Martin Lehnert

 3,8 Sterne bei 22 Bewertungen

Lebenslauf

Martin Lehnert (1910–1992) war von 1951 bis 1975 Professor für Anglistik und Amerikanistik an der Humboldt-Universität Berlin. Von 1963 bis 1985 war er Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft in Weimar, seit 1997 verleiht die Gesellschaft zu seinem Gedenken alljährlich den Martin-Lehnert-Preis an junge Wissenschaftler.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Martin Lehnert

Cover des Buches Beowulf. Ein altenglisches Heldenepos (ISBN: 9783150183038)

Beowulf. Ein altenglisches Heldenepos

(21)
Erschienen am 01.08.2004
Cover des Buches Altenglisches Elementarbuch (ISBN: 9783110124712)

Altenglisches Elementarbuch

(1)
Erschienen am 03.04.1995

Neue Rezensionen zu Martin Lehnert

Cover des Buches Die Canterbury-Erzählungen (ISBN: 9783866472174)
M

Rezension zu "Die Canterbury-Erzählungen" von Geoffrey Chaucer

Malte_Hermann
Auf Pilgerschaft durch Geschichten – Meine Begegnung mit Chaucers Canterbury-Erzählungen

Als ich Chaucers Canterbury-Erzählungen las, hatte ich das Gefühl, selbst Teil einer bunten Reisegesellschaft zu sein. Die Rahmenhandlung – eine Gruppe von Pilgern auf dem Weg zum Schrein des heiligen Thomas Becket in Canterbury – bietet nicht nur eine Kulisse, sondern auch einen Spiegel menschlicher Vielfalt. Jeder Pilger erzählt eine Geschichte, und jede Geschichte enthüllt ein Stück Welt, das weit über das Mittelalter hinausreicht. (Mehr Rezensionen unter: https://love-books-review.com/de/ )

Mich faszinierte, wie Chaucer diese Stimmen zusammenführt: vom derben Humor des Müllers bis zur ernsten Moral der Nonne, von der Fröhlichkeit des Landmanns bis zur bitteren Satire des Kaufmanns. Ich spürte, dass diese Figuren nicht nur literarische Konstruktionen sind, sondern lebendige Abbilder einer Gesellschaft voller Widersprüche. Während ich las, hatte ich oft den Eindruck, an einem großen Tisch zu sitzen, die Stimmen durcheinander, die Lacher, die Streitigkeiten – und mittendrin ich, als stummer Zuhörer.

Besonders berührt hat mich die Fähigkeit Chaucers, durch Humor und Ironie tiefere Wahrheiten sichtbar zu machen. Hinter den komischen Episoden liegen Fragen nach Moral, Gerechtigkeit, Liebe und Macht. Die Mischung aus volkstümlicher Sprache und feiner Beobachtungskunst erzeugte in mir ein Staunen, wie modern diese Texte wirken.

Die Canterbury-Erzählungen sind für mich nicht nur ein literarisches Denkmal, sondern ein Erlebnis: eine Reise in die Menschlichkeit, die zeigt, dass unsere Sorgen, Sehnsüchte und Schwächen sich über Jahrhunderte hinweg kaum verändert haben.

Cover des Buches Die Canterbury-Erzählungen (ISBN: 9783458165019)
Arbutuss avatar

Rezension zu "Die Canterbury-Erzählungen" von Geoffrey Chaucer

Arbutus
Ein Roman aus dem Jahr 1380

Ich muss vorausschicken, dass ich hier eine Ausgabe des Verlages Anaconda rezensiere, die leider bei LB nicht gelisted ist.


Der englische Pilger des Mittelaltes pilgerte nicht nach Santiago di Compostela, sondern nach Canterbury, wo der einst ermordete und kurz darauf als Märtyrer verehrte streitbare Erzbischof Thomas Becket begraben liegt.

