bei der Aufklärung des brisanten Falls hat er gleich zwei Probleme: Er muss zusehen, dass sein geheimes Doppelleben nicht auf fliegt, und sich mit dem neuen Kollegen Belfort herumärgern, einem linientreuen Nazi, der über das quirlige Nachtleben der Reichshauptstadt ganz eigene Ansichten hat … Der Auftakt zu einer neuen Krimiserie mit dem Klarinette spielenden Kommissar Sándor Lehmann   Autor:   Martin Keune, geboren 1959 im Sauerland, ist Chef einer Berliner Werbeagentur und nebenbei ein äußerst produktiver Schriftsteller. Von ihm erschienen zahlreiche Bücher, im be.bra verlag zuletzt »Groschenroman – Das aufregende Leben des Erfolgsschriftstellers Axel Rudolph« (2009). Martin Keune lebt in Berlin und im Westhavelland.   Meinung:   Ein gut gelungenes Buch, der die 30'er Jahren Geschichte wunderbar wieder gibt (jeder Geschichtslehrer wäre stolz drauf) und seine Jazz-Bewegungen umschreibt. Vom Schreibstill lässt es sich gut lesen, auch wenn da 1-2 Stolperfallen sich verbergen, was ich aber nicht für schlimm empfinde. Ich bin echt begeistert von den "bewegten" Szenen, die der Autor so gut dargestellt hat.   Fazit:   Wie schon geschrieben, gut gelungenes Buch, was man lesen sollte, wenn man Geschichts-Fan ist!

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