Martin Niessen Die Tage von Gezi

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Inhaltsangabe zu „Die Tage von Gezi“ von Martin Niessen

Der Streit um einen kleinen Park führt zu einem Aufstand gegen die islamisch-konservative türkische Regierung. Mit Toten, Tausenden Verletzten, Massenverhaftungen. Für die deutsche Architektin Kathrin ist Istanbul zur zweiten Heimat geworden. In der Revolte, die Ende Mai 2013 beginnt und bald weite Teile des Landes erfasst, gerät ihr Leben aus den Fugen. Marc, Reporter eines britischen Magazins, landet bei den ersten Auseinandersetzungen im Gezi-Park durch Zufall zwischen den Fronten. Als er dort der jungen Türkin Mine begegnet und Zeuge des brutalen Vorgehens der Polizei wird, verliert er zunehmend seine journalistische Neutralität. Mine trifft an umkämpften Barrikaden auf ihren Mann, einen Polizisten, und muss fortan auch um ihre Ehe kämpfen, die an der tiefen Spaltung der türkischen Gesellschaft zu scheitern droht.

Ein beeindruckendes Buch, das einen die Proteste am istanbuler Taksim-Platz 2013 aus verschiedenen Perspektiven miterleben lässt.

— Katharina99
Katharina99

Politische Ereignisse detailliert aufgearbeitet. Mehr Tatsachenbericht als Roman.

— Gela_HK
Gela_HK

Politische Bildung in Romanform, die am Ende doch auch noch emotional zu packen vermag.

— anushka
anushka

Ein Stück Geschichte verpackt für Jedermann

— AlSuFe
AlSuFe

Tatsachenroman über die Proteste in der Türkei.

— milapferd
milapferd

Ein Tatsachenbericht, dieser eingebettet in einen Roman mit fiktiven Personen. Sehr gelungen mit politischen Hintergrundinformationen.

— Anja41
Anja41

Packende Dokumentation, man kann förmlich das Tränengas riechen, aber leider bleibt das Buch literarisch unter seinen Möglichkeiten.

— Gulan
Gulan

Aktuelle politische Ereignisse in der Türkei werden korrekt geschildert und in einem emotional berührendem Roman miteinander verflochten!

— Angie*
Angie*

Sehr interesssanter Roman mit aktuell politischem Hintergrund.

— esposa1969
esposa1969

Ein Roman, der es ermöglicht, die Geschehnisse rund um den Gezi-Park im Jahr 2013 hautnah mitzuerleben.

— MrsAmy
MrsAmy

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    Die Tage von Gezi
    Gulan

    Gulan

    Istanbul, Mai/Juni 2013: Die Pläne der türkischen Regierung, aus einem kleinen Park ein Einkaufszentrum zu machen, stoßen auf unerwartet großen Widerstand in der Bevölkerung. Der Streit um den Gezi-Park gerät zu einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen der konservativen-islamistischen Regierung Erdogan und von der Regierung enttäuschten Demonstranten aus verschiedensten Bevölkerungsgruppen. Auf dem Taksim-Platz kommt es zu heftigen Straßenschlachten. Mitten drin drei Personen: Die junge Türkin Mine, der britische Journalist Marc und die deutsche Hochschuldozentin Kathrin. Autor Martin Niessen hat als Journalist die „Tage von Gezi“ miterlebt und diese Erlebnisse in diesem Roman verarbeitet. Er erzählt die Ereignisse aus dem Blickwinkel von drei verschiedenen Personen. Die junge Türkin Mine ist aus gut situiertem, liberal-säkularem Elternhaus und schließt sich schnell den Protesten an. Dabei gerät sie allerdings schnell in private Probleme, denn ihr Mann Vedat ist Polizist und wird bei den Protesten eingesetzt. Während der Demonstrationen lernt sie Journalisten Marc kennen. Er ist eigentlich nur auf Urlaub in Istanbul, kann sich aber der Faszination der Protestbewegung nicht entziehen und berichtet für ein britisches Nachrichtenmagazin. Dabei verliert er mehr und mehr seine journalistische Objektivität und kommt auch Mine immer näher. Schließlich Kathrin, eine deutsche Architektin und Dozentin an einer Istanbuler Hochschule. Sie lebt seit langem in der Türkei und wird von Freunden und Bekannten in den Protest hineingezogen, voller Zweifel, ob sie als Gast in der Türkei überhaupt mitdemonstrieren darf. Der Roman lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Einerseits liefert der Autor einen sehr authentischen, fast dokumentarischen Ablauf der Ereignisse. Man kann förmlich das Tränengas riechen (und es kommt sehr viel Tränengas vor...). Das ist wirklich packend geschildert und man hat das Gefühl, dabei zu sein. Andererseits leidet darunter der Stil des Romans deutlich. Der Autor beschreibt seitenlang Straßenschlachten, Barrikadenbau und friedliche Formen des Protestes, engt dadurch den Blickwinkel aber extrem ein. Laut eigener Aussage hat er dies bewusst getan, um diesen historischen Vorgang zu schildern und um Leser, die nie ein Sachbuch in die Hand genommen hätten, die Ereignisse näherzubringen. Aber damit schafft er es nicht, seinen Romanfiguren die nötige Tiefe zu verleihen. Am ehesten gelingt ihm dies noch beim tragischen Paar Mine und Vedat, wobei ich es schade finde, dass die Szenen nur aus Mines Sicht erzählt werden. Kathrin bleibt über das ganze Buch ziemlich passiv und blass und bei Marc werden viele, viele Seiten beim Sightseeing und seinen journalistischen Tätigkeiten aufgebraucht. Das Buch ist natürlich politisch, denn der Autor bezieht ganz klar Stellung für die (friedlichen) Demonstranten und erzählt ausschließlich aus deren Blickwinkel. Das ist natürlich sein gutes Recht, aber auch dadurch fehlt dem Roman ebenfalls etwas Würze. Ein Blick auf die Gegenseite hätte nicht geschadet. So bleibe ich am Ende mit etwas Bedauern zurück, dass der Autor die Chance nicht ganz genutzt hat, die politisch brisante Lage in der Türkei in einem Roman zu verarbeiten. Die Atmosphäre fängt er zwar hervorragend ein, literarisch ist allerdings noch Luft nach oben. Politisch interessierte Leser sollten sich aber dennoch das Buch mal näher anschauen, aufgrund der wirklich präzisen Schilderungen der Ereignisse vom Gezi-Park und der politischen Verhältnisse in der Türkei.

