Martin Niessen

 4 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor von Die Tage von Gezi, Der kleine Japaner und weiteren Büchern.
Martin Niessen

Lebenslauf von Martin Niessen

Martin Niessen, Jahrgang 1968, ist studierter Politologe und Islamwissenschaftler. Als Reporter des ZDF dreht der gebürtige Rheinländer Reportagen in aller Welt. Er berichtet aus Krisen- und Katastrophenregionen wie dem indonesischen Aceh nach dem Tsunami 2004 oder dem durch das Erdbeben 2010 zerstörten Haiti. Von April 2011 bis Juni 2012 war er als Korrespondent des ZDF in Japan. Martin Niessen ist verheiratet und lebt in Hamburg.

Alle Bücher von Martin Niessen

Martin NiessenDie Tage von Gezi
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Die Tage von Gezi
Die Tage von Gezi
 (20)
Erschienen am 19.05.2014
Martin NiessenDer kleine Japaner
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Der kleine Japaner
Der kleine Japaner
 (0)
Erschienen am 20.12.2012
Martin NiessenDer kleine Japaner
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Der kleine Japaner
Der kleine Japaner
 (18)
Erschienen am 20.12.2012

Neue Rezensionen zu Martin Niessen

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Rezension zu "Die Tage von Gezi" von Martin Niessen

Die Tage von Gezi
Blausternvor 4 Jahren

Mai 2013 in Istanbul: Ein Einkaufszentrum soll auf dem Gelände des innerstädtischen Gezi-Parks gebaut werden. Die Bevölkerung wurde nicht danach gefragt und einfach über ihre Köpfe hinwegentschieden. Proteste werden laut, die von der Polizei mit brutaler Gewalt gedämmt werden. So entwickelten sich auch über die Stadtgrenzen hinaus Demonstrationen mit Straßenschlachten aufgrund der islamisch-konservativen Regierung. Der englische Journalist Marc ist gerade zu dieser Zeit auf Urlaub in Istanbul und wittert eine gute Story. Die junge Studentin Mine aus gutem Hause nimmt an den Protesten teil und sieht sich plötzlich ihrem Mann gegenüberstehen, der als Polizist im Auftrage der Regierung alles niederknüppelt. Wobei Katrin, die an der Universität in Istanbul Architektur lehrt, noch nicht sicher ist, ob sie sich in diese Innenpolitik mit einmischen sollte.
Der Roman mit den ausschweifenden Protesten wird von Marc, Mine und Kathrin erzählt. So erhält man gründliche Einblicke in deren Ansichten über die politische Lage in Istanbul und wie ein jeder von ihnen zu diesen Demonstrationen steht. Diese werden von dem Autor ausführlich beschrieben; der Hauptfocus liegt auch auf diesen Demos während dieser Zeit. So bleiben jedoch tiefgreifende Gefühle der Protagonisten weitgehend auf der Strecke. Es liest sich mehr wie eine Berichterstattung, und für jemanden, der sich für die Begebenheiten vor Ort interessiert, ist es äußerst aufschlussreich, denn der Autor war selbst mit dabei.

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Rezension zu "Die Tage von Gezi" von Martin Niessen

eindringlich und packend
Yagmurvor 4 Jahren

Inhalt

Es fängt mit einem Streit um einen kleinen Park an. Tausende Menschen richten sich gegen die islamisch-konservative Regierung. Dabei eskaliert der Streit zu einem Aufstand mit Toten, Tausenden Verletzen und Massenverhaftungen. Denn es geht nicht mehr um den Gezi-Park, sondern um Freiheit. Um die Freiheit, selbst über das eigene Leben zu entscheiden.


