Martin Mittelmeier

 4 Sterne bei 75 Bewertungen
Autor*in von Heimweh im Paradies, Heimweh im Paradies und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Martin Mittelmeier, geboren 1971, arbeitete viele Jahre in renommierten deutschen Literaturverlagen und ist seit 2014 als freier Lektor und Autor tätig. Bei Siedler erschienen »Adorno in Neapel« (2013) und »DADA« (2016), die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Mittelmeier ist Honorarprofessor am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Universität zu Köln.Martin Mittelmeiers Artikel “The 100th Anniversary of Critical Theory in Naples” im Blog der Yale University Press:

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Heimweh im Paradies (ISBN: 9783755805724)

Heimweh im Paradies

(68)
Neu erschienen am 10.03.2026 als Taschenbuch bei DuMont Buchverlag.

Alle Bücher von Martin Mittelmeier

Cover des Buches Heimweh im Paradies (ISBN: 9783755805724)

Heimweh im Paradies

(68)
Erschienen am 10.03.2026
Cover des Buches DADA (ISBN: 9783827500700)

DADA

(2)
Erschienen am 25.01.2016
Cover des Buches Ungeschriebene Werke (ISBN: 9783630621104)

Ungeschriebene Werke

(2)
Erschienen am 16.10.2006
Cover des Buches Adorno in Neapel (ISBN: 9783442748693)

Adorno in Neapel

(1)
Erschienen am 09.03.2015
Cover des Buches Freiheit und Finsternis (ISBN: 9783827501394)

Freiheit und Finsternis

(0)
Erschienen am 18.10.2021
Cover des Buches Heimweh im Paradies (ISBN: 9783755815273)

Heimweh im Paradies

(2)
Erschienen am 11.03.2025

Neue Rezensionen zu Martin Mittelmeier

Cover des Buches Heimweh im Paradies (ISBN: 9783755800330)
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Rezension zu "Heimweh im Paradies" von Martin Mittelmeier

roomwithabook
Ein Schreibtisch in Kalifornien

Dieses Jahr wäre Thomas Mann 150 Jahre alt geworden, und das wird hierzulande entsprechend gefeiert. Ich hatte auch kurz die Vision, endlich einmal mehr von ihm zu lesen und vielleicht sogar regelmäßig an einem Thomas-Mann-Lesekreis teilzunehmen. Das hat leider bisher nicht geklappt, ich habe gerade mal den Tod in Venedig sowie eine weitere Kurzgeschichte geschafft (und vor Jahren schon die Buddenbrooks, immerhin). Aber noch ist das Jahr nicht vorbei …

Dafür habe ich ein Buch über Thomas Mann gelesen, konkret eins über seine Jahre im kalifornischen Exil. Der Titel führt ein wenig in die Irre, denn Heimweh hat der Autor Mann eigentlich nicht, zumindest nicht nach Deutschland. Das ist nach eigener Aussage ja sowieso dort, wo er sich befindet. Und darüber, ob Kalifornien wirklich ein Paradies ist, lässt sich vermutlich streiten, spielen da doch viele Faktoren eine Rolle. Für Thomas Mann mag es eins gewesen sein, er hatte sowohl Geld, Anerkennung und eine Aufenthaltsgenehmigung, seine Meinung war gefragt und sein Einfluss groß. Doch so ging es nicht allen Menschen im Exil, auch wenn die Nachbarschaft viele bekannte Namen beherbergte, darunter Vicki Baum, Bertolt Brecht, Theodor W. Adorno und Arnold Schönberg. Es herrschten Geldmangel und Bedeutungsverlust, ein Kampf mit der neuen Sprache und der fremden Kultur. Nur Thomas Mann konnte einfach da weitermachen, wo er in Europa aufgehört hatte, als inzwischen überzeugter Demokrat und Gegner Hitlers durfte er sogar Reden an die deutsche Bevölkerung schreiben, die dann von der BBC ausgestrahlt wurden. Martin Mittelmeier nähert sich Manns Jahren im Exil literarisch an, er stützt sich unter anderem auf Briefe und Tagebucheinträge und lässt dadurch eine Nähe entstehen, die uns als Leser*innen fast mit am Tisch sitzen lässt. Es geht um Begegnungen und Gespräche, aber auch um die Romanprojekte, die in diesen Jahren entstehen: „Doktor Faustus“ und der vierte Band der „Joseph“-Tetralogie. Besonders spannend fand ich aber die Einbettung Manns in die Exilgemeinde, die in all ihren Unterschieden und Zwistigkeiten dargestellt wird. Thomas Mann ist der ungekrönte König der deutschen Flüchtlinge in Kalifornien – eine Rolle, die er als gegeben ansieht und die trotzdem nicht von allen gutgeheißen wird. Er ist privilegiert, ohne dies infragezustellen, und dadurch durchaus blind für seine Umgebung. Der Schriftsteller ist mir als Mensch nicht unbedingt sympathischer geworden, umso spannender fand ich jedoch die Schilderung der deutschen Community und Manns Rolle als antifaschistische Galionsfigur. Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die mehr über Thomas Mann erfahren wollen und/oder sich für die Verflechtungen der deutschen Kulturschaffenden interessieren, die vor den Nazis in die USA geflohen sind.