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    • 8
    Ay73

    Ay73

    16. February 2015 um 09:27
  • Leserunde zu "Die Tage von Gezi: Ein Roman" von Martin Niessen

    Die Tage von Gezi
    MartinNiessen

    MartinNiessen

    Liebe Leser, ich lade Euch ganz herzlich ein zu einer Leserunde meines Romans "Die Tage von Gezi". Wie in meinem Erstling "Der kleine Japaner" habe ich tatsächliche Ereignisse, deren Zeuge ich wurde, in einem Buch verarbeitet. Es geht um die Proteste vom Mai und Juni 2013 in der Türkei. Dieses Mal aber habe ich eine völlig andere Form gewählt: die des Romans. Der Inhalt: Der Streit um einen kleinen Park führt zu einem Aufstand gegen die islamisch-konservative türkische Regierung. Mit Toten, Tausenden Verletzten, Massenverhaftungen. Für die deutsche Architektin Kathrin ist Istanbul zur zweiten Heimat geworden. In der Revolte, die bald weite Teile des Landes erfasst, gerät ihr Leben aus den Fugen. Marc, Reporter eines britischen Magazins, landet bei den ersten Auseinandersetzungen im Gezi-Park durch Zufall zwischen den Fronten. Als er dort der jungen Türkin Mine begegnet und Zeuge des brutalen Vorgehens der Polizei wird, verliert er zunehmend seine journalistische Neutralität. Mine trifft an umkämpften Barrikaden auf ihren Mann, einen Polizisten, und muss fortan auch um ihre Ehe kämpfen, die an der tiefen Spaltung der türkischen Gesellschaft zu scheitern droht. Die Tage von Gezi verändern ihr Leben. Und das Land. Eine Leseprobe findet Ihr auf http://www.amazon.de/Die-Tage-von-Gezi-Roman/dp/3957441595/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1402911572&sr=8-1&keywords=Die+Tage+von+Gezi Bis zum 27. Juni verlose ich 10 Print- und 10- eBook-Versionen (im epub- oder mobi-Format) des Romans für diese Leserunde. Wer teilnehmen möchte, beantworte mir doch bitte folgende Frage: Woran denkt Ihr spontan beim Thema "Türkei"? Ich freue mich über Euer Interesse. Herzliche Grüße, Martin Niessen

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  • Die Tage von Gezi

    Die Tage von Gezi
    Blaustern

    Blaustern

    17. November 2014 um 12:28

    Mai 2013 in Istanbul: Ein Einkaufszentrum soll auf dem Gelände des innerstädtischen Gezi-Parks gebaut werden. Die Bevölkerung wurde nicht danach gefragt und einfach über ihre Köpfe hinwegentschieden. Proteste werden laut, die von der Polizei mit brutaler Gewalt gedämmt werden. So entwickelten sich auch über die Stadtgrenzen hinaus Demonstrationen mit Straßenschlachten aufgrund der islamisch-konservativen Regierung. Der englische Journalist Marc ist gerade zu dieser Zeit auf Urlaub in Istanbul und wittert eine gute Story. Die junge Studentin Mine aus gutem Hause nimmt an den Protesten teil und sieht sich plötzlich ihrem Mann gegenüberstehen, der als Polizist im Auftrage der Regierung alles niederknüppelt. Wobei Katrin, die an der Universität in Istanbul Architektur lehrt, noch nicht sicher ist, ob sie sich in diese Innenpolitik mit einmischen sollte. Der Roman mit den ausschweifenden Protesten wird von Marc, Mine und Kathrin erzählt. So erhält man gründliche Einblicke in deren Ansichten über die politische Lage in Istanbul und wie ein jeder von ihnen zu diesen Demonstrationen steht. Diese werden von dem Autor ausführlich beschrieben; der Hauptfocus liegt auch auf diesen Demos während dieser Zeit. So bleiben jedoch tiefgreifende Gefühle der Protagonisten weitgehend auf der Strecke. Es liest sich mehr wie eine Berichterstattung, und für jemanden, der sich für die Begebenheiten vor Ort interessiert, ist es äußerst aufschlussreich, denn der Autor war selbst mit dabei.

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  • eindringlich und packend

