Martin Mosebach Das Blutbuchenfest

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Inhaltsangabe zu „Das Blutbuchenfest“ von Martin Mosebach

Mitten in der Stadt, im Garten unter der blutroten Buche, organisiert ein Geschäftemacher ein teures Fest. Das ist der Auslöser für erotische Verwicklungen, Liebe, Betrug und Eifersucht. Der Erzähler, ein Kunsthistoriker, verliebt sich in die zerbrechliche Winnie. Und Marusha dient gleich mehreren Herren als Geliebte. Hochstapler treffen auf Kreative und Verliebte auf Verlassene. Bei allen aber putzt Ivana aus Bosnien, die auch auf dem Fest für Ordnung sorgen soll. Doch während die Kunden feiern, beginnt auf dem Balkan der Krieg. Martin Mosebach überrascht mit einem neuartigen Ton, wechselnd zwischen Komik und Härte, Ironie und Trauer.

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    Das Blutbuchenfest
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    02. October 2015 um 11:41

      Fällt in Literaturkreisen der Name des Büchnerpreisträgers Martin Mosebach, da scheiden sich gleich die Geister. Und das nicht etwa wegen unterschiedlicher Vorstellungen von der Qualität seiner Romane und Essays, sondern hauptsächlich wegen dem, wofür Martin Mosebach steht. Als überzeugter konservativer Katholik, der den lateinischen Ritus verteidigt, ist er für eine mehrheitlich religionskritische Kultur- und Literaturkritik ein Ärgernis. Doch er, immer korrekt gekleidet mit Fliege und Einstecktuch, lässt sich davon nicht beirren. Er verfügt seit Jahren über ein beeindruckendes polemisches Temperament und wird auch mit seinem neuen Buch die Geister scheiden. Und das nicht nur, weil er Sofa mit ph schreibt und die deutsche Sprache in ihrer wunderbaren Vielfalt beherrscht wie kaum ein anderer. Sondern einfach deshalb, weil es ein Buch ist von Martin Mosebach. Den Rezensenten hat der neue Roman mit dem Titel „Das Blutbuchenfest“ gefesselt von der ersten Seite an. Es ist ein Buch voll hintergründigem Witz und es zeugt in der Schilderung seiner unterschiedlichen Protagonisten von einer tiefen und reflektierten Menschenkenntnis seines Autors. Der Roman spielt in Frankfurt. Es ist die Zeit Anfang der neunziger Jahre. Kaum war die Berliner Mauer gefallen und die Welt begann von einem neuen friedlichen Zeitalter zu träumen, da beginnen im zerfallenden Jugoslawien Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Ethnien und religiösen Gruppen, die man in Europa so nie mehr für möglich gehalten hätte. Es ist die weibliche Protagonistin des Buches, Ivana, die, seit vielen Jahren schon illegal Frankfurt lebend, für viele andere Figuren aus dem illustren Kabinett Martin Mosebachs putzt, die die Verbindung herstellt zwischen dem einen Handlungsort Frankfurt und den teilweise ins Lächerlich-Absurde gezogenen Spleens seiner dort sich tummelnden Figuren und der demgegenüber fast archaisch anmutenden Heimat Ivanas in den bosnischen Bergen. Die meisten Figuren, auch der namenlose Ich-Erzähler, ein gescheiterter Kunsthistoriker, der bisher nicht viel aus seinem Leben gemacht hat, treffen sich mehrfach in der Woche in einem angesagten Restaurant, bei Merzinger. Dort fröhnen sie an verschiedenen Tischen ihren aufgeblasenen und hohlen Ideen. Unter anderem der sich intellektuell gebende Wereschnikow. Er hat schon einmal mit Henry Kissinger gesprochen und er kennt Boutros Ghali. Mit deren Unterstützung will er mit einem internationalen Kongress über Menschenwürde insbesondere das Werk von Mestrovic, dem Michaelangelo Bosniens in einer Ausstellung zeigen. Hier zeigt Mosebach seine politische Polemik gegenüber einer damals im Westen herrschenden Stimmung, die sich gegenüber dem atavistischen Geschehen des Bosnienkriegs völlig hilflos zeigte. Insbesondere die Kapitel, in denen Ivana, eine entfernte Verwandte des Bildhauers, und der Erzähler nach Bosnien reisen, zeigen in einer auch sprachlich beeindruckenden Weise, wie entfernt die beiden Welten voneinander sind. Und dass, während dort der Krieg ausbricht, hier ein Fest gefeiert wird, bei dem es nur um Fressen und Saufen geht, spricht für sich. Jede seiner vielen anderen Figuren, die hier nicht erwähnt werden, hat Mosebach meisterhaft gezeichnet. In einer Sprache und mit einer Grammatik, die mich jedenfalls auf jeder Seite neu gefangen genommen und begeistert hat. Mosebachs anspruchsvoller Stil macht sein Buch nicht zum Pageturner, dennoch kann man es kaum aus der Hand legen vor lauter stiller Begeisterung.

