Martin Roda Becher an den grenzen des staunens. aufsätze zur phantastischen literatur

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Inhaltsangabe zu „an den grenzen des staunens. aufsätze zur phantastischen literatur“ von Martin Roda Becher

"Die Welt des Phantastischen ist eisig kalt, doch leserfreundlich, in ihrer Unzugänglichkeit ist sie archaisch einfach, sie erfüllt mit Angst und baut zugleich Ängste ab." Das ist eine der brillant formulierten Tehesen des Autors in seiner Auseinandersetzung mit der phantastischen Literatur, Teils befassen sich die Essays dieser Sammlung mit einzelnen Autoren wie J.L. Borges, Raymond Roussel, Ernst Jünger, Botho Strauß, Italo Calvino, J.G. Ballard, Stanislaw Lem und anderen, teils mit spezifischen Aspekten phantastischer Literatur, teils auch mit den Schnittstellen zwischen Literatur und Wissenschaft, Rationalem und Irrationalem

Wer eine Einführung in die Phantastik lesen will, die essayistisch, vergnüglich zu lesen ist, aber dennoch an grundlegenden wissenschaftlichen Referenzen nicht krankt, der ist hier genau richtig und wird sich über todorovs phantastikbegriff ebenso informieren können, wie über die anfänglichen betrachtungen dieses genres.

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  • Rezension zu "an den grenzen des staunens. aufsätze zur phantastischen literatur" von Martin Roda Becher

    an den grenzen des staunens. aufsätze zur phantastischen literatur
    Ein LovelyBooks-Nutzer

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    20. September 2009 um 14:24

    Becher eröffnet seinen Band über die phantastische Literatur und deren Verschränkung mit der Wissenschaft damit, „daß ein Aufsatz über phantastische Literatur selbst phantastischer Züge nicht entraten darf, soll er nicht seinen Verfasser als einen Gegner des ganzen Genres entlarven.“ Dies ist eine recht vage und leicht zu verwerfende These. Denn im Hinblick auf die Wesenszüge und Eigenheiten der phantastischen Literatur, die sich vor allem auch dem rational Erklärbaren entziehen, sollte sich eine eher wissenschaftliche Arbeit vor allem darin äußern, dass das Phantastische in den erkennbaren Charakteristiken, Kennzeichen, Eigenschaften beschrieben und anhand wissenschaftlich geordneter Stränge aufgezeigt werden soll. Offensichtlich distanziert sich Becher schon in der Eröffnung seines Bandes, das in die Reihen der Phantastischen Bibliothek im Suhrkamp Verlag eingegliedert ist, von einer geradlinig wissenschaftlichen Arbeit. Becher setzt sich in diesem Band einerseits mit Phantastik und Literatur, andererseits mit Phantastik und Wissenschaft auseinander. Er nähert sich dem Begriff des Phantastischen auch mit psychologischen Gedankengängen, setzt sich mit C.G. Jung auseinander, bei der Becher bemerkt, dass „durch nicht wenige Texte der phantastischen Literatur […] der Leser in ein Geschehen einbezogen [wird], in dem die Auflösung des Ich-Komplexes als eine Art von innerem Naturschauspiel vorgeführt wird.“ Damit versucht Martin Roda Becher, der phantastische Literatur die psychologische Nuance abzugewinnen und gewisse psychologischen Schemata auf die Schreibweisen der phantastischen Werke zu stülpen. Dennoch muss festgehalten werden, dass es dem Buch von Martin Roda Becher ein wenig an wissenschaftlicher Genauigkeit, an eigens eingeführten Grenzen und Gesetzesmäßigkeiten fehlt, die diese Arbeit zu einem einführenden und handhabenden Buch über die Phantastik und deren Eigenarten auch für einen Studenten machen könnten. Aber gerade auch durch die eher wissenschaftlich laxere Haltung wird dieses Buch in seiner Lesbarkeit enorm gesteigert und wird für den Leser, der keine absolute Wissenschaftlichkeit erwartet, zu einem interessanten Einstieg in die Sphären der Phantastik. Viele Autoren, die sich sowohl mit dem Genre der phantastischen Literatur in schreibender Weise beschäftigt haben, werden hier genannt, aber auch Theoretiker auf diesem Gebiet erwähnt Becher und birgt so auf weiten Gebieten Möglichkeit, sich mit dem Thema noch weiter auseinander zu setzen, oder aber durch dieses Buch einen kleinen Einblick in die Welt der Phantastik erhascht zu haben. In der Tat versucht Becher, dem Leser das Verständnis für die phantastische Literatur nahe zu bringen, davon zeugt allein das kleine Kapitel Übung, in dem in fünf Punkten die Selbstwahrnehmung des Lesers auf die Probe gestellt werden soll. Die sogenannten „Vorschläge zur Erlangung des richtigen Verständnisses für phantastische Literatur“ wirken allerdings ein wenig bemüht und sind immer an bestimmte Leseerfahrungen des Autors Martin Roda Becher gebunden, wie man meinen könnte. Des Weiteren wird durch die fünf Punkte die Wahrnehmung des Lesers innerhalb der phantastischen Literatur eher auf inhaltliche Aspekte gelenkt und ein Verständnis oder ein sensibilisiertes Achten auf das Wie der Erzählung scheint vollkommen ausgegrenzt. Dennoch erscheint dieser kleine Band als durchaus lesens- und unterhaltenswert für den kritischen Leser, der sich mit dem Thema noch näher auseinander setzen möchte und hier nicht die allgemeine Wahrheit über phantastische Literatur sucht.

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