Meinung

"Die Tage von Gezi" ist ein besonderes Buch. Nicht nur weil ich die Thematik interessant finde, sondern weil es mich auch teilweise betrifft. Hier in Deutschland zu leben und von Weitem aus zuzusehen, wie zerstörend es während der Gezi-Demonstrationen zuging, hat mich traurig gemacht. Die türkische Medien haben soweit wie möglich vieles verdeckt, bis auf ein paar unabhängige Ausnahmen. Doch durch private Videos und Fotos, die im Internet veröffentlich wurden, habe ich das brutale Vorgehen und die tödlichen Folgen mitverfolgt. Und nun einen Roman darüber zu lesen, ist schon irgendwie anders. Vor allem weil Martin Niessen, ZDF-Reporter, seine eigene Erfahrugen mit in den Roman einbringt und erzählt.
Die Gewalt und die damit verbundene Brutalität der Polizisten auf die Demonstranten wird in "Die Tage von Gezi" verdeutlicht. Die Polizisten gehen mit den Demonstranten minderwertig um, beschimpfen und prügeln auf sie ein. Darüber hinaus bezeichnen die als Plünderer oder gar Terroristen, wortwörtlich angeleitet von dem Bundespräsidenten Erdogan. Statt auf einen friedlichen Kompriss mit den Demonstranten einzugehen, gießt er mehr Öl ins Feuer. Doch die Demonstranten währten sich nicht mit Erdogans Sprache, sondern antworteten auf die Gewalt mit moderner, kreativer Idee.
Diese brisante Thematik ist in eine interessante Handlung verpackt und gut ausgearbeitet. Dabei geht es um Mine, dessen Leben aus den Fugen gerät. Auch Marcs und Kathrins Leben verlaufen alles andere als friedvoll.

Mine ist in dem Nobelviertel Nisantasi geboren und in einem bürgerlichen Zuhause aufgewachsen. Sie studiert Jura und ist mit Vedat verheiratet. Vedat hingegen arbeitet als Polizist. Als der Streit um einen kleinen Park anfängt, beginnt ihre Ehe zu wackeln. Mine, die kämpferische und starke Frau, die auf der Seite der Demonstranten steht und Vedat, der treue und pflichtbewusste Mann, der eine Position auf der Seite der Polizisten vertritt. Kann das gut gehen?
Während Marc, ein Engländer und Reporter bei einem großen britischenn Nachrichtenmagazin, in der Türkei seinen Urlaub macht, wird er Zeuge des Streits. Er erlebt hautnah, wie dieser eskaliert.
Auch Kathrin, die eine Dozentin für Architektur und Städtebau an der Mimar Sinan Universität der Schönen Künste ist, macht dieselbe Erfahrung. Während Marc von Anfang an dafür sorgt, die Wahrheit und die Grausamkeit ans Tageslicht zu bringen, kämpft Kathrin mit ihrer Skepsis, ob sie mitdemonstrieren oder sich ganz aus dem Geschehen enthalten soll. Was Mine an Stärke, Mut und Tapferkeit verköpert, zeigt Kathrin eher die Unentschlossenheit und teilweise auch Ängstlichkeit. Doch durch die Unterstützung ihrer Freunde kommt Kathrin letzten Endes doch zu einem Entschluss.

"Die Tage von Gezi" wird aus der Sicht dieser drei Charakteren erzählt. Dabei kommt man als Leser den Charakteren näher. Während ich mich mit Mine und Marc gut anfreunden konnte, bin ich mit Kathrin nicht warm geworden. Dieses Hin und Her hat mich etwas gereizt, muss ich gestehen. Ansonsten sind sie gut beleuchtet, so dass man sich ein Bild von ihnen schaffen kann.

Besondern schön und gefühlvoll finde ich, dass erwähnt wird, dass das Buch in Erinnerung an die Opfer der Demonstrationen gewidmet ist. Ebenso beeindruckend finde ich das Cover, das gut und aussagekräftig gestaltet ist. Es zeigt den Twitter-Vogel mit der Gasmaske.


Fazit

Dieser Roman ist eindringlich, packend und bewegend erzählt. Man blickt in den realen Hintergrund und das Ergenbis ist sehr erschütternd.

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K

Rezension zu "Die Tage von Gezi" von Martin Niessen

Beeindruckender Roman über die Besetzung des Gezi Parks 2013
Katharina99vor 4 Jahren

Handlung

Im Mai 2013 entstand in Istanbul eine Protestbewegung, die wochenlang zunächst gegen die Bebauung des Gezi Parks und später genrell gegen die autoritäre Politik Recep Tayyip Erdoğans demonstrierte. Dieser reagierte auf die überwiegend friedlichen Proteste, die von Studierenden ausgingen aber schon bald von großen Teilen der Gesellschaft getragen wurde, mit unfassbar brutaler Polizeigewalt, willkürlichen Verhaftungen und verbalen Provokationen. Die Protestbewegung kämpfte dagegen mit jenen Waffen an, die auch schon bei der Occupy-Bewegung in Ägypten eine große Rolle spielten: Humor, Kreativität und das Internet.

