Martin Osterberg Das kalte Haus

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Inhaltsangabe zu „Das kalte Haus“ von Martin Osterberg

Martin Osterberg hat Eltern und einen Bruder, aber er will mit ihnen am liebsten nichts zu tun haben. Denn bis er selbst eine Familie gründet, verbindet er damit nichts Liebevolles, sondern vor allem Sprachlosigkeit und Ablehnung. Heute Anfang Fünfzig beschreibt er beklemmend und ohne Larmoyanz, was viele Männer seiner Generation erlebten: Die emotionale Verwahrlosung und Kälte einer Zweckgemeinschaft, in der materieller Wohlstand und Leistung wichtig sind, die Väter meist abwesend oder desinteressiert und die Mütter hilflos. Was in der Kindheit beginnt und in der Pubertät eskaliert, setzt sich im Erwachsenenalter fort: Sein Vater bezeichnet ihn bei einem seiner seltenen Besuche als »Arschloch«, seine Mutter schweigt. Er braucht fast ein ganzes Leben, um sich von seinen Eltern und deren Bild von ihm zu lösen.

Interessant, gut geschrieben, aber zäh

— Daniel_Allertseder
Daniel_Allertseder

Sehr beklemmend, leider zeitweise langatmig.

— Sommerregen
Sommerregen

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  • Interessant, gut geschrieben, aber zäh

    Das kalte Haus
    Daniel_Allertseder

    Daniel_Allertseder

    22. April 2017 um 19:47

    Meine Meinung   »Das kalte Haus« ist ein autobiographischer Roman von Martin Osterberg, der diese Erzählung als Pseudonym verfasst hat. Das Cover zeigt eine Milchflasche sowie ein Glas voll mit Milch, die in einer Milchlache stehen. Das Cover symbolisiert die zerbrochene Familie und die fürchterlichen Erinnerungen hinter einer heilen Fassade.   Martin Osterberg erzählt in seinem Buch in klug aufgeteilten Kapiteln seine tragische Familiengeschichte in seinen Lebensjahren. Mit drei Jahren begonnen und mit fünfzig Jahren beendet beschreibt der Autor die Geschichte von sich und seiner Familie; seinem Vater, seiner Mutter und seinem Bruder. Dabei ist der wechselnde Schreibstil sehr zu beachten: Als Kind wird alles und jenes kindlich und mit einfachen Worten beschrieben, mit umständlichen Umschreibungen und nur mit Vater, Mutter, Bruder und Oma, es fallen wenige Namen. Je älter der Autor wurde, umso präziser und einfacher wurde die Sprache, und der Umschwung von Jahr zu Jahr war relativ einfach. In den einzelnen Kapiteln, die jeweils ein Lebensjahr darstellen sollten, werden immer wieder ein oder zwei Themen angesprochen, dazu eine großzügig verfasste Vorgeschichte. Der Autor erzählte von seinem Jahr, von Umständen in Schule, Familie und Freizeit, von Schikanen, Lieben und Personen, die ihm das Leben erleichtert oder erschwert haben.   Kritisieren muss ich leider den Stil der Erzählung: Das Buch wirkt zäh und langgezogen, man findet nur wenige Passagen, die die Stimmung für nur wenige Sekunden heben. Sehr schade fand ich auch, dass das Buch im immer selben Schema dahinsickert. Der Autor erzählt von seinen Jahren, von seiner Familie, von seinem Leben, doch, auch wenn es autobiographische Elemente besitzt, hätte es doch etwas spannender, oder zumindest aufregender, geschrieben werden können.     Interessant und überraschend ist das Buch schon, ja, und auch der Schreibstil weckt Neugierde, aber leider war das Buch sehr zäh und auch an einigen Stellen langweilig. Man sollte den Autor aber trotzdem bewundern und respektieren, da er den Mut aufgebracht hat, seine Familiengeschichte niederzuschreiben und diese auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich schätze Martin Osterberg, nicht weniger, weil ich seine Geschichte auch mit meiner in einigen Punkten identifizieren kann. Sehr bemerkenswert und erschütternd ist das Zitat auf Seite 15: „Ich habe einen Vater. Ich habe eine Mutter. Ich habe einen Bruder. Ich fühle nichts. Ich bin 49 Jahre alt. Ich bin ein Arschloch.“   Und nein, Herr Osterberg, Sie sind kein »Arschloch«! ​Fazit   Interessant geschrieben und eine traurige Geschichte, die uns zeigt, dass nicht jede Familie glücklich ist, trotz heiler Fassade. Etwas zäh, dennoch aber empfehlenswert!

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  • Weil eine sorgenfreie Kindheit nicht alles ist...

    Das kalte Haus
    Sommerregen

    Sommerregen

    18. April 2017 um 12:39

    Martin Osterberg, Pseudonym eines Berliner Journalisten, hat mittlerweile zwei Kinder im erwachsenen Alter. Mit der von seiner Frau und ihm gegründeten Familie ist er, trotz gelegentlicher Schwierigkeiten, sehr glücklich. Dennoch lässt ihn seine Stammfamilie nicht los, niemals kann er ihrer kalten Atmosphäre entfliehen. Obwohl er eine sorgenfreie Kindheit hatte, wie man es wohl nennen würde, hatte er bei weitem keine glückliche oder gute. Seine heile Familie war von Distanz geprägt, eine Grundhaltung die Martin schwer zu schaffen machte und es noch immer tut. Seine Eltern sind als Kriegskinder nicht einmal bewusst kühl, reserviert und lieblos, sondern kennen diese Art des Zusammenlebens aus eigener Erfahrung und erachten sie als normal. Besonders schmerzhaft ist für den Protagonisten die defizitäre Beziehung zu seinem Vater, der ihn mal ignoriert oder ihn zu anderer Gelegenheit als ein Arschloch bezeichnet; keineswegs im Streit sondern eher als allgemeine Feststellung.Erzählt werden in diesem Buch Episoden aus Martins Kindheit, seiner Jugend sowie seinem Erwachsenenalter in deren Verlauf er immer mehr versucht, sich seiner Familie loszusagen. Doch verfolgt sie ihn auch noch als er dieses Buch schreibt - obwohl es besser geworden ist."Ich bin Veteran des Krieges zwischen mir und meinem Vater." (S.8) Und dieser Kampf beginnt leider schon sehr früh und bleibt meist unterschwellig spürbar. Doch auch die Mutter kann der Familie keine Liebe oder Fürsorge einhauchen, stattdessen gibt sie jedes Mal wenn Besuch kommt eine Inszenierung ab, sodass nach Außen hin alles normal wirkt. So wird aus kritischen Kommentaren beim Betreten des Kinderzimmers ein sorgsames "Braucht ihr noch etwas?".Martins Versuche, sich aus dem Familienleben zurückzuziehen kann man immer besser erkennen, wenn er beginnt immer mehr zu lesen und ihm bald die Bücher ausgehen.Während des gesamten Buches wird bei Dialogen auf die Anführungszeichen verzichtet, was mich zwar zunehmend störte, aber bestens zu der bedrückenden Stimmung passte und sie noch zu verstärken vermochte. Beklemmend sind die meisten Abschnitte des Buches, denn man spürt sehr schnell, dass eine Familie so nicht sein sollte. Und dennoch ist Martins Geschichte und Familie nicht untypisch für die damalige Zeit - es regt zum Nachdenken an, dass viele Menschen unter einem derart kalten Haus gelitten haben und sich ein Zuhause, einen Ort, an den man wiederkehren kann, an dem man in Sicherheit ist, gewünscht haben.Mit "Das kalte Haus" geht Osterberg einen weiteren Schritt von seinen Eltern weg und auf ein eigenes, unabhängiges Leben zu. Auch wenn ihm die vollständige Abnabelung wohl niemals gelingen wird, da er von der Familiensituation viel zu sehr geprägt und gefangen ist. Und vergessen kann man etwas solches nicht einfach. Die Eltern werden einen immer begleiten - selbst wenn sie bereits seit Jahren verstorben sein sollten, bahnen sie sich doch stets den Weg in die Gedanken ihres Kindes oder tauchen plötzlich und unerwartet in Form einer Erinnerung wieder auf."Ich habe einen Vater.Ich habe eine Mutter.Ich habe einen Bruder.Ich fühle nichts."Leider hat das Buch, da der Autor so viele unterschiedliche Situationen wie nur eben möglich zu schildern versucht, durchaus passagenweise auch seine Längen. Obwohl das Thema ausgesprochen spannend ist, musste ich mich gelegentlich aufrappeln, weiterzulesen. Da dieses Buch keine leichte Lektüre ist, lässt es sich keineswegs an einem Stück lesen. Irgendwann ist immer ein Punkt erreicht da man abbrechen muss, um das Gelesene erst einmal zu rekapitulieren und zu verarbeiten.Empfehlen kann ich das Buch durchaus, da es einem zeigt, woran es einer Familie nicht mangeln darf: An Wärme, Zuneigung, Verständnis, Interesse und auch einer gesunden Kritikfähigkeit.

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  • Eine ganz erstaunliche Befreiungsgeschichte

    Das kalte Haus
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    05. April 2017 um 11:24

    „Ich habe einen Vater.Ich habe eine Mutter.Ich habe einen Bruder.Ich fühle nichts.“Als ich diese Worte auf der inneren Umschlagsseite des vorliegenden Buches des unter dem Pseudonym Martin Osterberg schreibenden Berliner Journalisten las, da schüttelte es mich bis in mein Innerstes. Denn haargenau fand ich mit diesen vier Aussagesätzen beschrieben, wie es mir heute mit meiner Herkunftsfamilie geht, mit der ich genau wie der Autor schon lange keinen Kontakt mehr habe.Er beschreibt in Worten, die mich bei der Lektüre immer wieder erkennend und mitfühlend zusammenzucken ließen, seine unglückliche Kindheit in einer heilen Familie. Es ist die Geschichte eines langen Kampfes um emotionale Selbstbestimmung. Selbst als er selbst eine eigene Familien gründet, kann er sich von dem kalten Schatten seiner Herkunftsfamilie nicht lösen und erst jetzt, nachdem seine eigenen beiden Kinder schon erwachsen sind, findet er die Kraft, sich schreibend und erinnernd von seinen Eltern und deren Bild von ihm zu lösen.Eine ganz erstaunliche Befreiungsgeschichte, die Menschen Mut machen kann, die sich in einer ähnlichen Zwickmühle befinden. Allein in meinem direkten Umkreis kenne ich viele Menschen, die selbst schon über sechzig sind, und denen die noch lebenden oder auch schon toten Eltern mit ihren Ansprüchen und Normen und Bewertungen das eigene Leben vergällen.Und das Buch kann für alle die ein wichtiges Lehrstück sein, die in ihrer eigenen Familie mit ihren Kindern so leben wollen, dass ihre Kinder dereinst nicht genauso urteilen müssen wie Martin Osterberg:„Ich habe einen Vater.Ich habe eine Mutter.Ich habe einen Bruder.Ich fühle nichts.“

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