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  • Putzfrauenfußball mit dem Mann ohne Eigenschaften

    Das Blutbuchenfest
    D_T_Georg

    D_T_Georg

    29. April 2014 um 12:04

    Putzfrauenfußball mit dem Mann ohne Eigenschaften In den späten 90ern wurde viel von der sogenannten »Postmoderne« geredet. Oft genug auch geschwafelt, denn wer hätte sagen können, was nun exakt die Merkmale jener »neuen Zeit« gewesen wären. Mosebach lässt seinen Roman genau in dieser Zeit spielen. Er schreibt, verspätet allerdings, einen Versuch über die Putzfrau. Namhafte Literaten hatten in den Neunzigern so großartige Themen wie die »Kartoffel« oder die »Musikbox« entdeckt. Seinen Roman »Das Blutbuchenfest« lässt Mosebach im Wesentlichen von einem Ich-Erzähler formulieren, der an Musils »Mann ohne Eigenschaften« erinnert. Er ist hochgebildet und empfindsam, doch dem promovierten Kunsthistoriker fehlt der Schneid. Selbst wenn andere in seiner Gegenwart über ihn lästern und ihn einen totalen Versager (im Hauptberuf ist er Sohn und lebt vom Eingemachten des Vaters) schimpfen, schreitet er nicht ein, um sich zu verteidigen, was allerdings auch die Größe der Figur ausmacht. Die besseren Frankfurter treffen sich alle bei Merzinger, einem wortkargen Wirt, der mich in seiner Kennzeichnung stark an jenen in Köln einst so berühmten Lommerzheim erinnerte. Nach und nach wird der Charakter der Bourgeoisie deutlich, die hier versammelt ist. Was sie eint, ist die aus Jugoslawien stammende Putzfrau Ivana, die den Dreck der feinen Herrschaften entsorgen darf. Ansonsten verbindet diese Gesellschaft ihr maßloser Hang zur Selbstinszenierung, um nicht von Egomanie zu sprechen. Allein Ivana, die einfache Putzfrau, ist Heldin der Arbeit und erleidet im Roman ein doppelt hartes Schicksal. Die Handlung des Buches kulminiert in jenem titelgebenden Fest, das in einer rauschhaften Orgie endet. Es fließt das Blut der gleichnamigen Buche. Allerdings nicht in Frankfurt, sondern in Ivanas Heimat. Doch dafür interessiert sich schlicht niemand. Lediglich der Erzähler macht deutlich, wie dramatisch das Schicksal ihres Landes ist. Allerdings ist in seiner Beziehung zu Ivana lange schon ein Bruch entstanden, so dass er sich nicht einmal mehr traut, mit Ivana zu sprechen. Kann es ein Zufall sein, dass Mosebach im Jahre 2014 ein Buch herausgibt, in dem gesellschaftliche Verfallsprozesse geschildert werden und an den Krieg im Balkan erinnert wird, wo der Ausbruch des 1. Weltkrieges genau dort begann? Haben wir die Postmoderne überwunden? Traut man Feuilleutons, so sind wir, zumindest in der Architektur angeblich wieder bei einem neuen »Realismus« angelangt. Hat sich also unsere Werteorientierung maßgeblich geändert? Solche Fragen wirft Mosebachs großartiger historischer Roman auf. Fulminant ist dieses Werk, man muss es abermals kenntlich machen, wegen seiner herausragenden Sprache. Mit ihr malt Mosebach unglaubliche Bilder. Was sich für jeden Autor unter normalen Umständen verbietet: Sätze von einer Länge zu bilden, die beinahe die einer Buchseite umfasst, gerät bei Mosebach zum Fest. Er verwendet sein souverän beherrschtes Instrument, um das selbst geschaffene Personal bis auf Haut und Knochen zu sezieren, ohne es den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen. Neben ihm schafft das in Deutschland zurzeit vielleicht noch Botho Strauß. Möge Mosebach noch lange leben, um uns viele dieser rauschhaften Feste zu bescheren!