    Die Tage von Gezi
    Yagmur

    Yagmur

    25. August 2014 um 15:51

    Inhalt Es fängt mit einem Streit um einen kleinen Park an. Tausende Menschen richten sich gegen die islamisch-konservative Regierung. Dabei eskaliert der Streit zu einem Aufstand mit Toten, Tausenden Verletzen und Massenverhaftungen. Denn es geht nicht mehr um den Gezi-Park, sondern um Freiheit. Um die Freiheit, selbst über das eigene Leben zu entscheiden. Meinung "Die Tage von Gezi" ist ein besonderes Buch. Nicht nur weil ich die Thematik interessant finde, sondern weil es mich auch teilweise betrifft. Hier in Deutschland zu leben und von Weitem aus zuzusehen, wie zerstörend es während der Gezi-Demonstrationen zuging, hat mich traurig gemacht. Die türkische Medien haben soweit wie möglich vieles verdeckt, bis auf ein paar unabhängige Ausnahmen. Doch durch private Videos und Fotos, die im Internet veröffentlich wurden, habe ich das brutale Vorgehen und die tödlichen Folgen mitverfolgt. Und nun einen Roman darüber zu lesen, ist schon irgendwie anders. Vor allem weil Martin Niessen, ZDF-Reporter, seine eigene Erfahrugen mit in den Roman einbringt und erzählt. Die Gewalt und die damit verbundene Brutalität der Polizisten auf die Demonstranten wird in "Die Tage von Gezi" verdeutlicht. Die Polizisten gehen mit den Demonstranten minderwertig um, beschimpfen und prügeln auf sie ein. Darüber hinaus bezeichnen die als Plünderer oder gar Terroristen, wortwörtlich angeleitet von dem Bundespräsidenten Erdogan. Statt auf einen friedlichen Kompriss mit den Demonstranten einzugehen, gießt er mehr Öl ins Feuer. Doch die Demonstranten währten sich nicht mit Erdogans Sprache, sondern antworteten auf die Gewalt mit moderner, kreativer Idee. Diese brisante Thematik ist in eine interessante Handlung verpackt und gut ausgearbeitet. Dabei geht es um Mine, dessen Leben aus den Fugen gerät. Auch Marcs und Kathrins Leben verlaufen alles andere als friedvoll. Mine ist in dem Nobelviertel Nisantasi geboren und in einem bürgerlichen Zuhause aufgewachsen. Sie studiert Jura und ist mit Vedat verheiratet. Vedat hingegen arbeitet als Polizist. Als der Streit um einen kleinen Park anfängt, beginnt ihre Ehe zu wackeln. Mine, die kämpferische und starke Frau, die auf der Seite der Demonstranten steht und Vedat, der treue und pflichtbewusste Mann, der eine Position auf der Seite der Polizisten vertritt. Kann das gut gehen? Während Marc, ein Engländer und Reporter bei einem großen britischenn Nachrichtenmagazin, in der Türkei seinen Urlaub macht, wird er Zeuge des Streits. Er erlebt hautnah, wie dieser eskaliert. Auch Kathrin, die eine Dozentin für Architektur und Städtebau an der Mimar Sinan Universität der Schönen Künste ist, macht dieselbe Erfahrung. Während Marc von Anfang an dafür sorgt, die Wahrheit und die Grausamkeit ans Tageslicht zu bringen, kämpft Kathrin mit ihrer Skepsis, ob sie mitdemonstrieren oder sich ganz aus dem Geschehen enthalten soll. Was Mine an Stärke, Mut und Tapferkeit verköpert, zeigt Kathrin eher die Unentschlossenheit und teilweise auch Ängstlichkeit. Doch durch die Unterstützung ihrer Freunde kommt Kathrin letzten Endes doch zu einem Entschluss. "Die Tage von Gezi" wird aus der Sicht dieser drei Charakteren erzählt. Dabei kommt man als Leser den Charakteren näher. Während ich mich mit Mine und Marc gut anfreunden konnte, bin ich mit Kathrin nicht warm geworden. Dieses Hin und Her hat mich etwas gereizt, muss ich gestehen. Ansonsten sind sie gut beleuchtet, so dass man sich ein Bild von ihnen schaffen kann. Besondern schön und gefühlvoll finde ich, dass erwähnt wird, dass das Buch in Erinnerung an die Opfer der Demonstrationen gewidmet ist. Ebenso beeindruckend finde ich das Cover, das gut und aussagekräftig gestaltet ist. Es zeigt den Twitter-Vogel mit der Gasmaske. Fazit Dieser Roman ist eindringlich, packend und bewegend erzählt. Man blickt in den realen Hintergrund und das Ergenbis ist sehr erschütternd.

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  • "[...] Könnt ihr mir erklären, worum es hier geht?"

