Martin Lechner

 2,9 Sterne bei 10 Bewertungen
Autor von Kleine Kassa, Der Irrweg und weiteren Büchern.
Autorenbild von Martin Lechner (© Katja Boldt)

Lebenslauf von Martin Lechner

Martin Lechner wurde 1974 geboren und studierte an der Universität Potsdam Literaturwissenschaft und Philosophie. Seit 2005 veröffentlicht er in verschiedenen renommierte Literaturzeitschriften seine Texte. Sein Romandebüt gab er 2014 mit "Kleine Kassa", mit dem er auch für den Deutschen Buchpreis 2014 nominiert ist.

Alle Bücher von Martin Lechner

Cover des Buches Kleine Kassa (ISBN: 9783701716227)

Kleine Kassa

 (7)
Erschienen am 04.02.2014
Cover des Buches Der Irrweg (ISBN: 9783701717309)

Der Irrweg

 (2)
Erschienen am 13.04.2021
Cover des Buches Gelati! Gelati! (ISBN: 9783942375528)

Gelati! Gelati!

 (1)
Erschienen am 18.08.2021
Cover des Buches Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen (ISBN: 9783701716661)

Nach fünfhundertzwanzig Weltmeertagen

 (0)
Erschienen am 01.02.2016

Neue Rezensionen zu Martin Lechner

Cover des Buches Gelati! Gelati! (ISBN: 9783942375528)A

Rezension zu "Gelati! Gelati!" von Tobias Premper

Großartige Kleinigkeiten
aus-erlesenvor 2 Monaten

Die größte Angst des Autors ist die Schreibblockade. Da sitzt man angespannt und wie gebannt vor dem analogen oder digitalen weißen Blatt und die Verbindung von Kopf zu Fingern ist gestört. Kein Rauschen, kein Fluss, kein Gedankenblitz. Und das ganz unabhängig von existenten Pandemien und/oder ähnlichen Einschlägen. 

Doch dann geht es los! Das Hirngewitter plätschert auf einen ein. Gedankenblitze schießen durch den eben noch pechschwarzen Raum. Die Finger kommen kaum hinterher, dem Input von „da Oben“ weiter Unten die passende Form zu geben. 

Knapp an der magischen Hundert vorbei – was in diesem Fall auch gewollt ist, nicht nur aus mathematischen Gründen (dazu mehr am Ende dieses Textes). Mal „nur“ zwei Zeilen, mal mehr als eine Seite. Kurz und knackig überfluten den Leser Gedankenblitze und -spiele. Zur Abkühlung gibt’s das titelgebende Gelato, bzw. gleich mehrere, Gelati!

Vieles hat man vielleicht selbst schon erlebt … aber nie zu Papier gebracht. Ein Pferd, das langsam im Sand versinkt und Kinder, die es anfangs unschuldig füttern, wohl sicher nicht. Wohl aber schon eine Dusche am Morgen und das oft sinnentleerte Summen einer simplen Melodie. Was die Autoren daraus machen, ist es wert aufgeschrieben und vor allem gelesen zu werden.

Immer wieder ertappt man sich dabei wie Realität und Fiktion ohne Vorwarnung verschmelzen. War das eben echt oder habe ich es gelesen? In welcher Wahrnehmungsebene bin ich momentan? Ohne abzusetzen, sollte man an dieser Stelle unbedingt weiterlesen. Denn jetzt hat man den Punkt erreicht, in dem man vollends in die Welt von Lechner und Premper eingestiegen ist. Man eckt an, folgt einem Licht, verirrt sich, sieht das Ende nahen, öffnet Türen – so was können nur Miniaturen. Sie sind kleine Impulse für die eigene Phantasie. 

Martin Lechner und Tobais Premper nehmen ihr inneres Schreibkind auf den Arm und präsentieren es stolz der Welt wie einst der König der Löwen vor den staunenden Tieren der Savanne präsentiert wurde. Jeder Text eignet sich als Unterhaltungs-amuse-gueule auf Kleinkunstbühnen das fachkundige und kunstgierige Publikum allseitig zu befriedigen. So grobkörnig das Cover erscheinen mag, so kleinpixelig sind die Gedankenspiele in ihren Texten. Wem auf Anhieb 99 Luftballons in den Sinn kommen, wird schnell auf den Boden der Phantasie zurückgeholt. Je Autor 33 Miniaturen und noch einmal dieselbe Anzahl an gemeinsam verfassten Gedankenspielen umspülen den Geist ein ums andere Mal auf vortreffliche Art und Weise. Kurz und knapp, präzise, auf den Punkt. Die hohe Kunst des Weglassens wird mit „Gelati! Gelati!“ gekrönt.