Cover des Buches Heimweh im Paradies (ISBN: 9783755800330)
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Rezension zu "Heimweh im Paradies" von Martin Mittelmeier

Dr_M
Herumstochern in Anekdoten in einer seltsamen Sprache

Als ich Auszüge aus den verschiedenen Presse-Rezensionen las, musste ich oft lachen. Da ist von "skeptisch-ironischer Distanz, aber auch zartem Verständnis", von einer "angenehm beschwingte Erzählmelodie in einem gut zu lesenden, lebensnahen Porträt der Exilantenszene" oder von der "Ehre, (Manns) ironischen Stil schön zu kopieren" die Rede. Das ist alles aus meiner Sicht gehobener Unfug. Um Thomas Mann zu verstehen, muss man Thomas Mann sein. Alles andere wird zwangsweise durch die eigene Brille gesehen und entsprechend umgedeutet. Selbst wenn man die Tagebücher des Schriftstellers liest, so weiß man dennoch nicht, wie er bei seiner Niederschrift empfunden hat.

Aber das Publikum liebt diese Boulevardgeschichten, sonst kämen sie nicht täglich im Fernsehen. Es wird dabei stets der Eindruck vermittelt, man wüsste über die jeweiligen Prominenten Bescheid. In Wirklichkeit befriedigt man nur die Neugier fremder Menschen und erfüllt damit offenbar ein Grundbedürfnis. Ob all die Geschichten um Thomas Mann in Kalifornien nun wahr sind oder nicht, ist eigentlich auch egal, denn man kann das nicht mehr nachvollziehen. Selbst bei der Entstehungsgeschichte des "Doktor Faustus" wird man verschiedene Varianten hören, könnte man Mann oder Adorno noch befragen. Und letztlich ist auch das egal, der Roman zählt und bleibt.

Immerhin gelingt es dem Autor dieses Buches wenigstens die Blase der deutschen Exilanten in Los Angeles zu beschreiben. Zum Beispiel bei ihrem eher lächerlichen Versuch, so etwas wie eine Exilregierung zu konstruieren, natürlich mit Thomas Mann an der Spitze. Der hat diesen Unsinn klugerweise abgelehnt. Wie groß diese grandiose Selbstüberschätzung war, zeigt die tatsächliche Bedeutungslosigkeit von Exil-Künstlern im Nachkriegs-Deutschland.

Man erhält mit diesem Buch einen gewissen Einblick, wie die Dinge damals in Kalifornien gelaufen sein könnten, sieht die Unterschiede der einzelnen Persönlichkeiten und bekommt vielleicht eine Vorstellung von den Beziehungen untereinander, die oft von kindlicher Eifersucht belastet waren.

Leider ist der Versuch des Autors, Manns Sprache nachzuahmen, wenn es denn einen solchen gegeben hat, gründlich danebengegangen: Da ist keine Sprachmelodie, sondern ein stotternder Sprachfluss. Der Autor liebt Aufzählungen, beispielsweise die von einigen Hauptsätzen hintereinander, nur durch Satzzeichen getrennt. Und in gewissen Teilen des Textes nehmen auch die Doppelpunkte überhand.

Das Buch ist kurz gesagt eine Enttäuschung, nicht einfach lesbar und an vielen Stellen auch spekulativ. Aber man glaubt am Ende doch, einen gewissen Eindruck erhalten zu haben, wenngleich auch das vermutlich eine Illusion sein wird. Siehe oben.

Cover des Buches Heimweh im Paradies (ISBN: 9783755800330)
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Rezension zu "Heimweh im Paradies" von Martin Mittelmeier

Island
Im kalifornischen Exil

Mit Exilliteratur und dem Leben deutscher Schriftsteller im Exil habe ich mich bisher hauptsächlich im Zusammenhang mit Bertolt Brecht befasst, der dann doch ein ganz anderer Charakter war als Thomas Mann und auch ganz anders arbeitete. Daher fand ich es interessant nun, in dessen Jubiläumsjahr, mehr über Thomas Manns Zeit im kalifornischen Exil und die Menschen, von denen er dort umgeben war und zu denen ja wiederum auch Brecht zählte, zu erfahren. Das Cover empfand ich als recht passend gewählt, da das Bild einerseits friedlich wirkt, aber es auch recht einsam dort zu sein scheint.

In der Erzählung, verfasst nach sicher sehr ausgiebiger Recherche, was auch die Literaturverweise zeigen, nähert man sich dem großen deutschen Schriftsteller und Nobelpreisträger an, wie er mit Deutschland hadert, an dem er weiterhin sehr hängt, weil er wesentlich konservativer eingestellt ist, als sein Bruder Heinrich oder eben Bertolt Brecht. In Anekdoten und Begegnungen mit anderen Exilanten und auch Amerikanern lernt man Thomas Mann näher kennen und stellt fest, dass er, verglichen mit anderen Exilanten gar nicht zu sehr von seinem gewohnten Lebensstandard und Tagesablauf und seiner Art des Arbeitens abweichen musste. Nichtsdestotrotz machten ihm das Leben im Exil und das Wissen darüber, was zeitgleich in Deutschland passiert, aber schwer zu schaffen. Vollkommen nahe fühlte ich mich ihm dabei dennoch nicht, es blieb eine recht große Distanz. Der Schreibstil des Autors war aber gut nachvollziehbar und auch dem Sprecher des Hörbuchs konnte man gut folgen. Seine Stimme passte zur Atmosphäre des Buches.

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