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  • Kein Blut im Buch

    Das Blutbuchenfest
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    15. February 2014 um 20:20

    Ein unglaublich belangloses, geschwätziges Buch. Enthält allerdings einen herausragenden Text über eine Schildkröte, der fasziniert, berührt, lange nachwirkt und belegt: Martin Mosebach kann eigentlich doch fesselnd und mit Herzblut schreiben. Das Buch ist erstaunlicherweise auf der Shortlist der Leipziger Buchmesse. Soll das nun wirklich ein Spitzenwerk der deutschen Literatur Frühjahr 2014 sein (NEIN!) oder ist die Konkurrenz noch schwächer (wahrscheinlich, muss aber noch überprüft werden)? 

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  • Eine Sprache, die mich auf jeder Seite neu gefangen genommen und begeistert hat

    Das Blutbuchenfest
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    07. February 2014 um 11:52

    Fällt in Literaturkreisen der Name des Büchnerpreisträgers Martin Mosebach, da scheiden sich gleich die Geister. Und das nicht etwa wegen unterschiedlicher Vorstellungen von der Qualität seiner Romane und Essays, sondern hauptsächlich wegen dem, wofür Martin Mosebach steht. Als überzeugter konservativer Katholik, der den lateinischen Ritus verteidigt, ist er für eine mehrheitlich religionskritische Kultur- und Literaturkritik ein Ärgernis.   Doch er, immer korrekt gekleidet mit Fliege und Einstecktuch, lässt sich davon nicht beirren. Er verfügt seit Jahren über ein beeindruckendes polemisches Temperament und wird auch mit seinem neuen Buch die Geister scheiden. Und das nicht nur, weil er Sofa mit ph schreibt und die deutsche Sprache in ihrer wunderbaren Vielfalt beherrscht wie kaum ein anderer. Sondern einfach deshalb, weil es ein Buch ist von Martin Mosebach.   Den Rezensenten hat der neue Roman mit dem Titel „Das Blutbuchenfest“ gefesselt von der ersten Seite an. Es ist ein Buch voll hintergründigem Witz und es zeugt in der Schilderung seiner unterschiedlichen Protagonisten von einer tiefen und reflektierten Menschenkenntnis seines Autors.   Der Roman spielt in Frankfurt. Es ist die Zeit Anfang der neunziger Jahre. Kaum war die Berliner Mauer gefallen und die Welt begann von einem neuen friedlichen Zeitalter zu träumen, da beginnen im zerfallenden Jugoslawien Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Ethnien und religiösen Gruppen, die man in Europa so nie mehr für möglich gehalten hätte.   Es ist die weibliche Protagonistin des Buches, Ivana, die, seit vielen Jahren schon illegal Frankfurt lebend, für viele andere Figuren aus dem illustren Kabinett Martin Mosebachs putzt, die die Verbindung herstellt zwischen dem einen Handlungsort Frankfurt und den teilweise ins Lächerlich-Absurde gezogenen Spleens seiner dort sich tummelnden Figuren und der demgegenüber fast archaisch anmutenden Heimat Ivanas in den bosnischen Bergen.   Die meisten Figuren, auch der namenlose Ich-Erzähler, ein gescheiterter Kunsthistoriker, der bisher nicht viel aus seinem Leben gemacht hat, treffen sich mehrfach in der Woche in einem angesagten Restaurant, bei Merzinger.  Dort fröhnen sie an verschiedenen Tischen ihren aufgeblasenen und hohlen Ideen. Unter anderem der sich intellektuell gebende Wereschnikow. Er hat schon einmal mit Henry Kissinger gesprochen und er kennt  Boutros Ghali. Mit deren Unterstützung will er mit einem internationalen Kongress über Menschenwürde insbesondere das Werk von Mestrovic, dem Michaelangelo Bosniens in einer Ausstellung zeigen.   Hier zeigt Mosebach seine politische Polemik gegenüber einer damals im Westen herrschenden Stimmung, die sich gegenüber dem atavistischen Geschehen des Bosnienkriegs völlig hilflos zeigte. Insbesondere die Kapitel, in denen Ivana, eine entfernte Verwandte des Bildhauers, und der Erzähler nach Bosnien reisen, zeigen in einer auch sprachlich beeindruckenden Weise, wie entfernt die beiden Welten voneinander sind.   Und dass, während dort der Krieg ausbricht, hier ein Fest gefeiert wird, bei dem es nur um Fressen und Saufen geht, spricht für sich.   Jede seiner vielen anderen Figuren, die hier nicht erwähnt werden, hat Mosebach meisterhaft gezeichnet. In einer Sprache und mit einer Grammatik, die mich jedenfalls auf jeder Seite neu gefangen genommen und begeistert hat. Mosebachs anspruchsvoller Stil macht sein Buch nicht zum Pageturner, dennoch kann man es kaum aus der Hand legen vor lauter stiller Begeisterung.

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