Der Autor Martin Niesen, der hauptberuflich als Auslandsreporter des ZDF arbeitet, bekam die Ereignisse um den Gezi Park vor Ort live mit. In „Die Tage von Gesi“ verpackte er seine Beobachtungen mit politischem Hintergrundmaterial in eine Romanform. Aus der Sicht fiktiver Personen werden die damaligen Ereignisse wiedergegeben. Wie wurde aus der wohlerzogenen und politisch eher desinteressierten Studentin Mine über Nacht eine politische Aktivistin? Wie verhält sich ihr Mann, der als Polizist den Auftrag erhält, gegen die Demonstrationen vorzugehen? Ist Kathrin, die Deutsche ist, aber in Istanbul arbeitet, angesichts der brutalen Polizeigewalt moralisch verpflichtet, sich in einen Konflikt einzumischen, der ein Land betrifft, in dem sie sich nur als „Gast“ fühlt? Und kann Marc, ein Journalist vor Ort, angesichts der Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten, die er erlebt, seine journalistischen Grundsätze von Objektivität bewahren?


Meinung

Mir hat die Idee, die Tage von Gezi aus verschiedenen Perspektiven darzustellen, außerordentlich gut gefallen, da es so möglich wird, ein vielschichtiges Bild von den Protesten zu zeichnen und unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen. Darüber hinaus ermöglicht es die Roman-Form des Buches, sich mit den Protestierenden zu identifizieren und ein Stück weit zu verstehen, was sie antrieb. Insofern erscheint mir das Buch sehr viel wertvoller als ein reiner Tatsachenbericht oder eine nüchterne Reportage, da es nicht nur die Ereignisse wiedergibt, sondern ermöglicht, auch ein Verständnis für den Unmut in der Bevölkerung zu entwickeln. Der Roman ist darüber hinaus geschickt mit politischen Hintergrundinformationen gespickt, die einen Einblick in politische Landschaft und die Gesellschaft der Türkei zu geben. So war mir, obwohl ich sehr viel Zeitung lese und politisch interessiert bin, vor dem Buch beispielsweise nicht bewusst, wie tief gespalten die türkische Gesellschaft ist und wie groß die Kluft zwischen dem konservativen und religiösen Teil auf der einen und dem wohlhabenderen, gebildeteren und westlich orientierten Teil der Gesellschaft auf der anderen Seite ist. Auch die in Westeuropa oft ungläubig wahrgenommene Popularität Erdoğans wird verständlich, wenn der Autor den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei in den letzten Jahren beschreibt, wenngleich seine Aussagen zu Demokratie und Frauen weiterhin schockieren.


Fazit

Aus all diesen Gründen hat mich „Die Tage von Gezi“ sehr beeindruckt. Wer einen klassischen Roman erwartet, wird von dem Buch vielleicht enttäuscht werden, da der Autor sich akribisch an die realen Vorgänge hält, statt eine perfekt konstruierte Geschichte vorzulegen. Allen, die sich für Politik, demokratische Bewegungen oder die Türkei generell interessieren, kann ich dieses Buch jedoch nur ans Herz legen. Für alle, die diesen Sommer noch in Istanbul Urlaub machen und sich auch ein wenig für die Menschen in ihrem Urlaubsland interessieren, sollte dieses Buch meiner Ansicht nach ohnehin Pflichtlektüre sein. Mir hat es auf jeden Fall mehr Einblicke in diese faszinierende Stadt am Bosporus gegeben, als meine Reiseführer und so manche Reportage.

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Gespräche aus der Community

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M
Liebe Leser,

ich lade Euch ganz herzlich ein zu einer Leserunde meines Romans "Die Tage von Gezi". Wie in meinem Erstling "Der kleine Japaner" habe ich tatsächliche Ereignisse, deren Zeuge ich wurde, in einem Buch verarbeitet. Es geht um die Proteste vom Mai und Juni 2013 in der Türkei. Dieses Mal aber habe ich eine völlig andere Form gewählt: die des Romans. Der Inhalt:

Der Streit um einen kleinen Park führt zu einem Aufstand gegen die islamisch-konservative türkische Regierung. Mit Toten, Tausenden Verletzten, Massenverhaftungen. Für die deutsche Architektin Kathrin ist Istanbul zur zweiten Heimat geworden. In der Revolte, die bald weite Teile des Landes erfasst, gerät ihr Leben aus den Fugen. Marc, Reporter eines britischen Magazins, landet bei den ersten Auseinandersetzungen im Gezi-Park durch Zufall zwischen den Fronten. Als er dort der jungen Türkin Mine begegnet und Zeuge des brutalen Vorgehens der Polizei wird, verliert er zunehmend seine journalistische Neutralität. Mine trifft an umkämpften Barrikaden auf ihren Mann, einen Polizisten, und muss fortan auch um ihre Ehe kämpfen, die an der tiefen Spaltung der türkischen Gesellschaft zu scheitern droht. Die Tage von Gezi verändern ihr Leben. Und das Land.

Eine Leseprobe findet Ihr auf

http://www.amazon.de/Die-Tage-von-Gezi-Roman/dp/3957441595/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1402911572&sr=8-1&keywords=Die+Tage+von+Gezi

Bis zum 27. Juni verlose ich 10 Print- und 10- eBook-Versionen (im epub- oder mobi-Format) des Romans für diese Leserunde. Wer teilnehmen möchte, beantworte mir doch bitte folgende Frage:

Woran denkt Ihr spontan beim Thema "Türkei"?

Ich freue mich über Euer Interesse.

Herzliche Grüße,

Martin Niessen
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Letzter Beitrag von  Blausternvor 4 Jahren
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M
Wieso stehen Fußgänger mitten in der Nacht bei strömendem Regen zehn Minuten an einer roten Ampel, obwohl weit und breit kein einziges Auto zu sehen ist? Warum reden Getränkeautomaten, Rolltreppen und Fahrstühle permanent auf einen ein? Was läuft schief, wenn man(n) morgens Porno-Mangas lesend in der U-Bahn steht und Schülerinnen ihre Körper für eine neue Designer-Handtasche verkaufen, gleichzeitig die Geburtenrate aber eine der niedrigsten der Welt ist? Wieso kosten ein paar Kirschen den Gegenwert der monatlichen Leasingrate für einen Mittelklassewagen? Warum spricht selbst in der 37-Millionen-Metropole Tokyo kaum jemand Englisch? Weshalb setzt ein Land mit der Erfahrung von Hiroshima und Nagasaki und beinahe idealen Voraussetzungen für eine alternative Energieversorgung fast ausschließlich auf Atomkraft - und das selbst nach Fukushima noch?

Leseprobe
 
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ist Euch das auch schon mal passiert? Dass Ihr von A nach B reisen wolltet und in C gelandet seid? Ich flog von Frankfurt nach Tokyo, kam aber auf einem anderen Planeten an. So zumindest kam es mir vor. Insgesamt 14 Monate verbrachte ich nach dem 11. März 2011 und der dreifachen Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und atomarem GAU in diesem merkwürdigen Land, das wir Japan und die Japaner Nippon oder Nihon nennen.

Ob Ihr schon einmal in Japan gewesen seid, schon immer einmal hin wolltet oder auch nur eine literarische Reise antreten möchtet - ich freue mich, wenn Ihr meine Erfahrungen teilt und darüber mit mir diskutiert.

Für diese Leserunde stellt dotbooks 25 Exemplare meines eBooks "Der kleine Japaner - Im Land der aufgehenden Sonne und abrauchenden Atomkraftwerke" zur Verfügung. Habt Ihr Interesse? Dann beantwortet bitte bis 25. Januar folgende Frage: Was verbindet Ihr mit Japan?

Herzliche Grüße,

Martin Niessen


Und hier noch ein paar Informationen über mich:

Martin Niessen, Jahrgang 1968, ist studierter Politologe und Islamwissenschaftler. Als Reporter des ZDF dreht der gebürtige Rheinländer Nachrichtenbeiträge und Reportagen in aller Welt. Er berichtet aus Krisen- und Katastrophenregionen wie dem indonesischen Aceh nach dem Tsunami 2004 oder dem 2010 durch ein schweres Erdbeben zerstörten Haiti. Von April 2011 bis Juni 2012 war er als Korrespondent des ZDF in Japan. Martin Niessen ist verheiratet und lebt in Hamburg.

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