Kommentieren0
1
Teilen
Cover des Buches Der Irrweg (ISBN: 9783701717309)K

Rezension zu "Der Irrweg" von Martin Lechner

Wer führt hier wen in die Irre?
kingofmusicvor 2 Monaten

„Irrweg, der – falsches, verkehrtes, nicht zum Ziel führendes Verfahren“

Den meisten Irrwegen – sofern man sich denn auf einem befindet und es erkennt – folgt man ungern und möchte so schnell wie möglich wieder auf den „richtigen“ Weg. Dann kommt allerdings der Autor Martin Lechner daher, kredenzt den Leserinnen und Lesern „Der Irrweg“ (erschienen 2021 im Residenz-Verlag) – und lässt die o. g. Aussage ad absurdum erscheinen, denn dem „Festlegungsfeigling“ (eines meiner neuen Lieblingsworte *g*) Lars folgt man gerne auf seinem Weg durch die Untiefen seiner Zivildienst-„Beschäftigungsstätte“, der psychiatrischen Anstalt Linderstedt.

Lars ist ein gebeutelter, durchaus intelligenter junger Mann, der mit allen Mitteln versucht, mit seiner alkoholsüchtigen Mutter und seinem eigenen Leben zwischen Mobbing, „Hin-und-her“-Geschiebe zwischen seinen Vorgesetzten und den Bewohnerinnen und Bewohnern von Linderstedt, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und der ersten (Liebe), zurechtzukommen.

Dabei geht Martin Lechner mit Lars nicht gerade zimperlich um; an der ein oder anderen Stelle habe ich gedacht „Ui, böse, Herr Lechner, ganz böse. Wie kannst du nur?“ *g*. Kleiner Scherz.

„Der Irrweg“ ist in diesem Jahr bereits das dritte Buch, in dem es (nicht nur am Rande) um die Alkoholsucht (mindestens) eines Elternteils geht. Die anderen Romane waren inhaltlich schwere Kost. Und auch hier muss die geneigte Leserschaft immer wieder schlucken, obwohl Martin Lechner versucht, sich dem Thema mit Humor zu nähern, was ihm (dadurch, dass es niemals platt und aufgesetzt wirkt!) meiner Meinung nach auch vortrefflich gelingt.

Überhaupt ist der Autor auf einem sehr hohen Sprachniveau unterwegs – davon zeugen (nicht nur) seine „Thomas Mann-Gedächtnis-Bandwurmsätze“ und seine kafkaesk anmutend beschriebenen Tagträume Lars´, die manchmal brüllend komisch sind, dann aber auch zutiefst nachdenklich stimmend.

Ich will die Rezension hier gar nicht weiter episch ausbreiten. Am besten sollte einfach jede*r, der ein Faible für anspruchsvolle Literatur garniert mit Humor hat, den „Irrweg“ lesen.

Definitiv ein Highlight 2021! 5* und absolute Leseempfehlung!

©kingofmusic

Kommentare: 11
17
Teilen
Cover des Buches Der Irrweg (ISBN: 9783701717309)A

Rezension zu "Der Irrweg" von Martin Lechner

Der ganz normale Wahnsinn
aus-erlesenvor 8 Monaten

Vom rechten Weg abzukommen, heißt nicht automatisch, den falschen Weg einzuschlagen. Lars ist Zivi in der Psychiatrischen Anstalt von Linderstedt. Seine Mutter hat ihn ganz gut im Griff. Meint sie. Dass sie ihren Filius mit ihrer Art ihn zu drangsalieren nicht zwingend auf dem vermeintlich rechten Pfad halten kann, stört sie keineswegs. Lars leidet jedoch unter ihr wie ein frisch geschorenes Lamm im Frühjahrswind. 

