Martin Seel Aktive Passivität

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Inhaltsangabe zu „Aktive Passivität“ von Martin Seel

Von der aktiven und passiven Natur des Menschen – die wichtigsten aktuellen Essays von Martin Seel, dem eleganten Stilisten unter den deutschen Philosophen

Alles menschliche Verhalten steht in einer grundlegenden Polarität von Bestimmtsein und Bestimmendsein. Könnten wir uns nicht bestimmen lassen, könnten wir nichts bestimmen – weder uns selbst noch die Welt, in der wir uns vorfinden. Von dieser zugleich aktiven und passiven Natur des Menschen handelt das neue Buch von Martin Seel. Scheinbar ganz klassisch verfolgen die hier versammelten Texte ihr Grundmotiv im Blick auf das Wahre, Gute und Schöne, um die spannungsreichen Beziehungen von Wissen und Nichtwissen, Anerkennung und Aufmerksamheit, Expressitivät und Imagination zu erkunden. Philosophieren heißt nun einmal, sich auf eine Kreuzfahrt zwischen Regionen unseres Selbstverständnisses zu begeben, die niemals vollständig erschlossen werden können.

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  • Bestimmen wir unser Leben, werden wir bestimmt oder stimmt beides nicht?

    Aktive Passivität

    michael_lehmann-pape

    09. September 2014 um 11:53

    Bestimmen wir unser Leben, werden wir bestimmt oder stimmt beides nicht? Der Titel des Buches (der auf Adorno zurück geht) ist natürlich bereits ein Widerspruch und führt damit als Wortspiel bereits mitten hinein in das Thema Seels, welches er im Buch von verschiedenen Seiten her sehr verständlich und flüssig zu lesen hin anvisiert. Ähnlich wie Watzlawicks Feststellung der „Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren“, verweist Seel darauf, dass mit jedem Zucken an Lebensäußerung der Mensch zugleich „bestimmt und bestimmend“ sich wiederfindet, somit diese Spannung und Reibung zwischen dem „aktiven Bestimmen des eigenen Weges und des anderer“ und des „passiven bestimmt Werden auf seinem Weg“ eine Grundverfasstheit menschlichen Seins darstellt. „Personen können ihre Unabhängigkeit nun einmal nur in Abhängigkeit von anderen und anderem gewinnen“. Aktiv und passiv, bestimmend und bestimmt, Grundbedingungen, welche das Handeln und Denken betreffen. „Wir verfügen weder über die Welt, noch über uns selbst“. Gedanklich keine einfachen Überlegungen, welche Seel anbietet und welche er in seinen drei Hauptteilen „Vom Wahren – Vom Guten – Vom Schönen“ aus vielfachen Richtungen her „andenkt“. Wobei dem Buch die leichte Ironie, das „Leichte“, welches Seel wunderbar zu nutzen versteht, gut zu Gesicht steht. Dennoch fordert Seel das Denken mit seinen Überlegungen heraus, muss der Leser hier und da mehrfach lesen, sich abstrakte Vorgänge bildlich darzustellen versuchen, um seinen Weg durch die Dualismen und die Dialektik dieser Grundreibung zu finden. Einen guten Einstieg in das Thema (wenn auch vielfache Fäden auch von ganz anderen Seiten heraus im Buch gesponnen werden) ist sicherlich das Namensgebende Kapitel im zweiten Hauptteil „Vom Guten“, in welchem Seel die „aktive Passivität“ als „ästhetische Variante der Freiheit“ setzt. Subjekte sind nur in der Lage, mit sich selbst zu kommunizieren, wenn sie zugleich die fähig bleiben, über sich hinauszugehen (Hegel). Gerade nun im Feld des Ästhetischen findet sich ein besonderer, erkennbarer Moment der „Ausübung der Freiheit zur Selbstbestimmung“ („über Geschmack lässt sich nicht streiten“, wie man so schön sagt). Mehr noch, sie Frage der persönlichen Freiheit findet in der Ästhetik ihr genuines „Spielfeld“, von dem heraus auch andere Ebenen persönlicher Freiheit(en) sich entfalten oder abgeleitet werden können. Aber auch hier, trotzdem eine weitestgehende Freiheit besteht, reine „Selbstbestimmung“ findet auch hier nicht ihren Platz, denn das ästhetisches Objekt selbst bestimmt die Wahrnehmung ja eindeutig mit, ruft zur „Reaktion“ in einem „passiven Augenblick“, Wiewohl allerdings dann das Subjekt sein „Potential“ hier in bester Weise zu erkennen vermag (Kant). „Im Spiel der ästhetischen Wahrnehmungen sind wir freu für die Erfahrung der Bestimmbarkeit unserer selbst“. Und andersherum gilt, dass durch den Verlust der „ästhetischen Aufmerksamkeit“ uns nicht nur „etwas“, sondern „wir uns selbst“ in erheblichem Maße entgehen würden. Dass der Mensch sich selbst nicht entgeht sondern die Möglichkeiten seiner Freiheit, seine Potentials und der „Bestimmung“ seines Seins erkennt und ausschöpft, in diesen Gedankengängen liegt der Kern dieses Buches vor, welcher in den vielen anderen Zugangswegen im Buch immer wieder betrachtet und neu aufgenommen wird. Insgesamt eine sehr anspruchsvolle, dennoch gut zu lesende Lektüre, die an einer wesentlichen Schnittstelle subjektiven Seins ansetzt und diese aus vielen Richtungen her näher betrachtet. Den Faden dabei wirklich fest im Blick zu behalten ist, trotz des flüssigen Stils, aufgrund der teilweise tiefreichenden und abstrakten philosophischen Überlegungen nicht immer einfach. Dennoch gelingt es Seel im Gesamten, den Spielraum des „Aktiven“ philosophisch zu schärfen und zu benennen. 

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