    Die Tage von Gezi
    Larischen

    Larischen

    Mai 2013 in Istanbul: Die Proteste um den kleinen innerstädtischen Gezi-Park, der einem weiteren Einkaufszentrum weichen soll, erfassen schnell große Teile der Türkei. Während es zunächst nur um die fehlende Beteiligung der Bevölkerung an dieser Entscheidung geht, weiten sich die Proteste schnell aus. Als die Polizei schließlich mit brutaler Gewalt gegen die Demonstranten vorgeht wird der Gezi-Park zum Symbol gegen die islamisch-konservative Regierung von Ministerpräsident Erdogan. Der folgenden zivilgesellschaftlichen Revolte wird brutale staatliche Polizeigewalt gegenübergestellt die zu regelrechten Straßenkämpfen in vielen Teilen des Landes führt. In dieser realen Kulisse spielt der fiktive Roman "Die Tage von Gezi" von Martin Niessen. Wir lernen die junge Studentin Mine kennen, die sich von Anfang an an den Protesten rund um Gezi beteiligt. Auch ihr Mann Sedat ist Teil der Auseinandersetzung, allerdings auf der anderen Seite. Er arbeitet für eine Sondereinheit der Polizei und soll den Aufstand niederschlagen. Während der Proteste lernt Mine den britischen Journalisten Marc kennen. Obwohl er eigentlich nur Urlaub in Istanbul machen wollte gerät auch er in den Strudel der Ereignisse. Und dann ist da noch die deutsche Architektin Kathrin, die an einer Istanbuler Universität lehrt und den Protesten zunächst sehr zerrissen gegenüber steht. Erzählt wird der Roman aus der Perspektive von Mine, Marc und Kathrin. Sedats Perspektive fehlt zwar, aber man bekommt über seine Frau Mine doch auch einen ausreichenden Einblick in seine Erlebnisse. Die Handlung erstreckt sich dabei vom 28. Mai bis zum 22. Juni, diese Zeitspanne deckt den größten Teil der Auseinandersetzungen ab und bietet dem Leser einen intensiven Einblick in die Proteste. Die Position die hier bezogen wird ist eindeutig klar, der Autor, der die Proteste übrigens selbst miterlebt hat, steht auf Seiten der Zivilgesellschaft und richtet sich gegen das Vorgehen der Regierung. Die Erzählweise gefällt mir sehr gut und die Standpunkte der jeweiligen Personen wird dem Leser gut vermittelt. Wer allerdings auf einen ausschweifenden Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten gehofft hat ist hier falsch. Jedoch wird dem Leser ein guter Eindruck von den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und deren Standpunkten zu den Protesten rund um den Gezi-Park vermittelt. Martin Niessen beschreibt den Tagesablauf von Mine, Marc und Kathrin während dieser Zeit sehr ausführlich, sodass sich viele Wiederholungen finden lassen. Das hat mich persönlich aber zu keinem Zeitpunkt gestört, denn auch wenn seine Figuren fiktiv sind finden sie sich in einer realen Kulisse wieder und zu der gehören diese sich wiederholenden Straßenschlachten, Tränengasangriffe und Barrikadenbauarbeiten. Martin Niessen erzählt in "Die Tage von Gezi" sehr eindrücklich von den Auseinandersetzungen rund um den Gezi-Park, sodass man sich als Leser beinahe fühlt, als wäre man dabei gewesen. Gefühle und Stimmung der Protestierenden werden hier wirklich sehr gut vermittelt. Lediglich die Charaktere Mine und Kathrin hätten für mich noch ein wenig mehr Tiefe vertragen können, an manchen Stellen waren ihr Handeln für mich nicht ganz nachvollziehbar. Mit "Die Tage von Gezi" macht Martin Niessen auf ein Thema aufmerksam, dass bei uns doch viel zu wenig wahrgenommen wurde und regt dazu an, sich weiter damit auseinander zu setzen. Die wenigen Tage die hier behandelt werden reichen zwar nicht um einen völligen Wandel der Regierung zu erreichen, aber langfristig wird sich zeigen ob die Proteste nur ein kurzes Aufflammen waren, oder aber die Türkei nachhaltig verändern können. *"Hallo, ich bin Marc aus England. Könnt ihr mir erklären, worum es hier geht?" S. 35

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    • 2
    Floh

    Floh

    05. August 2014 um 12:06
  • Beeindruckender Roman über die Besetzung des Gezi Parks 2013

    Die Tage von Gezi
    Katharina99

    Katharina99

    03. August 2014 um 21:32

    Handlung Im Mai 2013 entstand in Istanbul eine Protestbewegung, die wochenlang zunächst gegen die Bebauung des Gezi Parks und später genrell gegen die autoritäre Politik Recep Tayyip Erdoğans demonstrierte. Dieser reagierte auf die überwiegend friedlichen Proteste, die von Studierenden ausgingen aber schon bald von großen Teilen der Gesellschaft getragen wurde, mit unfassbar brutaler Polizeigewalt, willkürlichen Verhaftungen und verbalen Provokationen. Die Protestbewegung kämpfte dagegen mit jenen Waffen an, die auch schon bei der Occupy-Bewegung in Ägypten eine große Rolle spielten: Humor, Kreativität und das Internet. Der Autor Martin Niesen, der hauptberuflich als Auslandsreporter des ZDF arbeitet, bekam die Ereignisse um den Gezi Park vor Ort live mit. In „Die Tage von Gesi“ verpackte er seine Beobachtungen mit politischem Hintergrundmaterial in eine Romanform. Aus der Sicht fiktiver Personen werden die damaligen Ereignisse wiedergegeben. Wie wurde aus der wohlerzogenen und politisch eher desinteressierten Studentin Mine über Nacht eine politische Aktivistin? Wie verhält sich ihr Mann, der als Polizist den Auftrag erhält, gegen die Demonstrationen vorzugehen? Ist Kathrin, die Deutsche ist, aber in Istanbul arbeitet, angesichts der brutalen Polizeigewalt moralisch verpflichtet, sich in einen Konflikt einzumischen, der ein Land betrifft, in dem sie sich nur als „Gast“ fühlt? Und kann Marc, ein Journalist vor Ort, angesichts der Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten, die er erlebt, seine journalistischen Grundsätze von Objektivität bewahren? Meinung Mir hat die Idee, die Tage von Gezi aus verschiedenen Perspektiven darzustellen, außerordentlich gut gefallen, da es so möglich wird, ein vielschichtiges Bild von den Protesten zu zeichnen und unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen. Darüber hinaus ermöglicht es die Roman-Form des Buches, sich mit den Protestierenden zu identifizieren und ein Stück weit zu verstehen, was sie antrieb. Insofern erscheint mir das Buch sehr viel wertvoller als ein reiner Tatsachenbericht oder eine nüchterne Reportage, da es nicht nur die Ereignisse wiedergibt, sondern ermöglicht, auch ein Verständnis für den Unmut in der Bevölkerung zu entwickeln. Der Roman ist darüber hinaus geschickt mit politischen Hintergrundinformationen gespickt, die einen Einblick in politische Landschaft und die Gesellschaft der Türkei zu geben. So war mir, obwohl ich sehr viel Zeitung lese und politisch interessiert bin, vor dem Buch beispielsweise nicht bewusst, wie tief gespalten die türkische Gesellschaft ist und wie groß die Kluft zwischen dem konservativen und religiösen Teil auf der einen und dem wohlhabenderen, gebildeteren und westlich orientierten Teil der Gesellschaft auf der anderen Seite ist. Auch die in Westeuropa oft ungläubig wahrgenommene Popularität Erdoğans wird verständlich, wenn der Autor den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei in den letzten Jahren beschreibt, wenngleich seine Aussagen zu Demokratie und Frauen weiterhin schockieren. Fazit Aus all diesen Gründen hat mich „Die Tage von Gezi“ sehr beeindruckt. Wer einen klassischen Roman erwartet, wird von dem Buch vielleicht enttäuscht werden, da der Autor sich akribisch an die realen Vorgänge hält, statt eine perfekt konstruierte Geschichte vorzulegen. Allen, die sich für Politik, demokratische Bewegungen oder die Türkei generell interessieren, kann ich dieses Buch jedoch nur ans Herz legen. Für alle, die diesen Sommer noch in Istanbul Urlaub machen und sich auch ein wenig für die Menschen in ihrem Urlaubsland interessieren, sollte dieses Buch meiner Ansicht nach ohnehin Pflichtlektüre sein. Mir hat es auf jeden Fall mehr Einblicke in diese faszinierende Stadt am Bosporus gegeben, als meine Reiseführer und so manche Reportage.