Der Zivildienst ist für ihn mehr als nur eine Möglichkeit die Zeit zu überstehen bis sich „was anderes ergibt“. Es ist eine Flucht. Dass auch hier in den Werkstätten der Wahnsinn an jeder Ecke lauert, ist ihm klar. Spätestens als ihm bewusst wird, dass die Arbeitstherapeuten, die sich nicht ausstehen können, ihn als Spielball missbrauchen. Sagt der Eine Hü, sagt er Andere Hott. Ein Irrenhaus! Im wahrsten Sinne des Wortes.

Doch Lars fügt sich. Er findet Gefallen daran zu erkennen, wie er die Bewohner des Heims, die Arbeiter, die Angestellten zu nehmen hat. Schnell schließt er sogar so etwas wie Freundschaften. Zum Beispiel mit Hanna. Sie zeigt ihm ziemlich eindeutig und eindrucksvoll, was sie erwartet. Vom Leben, von sich selbst und von Lars. 

Ja, diese Hanna hat das Zeug Lars’ Leben komplett auf den Kopf zu stellen oder besser gesagt: In Flammen aufgehen zu lassen! Er ist Feuer und Flamme für sie. Sie für ihn. Sie hat das Rüstzeug, um die ganze Welt, besonders die von Lars – vielleicht so gar die vom Chef, zumindest sein Auto? Wer weiß … - in ein Flammenmeer zu verwandeln. 

Lars wurde bisher in seinem kurzen Leben immer gesteuert. Selbstantrieb war ihm bisher fremd. Die Mutter, die keine Möglichkeit ausließ, ihm ein schlechtes Gewissen einzureden. Die Zivistelle, die ihm bisher auch kein Glück brachte, sondern zeigte, dass Machtfantasien von tieferer Stelle aus fiesere Auswirkungen haben könne, als wenn sie von Oben kommen. Und dann diese Hanna. Kein Links, kein Rechts. Immer gerade heraus. Immer geradeaus. Was ist eigentlich, wenn man den Irrweg, den man bisher beschritten hat, verlässt? Kommt man dann automatisch auf den richtigen Weg? Oder lauert dann schon der nächste Irrweg?

Mit viel Gefühl und brachialem Wortwitz stellt Martin Lechner dem Leser seine Vision von Linderstedt vor. Linderung kann hier wirklich niemand erwarten. Linderung wovon? Das ist wohl auch die entscheidende Frage. Wenn alles Leid „normal“ ist, wovon soll man dann geheilt werden? Wenn das, was man kennt, nicht nach Linderung schreit, ist die Stätte der Linderung ein weit entfernter Ort. Keine Angst vor großen Gefühlen, keine Angst vor schrägen Gedanken, keine Angst vor Linderstedt – „Der Irrweg“ ist ein Weg, den man nicht verlassen kann, weil er den Leser fesselt. Mit angenehmen Nebenerscheinnungen. 


Kommentare: 1
2
Teilen

Gespräche aus der Community



Die Longlist des Deutschen Buchpreises 2014 steht seit Kurzem fest und hier könnt ihr auch schon bei LovelyBooks für euren persönlichen Favoriten abstimmen.

Jetzt haben wir noch eine besondere Aktion für euch vorbereitet: Ihr habt nun die Möglichkeit, den Autoren, die es mit ihren Büchern auf die Longlist geschafft haben, Fragen zu stellen und natürlich auch ihre Bücher zu gewinnen!

Die Autoren von Diogenes, dem Luchterhand Literaturverlag, dem Residenz-Verlag und dem Rowohlt Verlag haben bereits zugesagt, die Liste ist aber noch nicht final, sondern wird noch erweitert werden. Seid gespannt!

Hier die Termine für die Fragerunden, die bisher feststehen:

Montag, 8. September 2014:
Thomas Melle - "3000 Euro"
Hier geht es zur Fragerunde!

Matthias Nawrat - "Unternehmer"
Hier geht es zur Fragerunde!

Michael Ziegelwagner - "Der aufblasbare Kaiser"
Hier geht es zur Fragerunde!

Dienstag, 9. September 2014:

Christoph Poschenrieder - "Das Sandkorn"
Hier geht es zur Fragerunde!

Mittwoch: 10.September 2014:

Saša Stanišić - "Vor dem Fest"
Hier geht es zur Fragerunde!

Dienstag, 16. September 2014:

Ulrike Draesner - "Sieben Sprünge vom Rand der Welt"
Hier geht es zur Fragerunde!

Mittwoch, 17. September 2014
Martin Lechner - "Kleine Kassa"
Hier geht es zur Fragerunde!