Geoffrey Chaucer, der heute als der größte englische Dichter vor Shakespeare gilt, beschreibt in dem 718 Seiten umfassenden und im Versmaß gehaltenen Epos eine Reisegesellschaft von zweiundzwanzig Personen aller möglichen Stände und Berufe (Ritter, Verwalter, Bettelmönch, Büttel, Ablasskrämer, sowie unter anderem dreien allein reisenden Frauen, die mir angenehm gleichberechtigt erscheinen), die sich gemeinsam zu Pferde auf diese Pilgerfahrt begeben und sich den Weg mit der Erzählung verschiedenster Geschichten verkürzen. Jeder kommt mal dran, dafür sorgt der gutgelaunte und scharfzüngige Wirt, der gerne mal eine der abgelieferten Erzählungen zustimmend oder auch spöttisch kommentiert. Auch Chaucer selbst kommt an die Reihe und nimmt sich die unerhörte Freiheit, anstelle des Versmaßes plötzlich Prosa zu benutzen, allerdings erst, nachdem ausgerechnet er, der Dichter, so schlechte Verse gedroschen hat, dass der Wirt ihn genervt unterbrochen hat; offensichtlich macht sich Chaucer mit feiner Ironie über seine Vorredner lustig ... Wir hören Erzählungen aus der Antike, aus der mittelalterlichen Gegenwart, Christliches, Moralisierendes, aber auch die völlig niveaulosen und und zotenhaften Erzählungen des Müllers oder des Verwalters. Der Autor rechtfertigt die unzensierte "Wiedergabe" der derben Texte mit seiner Absicht, das Gesamtbild der extrem unterschiedlichen Charaktere und Bildungshintergründe lückenlos darzustellen. Er empfiehlt aber zarten Gemütern, besagte Seiten zu überspringen. Nachdem ich mir die erste dieser Erzählungen angetan habe, bin ich dann gerne seiner Empfehlung gefolgt und habe die Zweite ausgelassen; mehr von diesem unappetitlichen Zeug braucht man wirklich nicht.

Den Abschluss bildet "Die Erzählung des Pfarrers", die nicht nur unkommentiert bleibt, sondern ungewöhnlicherweise wieder in reiner Prosa abgefasst ist. Tatsächlich handelt es sich auch nicht wirklich um eine Erzählung, sondern um eine sehr ausführliche Predigt über die Buße. Was ja naheliegt, da sich die Gesellschaft mit jeder Erzählung dem Ziel ihrer Pilgerschaft nähert. Diese Predigt lässt nun nichts aus; sie zelebriert derart intensiv die verschiedenen Arten der Sünde, der diversen Höllenqualen und der Buße, dass auch jedem noch so gläubigen heutigen Christen davon schlecht werden muss. Hier hat sich die mittelalterliche katholische Lehre dermaßen festgefahren, das sie das alte Wort Jesu wahrmacht: "Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern [...]" (Mat.23.4). Aus diesem Grunde sah ich mich aus reinem Selbstschutz letztendlich gezwungen, mit diesem Text ebenso zu verfahren, wie anfangs mit der Erzählung des Verwalters; ich brach die Lektüre ab und sprang in das kurze Nachwort Chaucers, in welchem er ein paar einfache Worte an den Leser richtet und nochmals seinen ehrenhaften christlichen Standpunkt kundtut.

Die vorliegende Ausgabe von Anaconda gibt die Übersetzung von Adolf von Düring aus dem Jahr 1885 wieder, eine absolute Meisterleistung; ich weiß nicht, ob heute noch irgendein Übersetzer zu so etwas fähig wäre. Die über 60 Seiten umfassenden Anmerkungen gehen auf die unzähligen politischen, biblischen und literarischen Anspielungen im Text ein, die heute kaum mehr jemand ohne solche Hilfe verstehen würde.

Trotz der erwähnten gewissermaßen unleserlichen Passagen war die Lektüre insgesamt ein großer Gewinn. Man erhält aus erster Hand einen unglaublich spannenden Einblick in die Welt des englischen Mittelalters. Ein wenig Ausdauer muss man freilich mitbringen, denn man maß damals einen guten Roman noch nicht an der Bekömmlichkeit für unsere heutige Häppchenmentalität.

Da Lovely Books mir leider nicht die in diesem Fall unsinnige Option des Sternchen-Bewertens erspart, gebe ich selbstverständlich alle 5 Sterne, denn es steht mir nicht an, dieses bedeutende Stück früher Weltliteratur abzuwerten, nur weil es nicht hundertprozentig dem heutigen Lesegaumen entspricht (ebenso anmaßend wäre dies bei Goethe oder Shakespeare - ich erlebe leider immer wieder, dass Leser genau das versuchen). Außerdem hat ein Verlag, der ein solches historisches Werk so liebevoll und sorgfältig herausgibt, genauso wenig eine Abwertung verdient.

Cover des Buches Die Canterbury-Erzählungen (ISBN: 9783458327066)
Yolandes avatar

Rezension zu "Die Canterbury-Erzählungen" von Geoffrey Chaucer

Yolande
Etwas langatmig

Auf einer Pilgerfahrt von London nach Canterbury erzählen sich die einzelnen Pilger Geschichten um sich die Zeit zu vertreiben.
Das Ganze ist etwas dem "Decamerone" nachempfunden. Eigentlich war ich sehr gespannt, den ich hatte das "Decamerone" bereits gelesen und es hat mir sehr gut gefallen.  Bei diesem Buch fand ich die Geschichten teilweise etwas langatmig. Die verschiedenen Reimformen sind interessant und in den, dem Buch angehängten Erklärungen, sehr gut erläutert. Überhaupt fand ich die Erklärungen teilweise interessanter als die dazugehörige Geschichte. 
Alles in allem sehr zäh.

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