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  • Politische Ereignisse detailliert aufgearbeitet

    Die Tage von Gezi
    Gela_HK

    Gela_HK

    28. July 2014 um 11:42

    Baumfällungen in einem kleinen Park in Istanbul führen zu einem Aufstand gegen die türkische Regierung. Bürgerkriegsähnliche Zustände mit tausenden Verletzten, Verhaftungen und Toten sind das traurige Ergebnis. Anhand von drei Personen unterschiedlicher Herkunft wird das Geschehen aus deren Sichtweise dargestellt. Die deutsche Architektin Kathrin hat in Istanbul ihre Heimat gefunden. Der britische Reporter Marc will eigentlich nur seinen Urlaub hier verbringen und läßt sich in den Strudel des Aufstands hineinziehen und die junge Türkin Mine gibt ihre politische Teilnahmslosigkeit auf und engagiert sich für Recht und politische Freiheit in der Türkei. Der Autor Martin Niessen hat sich mit "Die Tage von Gezi" an ein schwieriges Thema gewagt und statt einer Reportage die Form eines Romans gewählt. Besonders die gut recherchierten Hintergrundinformationen über die politischen Ereignisse fallen hier ins Gewicht. Durch die verschiedenen Handlungsstränge, die die drei Hauptprotagonisten begleiten, leidet ein wenig der Lesefluss. An manchen Stellen wäre ich gern länger und detaillierter informiert worden. Müsste ich den reinen Roman beurteilen, hätte ich große Schwierigkeiten. Es gab zu viele Wiederholungen von einfachen Tätigkeiten wie Frühstücksszenen, die Suche nach Internetanschlüssen etc. Die Protagonisten wirkten ein wenig farblos und waren oberflächlich beschrieben. Die Gefühle zwischen Marc und Mine wollten so gar nicht zum brisanten Thema passen. Was mich aber gefesselt hat, waren die Geschehnisse rund um die Proteste vom Mai und Juni 2013 in der Türkei. Sicher hat man die Berichte im Fernsehen verfolgt, war schockiert über die Vorgehensweise der türkischen Regierung. Aber wie das in der heutigen Zeit nun mal so ist, man vergisst schnell wieder. Dieses Buch rüttelt auf und macht neugierig. Besonders gefallen hat mir die Sicht der Türkin Mine. Anfangs wirkt sie sehr verzogen, wohlbehütet und teilnahmslos. Für die Arbeit ihres Ehemannes, eines Polizisten im Sondereinsatzkommando bei Demonstrationen, bringt sie wenig Interesse auf. Dies ändert sich schlagartig als Mine sich für die Demonstrationen im Gezi-Park engagiert. Plötzlich stehen sich Mann und Frau auf unterschiedlichen Seiten gegenüber. Das Engagement der türkischen Jugendlichen ohne Angst vor Konsequenzen und mit dem Bewusstsein körperlichen Schaden zu nehmen, an den Demonstrationen festzuhalten ist bewundernswert. Schockierend waren die Berichte über die politischen Entscheidungen. Das skrupellose Vorgehen gegen friedvolle Demonstranten und die tatsächlich angewandte Gewalt gegen Frauen und Kinder während eines Parkfestes. Man wünscht der Türkei, dass Ruhe einkehrt und sich das Land in die richtige Richtung wendet. Zwei Sterne habe ich abgezogen, weil die Romanhandlung dem wirklich guten Tatensachenbericht nicht zuträglich war.

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  • Ein Stück türkische Geschichte

    Die Tage von Gezi
    kampfsenf

    kampfsenf

    "Die Tage von Gezi" beschreibt die Ereignisse, die Ende Mai 2013 in Istanbul begonnen haben. Der Autor Martin Niessen war zu dem Zeitpunkt per Zufall im Gezi Park und hat die Proteste mitbekommen. Auch wenn "Die Tage von Gezi" in Romanform geschrieben ist, hatte ich durchgängig das Gefühl, einen Tatsachenbericht zu lesen. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von 3 Personen erzählt: Marc, englischer Journalist und zufällig als Tourist in Istanbul als die Proteste begannen, Mine, eine 22-jährige Türkin, die sooft es geht an den Demos teilnimmt und Kathrin, deutsche Architektin und Dozentin die in Istanbul lebt. Der Leser kann anhand des Romas die Geschehnisse rund um den Taksim Platz und den Gezi Park nachlesen. Die Geschichten um die drei Protagonisten sind zwar rein fiktiv, jedoch sind die politischen Hintergründe auf Tatsachen basierend. Da der Autor selber in der journalistischen Branche tätig ist, waren die Fakten alle sehr gut recherchiert, auch wenn ich glaube, dass es in Wirklichkeit noch heftiger zuging als es im Roman rüberkam. Dem Leser wird vor Augen geführt, wie brutal die Polizei gegen die friedlichen Demonstranten vorgeht und wie die Menschen erst in Istanbul und später auch im ganzen Land in totaler Solidarität zu einander stehen. Da die türkische Presse kaum über die Vorkommnisse berichtet hat, kamen die sozielen Netzwerke sehr zum Tragen. Über Twitter und Facebook hat man sich organisiert und viele Videoclips kann man auch auf Youtube sehen. Das Cover des Buches, der Twittervogel mit Gasmaske, machen schon vor dem Lesen des Buches nachdenklich. Auch nach Beendigung des Buches wirken die Ereignisse noch nach. "Die Tage von Gezi" ist im Mai 2014 im Engelsdorfer Verlag erschienen.