Sobald die Fragerunden eröffnet sind, werden wir sie auch hier verlinken. Ihr könnt den Autoren am jeweiligen Tag im entsprechenden Thema (also nicht hier im Thema!) Fragen stellen, die sie euch dann natürlich auch beantworten! Bitte beachtet, dass die Fragerunden teilweise nicht bis Mitternacht geöffnet sein werden, sondern die letzten Fragen schon am Abend gestellt werden müssen! Wie auch bei unseren Fragefreitagen werden wir unter allen Fragestellern einige Exemplare der Bücher verlosen, mit denen die Autoren nominiert sind.

Unter den Teilnehmern an allen Fragerunden verlosen wir 3 tolle Buchpakete mit den folgenden Büchern aus der Longlist:


Ich wünsche euch schon einmal viel Spaß bei den Fragerunden! Seid ihr schon gespannt? :)


Nachtrag: Die Shortlist des Deutschen Buchpreises ist nun auch veröffentlicht! Hier könnt ihr sehen, welche Titel es geschafft haben!
79 Beiträge
F
Letzter Beitrag von  Flohvor 6 Jahren
Oh Danke, da habe ich ja noch gar nicht mit gerechnet!
Zum Thema


Fragerunde mit Martin Lechner, Autor von "Kleine Kassa"

Im Rahmen unserer Aktion rund um die Longlist des Deutschen Buchpreises 2014 habt ihr die Chance, den Autoren, die mir ihren Werken nominiert sind, Fragen zu stellen und ihre Bücher zu gewinnen. Hier könnt ihr für euren Longlist-Favoriten abstimmen!

Mit "Kleine Kassa" hat Martin Lechner im September 2014 sein Romandebüt gegeben und erzählt darin von Georg, der in nur 48 Stunden durch einige unbedachte Handlungen in eine Katastrophe schlittert: Er wird vom unbedachten Lehrling zum mordverdächtigen und gejagten Obdachlosen. Ein Buch, das ebenso packend und spannend wie unterhaltsam ist.

Mehr zum Buch:

Der Schlaueste ist Lehrling Georg Röhrs nicht. Doch er hat einen Traum: Liftboy in einem Hotel am Meer will er werden, mit seiner verschwundenen Jugendliebe Marlies den Nachtzug nehmen und aus der heimatlichen Enge fliehen. Als Georg über eine Leiche stolpert und unbeabsichtigt den Schwarzgeldkoffer seines Meisters entwendet, überstürzen sich die Ereignisse: An einem einzigen Wochenende verliert er Wohnung, Arbeit, Eltern, Freunde, Geld, Liebe und vielleicht ein Stückchen seines Verstandes – und doch steht am Ende dieser halsbrecherischen Jagd eine neue, ungeahnte Freiheit…

Hier könnt ihr euch den Buchtrailer ansehen, den Martin Lechner selbst gedreht hat:

###YOUTUBE-ID=GGWwWWDpjyE###

Hier könnt ihr schon einmal ein Interview mit dem Autor lesen!

Mehr zum Autor:
1974 geboren, Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft an der Universität Potsdam. Seit 2005 zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften wie „Bella triste“, „manuskripte“ und „Edit“ sowie der Erzählungen „Bilder einer Heimfahrt“ (2005) und „Covering Onetti“ (2009). Martin Lechner lebt und schreibt in Berlin, „Kleine Kassa“ ist sein erster Roman.

Gemeinsam mit dem Reidenz Verlag verlosen wir unter allen Fragestellern 5 Exemplare von "Kleine Kassa" von Martin Lechner. Wer bei allen Fragerunden mit den Longlist-Autoren mitmacht, wandert zusätzlich in den Lostopf für eines von drei Buchpaketen, vollgepackt mit den nominierten Werken!

Martin Lechner wird morgen ab 15 Uhr in die Fragerunde einsteigen und so viele Fragen wie möglich beantworten. Bitte habt Verständnis dafür, dass er nicht den ganzen Abend hindurch online sein wird und wir die Fragerunde dann dementsprechend schließen.

Nun wünsche ich euch ganz viel Spaß bei der Fragerunde mit Martin Lechner! :)
115 BeiträgeVerlosung beendet

Community-Statistik

in 18 Bibliotheken

von 7 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Worüber schreibt Martin Lechner?

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks