Martin Schäuble Dschihadisten - Feldforschung in den Milieus

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Inhaltsangabe zu „Dschihadisten - Feldforschung in den Milieus“ von Martin Schäuble

Der Sozialforscher Martin Schäuble zeichnet aufmerksam die Biografien von Daniel und Sa’ed nach: ein deutscher Konvertit, der einen Anschlag verüben wollte; und ein Palästinenser, der ein Selbstmordattentat ausführte. Im Unterschied zu „Black Box Dschihad“ analysiert der Autor in seiner hier vorliegenden Dissertation die Biografien detailliert. Wie sind die Brüche in Kindheit und Jugend der beiden Personen zu bewerten? Was öffnet Menschen aus so unterschiedlichen Lebens-welten für die Dschihad-Ideologie? Welche Rolle spielen Bindungen und Autoritäten? Und: Was sagt das über die Gesellschaft aus, in der sie lebten? Für seine Analysen beriet sich der Autor mit Psychologen, er befragte den Terrorismus-Experten Peter Waldmann, den Entwicklungspsychologen Rolf Oerter, sprach mit Hip-Hop-Forschern, Soziologen und vielen weiteren. Umfassend geht der Autor auf seine Methodik, die Feldforschung, ein und erklärt, wieso es zwingend ist, den Schreibtisch zu verlassen und sich selbst an die Orte des Geschehens zu begeben.

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  • Rezension zu "Dschihadisten - Feldforschung in den Milieus" von Martin Schäuble

    Dschihadisten - Feldforschung in den Milieus

    WinfriedStanzick

    01. February 2012 um 09:26

    Schon in seinem 2007 veröffentlichten Buch "Die Geschichte der Israelis und Palästinenser", einem beispielhaften Buch über einen unendlichen Konflikt, hatte sich der freie Autor und Sozialforscher Martin Schäuble als ein profunder und unabhängiger Kenner der Geschichte und der aktuellen Situation im Nahen Osten gezeigt. Selten konnte man, für Jugendliche, aber für Erwachsene anschaulich aufbreitet, diesen nach wie vor existierenden Konflikt so gut verstehen. Schon damals zeichnete Martin Schäubles Arbeit aus, dass er nicht aus der Distanz recherchierte und schrieb, sondern dass er Betroffene zu Wort kommen ließ, ohne deren Aussagen gleich zu bewerten. Aus den unterschiedlichen Berichten von Palästinenser und Israelis sollte der jugendliche Leser sich eine eigene Meinung bilden. Diese Art der schriftstellerischen und sozialforschenden Arbeit hat er auch in seinem neuen Buch angewendet, für das seine Rechercheleistung und die vielen Reisen, die er unternehmen und die zahllosen Gespräche, die er führen musste, noch umfangreicher waren als bei dem ersten. Er erzählt parallel die Lebensgeschichten von Daniel, einem als Mitglied der Sauerland-Gruppe verhafteten und verurteilten Dschihadisten und von Saed, der in Nablus aufwächst und als Selbstmordattentäter in Israel viele Menschen mit sich in den Tod reißt. Wie kommt es, dass hier im Saarland, wo Daniel aufwuchs und dort in Nablus, wo Saed lebte, ein Jugendlicher zum Dschihadisten wird ? Das ist die Frage, die Schäuble interessiert und der er vorurteilsfrei nachgegangen ist. Um an aussagekräftige Quellen zu kommen, das Lebensumfeld der beiden jungen Männer hier wie dort kennenzulernen und selbst zu spüren und mit Menschen zu sprechen, die zum Leben dieser beiden dazugehörten, (Familie, Nachbarn, Freunde, Lehrer etc.), hat Martin Schäuble wie ein echter Anthropologe jeweils mehrere Monate im "Feld" gelebt. Er wohnte lange Zeit im Saarland, wo er das Leben von Daniel recherchierte und er hielt sich mehrere Monate in Nablus auf, wo er nicht nur die Geschichte von Saed erforschte und besser verstand, sondern auch eine ganze von Gewalt geprägte Kultur. Das Buch eignet sich hervorragend als Einführung in eine komplexe Thematik. Schäuble will verstehen, wie ein junger Mann zum Dschihadisten wird. Bei Daniel, dem Sauerland-Bomber, kommt er zu dem Schluss: "Im Falle des deutschen Konvertiten sind unter anderem fehlende Bindungen und gestörte Beziehungen verantwortlich", und bei Saed konstatiert er: "Das Lebensfundament des Palästinensers ist auch nachdrücklich durch die alltägliche Gewalterfahrung in den besetzten Gebieten gestört worden." Das hier anzuzeigende, zeitgleich erschienene Buch "Dschihadisten. Feldforschung in den Milieus. Die Analyse zu ‚Black Box Dschihad’", das bei Hans Schiler verlegt wurde, bietet Lesern, die „Black Box Dschihad“ gelesen haben, neben dem auch hier abgedruckten Originaltext noch ausführlichere weitere soziologische, sozialpsychologische und soziohistorische Hintergrundinformationen. Martin Schäuble geht hier, mehr als in dem speziell an Jugendliche gerichteten „Black Box Dschihad“ auf seine besondere Form der Feldforschung ein, und beschreibt sehr überzeugend, wieso es dringend notwendig ist, selbst an die Orte des Geschehens zu gehen, will man irgendetwas verstehen davon, wie dort in Israel und den besetzten Gebieten und hier bei uns , quasi vor unserer Haustür, junge Männer zu Dschihadisten werden. Von besonderem Interesse waren für mich die am Ende des Buches abgedruckten Interviews des Autors, die 2008 mit dem Entwicklungspsychologen Rolf Oerter, dem Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer und der Religionswissenschaftlerin Monika Wohlrab-Sahr geführt hat. Martin Schäuble befindet sich zur Zeit für die Recherchen und Feldforschungen zu einem neuen Buch in Israel. Wir dürfen es mit Spannung erwarten und ich werde es sicher an dieser Stelle besprechen.

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