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  • "Demokratie ist für uns eine Straßenbahn ...

    Die Tage von Gezi
    anushka

    anushka

    26. July 2014 um 22:25

    ... aus der wir aussteigen, wenn wir unser Ziel erreicht haben." 28. Mai 2013: Der Istanbuler Gezi-Park soll einer neuen Bebauung weichen. Doch diese Entscheidung wurde über die Köpfe der Bevölkerung getroffen. Eine kleine Gruppe will die Planierung verhindern, doch als der Park gewaltsam geräumt wird, wird aus einer "Baumschützer-Demo" über Tage und Wochen hinweg ein Schicht übergreifender Protest gegen die türkische Regierung, die sämtliche Prinzipien der Demokratie mit Füßen tritt. Martin Niessen dokumentiert die Ereignisse und die türkische "Revolution" im Jahr 2013 in Form eines Romans. Der englische Journalist Marc will eigentlich nur Urlaub machen, hat aber einen Riecher für eine gute Story und befindet sich plötzlich mittendrin. Mine ist Studentin und Tochter eines reichen, gebildeten Elternhauses. Sie ist mit einem Polizisten verheiratet und plötzlich befinden sich die beiden auf unterschiedlichen Seiten. Kathrin ist eine deutsche Architektin und Gastdozentin an einer Uni in Istanbul. Sie befindet sich als Gast in der Türkei und in der Misere, wie sehr sie sich in deren innenpolitische Belange einmischen darf. Der Autor ist selbst Journalist und zu den Protesten in der Türkei gewesen. Dementsprechend sind die Ereignisse sehr fundiert und die Figur von Marc glaubwürdig, weil hier eigene Erfahrungen zugrunde liegen konnten. Leider beschränkte sich der Handlungszeitraum auf die zwei Wochen der Proteste und das taten auch die zwischenmenschlichen Beziehungen. Über lange Strecken konnten mich daher die Handlung zwischen den Personen nicht packen oder emotional berühren. Über die Geschichte hinweg verliert Marc seine journalistische Neutralität. Aber vor allem die anderen beiden Protagonisten haben mir zu sehr explizit vorgegeben, wie man hier zu denken hat ohne kritische Aspekte zu beleuchten. Interessanterweise hat mich das Buch aber 60 Seiten vor Schluss derart gepackt, auch die Geschichte zwischen Mine und ihrem Mann, dass frühere Kritikpunkte nicht mehr wichtig waren. Und genau auf diesen Seiten entstand die Empörung allein durch die Handlung von innen heraus, so wie ich mir das das ganze Buch über gewünscht hätte. Dementsprechend versöhnt war ich am Ende mit dem Buch, dass ich es nicht nur aufgrund der politischen Bildung, die es erreicht, empfehlen möchte (Aha-Effekt), sondern auch aufgrund der emotionalen Ergriffenheit, die am Ende doch noch entsteht (kleiner Wow-Effekt).

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  • Protest

    Die Tage von Gezi
    buecherwurm1310

    buecherwurm1310

    26. July 2014 um 14:53

    Es ist noch nicht allzu lange her, dass die Proteste im Gezi-Park in allen Medien präsent waren. Es begann mit Protesten gegen den Bau eines Einkaufscentersauf dem Gelände des Parks. Daraus entwickelten sich ein Protestwelle weiter über Istanbul hinaus gegen die Regierung Erdogans. Die Regierung reagiert mit Wasserwerfern und Tränengas. Es gibt viele Verletzte und sogar Tote. In diesem Umfeld bewegen sich die Menschen, über die in diesem Roman berichtet wird. Mine, die junge Jurastudentin aus gutem Hause, ist sehr liberal aufgewachsen. Vedat muss als Polizist jetzt gegen sein Frau Mine kämpfen, die sich den Protestlern anschließt. Marc, ein britischer Journalist, will eigentlich in Istanbul seinen Urlaub verbringen, aber dann siegt sein journalistisches Interesse. Er kommt Mine immer näher. Kathrin, eine Deutsche, unterrichtet Architektur an der Uni Istanbul. Sie weiß nicht so recht, ob sie Stellung beziehen soll oder sich raushalten soll. Obwohl es hier um eine fiktive Geschichte um die Protagonisten geht, ist das Buch für mich mehr Dokumentation denn Roman. Sehr detailliert wird über die Proteste/das Eingreifen der Polizei berichtet. Daneben gerät die Geschichte um Mine, Marc, Vedat und Kathrin etwas in den Hintergrund. Die Geschichte ist sehr packend aus dem Blickwinkel der Demonstranten geschrieben.

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  • Die Tage von Gezi

    Die Tage von Gezi
    AlSuFe

    AlSuFe

    26. July 2014 um 10:55

    Klappentext: Der Streit um einen kleinen Park führt zu einem Aufstand gegen die islamisch-konservative türkische Regierung. Mit Toten, Tausenden Verletzten, Massenverhaftungen. Für die deutsche Architektin Kathrin ist Istanbul zur zweiten Heimat geworden. In der Revolte, die Ende Mai 2013 beginnt und bald weite Teile des Landes erfasst, gerät ihr Leben aus den Fugen. Marc, Reporter eines britischen Magazins, landet bei den ersten Auseinandersetzungen im Gezi-Park durch Zufall zwischen den Fronten. Als er dort der jungen Türkin Mine begegnet und Zeuge des brutalen Vorgehens der Polizei wird, verliert er zunehmend seine journalistische Neutralität. Mine trifft an umkämpften Barrikaden auf ihren Mann, einen Polizisten, und muss fortan auch um ihre Ehe kämpfen, die an der tiefen Spaltung der türkischen Gesellschaft zu scheitern droht. Meine Meinung: Auch wenn es sich bei "Die Tage von Gezi" um keinen typischen Roman handelt, hat mich dieses Buch gefesselt. Der Autor Martin Niessen, welcher selbst in Istanbul lebt, beschreibt in einer sehr interessanten Art und Weise, was sich im Mai 2013 in Istanbul zugetragen hat. Erzählt werden diese Ereignisse von verschiedenen Figuren, wobei man deutliche Standpunkte erkennen kann. Mine, die voll und ganz hinter den Demonstranten steht und mehr Demokratie fordert. Marc, der eigentlich als Tourist in Istanbul ist und letztlich mehr involviert ist, als er als Journalist sein sollte. Und Kathrin, die damit hadert sich den Protesten anzuschließen.  Beim Lesen merkt man zwar, dass er eigentlich Journalist ist, aber dadurch, dass nicht allzu viel Handlung nebenbei stattfindet und sich alles mehr um die Proteste und die Ausschreitungen dreht, erhält der Leser einen sehr guten Einblick in die Geschehnisse. Während dem Lesen hatte ich teilweise das Gefühl, ich wäre selbst dabei gewesen, da viele Dinge detailliert beschrieben werden.  Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich näher mit der Thematik Gezi-Park, Türkei auseinandersetzen möchte. Man erhält einen Überblick über den Beginn der Proteste und mit welcher Schnelligkeit sich diese zu einer Landesweiten Protestreaktion ausgeweitet haben.

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  • Türkische Geschichte live erlebt

    Die Tage von Gezi
    irismaria

    irismaria

    26. July 2014 um 09:47

    "Die Tage von Gezi" ist ein Roman, der die Revolte gegen die türkische Regierung im Mai 2013 am Beispiel verschiedener Charaktere lebendig werden lässt. Damals führte der Protest gegen die Bebauung eines kleinen Parks in Istanbul und die übertrieben harte Reaktion der Behörden zu einer großen Bewegung gegen die islamisch-konservative türkische Regierung. Der Autor, der Journalist Martin Niessen, lebt selbst in Istanbul und kann so aus eigener Erfahrung über die Stadt und die Ereignisse berichten. So erlebt der Leser zu Beginn Istanbul aus der Sicht des englischen Reporters Marc, der als Tourist unterwegs ist. Er gerät eher zufällig in den Gezi-Park und trifft dort die Protestierenden. Marc und die deutsche Architektin Kathrin, die an der Uni unterrichtet erleben die Proteste, die immer gewalttätiger zurückgeschlagen werden aus der Perspektive von Ausländern, während die junge Demonstrantin Mine und ihr Mann Vedat, der Polizist ist, zwei verschiedene türkische Sichtweisen darstellen. Ihre Haltungen und Reaktionen, ihre Hilflosigkeit, aber auch ihr großer Mut, zur eigenen Meinung zu stehen, sind in der Geschichte gut ausgearbeitet. "Die Tage von Gezi" ist gut zu lesen und man erlebt ein Stück Geschichte mit, das durch die glaubhaft dargestellten Charaktere lebendiger wird als es ein Sachbuch sein könnte. Allerdings kreist die Handlung nur um die Proteste um den Gezi-Park. Für einen Roman könnte die Rahmenhandlung noch ausführlicher sein. Ich empfehle "Die Tage von Gezi" allen, die sich für die Türkei und die aktuellen Entwicklungen dort interessieren!

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  • Die Tage von Gezi

    Die Tage von Gezi
    milapferd

    milapferd

    23. July 2014 um 11:49

    Schützend stellen sie sich vor die Bäume in Instanbuls Gezi-Park. Vor ihnen stehen drohend die Abrissbagger. Die Polizei rückt an und räumt den Park. Doch von Tag zu Tag wird die Menge der Demonstanten größer. Die Polizei geht immer härter gegen sie vor, doch auch das kann sie nicht abschrecken. Was als Protest gegen die Abholzung begann endet als landesweiter Protest gegen die Regierung Erdogans. Dieser Tatsachenroman schildert dem Leser die Ereignisse die 2013 die Türkei gespalten haben. Es werden die Erlebnise dieser Tage von Mine, einer jungen Türkin, Marc, einem englischen Reporter und Kathrin, einer deutschen Architektin mit Lehrstuhl an der Instanbuler Uni erzählt. Der Autor beschreibt sehr realitätsnah die Demonstrationen und die Motive des Widerstandes gegen die Regierung Erdogans. Für meinen Geschmack verliert er sich ein bischen zu sehr in Details und so ähnelt der Roman eher einem Tatsachenbericht aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Nichts desto trotz, hat mich der Roman sehr berührt und mir wurde vor Augen geführt, mit welcher immensen Brutalität die Demonstranten angegangen wurden. 3,5 Sterne für das Buch, dass die Ereignisse in der Türkei unvergessen macht und hoffentlich hilft sich zu erinnern.

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  • Wie ein kleiner Park die Welt erschütterte

    Die Tage von Gezi
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. July 2014 um 13:33

    Als die friedlichen Proteste für den Gezi Park ausarteten, hatten viele Menschen in Mitteleuropa andere Probleme. Die Flut eroberte viele europäischen Länder, riss nicht nur ein paar Häuser, sondern ganze Existenzen mit sich. Selbst in Orten, sie normalerweise vom Hochwasser verschont bleiben, wüteten die Wassermassen. Die Medien waren voll mit Berichten rund um die Flutkatastrophe. Die Stimmen aus der Türkei, die sich erhoben, um einen kleinen Park zu retten, blieben von vielen unerhört. Oftmals bekam man nur am Rande mit, welche andersartige Katastrophe sich zeitgleich in der Türkei zutrug. Eine Schande, wie man heute gestehen muss. Haben doch eben jene, zu Beginn friedlichen Proteste, eine kleine Revolution  in der Türkei ausgelöst. Erfreulich ist deshalb das vorliegende Buch. Martin Niessen ist Journalist und hat am eigenen Leib erfahren, was damals in der Türkei passierte. In seinem Roman „Die Tage von Gezi“ lässt er Menschen lebendig werden, die es nicht gibt, und lässt sie Erfahrungen machen, die viele Menschen in der Türkei im Jahr 2013 leider wirklich machen mussten. Hierbei fungiert er als fabelhafter Erzähler, der aufklären will, was tatsächlich passiert ist und wie sinnlos die Eskalation von Seiten der Polizei war. „Die Tage von Gezi“ ist ein schonungslos ehrliches Buch, das man, hat man sich einmal eingelesen, nicht mehr aus der Hand legen kann. Kategorie: lesen!

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  • Ein Reporter in der Bredouille!

    Die Tage von Gezi
    wandablue

    wandablue

    Ein Reporter in der Bredouille! Wenn Berichterstatter beginnen, Romane zu schreiben, kann es kritisch werden, denn Reportagen sind keine belletristischen Texte und ein Reporter hat einen anderen Fokus als ein Dichter. Belletristik heisst jedoch „schöne“ Literatur und erfordert letzteren, die knappe Vermittlung von Information braucht ersteren. Und hier liegt der Hase im Pfeffer bei „Den Tagen von Gezi“. Denn Martin Niessen ist ein hervorragender Reporter, der es dichterisch, zumindest, was dieses Buch angeht, aber einfach nicht drauf hat. Und wenn ihn sein Anliegen dazu treibt, sich in Literatur zu versuchen, um auch Menschen zu gewinnen, die kein Sachbuch in die Hand nähmen, ist er „ein Reporter in der Bredouille!“ Seine drei Protagonisten Marc, ein englischer Journalist, Kathrin, eine deutsche Gastdozentin in Istanbul und Mine, eine junge Türkin aus gutem Haus, verheiratet mit Vedat, einem Polizisten, erleben hautnah „Die Tage von Gezi“, d.h. jene paar Tage vom 28. Mai bis zum 22. Juni 2013 als in Istanbul der Teufel los war und eine Protestbewegung Zehntausende türkischer Bürger erfasst und sich Menschen im ganzen Land mit ihnen solidarisieren, darunter auch rivalisierende Gruppierungen. Und wer hat nicht noch im Gedächtnis, wie der Strassenmusiker Davide Martello mitten im Getümmel auf dem Taksim Platz auf seinem fahrbaren Klavier spielte? „Überall ist Taksim, überall ist Widerstand“ rufen die Demonstranten. Wieviel gelebte Demokratie ist möglich in der wunderschönen Stadt am Marmarameer? Das Zitat: „Demokratie ist eine Straßenbahn aus der wir aussteigen, wenn wir unser Ziel erreicht haben“ wird jedenfalls Recep Tacip Erdogan, dem amtierenden türkischen Premier, zugeschrieben, der in den Tagen von Gezi so rein gar nichts von Mitsprache und Dialog hält und mit aller Brutalität und Härte gegen sein Volk vorgeht, es öffentlich als Plünderer und Terroristen beschimpft und bedroht. „TOMA geldi!“, (Die Wasserwerfer kommen!) gellen die Schreie der Menschen durch die Straßen und Tränengaskartuschen vernebeln die Sicht. Schliesslich gibt es über 8000 Verletzte, einige Tote und viele sind blind geworden. Muss man über diesen Skandal nicht ein Buch schreiben? Das Engagement und die persönliche Betroffenheit des Politologen und Islamwissenschaftlers Martin Niessen, der in Hamburg und Istanbul lebt, spürt man ihm in jeder Zeile ab. Ist es wirklich weltweit unbekannt, dass in der Türkei mehr Journalisten in den Gefängnissen sitzen als in allen anderen Staaten, einschliesslich China? Doch seine Protagonisten sind nur ärgerlich. Sobald es um soziale Interaktion geht, wird es kitschig und kindisch, sowohl in der minimalistischen Handlung wie auch sprachlich; zahlreiche Stilblüten lassen mich seufzend an Schüleraufsätze denken, mein Rotstift zuckt. Mine, Kathrin und Marc sind natürlich Funktionsträger und sollen Wissen vermitteln. Im Endeffekt haben sie jedoch mehr geschadet als genutzt, denn nur im Informationsteil ist der Autor gut. Schade, dass er sein Anliegen nicht in einer anderen Form vorgebracht hat oder aber mehr Fleisch auf die beklagenswert mageren Rippen seiner Handlungsträger gepackt hat. Fazit: Viel Wissensvermittlung, ein Maximum an politischem Input, jedoch ist die literarische Umsetzung missglückt. Dennoch vergebe ich für „Die Tage von Gezi“ mit viel Wohlwollen 2,5 Punkte, die ich auf drei Sterne aufrunde, und dies wegen der Brisanz der Thematik, die trotz allem Kritikwürdigen einige Leser verdient und am besten mit einem Zitat des Autors: „Der Geist der Freiheit ist aus der Flasche und lässt sich so einfach nicht wieder hineinprügeln“ (ursprgl. im Imperfekt) charakterisiert ist.

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